15 Juni 2018

Doppelspitze aus Fußball und Deutsch


Wie das Goethe-Institut Moskau die WM zum Anlass für ein titelreifes Projekt nahm - ein Artikel der Moskauer Deutschen Zeitung.

Früher kannten die Russen nur drei deutsche Wörter: Beckenbauer, Müller und Rummenigge. Inzwischen lernen sie schon „Die Mannschaft“ zu sagen, das wird nämlich gar nicht erst ins Russische übersetzt. Aber das GoetheInstitut Moskau hat rund um die WM noch ganz andere Aktionen gestartet, um zum Deutschlernen zu animieren. Das gemeinsame Motto: „Mit Deutsch zum Titel!“

Wenn das Goethe-Institut Moskau am 15. Juni sein Sommerfest veranstaltet (siehe Seite 14), hat die Fuß- ball-WM gerade begonnen. Damit geht auch das Projekt „Mit Deutsch zum Titel!“ zu Ende, das Schü- lern wie Erwachsenen im Vorfeld sowohl den deutschen Fußball als auch die deutsche Sprache näherbringen wollte, um zu zeigen, wie gut sich beides miteinander verbinden lässt.

Das Projekt unter der Schirmherrschaft von Bundestrainer Jogi Löw bestand aus drei Komponenten: einer Ausstellung, einem Turnier und einem Tippspiel. Die Ausstellung „Ein Ball – viele Geschichten. Fußballnation Deutschland“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund entwickelt. 16 Poster erzählen über die Geschichte und Gegenwart des deutschen Fußballs. Gezeigt wurden sie seit vergangenem Jahr in 30 Orten, darunter allen WM-Städten. Begleitmaterialien zum Deutschlernen machten den Besuch der Ausstellung erst recht zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Schulklassen konnten zudem an einem Videowettbewerb teilnehmen und ein kurzes Video über den Fußball in ihrer Stadt drehen. Diese Idee hat viele Teams begeistert, so dass über 30 Filme entstanden sind, die auf Deutsch über den russischen Fußball erzählen.

Außerdem fanden in acht WMStädten Turniere um den „GoethePokal“ statt. 1700 Schülerinnen und Schüler nahmen im abgelaufenen Schuljahr daran teil und traten in den beiden Disziplinen Deutsch und Fußball gegeneinander an. Im April wurden die Gewinner gekürt.

Das dritte Teilprojekt war ein Online-Wettbewerb unter dem Titel „Bundesliga total!“ und wurde in Kooperation mit dem GoetheInstitut San Francisco realisiert, das ihn seit Jahren ausrichtet. Mehr als 80 klassenübergreifende Schulmannschaften machten mit. Sie waren aufgerufen, einmal im Monat ein Fußballquiz zu lösen und die Ergebnisse der anstehenden Bundesligaspiele zu tippen. Da pro Schule nur eine Antwort abgegeben werden durfte, mussten die in den Klassen heiß diskutierten Meinungen am Ende auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden – nicht zuletzt also eine Übung in demokratischer Entscheidungsfindung.

Bei so viel Eifer über eine gesamte Saison konnte sich auch der Siegerpreis sehen lassen. Die russischen und die amerikanischen Gewinner waren im April zu einem Bundesligaspiel nach Deutschland eingeladen.

Jetzt, wo das Projekt „Mit Deutsch zum Titel!“ vor dem Abschluss steht, plant das Goethe-Institut bereits seine nächste fußballbezogene Veranstaltung, diesmal zusammen mit der Tretjakow-Galerie. Ende Juni laufen im Innenhof der Neuen TretjakowGalerie zwei cineastische Raritäten: die deutschen Stummfilme „Die elf Teufel“ (29. Juni) und „König der Mittelstürmer“ (30. Juni) von 1927. Beginn ist jeweils 21.30 Uhr. 

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