Sibirien tief ins Herz schließen: Eröffnung der persönlichen Ausstellung von Alexander Popp im DRH Moskau


Am 25. Februar öffnete im Saal „Berlin“ des Deutsch-Russischen Hauses in Moskau feierlich die persönliche Ausstellung des deutschstämmigen Künstlers Alexander Popp mit dem Titel „Sibirien. Horizonte und Gesichter“. Die Ausstellung ist dem Jahr der Einheit der Völker Russlands gewidmet, das 2026 begangen wird, sowie dem 35. Jubiläum des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur.

Die Kultursaison 2025–2026 im Deutsch-Russischen Haus in Moskau ist zu einer Jubiläumssaison geworden: 2025 feierte die Arbeitsrichtung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur „Avantgarde“ und die Künstlervereinigung der Russlanddeutschen ihr 15-jähriges Bestehen, während 2026 das 35-jährige Jubiläum des Internationalen Verbands der deutschen Kultur begangen wird. Die Einzelausstellung des herausragenden Meisters, Mitglieds des Künstlerverbandes Russlands und der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen, Alexander Popp, wurde zu einem der bedeutsamen Ereignisse dieser Saison.

Die neue Ausstellung lädt die Besucher zu einer Reise durch die majestätischen Weiten Sibiriens und in die einzigartige Welt der Malerei ein, die der Künstler meisterhaft gestaltet hat. Die präsentierten Werke im Ausstellungsraum regen zum Nachdenken an über die Vielfalt, den Reichtum und die Einzigartigkeit der Natur, kultureller Traditionen und des geistigen Erbes des nordischen Landes.

Gulwaira Kutsenko, Präsidentin der interregionalen öffentlichen Organisation „Informations- und Bildungsnetzwerk der indigenen Völker ‚Lyyorawetljan’“, bezeichnete die Vernissage als Ergebnis eines langen und beschwerlichen kreativen Weges – eines Weges zu jedem Ort und jeder Person, die auf den Bildern dargestellt sind:

Nach Betrachtung der hier gezeigten Gemälde möchte ich sagen, dass Alexander Popp nicht nur Landschaften und Gesichter malt – er zeigt Zustände. Diese Werke sind geschaffen von einem Menschen, der sich nicht als Beobachter versteht, sondern die sibirische Seele tief ins Herz geschlossen hat.

„Jedes Gemälde lädt dazu ein, innezuhalten, tiefer hineinzublicken, zu reflektieren. Bei Alexander Popp erkennt man, dass in seinen Arbeiten die Einheit von Natur und menschlichem Geist lebt. Ein Geist, der trotz der rauen sibirischen Landschaft weiterhin lebt und schöpft.“

Im Laufe seines Lebens hat der Künstler zahlreiche Reisen unternommen: Reisen durch die Region Krasnojarsk, entlang des Jenissei-Flusses bis in die Taimyr-Siedlung Dikson, am Fluss Chatanga bis zum Laptewsee, nach Chakassien, zum Baikalsee, mit dem Boot auf der Angara sowie zu dem berühmten Nationalpark „Krasnojarsker Säulen“ (russ. „Krasnojarsker Stolby“, Anm. d. Über.). Diese Reisen an wunderbare Orte und die Begegnungen mit interessanten Menschen prägten seine Weltanschauung.

In den Werken von Popp gibt es keinen Schatten von Banalisierung – keine einfache Bewunderung der majestätischen Landschaften. Vielmehr lädt er den Betrachter ein, in einen kontemplativen Zustand einzutauchen und sich als winziger Teil des Universums zu fühlen: „Waren sie schon einmal in den Bergen? Sie sind erstaunlich!

Ich liebte es, nachts auf die Berggipfel zu steigen: Wenn man ganz allein dort oben steht, entsteht das Gefühl der Unendlichkeit.

Wir lachen über Ameisen, doch wir selbst sind im Vergleich zu den gigantischen Dimensionen der Berge genauso klein“, bemerkt Alexander Popp mit einem Lächeln.

So werden die Mühen und Tage eines Menschen Teil eines groß angelegten Panoramas, eines Puzzles, das jeden Tag neu entsteht. Über die Entwicklung seiner künstlerischen Vorlieben sagt er: „Früher malte ich mehr Landschaften und Porträts, heute entsteht jede Arbeit mit einer bestimmten Philosophie. Zum Beispiel mein letztes Werk heißt ‚Der Weltenbaum‘. Es gibt viele Bäume, jeder hat schon sie geschrieben. Aber wer könnte zum Beispiel Schischkin übertreffen? ... Im Gemälde ‚Der Weltenbaum‘ habe ich versucht, alle Bäume der Erde zusammenzufassen.“

Was mich besonders interessiert, ist nicht der Baum selbst mit dem Stamm und Krone, sondern seine Wurzeln. Ich liebe es, Wurzeln zu zeichnen – zu zeigen, wie schwer es ist, im Gebirge das Leben zu entwickeln, und wie unablässig darum gekämpft wird.

Der Künstler arbeitet meist in Serien und Zyklen: Er stellt ein Thema mal aus der Sicht der inneren Tiefe, mal aus der Vogelperspektive dar. „Solche Werke entstehen fast von selbst: Man macht eins, und das nächste ist bereits fertig. So entsteht eine Kette, stetig und unaufhörlich“, erklärt Alexander Popp.

In der Ausstellung im Deutsch-Russischen Haus in Moskau sind seine Werke in verschiedenen Techniken zu sehen: Öl, Pastell, Mischung aus Tinte und anderen Materialien. Die Kunsthistorikerin Daria Woronina, Mitglied des Kreativverbandes der Künstler Russlands, teilt ihre Meinung: „Wenn ein Künstler die Vielseitigkeit seines Talents zeigt, ist das von großem Wert.

Bei Popp geht es weniger um die Farbpalette – vielmehr beeindruckt seine meisterhafte Arbeit mit Material. Pastell ist ein schwieriges und launisches Medium, erfordert viel Geduld und Können.

Umgang damit muss gekonnt sein, um solche wertvollen und ausdrucksstarken Werke zu schaffen“.

Der Raum im Saal „Berlin“ ist so gestaltet, dass der Besucher die Ausstellung von beliebiger Stelle aus erkunden kann. Nach Worten von Frau Woronina ergeben die wechselnden Landschaften, Porträts und Genreszenen eine eindringliche Erzählung über die raue Natur Nordsibiriens:

Jedes Werk ist mehr als nur ein Kunstobjekt – es ist eine eigenständige Aussage. Gleichzeitig sind die Werke so angeordnet, dass sie zu einer zusammenhängenden Erzählung verschmelzen, sich nicht gegenseitig überbieten, sondern ergänzen.

Das offizielle Ende der Vernissage wurde durch ein musikalisches Highlight bereichert: Ein Überraschungsauftritt von Olit Tewljanaut, der Finalistin der Fernsehsendung „Minute der Ehre“ auf dem „Ersten Kanal“. Sie ist eine Meisterin des traditionellen Kehlgesangs sowie moderner ethnischer Lieder der Tschukotka. Mit ihren beeindruckenden Darbietungen bringt sie die urtümliche Kraft der nordischen Kulturen auf die moderne Bühne. Beim Auftakt erklangen ethnische Lieder, begleitet vom Tamburin, in tschuktischen und russischen Sprache.

Der Kehlgesang mit der Maultrommel (einem uralten Rohrblattinstrument, Anm. d. Red.) hinterließ einen bleibenden Eindruck bei den Anwesenden: Begleitet von gutturalen nordischen Gesängen, die an das tiefe Atmen eines Hirsches oder das Gackern eines vorbeifliegenden Vogels erinnerten, tauchten die Gäste in eine asketische, von der Hektik des Alltags entfernte Atmosphäre der rauen sibirischen Weite.

Die Sängerin erklärte ihren Zuhörern: „Der Kehlgesang in Tschukotka unterscheidet sich grundlegend vom Kehlgesang der Turkvölker: Die Klänge werden ganz anders erzeugt. Es wird oft auch Kehlkopfgesang genannt.“

Ursprünglich imitierte dieser Gesang das Atemholen des Rentiers, das Leben der Tundra und des Nordens.

Die Unzugänglichkeit der Gebirgsketten, die Askese der sibirischen Weiten, die Lebenskraft des Menschen unter widrigen Bedingungen, die unermüdliche Suche des sensiblen Künstlers sowie der Kampf um die Möglichkeit, Schönheit zu sehen, und das Recht, sie in einzigartigen Klängen und visuellen Bildern widerzuspiegeln – all das hinterlässt bei jedem Besucher einen bleibenden Eindruck. Es ist eine Erfahrung, die lange in seinem Bewusstsein nachhallen wird, lange bevor sie in ein klares, leuchtendes Bild verwandelt wird.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen in der Russischen Föderation realisiert.

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