30 März 2017

„Aussiedlung, Beheimatung, Politische Teilhabe – Deutsche aus Russland in Wechselwirkung mit russischsprachigen Gruppen in Deutschland“


Die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltete in Berlin eine Fachtagung zum Thema „Aussiedlung, Beheimatung, Politische Teilhabe – Deutsche aus Russland in Wechselwirkung mit russischsprachigen Gruppen in Deutschland“.

Eröffnet wird die Fachtagung vom Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB und der Fachabteilungsleiterin der Bundeszentrale für politische Bildung, Dr. Caroline Hornstein-Tomic. Bundesbeauftragter Koschyk wird auch an der Podiumsdiskussion zum Thema „Integration und Teilhabe als zentrale Aufgaben politischer Parteien“ teilnehmen.

Neben Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk MdB, werden neben dem aus Kasachstan stammende Bundestagsabgeordnete Heinrich Zertik MdB und der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau MdB, u.a. auch Vertreter von Organisationen und Institutionen der Russlanddeutschen, darunter der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Waldemar Eisenbraun, sowie Vertreter von Universitäten, von katholischer, evangelischer, freikirchlicher, russisch-orthodoxer und jüdischer Gemeinden und aus dem Bereich der Medien und der lokalen Politik an der Fachtagung teilnehmen.

Mit rund 2,4 Millionen Menschen stellen die Russlanddeutschen, die seit 1950 als Aussiedler oder Spätaussiedler aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten nach Deutschland gekommen sind, die größte Einwanderergruppe, die die deutsche Gesellschaft seit der Zuwanderung der „Gastarbeiter“ aufgenommen hat. Ebenfalls in engen zeitlichen Zusammenhang mit der Auflösung der Sowjetunion siedelten sich seit 1990 ca. 215.000 „Kontingentflüchtlinge“ mit jüdischem Hintergrund in Deutschland an. Schließlich leben gut 230.000 Menschen in Deutschland, die ausschließlich einen russischen Pass besitzen.

Die Fachtagung der Bundeszentrale für politische Bildung zielt darauf ab, Fragen von Beheimatung und Identitäten dieser ganz unterschiedlichen Gruppen in den Mittelpunkt eines ergebnisoffenen und konstruktiven Gesprächs zu stellen. Sie fokussiert auf die Deutschen aus Russland als einer der größten Einwanderergruppen in der Bundesrepublik, nimmt sich jedoch auch der Wechselwirkungen mit anderen russischsprachigen Gruppen und Menschen in Deutschland an. Ein Fluchtpunkt der Tagung wird die Frage nach den Möglichkeiten und Perspektiven politischer Teilhabe in der deutschen Gesellschaft sein, sowie nach der Einbeziehung neuer Perspektiven und des intellektuellen Potentials gerade auch der zweiten Generation der Spätaussiedler und russischsprachigen Gruppen.

In seinem Grußwort betonte Bundesbeauftragter Koschyk, dass man als Bundesregierung heute von einer Erfolgsgeschichte der Integration der Aussiedler spreche. Im Hinblick was die Identität der Deutschen aus Russland genau auszeichne, verwies Bundesbeauftragter Koschyk auf den Dreiklang von „Heimat, Identität und Glaube“. „Heimat als Identität stiftendes Element geht dabei, und das zeigen gerade die Spätaussiedler aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, über die angestammte Beziehung zwischen Mensch und Raum hinaus. Heimat ist nicht nur der Ort, in den ein Mensch hineingeboren wird, der seinen Charakter, seine Mentalität, seine Einstellungen und Weltauffassungen prägt. Gerade für die Russlanddeutschen, die vielfach in ihrer angestammten Heimat wegen ihrer deutschen Wurzeln als Fremde behandelt wurden, aber auch nicht in Deutschland heimisch zu werden glaubten, weil sie wegen ihres russischen Akzents oder ihrer Herkunft aus Russland für fremd gehalten wurden, stellt sich die Frage nach der eigenen heimatlichen Verortung auf besondere Weise. Vielfach ist auch der christliche Glaube gerade für die Spätaussiedler von Identität stiftender Bedeutung. Der säkulare Staat stiftet keinen Lebenssinn; er sättigt nicht die transzendentalen Bedürfnisse des Menschen. Es sind die Spätaussiedler, die aufgrund ihrer mehrheitlich christlichen Verwurzelung und gelebten Religiosität auch ihren in Deutschland geborenen Landsleuten etwas vorleben. Ich begrüße es daher sehr, dass sich im Rahmen der Integrationsfachtagung ein eigener Workshop speziell mit religiösen Aspekten der Integration und Beheimatung befasst“, so Bundesbeauftragter Koschyk.

Quelle: www.koschyk.de

 

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