01. September 2021

Die große Reise durch das 20. Jahrhundert: Frau Schulmeister erzählt der MDZ ihre Geschichte

- RusDeutsch -

Foto: Tino Künzel

Erst verlor sie ihre Heimat und dann beinahe ihr Leben: Margarete Schulmeister wurde als Deutsche an der Wolga geboren, so wie Generationen ihrer Familie vor ihr. Vielleicht hätte sie es einmal ihrem Vater gleichgetan und in Moskau studiert, aber ein Beschluss der Sowjetführung sorgte vor 80 Jahren dafür, dass die Wolgadeutschen in alle Winde verstreut wurden und für die damals 16-Jährige eine Odyssee begann, die sie kreuz und quer durch die Sowjetunion führte. Mit 96 Jahren hat die frühere Lehrerin der MDZ jetzt in St. Petersburg ihre Geschichte erzählt.

Die Kolonisten und die Wolga

Mein Name ist Margarita Konstantinowna Schulmeister. Zu Deutsch Margarete. Oder Gretel. Ich bin am 16. Juni 1925 in Kamyschin am Unterlauf der Wolga geboren. Mein Vater Konstantin und meine Mutter Olga waren Wolga­deutsche in fünfter Generation. Papas Vorfahren stammten aus Hessen und hatten sich in Bähr angesiedelt, einem katholischen Dorf, auf Russisch Kamenka. Die Wurzeln von Mamas Familie reichen in den Schwarzwald zurück. Ihr Heimatort an der Wolga war das lutherische Mühlberg, heute Schtscherbakowka.

Es gibt einen Spruch, der geht so: „Die erste Generation erntete den Tod, die zweite die Not, die dritte das Brot.“ Als meine Urahnen an der Wolga anlangten, da war das beileibe kein Paradies. Sie wussten nicht, was sie hier erwartete. Wo sie herkamen, da waren sie Wald, Mittelgebirge, gemäßigtes Klima gewohnt. Warum folgten sie überhaupt dem Ruf von Katharina der Großen? Der Grund waren die ständigen Kriege mit Frankreich und die damit verbundene Not. Der schlimmste war der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763.

Weiterlesen

Rubrik: 80. Jahrestag der Deportation

ZUM THEMA
NACHRICHTEN
ALLE NACHRICHTEN