22 Juni 2018

In Deutschland startete ein Seminar zur Sprach- und ethnokulturellen Arbeit


Vom 18. bis 24. Juni findet in Frankfurt am Main ein Seminar für Fachkräfte der Spracharbeit der Selbstorganisation der Russlanddeutschen statt. Vertreter der Selbstorganisation der Russlanddeutschen aus Saratow, Samara, Tomsk, Omsk, Tjumen und der Altai-Region nehmen daran teil.

Die Seminarteilnehmer untersuchen das System der Weiterbildung nationaler Minderheiten. Wichtig ist dabei, dass das Seminar eine Fortsetzung der Bildungsveranstaltungen in Budapest (Ungarn) und Flensburg (Deutschland) darstellt.

Im Rahmen des Sprachseminars besuchten die Teilnehmer den zweisprachigen deutsch-russischen Kindergarten "Märchen" und trafen sich mit ihrer Leiterin Alexandra Mayer. Die Pädagogin erzählte von der Gründungsgeschichte der Institution, ihrem Konzept sowie den hier angewandten methodischen Praktiken.

„Das Märchen" ist die zweitgrößte deutsch-russische Bildungseinrichtung in Deutschland. Die Hauptzielgruppe sind Kinder aus Einwandererfamilien aus dem postsowjetischen Raum sowie aus einigen osteuropäischen Ländern. Ein kleiner Prozentsatz sind Kinder aus deutschen Familien, die keine russischen Wurzeln haben, sich aber für russische Kultur oder einen hohen Bildungsstandard interessieren.

Laut Mayer nimmt die Zahl der Personen, die ein Kind in einem zweisprachigen Kindergarten unterbringen wollen, stetig zu. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten einer Vorschuleinrichtung begrenzt und sie kann nicht alle annehmen. "Bis heute warten mehr als 300 Kinder auf eine Zusage von uns in einer Warteschlange, und viele von ihnen werden nie in unseren Kindergarten kommen", - sagte Alexandra Mayer.

Der pädagogische Prozess des Kindergartens "Märchen" wird von den russischen und deutschsprachigen Tutoren in zwei Sprachen mit der Immersionsmethode durchgeführt. Es basiert auf russischen und deutschen pädagogischen Traditionen. Der Zeitplan des Tages bietet Abwechslung von aktiven Phasen und Ruhephasen, sowie Unterhaltung nach Belieben und Spiele unter Anleitung von Erziehern. Besonderer Wert wird auf die gezielte Sprachentwicklung (Deutsch und Russisch - 50/50), Stärkung des motorischen Apparates, kreative Entwicklung und Vorschulvorbereitung gelegt.

Laut Alexandra Meyer sind die Hauptziele des Bildungsprozesses im "Märchen" auf die Bildung von demokratischem Bewusstsein unter Kindern gerichtet sowie auf die Einsammlung umfassender sozialer Erfahrung, so dass jedes Kind zu einer Persönlichkeit heranwachsen kann, die sich dann in jede Gesellschaft integrieren kann.

Frau Mayer wies auch darauf hin, dass Kinder oft ein Faktor bei der Integration ihrer Familien in die deutsche Gesellschaft sind. "Wir hatten Fälle, in denen die Eltern ihre russische Vergangenheit in Verlegenheit brachte und sie versuchten, sie zu verbergen und dem Kind den Grund nicht zu erklären. Dies wiederum prägt die familiären Beziehungen und führt zu Problemen in der Kommunikation. So hilft der Kindergarten indirekt, durch die Kinder, den Eltern, sich selbst zu akzeptieren und zwei Kulturen und zwei Identitäten miteinander zu verbinden.

Während der Diskussion beantwortet Alexandra Mayer die Fragen der Teilnehmer und machte dann einen Rundgang durch den Kindergarten und die zweisprachige Grundschule, die den Namen des großen russischen Dichters Alexander Puschkin trägt und sich im selben Gebäude wie der Kindergarten „Märchen“ befindet. Diese Bildungseinrichtung wurde 2012 gegründet, Kinder von 6 bis 10 Jahren lernen hier. So ist für die Absolvent des Kindergarten die Schule der nächste Schritt in dem System des ununterbrochenes Lernens und ermöglicht den Kinder ihre Kenntnisse der russischen Sprache nicht zu verlieren, die sie im Kindergarten erworben haben, sondern sie weiter zu entwickeln. Natalya Vakulova, die Gründerin und Leiterin der Schule, traf sich mit den Fachkräften. Sie sprach darüber, wie der Bildungsprozess in der Institution aufgebaut wird, welche Bildungsstandards und Lehrbücher hier verwendet werden und beantwortete dann die Fragen der Seminarteilnehmer.

Nach Abschluss der Exkursion teilten die Vertreter der SOdRD ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der Bewahrung und Popularisierung der deutschen Sprache in den Regionen des kompakten Wohnens der Russlanddeutschen. Insbesondere die Koordinatorin für die Spracharbeit der Region Omsk und die Schulleiterin des Dorfes Zwetnopolje deutschen Nationalkreises Asowo Elizabeth Graf erzählte von den Austauschprogrammen zwischen Vorschulbildungseinrichtungen der Region Omsk mit 15 Kindergärten von Flensburg, die seit vier Jahren praktiziert werden.

Im Rahmen des Austauschs kommen Pädagogen aus Flensburg zu einem zweiwöchigen Praktikum in der Region Omsk. So haben Kinder die Möglichkeit, mit den Muttersprachlern der deutschen Sprache zu kommunizieren und dabei nicht nur ihr Deutsch, sondern auch die Fähigkeiten interkultureller Kommunikation zu erweitern.

Es wäre in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Bildung des Systems der ständigen Weiterbildung eine der Hauptaufgaben der Selbstorganisation der Deutschen in Russland ist und Teil des allgemeinen Konzepts der sprachlichen Bildung nationaler Minderheiten in Europa ist. Das Programm des Seminars sieht auch vor, die Erfahrung der Organisation für Spracharbeit mit der in den Niederlanden lebenden nationalen Minderheit der Friesen zu tauschen.

Rubrik: Deutsche-Partner

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