Werchni Jeruslan, ein Dorf in der Region Wolgograd, wurde im Jahr 1860 als eine der Siedlungen der Deutschen an der Wolga mit dem schönen Namen Gnadentau gegründet. Heute kämpfen wenige doch unermüdliche Aktivisten um eine Restaurierung der lutherischen Kirche in der Gemeinde, die wie durch ein Wunder nach turbulenten Zeiten erhalten geblieben ist.
Seit einigen Jahren beschäftigt sich Anatoli Sjakin mit den Arbeiten zum Wiederaufbau der lutherischen Kirche in Werchni Jeruslan beruflich. Dank seiner Bemühungen sowie der aktiven Arbeit anderer Freiwilligen hat man schon vieles erreicht: Es entstanden ein neuer Zaun und eine neue Tür sowie der Weg zur Kirche, die Fassade wurde restauriert und das Museum „Jeruslan“ im restaurierten Gebäude neben der Kirche eröffnet. Anatoli kann sich auch heute sehr gut daran erinnern, wie er die Kirche aus dem Fenster sehen konnte, wenn er im Haus seiner Oma, Erna Kolb, übernachtete. Die Frau gehörte zu den ersten Russlanddeutschen, die aus der Deportation zurück an die Wolga gekommen waren.
„Was haben wir doch für eine besondere und schöne Kirche. Ich finde, dass es keine schönere gibt“, sagt Anatoli.
Als sich Anatoli Sjakin und der junge Moskauer Geistliche Andrej Pautow im Jahre 2001 der Kirche annahmen, bot sie einen traurigen Anblick. Zu den sowjetischen Zeiten war die Kirche den unzähligen Angriffen der Vandale ausgesetzt. Die Dorfbewohner entfernten die Holzkonstruktionen und die Türen. Der Kirche kamen auch ihre Kirchenfenster abhanden. Anatoli und sein Vater mussten sich sogar einmal einmischen und die Vandale vertreiben, um die Kirche von der kompletten Ausplünderung zu schützen.
„Wir haben alles in die eigenen Hände genommen, finanzielle Mittel dafür gab es keine“, berichtet Anatoli Sjakin von der Zeit, als er nach der staatlichen Registrierung der Kirchgemeinde Vorsitzender des Kirchenrates wurde.
Heute läuft durch die zerschlagenen Fenster beim Regen das Wasser in die Kirche herein und im Winter gelangt der Schnee ins Gebäude. Die Kirche, die für viele gläubige Bewohner der Gemeinde zu einem Symbol der Auferstehung und deren Wiederaufbau für einige Aktivisten zum Lebenswerk geworden ist, braucht dringend eine Restaurierung. So wurde in der Kirchgemeinde beschlossen, über die Crowdfunding-Plattform Planeta die Mittel für die Restaurierung des Altars zu sammeln. Zu den anstehenden Arbeiten zählt auch die Verglasung der Fenster in diesem Teil der Kirche. Die Spendenaktion begann bereits im Januar, aber sie verläuft zäh. Ein Russlanddeutscher aus Deutschland nahm mit der Gemeinde in Werchni Jeruslan Kontakt auf und wollte eine ansprechende Summe für den Wiederaufbau der Kirche spenden, aber nach dem 24. Februar hat er sich nicht mehr gemeldet.
„Ich bin zwar schon lange hier, habe aber das Gefühl, nutzlos zu sein. Dies ist noch nicht erledigt und das hier auch nicht. So wie der Zustand der Kirche war, ist er geblieben, aber ich möchte alles verändern und den vorigen Glanz wiederherstellen. Ich komme, um zu beten“, resümiert Anatoli.
Derzeit können leider Spenden mit Visa- und MasterCard-Karten von Deutschland und den anderen EU-Staaten aus nicht erfolgen. Über Alternativen können Sie sich bei Anatoli Sjakin unter der E-Mail-Adresse ziakin63@mail.ru erkundigen.

