28 Dezember 2017

Olga Martens: "Russlanddeutsche sind kein Archaismus mehr"


Am 27. Dezember trat Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des IVDK, eine Rede während der Sitzung des Koordinationsrats der Deutschen in Westsibirien.

Im Rahmen ihrer Rede setzte Martens Prioritäten bezüglich der Arbeitsrichtungen und perspektivischen Projekten zur Unterstützung der Russlanddeutschen. 

Was die Spracharbeit angeht, sei es im Kontext effektiver Zusammenarbeit notwendig, in Koordinationsräten bestimmte Regeln für die Spracharbeit aufzusetzen. Obwohl der IVDK eine Vielzahl an Projekten für Deutschdozenten anbietet, richten sich einige nicht an die Arbeit der Selbstorganisation. Obwohl die Selbstorganisation bereit wäre, ihre Erfahrungen zu teilen. 

Außerdem wurde nach der Sprachkonferenz im Oktober 2017 die Entscheidung getroffen, lebenslanges Sprachenlernen weiter voranzutreiben. Bisher weist diese Arbeitsrichtung der Selbstorganisation einige Defizite auf. Deswegen werde auch weiterhin an einem System für frühkindliches Deutschlernen mit ethnokulturellen Komponenten gearbeitet und ab jetzt Schulen unterstützt werden, in denen Bildungsprogramme für Deutsch durchgeführt werden. Bisher sind sechs Schulen für diese Maßnahmen geplant, mit einigen Schulen der Region Altai werde noch gesprochen. 

Als nächster Schritt für ein System des lebenslangen Lernens gilt die Partnerschaft zwischen der Universität Bayreuth und den Omsker Universitäten. Des Weiteren teilte Martens mit, dass die Selbstorganisation im nächsten Jahr plane, mehr Deutschunterricht online zu absolvieren. 

Im nächsten Jahr seien auch mehr Aktivitäten in der sozialen Arbeit aufgrund des 75. Jahrestags der Trudarmee geplant, es sind zusätzliche finanzielle Unterstützungen geplant. 

Eine der größten Aufgaben in der sozialen Arbeit ist die Ausarbeitung eines Konzepts zur Unterstützung Russlanddeutscher, da dies mittlerweile zu einer der grundlegendsten Tätigkeiten aufgestiegen ist. Ein neues Konzept sei nötig, da die Verbindungen zu Trudarmisten immer weniger würden, und sich somit auch finanzielle Ausgaben verändern. "Ja, leider verlassen uns immer mehr Trudarmisten, das ist traurig, aber wahr. Doch trotz allem bleibt eine große Zahl an Russlanddeutscher, die soziale Hilfe benötigen". 

Unter zwei Anwesenden waren zwei Gewinner des Wettbewerbs "Russlands herausragende Deutsche 2017" - Elisaveta Graf und Anna Dodonowa. Der Wettbewerb ist ein Projekt der Arbeitsrichtung "Avantgarde". Martens sprach über die Bedeutung des Wettbewerbs und die Tatsache, dass seit 2017 auch die Deutschen der Ukraine und Kasachstan zugelassen sind. 

Als besondere Aspekte der "Avantgarde"-Arbeit des Internationalen Verbands der deutschen Kultur nennte Olga Martens zum einen das Kultur- und Geschäftsforum "Made by Deutschen aus Russland", das jährlich zeitgleich zur Deutsch-Russischen Regierungskommission stattfindet. Das zweite Projekt mit internationaler Bedeutung ist der "Große Katharinenball", in dessem Rahmen der Wettbewerb "Russlands herausragende Deutsche" ausgetragen wird. Dank dieser organisatorischen Verbindung erhalten diese Projekte mediale Präsenz, die wiederum für ein Image der Russlanddeutschen wichtig sind. 

"Daher sind Kultur- und Geschäftszentren, in denen die Selbstorganisation aktiv ist, die größte Priorität in den nächsten Jahren. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr ein Kultur- und Geschäftszentrum im Uralgebiet und in der Region Altai eröffnen können. Die Arbeit in den Zentren in Omsk und Kaliningrad zeigt, dass das Interesse an dieser Art an Projekten gestiegen ist. Die Erhaltung des kulturellen Erbes und Russlanddeutsche werden nicht mehr als Archaismus wahrgenommen, sondern als moderne Mittelsmänner und Multiplikatoren in deutsch-russischer Zusammenarbeit. Deswegen werden von Kultur- und Geschäftszentren Aktivitäten im deutsch-russischen Format erwartet", so Olga Martens. 

Zu Abschluss ging Martens auf bedeutende Ereignisse ein. Da wäre vor allem das 500. Reformationsjubiläum zu nennen, in dessen Zuge ein breites Spektrum an Projekten angeboten wurde - Bücher, Konzerte, Ausstellungen. 2018 wird im Zeichen von internationalen Beziehungen stehen, ein besonderes Highlight wird eine Diplomatie-Konferenz zu sein, die im Februar stattfinden soll. 

Rubrik: Arbeit in den Regionen

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