10 Februar 2017

Auf der Suche nach seinem Namen

- Irina Slowzowa -


Früher oder später fragt sich jeder von uns, wer seine Vorfahren waren.

Wie in einem Klassiker mal bemerkt wurde, werden die Karten manchmal sehr merkwürdig gemischt, so dass man auf einmal feststellt, dass man eigentlich ein Nachkömmling einer namenhaften Familie ist. Wo fängt man eigentlich mit dem Stammbaum an?

Jede Woche kann man im Lesesaal des Deutsch-Russischen Hauses bestimmte Besucher finden, die die Geschichte ihrer Familie wissen wollen und im Lesesaal mit den Verzeichnissen arbeiten. Wie der Historiker für die Geschichte der Russlanddeutschen Alexander Beznosov bemerkt, haben die Besucher früher bestimmte Informationen für die Ausreise nach Deutschland gebraucht. Heute jedoch haben die Nachfragen ein anderes Ziel. Die Zahl der Anfragen wächst, es gibt sogar Anfragen von deutschen Staatsangehörigen.

Das erste, was man dabei wissen sollte ist, zu welcher Kategorie der Russlanddeutschen sie gehören: Kolonisten (Schwarzmeerdeutsche oder Wolgadeutsche) oder zur einer städtischen Gemeinde. Danach beginnt die Arbeit in den elektronischen Datenbanken (eine davon kann auf RusDetusch.ru finden). Elena Netschaeva, eine erfahrene Historikerin und Archivarin, die 22 Jahre lang im staatlichen Archiv des Gebiets Saratov gearbeitet hat, fasst das Wichtigste in Sachen Stammbaum für unsere Leser zusammen. „Die Anfragen den eigenen Stammbaum wiederherzustellen nehmen in letzter Zeit wirklich zu. Sehr oft sind die Informationen über die Vorfahren, die den Suchern bekannt sind sehr bescheiden“,  stellt Elena Netschaeva aus eigener Erfahrung fest.  „Die erste Frage die dann gestellt wird, ist die, wie und wo kann man zu Informationen über seinen deutschen Namen finden. Da sind dann Angaben zum Wohnort, Geburtsdatum, Heirats- oder Sterbeurkunden der möglichen Verwandten sehr wichtig.“

Wenn es jedoch keine Informationen gibt, dann ist es sinnvoll, in Archiven bestimmter Organisationen zu suchen, ob es vielleicht irgendwelche Hinweise gibt. Darunter sollte man zuerst bei Gebietsinformationszentren der Generaldirektion des Innenministeriums  der Russischen Föderation nachfragen, da kann man Unterlagen über die Zwangsaussiedlung der Russlanddeutschen 1941 (Listen der Familien mit Angaben des Alters und Verwandtschaftsgrad, sowie Wohnort zum Zeitpunkt der Vertreibung), zu den Repressionen der Andersdenkenden (Enteignung, Vorbestrafung usw.) finden. Der nächste Schritt wäre dann das Standesamt, da kann man aktuelle Informationen seit 1924 finden.

Wenn man jedoch über bestimmte Daten seiner Verwandten verfügt, dann gibt es die Möglichkeit, direkt in den zuständigen Archiven nachzufragen: staatliche Gebietsarchive oder die der GUS-Staaten, aus dessen Ortschaften die Verwandten Mitte des 20. Jahrhunderts nach Deutschland umgezogen sind. In Russland gibt  es Staatsarchive in Moskau und St. Petersburg. Ebenso sind Anfragen in folgenden Gebietsarchiven möglich: Saratov, Volgograd, Samara, Tomsk, Ekaterinenburg, in der Ukraine - Odessa, Lugansk, Saporozskij und andere. In diesen Archiven sollte man folgende Unterlagen anfragen: Liste der Aussiedler, Geburtsbücher, Revisionslisten (Volkszählungen) der Jahre 1798, 1811, 1834, 1850 und 1858, Volkszählungen der Ersten Allrussischen Volkszählung 1896 und 1897, sowie der landwirtschaftlichen Zählung 1916. Von Interesse wären dabei auch die Ausreisepässe in das Russische Reich. Diese Bücher kann man im Staatlichen Historischen Archiv der Wolgadeutschen in Engels finden. Dabei ist zu erwähnen, dass diese Listen oft nur statistische Informationen über die Einwohner der Dörfer oder Städte beinhalten, oder Informationen nur über das Familienhaupt, ohne Angaben über die komplette Familie sowie des Alters der Familienangehörigen. All diese Umstände können die Dauer der Suche sehr beeinflussen.

Ein Problem dabei ist auch, dass viele Unterlagen in Latein sind und in gotischer Schrift gestaltet sind und deshalb schwer lesbar sind. Archivdetails: Es wurde festgestellt, dass bei der Suche Anhänger der römisch-katholischen Kirche mehr Glück als Evangelische haben. Das hängt damit zusammen, dass die katholische Kirche viel mehr Bücher erhalten hat. Was das Staatsarchiv des Gebiets Saratov angeht, so kann man dort Unterlagen der katholischen Kirche Saratov, Samara sowie des Gebiets Kubanj, Tavria, Bessarabien, Krim, Cherson, Odessa, Kaukasus und anderer Regionen finden.

Wenn es aber um eine umfangreiche Informationsmenge geht, die durch Unterlagen ( Dorf, Stadt, Familie, Stamm) belegt werden kann, dann muss man mit einer Dauer von etwa einem bis eineinhalb Jahre rechnen, bis alle vorhandene Informationen zusammengeführt und untersucht werden können. Eine schnelle negative Antwort auf die Anfrage bekommt man nur dann, wenn keinerlei Unterlagen vorhanden sind und es keine Möglichkeit auf deren Wiederherstellung  besteht.

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