11 Oktober 2018

Dem Dichter zu Ehren


„Ewald Katzenstein: Die Blumen auf der frischen Flur verleiten zu Gedichten…“ hieß die Ausstellung aus den Fonds des Staatlichen Museums für Geschichte der Literatur, Kunst und Literatur (GMILIKA) des Altai, die am 14. September im Slawgoroder Heimatmuseum stattfand.

Die Anwesenden konnten sich mit den Fotos, Briefen und Dokumenten sowie den Büchern des Dichters in deutscher und russischer Sprachen aus dem persönlichen Archiv von Ewald Katzenstein bekannt machen. Außerdem hatten die Besucher auch die Möglichkeit, die Ausstellung aus dem Grafikalbum von  Iwan Friesen, der mit Unterstützung des Internationalen Verbands der deutschen Kultur im Rahmen des Projekts „Gedächtnis des Volkes“, Autor und Organisator des Projekts Jakow Grinemaer, besichtigen. Im Rahmen der Ausstellung der GMILIKA präsentierte das Slawgoroder Heimatmuseum die Veranstaltung „Ewald Emiljewitsch Katzenstein in Gesichtern“, die dem 100. Jubiläum des Dichters, Schriftstellers und Pädagogen gewidmet war. Als Erstes machte die Ansagerin der Veranstaltung, Tatjana Jazik, die Anwesenden mit dem Lebenslauf des Dichters bekannt. 

Geboren wurde Ewald Katzenstein am 11. Juni 1918 in der Ortschaft Bely Klutsch, Georgien. Nach der Schule kam er nach Moskau und baute an der Metro mit. 1937 Student der Maurize-Thorez-Hochschule. 1941 erhielt er sein Diplom und eine Lehrstelle an der Alma Mater. Aber es brach der Krieg aus. Es folgten Zwangsaussiedlung und Arbeitsfront in Karelien und später im Altai. Hier war er nach dem Krieg Deutschlehrer – zuerst auf dem Lande und seit 1948 in Barnaul als Sprachlehrer und Lehrstuhlleiter an Hochschulen tätig. Als Pädagoge verfasste er einige Lehrbücher für den muttersprachlichen Deutschunterricht. Seine ersten Gedichte erschienen vor dem Krieg in Wandzeitungen und in einem handgeschriebenen Literaturalmanach. 1955 trat er mit einer Nachdichtung von Majakowskis „Verse vom Sowjetpass“ in der Barnauler Zeitung „Arbeit“ erstmals an die Öffentlichkeit. Doch weit bekannt wurde Katzenstein erst als Autor von Kindergedichten, die in den deutschsprachigen Zeitungen „Neues Leben“ (Moskau), „Rote Fahne“ (Slawgorod, Altai) und „Freundschaft“ (Kasachstan) erschienen und den Hauptinhalt seines Schaffens bilden. Seit 1971 Mitglied des Schriftstellerverbandes der UdSSR, leitete Katzenstein lange Jahre die Sektion der deutschen Schriftsteller der Altairegion, war Mitglied der Gesellschaft „Snanije“ und Korrespondent der deutschen Abteilung des regionalen Radiosenders. In den letzten Jahren seines Lebens (Er starb1992 in Barnaul.) war er Redakteur des Almanachs „Unser Wort“, der deutschen Beilage zum Almanach „Altai“, und Organisator sowie Autor vieler Szenarien für die Veranstaltungen des Deutsch-Russischen Hauses Barnaul. Im Altaier Verlag erschien eine Reihe von seinen Gedichtsammlungen. Er hielt sich sein ganzes Leben lang an das Motto „Immer voran!“, wie es in einem seiner Gedichte hieß.

Jakow Grinemaer Foto: www.gmilika22.ru

Über die Bedeutung des Dichters und seines Schaffens sprachen die Gäste der Veranstaltung wie seine Organisatoren, darunter Jelena Gergel, Gehilfin des Deputierten der Staatsduma, Iwan Loor. Der GMILIKA-Direktor Igor Korotkow überreichte Jakow Grinemaer ein Dankschreiben und sagte in seiner Anrede: „Dank der Familie Katzensteins, steht uns das reiche und unschätzbare Archiv des Schriftstellers zur Verfügung, und diese Materialien finden ihren würdigen Platz in vielen Expositionen und auch Wanderungsausstellungen. Es freut uns, dass wir gute Beziehungen zum Slawgoroder Museum haben, das auch umfangreiche Materialien über die russlanddeutschen Kulturschaffenden und Literaten in Besitz hat. Ich meine, es wäre zweckmäßig, in Slawgorod ein Museumszimmer extra für die Geschichte der Kultur und Literatur der Stadt, in der so viele hervorragende Menschen lebten und leben, zu bilden.“

Jakow Grinemaer, Mäzen und Unternehmer, erzählte kurz von der Projektarbeit, die in Slawgorod realisiert wird. Er unterstrich: „Wir haben hier viele begabte und engagierte Menschen, die uns bei unserer Tätigkeit tatkräftig unterstützen und unsere Kraft liegt in der engen Zusammenarbeit.“

Lilli Filippowa, ehemalige Studentin Katzensteins und später viele Jahre Deutschlehrerin am Slawgoroder Pädagogischen College, erzählte einige interessanten Episoden aus dem Leben und Schaffen des Pädagogen und einfühlsamen, humorvollen Menschen Katzenstein und wandte sich an die an der Veranstaltung beteiligten Studenten des College: „Ich bedauere, dass es an dem College keine Fremdsprachenabteilung mehr gibt. Aber nichts hindert sie daran, Deutsch zu lernen. Stehen euch doch heute zahlreiche Sprachkurse und auch das weitverzweigte Internet zur Verfügung. Ich glaube, es kommt bald eine Zeit, da verschiedene Sprachkenntnisse sehr gefragt sein werden.“

Iwan Friesen Foto: www.gmilika22.ru

Iwan Friesen berichtete wie er an seinem Album zum Projekt „Gedächtnis des Volkes“ arbeitete, das in vielem seine Erinnerungen an die früheren Zeiten widerspiegelt. Auch konnte er sich bildhaft an die Treffen mit Katzenstein in der Schule, wo der Schriftsteller seinerzeit häufiger Gast war, erinnern.

Anschließend trugen die Studenten des Pädagogischen College einige Gedichte von Katzenstein aus dem zweisprachigen poetischen Almanach „Begegnungen im August“ vor und Marina Lewkowitsch schenkte den Anwesenden eine Arenskij-Romanze auf dem Klavier. Die gesamte Veranstaltung wurde von dem in Slawgorod berühmten Musiker Leonid Worobjow musikalisch umrahmt. 

* Dieser Artikel erschien zuerst in der „Zeitung für Dich“, vorbereitet von Erna Berg

Rubrik: Arbeit in den Regionen

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