12. April 2017

500 Jahre Glauben

Russlanddeutsche in Zentralrussland feierten das 500. Reformationsjubiläum. Vertreter lutherischer Gemeinden aus Moskau, Podmoskovje, Rjasan, Smolensk, Jaroslavl und Novomoskovsk kamen in der Peter und Paul Kirche in Moskau zu einem feierlichen Gottesdienst am Palmsonntag zusammen.

Hier, in der Kirche, fand eine Ausstellung statt, die dem Reformationsjubiläum gewidmet ist. Unter den Exponaten sind alte Bibeln in deutscher Sprache, Gesangsbücher, die "Glaubenslehre Dr. Martin Luthers, erklärt anhand von Fragen und Antworten Karls Kasparis, evangelisch-lutherischer Aufklärer in München" (Ricker-Verlag 1895). Wie wichtig solche Familienbücher sind! Eltern geben diese Bücher seit über zwei Jahrhunderten an ihre Kinder weiter. Großes Interesse erweckte bei den Gästen eine mit Spitze handverzierte Schürze, in der Albina-Luisa Gejder 1915 konfirmiert wurde. Ihre Nachfahren leben in Rjasan. Das einzigartige Ausstellungsstücke brachte ihr Enkel Eduard Springer mit.

Auf der Ausstellung wurden ebenso orginale einzigartige Dokumente präsentiert. Neben der Konfirmationsschürze wurde die Konfirmationsurkunde von Margarita-Elena-Vilgelmina Dempke von 1891 ausgestellt, der Großmutter der Vorsitzenden des überregoinalen Koordinationsrates für russlanddeutsche Begegnungszentren in Nordwestrussland, Natalja Dempke. Des Weiteren sind Geburts- und Taufurkunde Margaritas aus der Kirche des Heiligen Peters in St. Petersburg ausgestellt sowie die Taufurkunde Ekaterina Gleb-Kaschanskajas, der Mutter Natalja Dempkes. Dieses Dokument stammt aus der Peter und Paul Kirche in Moskau aus dem Jahre 1910. 

Die Leiterin der deutschen Autonomie Novomoskovsks Milita Povlozkaja brachte die Geburtsurkunde ihres Onkels Helmut Dewald mit, der am 12. August 1911 im Dorf Alexanderfeld (Kreis Melitopolsk) geboren wurde. Auch die Geburtsurkunde des Vaters Bernhard Landis vom 24. August 1914 aus dem Dorf Karatscha-Kangil (Kreis Simferopol) wurde ausgestellt. 

Nach dem feierlichen Gottesdienst und der Ausstellung fand die Diskussionsrunde "Bedeutung des Glaubens in meiner Familie" statt. Elena Bundarenko und Artis Petersons erzählten von den Reformen Martin Luthers, über die Geschichte der lutherischen Kirche und ihre Entwicklung in Russland. 

Natalja Dempke, Vorsitzende des überregionalen Koordinationsrates für russlanddeutsche Begegnungszentren in Nordwestrussland, erwähnte, dass die lutherische Gemeinde in Kolomna 1999 gegründet wurde und erinnerte an den ersten lutherischen Pfarrer, Peter Uri, der regelmäßig nach Kolomna gekommen war. 

"Ich bin sehr froh, dass wir bei dieser Veranstaltung, die wir mit Unterstützung der zentralen Pfarrei der evangelisch-lutherischen Kirche in Russland, dank Ihrer Vielseitigkeit nicht nur einen feierlichen Gottesdienst besuchen konnten, sondern unsere Organisationsmitglieder auch vieles über die Reformen Luthers und die Dokumentenregelungen lernen konnte. Wir hatten die Möglichkeit, uns zu treffen und zusammen zu verstehen, dass es Russlanddeutsche gibt, denen der lutherische Glaube äußerst wichtig ist." 

Die Diskussionsrunde war lebendig und emotional. Mit den Geistlichen Elena Bondarenko und Artis Peterson erörterten die Teilnehmer Fragen über geistliche Sprache, Möglichkeiten der Weitergabe von historischen Gebäuden wie der Peter und Paul Kirche in Moskau und den Kirchen in Smolensk und Jaroslawl.

Zum Abschluss wurden die Teilnehmer zu einer Exkursion in der Peter und Paul Kirche und einem Orgelkonzert eingeladen. 

 

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