06 März 2017

Stifte raus, wir schreiben ein Diktat!


In russischen Schulen, Universitäten und Deutsch-Russischen Begegnungshäusern schrieben rund tausend Menschen fast zeitgleich das „Totale Diktat“ - eine Aktion, die junge Erwachsene animieren soll, Deutsch zu lernen

Deutsche Sprache – schwere Sprache, lautet ein bekannter Spruch. Auch Mark Twain mokierte auf amüsante Weise in seinem berühmten Essay „Die schreckliche deutsche Sprache“, wie verwirrend die Sprache doch sei. Eine Sprache, in der es mehr Ausnahmen als Beispiele für diese Regel gäbe und in der Substantive endlos aneinander gereiht werden können. Auch im russischen Internet witzelt man über die vielen Stolpersteine der deutschen Sprache.

Diejenigen, die sich nicht irritieren lassen und Deutsch lernen, sind stolz darauf, schwierige Worte aussprechen zu können und erklären ihrem Umfeld gerne mal die Bedeutung. Bei der Aktion „Totales Diktat“ konnten Deutschlernende die Probe aufs Exempel machen, wie gut sie die Sprache von Goethe und Schiller beherrschen.

Bereits zum fünften Mal fand die Veranstaltung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur und des Deutsch-Russischen Hauses in Tomsk statt. Unterstüzt wird das Projekt vom russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft. Passend zum Internationalen Tag der Muttersprache wurde die Aufmerksamkeit auf die deutsche Sprache gelenkt, um sie in Russland beliebter zu machen.

Nach wie vor werden Fachkräfte, die über Deutschkenntnisse verfügen, hierzulande geschätzt, teilte bei der Eröffnung der Veranstaltung Artem Lysenko mit. Er ist Leiter des Moskauer Büros des Deutsch-Russischen Forums und weiß, wovon er spricht. Das Deutsch-Russische Forum biete jungen Menschen, die über gute Deutschkenntnisse verfügen, viele Programmmöglichkeiten an. Leider stelle er fest, dass es jedes Jahr immer weniger Kandidaten gäbe, die sich dafür bewerben. „Junge Menschen, die heute Deutsch lernen, können sich über gute Perspektiven freuen“, so Lysenko.

Rund tausend Menschen in ganz Russland spitzten fast gleichzeitg ihre Ohren, um ein Diktat zu schreiben. Auch eine Schulklasse aus dem Nordkaukasus war dabei. „Die Schüler lieben Deutsch. Sie lesen und reden viel und machen bei Rhetorikwettbewerben mit“, berichtet ihre Lehrerin Lara Medojti, die davon überzeugt ist, dass Deutsch eine Zukunftssprache ist.

Thematisch waren in diesem Jahr die Diktate der Umwelt und dem Theater gewidmet. Die Texte stammen aus Interviews mit den russlanddeutschen Schauspielerinnen Alisa Freundlich und Tatjana Pilezkaja, aus der Moskauer Deutschen Zeitung und dem Kinderjournal „Schrumdirum“.

Bis zum 17. April wird die Auswertung der Diktate dauern. Erst dann weiß man, wie häufig der Rotstift zum Einsatz kam. Die Namen der Gewinner werden auf dem Portal RusDeutsch veröffentlicht. 

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