06 März 2018

Eine Brücke zwischen Wissen und Business

- Daniel Säwert -


Deutsch-Russisches Gespräch über die Wertschöpfung von Lebenswissenschaften - ein Artikel der Moskauer Deutschen Zeitung.

Wissenschaft weckt für viele Menschen Assoziationen mit Arbeit in verstaubten Archiven und endlosen Nächten in Laboren, deren Resultat lediglich für eine kleine Zielgruppe interessant ist. Dass Wissenschaft durchaus einen praktischen Mehrwert haben kann, beweisen die Lebenswissenschaften, die gezielt anwendungs- und marktorientierte Forschungen betreiben und in einem großen Umfang mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.

Am 21. Februar präsentierten die Deutsche Botschaft Moskau, das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) gemeinsam mit der Helmholtz-Gemeinschaft sowie den deutschen Chemieunternehmen Bayer und Merck im Rahmen des Deutsch-Russischen Wissenschaftsgespräches „Lebenswissenschaften – eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ vor 200 Gästen erfolgreiche Projekte der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Business.

Anwesend waren Vertreter aus Forschung, Wirtschaft sowie der Politik. In ihrer Eröffnungsrede betonte die Gesandtin der deutschen Botschaft Beate Grzeski, wie wichtig ein gutes Miteinander von Wissenschaft und Wirtschaft für Innovationen sei. Trotz der Tatsache, dass zwei Drittel der Forschung von der Wirtschaft finanziert werden, nahm Grzeski auch die Politik in die Pflicht, deren Aufgabe es sei, günstige Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung zu schaffen. Dies gelte insbesondere für die Nachwuchsförderung. In seinem Vortrag stellte Michael Dobis von der Deutschen Botschaft deutsche Rahmenprogramme in den Lebenswissenschaften vor.

Die russische Perspektive schilderte der stellvertretende Leiter der Abteilung für Wissenschaft und Technologie des russischen Bildungsministeriums Magomed Minzajew. Jelena Jeremenko prä- sentierte die größte deutsche Forschungseinrichtung, die Helmholtz-Gemeinschaft, und zeigte, wie diese mittels interdisziplinärer und programmorientierter Förderung globale Aufgaben zu lösen sucht. Im abschließenden Vortrag ging Arkadij Sinyzin darauf ein, wie das Föderale Forschungszentrum für Biotechnologie Synergieeffekte zwischen verschiedenen Forschungsbereichen schafft und sich an mehreren Projekten mit deutschen Partnern beteiligt. Die Frage, wie Wissen in Wertschöpfung umgewandelt werden kann, erörterten Vertreter deutscher und russischer Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen bei der anschließenden Podiumsdiskussion.

Anastasija Aschirowa von Bayer in Russland machte das Publikum mit dem Accelerator Grants4Apps bekannt, das sich an Start-ups aus den Bereichen Digital Health und Digital Farming wendet. Ihr Kollege von Bayer Igor Orschanskij stellte den Forschungsinkubator „CoLaborator“ vor, in dem die Firma Start-ups bis zur Marktreife begleitet. Die Firma Merck setzt neben einem eigenen Start-up Programm auf Kooperationen mit russischen Bildungseinrichtungen und ist dafür eine Partnerschaft mit der Fakultät für Chemie der Lomonossow-Universität eingegangen, so Antonina Schuwalowa.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem Vertreter von Forschungseinrichtungen aus Deutschland teil. So stellte Igor Tetko den Weg des Helmholtz-Zentrums München von einem Forschungsprojekt bis zu einem erfolgreichen Unternehmen vor. Antonina Lawrentjewa von der Leibniz-Universität Hannover präsentierte den Anwesenden den Forschungsstandort Hannover, der erfolgreich gemeinsam mit der Industrie in Clustern zusammenarbeitet.

Ein hervorragendes Beispiel einer innovativen Universität ist das Wissenschafts- und Technologieinstitut Skoltech. Dieses hat sich die Aufgabe gestellt, eine neue und praxisorientierte Generation von Wissenschaftlern auszubilden. Ziel ist es, nicht nur herausragende Forschung zu betreiben, sondern die Ergebnisse auch in BusinessProjekte umzuwandeln. Ein weiteres Beispiel, wie russische Firmen junge Talente fördern, lieferte Julia Tepljaschowa von „Biocad“. Das Unternehmen setzt in erster Linie auf eine enge Verbindung von Schule, Universitäten und Wirtschaft.

Von Fjodor Senatow bekamen die Zuhörer ein praktisches Beispiel geliefert, wie generiertes Wissen in Wertschöpfung umgesetzt werden kann. Als Doktorand im Bereich Nano-Materialen an der Nationalen Technologischen Universität MISiS hat er dort ein ideales Umfeld gefunden, um seine Firma „Biomimetiks“ zu gründen, die sich heute erfolgreich am Markt behauptet. Zum Abschluss des Wissenschaftsgespräches wurden Instrumente zur Unterstützung deutsch-russischer Zusammenarbeit präsentiert.

Die Auswahl der Teilnehmer zeigte die große Bandbreite an Förderungsmöglichkeiten auf. Vertreten waren auf dem Podium Größen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst und die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Russische Wissenschaftsstiftung sowie die Stiftung Skolkowo. Zudem erhielt die Stiftung zur Unterstützung von Innovationen FASIE und die Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) die Möglichkeit, ihre Programme im Rahmen der Sektion vorzustellen.

Wo es sich zu forschen und investieren lohnt und welche Voraussetzung einzelne Bundesländer bieten, legten die Vertreterinnen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen dar. Beide Bundesländer gehören zu den Hauptunterstützern des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH), eine der Hauptorganisatoren des Wissenschaftsgespräches. Das DWIH hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzuführen. Unter seinem Dach vereint das Haus deutsche Wissenschafts- und Forschungsförderorganisationen sowie Hochschulen und manche Vertretungen von Bundesländern, um deutsche Wissenschaft und Innovationen in Russland gebündelt zu präsentieren.

Das DWIH bietet eine Plattform für den deutsch-russischen Dialog im Bereich von Wissenschaft und Forschung. Das Wissenschaftsgespräch am 21. Februar verdeutlichte, dass das Interesse an einer tiefen Zusammenarbeit sowohl in Deutschland als auch in Russland groß ist. Diese soll nicht nur bei gemeinsamen Forschungsprojekten haltmachen, sondern sich auch in bilateralen Business-Projekten niederschlagen. 

 

Der Artikel erschien erstmals in der Moskauer Deutsche Zeitung 04/2018. 

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