Die Stimme von Anna German ist vielen bekannt – man erkennt sie sofort. „Echo der Liebe“, „Hoffnung“, „Wenn die Gärten blühen“ – diese Lieder werden für immer in den Herzen der Zuhörer bleiben. Doch wer steckt hinter dieser unvergänglichen Stimme? Der Konzertmoderator, Musiker, Produzent, Schriftsteller, Biograf und echter Fan von Anna German, Iwan Iljitschew-Wolkanowskij, erzählt von seiner langjährigen Reise in das Leben und Werk der russlanddeutschen Sängerin, deren Schicksal voller unerwarteter Wendungen, Geheimnisse und bewegender Momente war.
Iwan forscht seit dreißig Jahren an der Biografie von Anna German, sammelt seltene Materialien und Dokumente. Im Interview berichtet er von seiner Leidenschaft, von einem neuen Buch, das in diesem Jahr erscheint, und von bevorstehenden Jubiläumsveranstaltungen zum 90. Geburtstag der großen Sängerin. Es ist eine Geschichte von Liebe zur Kunst und Erinnerung, die, wie Iwan überzeugt ist, so lange lebt, wie es jemanden gibt, der sich erinnert.
Iwan, wie sind Sie dazu gekommen, die Biografie von Anna German zu erforschen? Ist das für Sie ein Hobby oder eher eine Berufung?
Alles begann mit meiner kindlichen Begeisterung für die Lieder von Anna German. Zum ersten Mal hörte ich ihre Stimme, als ich sechs Jahre alt war. Es ist wohl etwas ungewöhnlich, dass gerade diese Sängerin mein „Leitstern“ wurde, denn ich wurde in der Zeit geboren, als Anna schon nicht mehr unter uns war – drei Monate nach ihrem Tod. Meine Kameraden in der Schule und später an der Universität hatten alle anderen musikalischen Vorlieben und Lebensprioritäten. Und in unserem Land gab es niemanden, der ihre Erinnerung bewahrte – keine Fanclubs, keine, die Materialien über ihr Leben sammelten und sie an den kommenden Generationen weitergaben.
Wusste ich damals, wohin meine kindliche Leidenschaft führen würde? Natürlich nicht! Ich sammelte einfach für mich, als Fan, alles was ich fand – Veröffentlichungen, Aufnahmen… Und mit den Jahren fiel mir plötzlich auf, dass die Bewahrung der Erinnerung an Anna German zu meinem wichtigsten Lebensinhalt geworden war.
Heute, mit Abstand, weiß ich: Das ist kein Hobby, das ist zweifellos meine Berufung, mein Lebenssinn.
Wie der Dichter Michail Tanitsch schrieb: „Wir wählen, wir werden gewählt“. Ich bin mir sicher, bei mir war das mit Anna German genauso: Meine Leidenschaft war meine Wahl, aber das Schicksal hat mich auserwählt, die Erinnerung an Anna German fortführen zu dürfen. Denn ein Mensch lebt so lange, wie seine Erinnerung lebt. Solange lebendige Menschen über ihn sprechen und ihn nicht vergessen.
Wo finden Sie Informationen über die Sängerin und wie gehen Sie bei der Forschung vor?
Meine ersten Funde stammen aus meiner Jugend, da war ich gerade mal 14 Jahre alt. Zum Beispiel setzte ich eine Anzeige in der Bezirksbibliothek auf, in der ich die Leser bat, ihre alten Schallplatten von Anna German zu teilen. Und die Menschen antworteten! An einer Platte hing ein Zettel mit den Kontaktdaten einer Frau, die sie gebracht hatte. Meine Mutter war völlig erstaunt, als sie den Zettel sah – die Frau war eine Hebamme aus dem örtlichen Krankenhaus, die bei der Geburt meiner jüngeren Schwester dabei war.
Danach entwickelte sich die Suche weiter – ich könnte viel darüber erzählen, aber besonders wichtig wurde das Kennenlernen von Verwandten und Freunden von Anna German: ihrem Ehemann, ihrem Sohn und ihrer Mutter sowie der engen Freundin Anna Katschalina, Redakteurin beim russischen Plattenlabel „Melodija“.
2002 verbrachte ich fast zwei Monate im Haus der Familie Anna Germans in Warschau. Fast jeden Tag durchforsteten wir mit ihrem Ehemann, Herrn Zbigniew Tucholski, den privaten Nachlass. Wahrscheinlich hatte sonst niemand außer mir diese wertvollen Materialien zu Gesicht bekommen.
Ich bin dankbar, dass es mir erlaubt wurde, viele davon zu kopieren, was später in meinen Büchern Verwendung fand. Von Anna Katschalina erhielt ich als Geschenk nicht nur ein Archiv mit Fotos und Schallplatten, sondern auch 113 Briefe, die Anna German zwischen 1965 und 1981 an ihre enge Freundin in Moskau schrieb. Diese Briefe handeln viel von Liedern, vom Leben, von Leid und Freude, von Mutterschaft und leider auch von Annas schwerer Krankheit und den schmerzhaften letzten Jahren ihres Lebens, die voller Schmerz und Gebet waren.

Iwan Iljitschow-Wolkanowski signiert Bücher über Anna German nach dem Konzert anlässlich des 90. Geburtstags der Sängerin im Saal der Kirchlichen Versammlungen der Christ-Erlöser-Kathedrale
Was die weitere Materialbeschaffung betrifft, muss ich ehrlich sagen: Es erfordert viel Reisen und Suche. Manchmal reise ich in eine andere Stadt nur dafür, um ein Foto abzuholen. Und manchmal finde ich auch nötige Personen übers Internet. So bekam ich zum Beispiel Archive von dem engen Freund Anna Germans, Komponist Richard Siwa, der vor vielen Jahren aus Polen nach Mexiko auswanderte. Er war so freundlich, mir Scans von Dokumenten zu schicken, die ihre gemeinsamen Tourneen in der UdSSR betreffen. Solcher Beispiele gibt es viele.
Ich suche seit 1996 nach Materialien – also dieses Jahr feiere ich 30 Jahre Forschungstätigkeit als Biograf von Anna German.
Erzählen Sie mehr von Ihrem Kontakt zu Anna Germans Familie. Wie war sie in ihren Augen?
Im Haus von Anna German zu sein, war für mich ein großes Wunder. Ich war gerade mal 20 Jahre, als ich erstmals ihre Wohnung betrat. Können Sie meine Emotionen nachempfinden? Es ist ein großer zweistöckiger Altbau in einer grünen Gegend Warschaus. Ich war oft dort, doch die schönste und längste Reise war der Sommer 2002. Mich beeindruckte, dass das Haus nach Annas Tod praktisch unverändert blieb. Ich spielte gerne am Klavier, auf dem Anna häufig spielte. Morgens traf ich Anna Germans Mutter, Frau Berner (Martens), in der Küche und servierte ihr Kaffee mit ihren Lieblings-Sandwiches. Die Küche war ein Ort vieler offener Gespräche mit Frau Berner und Herrn Tucholski. Dank Annas Sohn Zbigniew lernte ich schöne Orte in Warschau kennen – er nahm mich mit auf Ausflüge, ich probierte erstmals polnisches Softeis. Abends sang Zbigniew mehrmals zu Hause – eine wunderbare Stimme, aber er singt kaum vor Publikum, nur im kleinen Kreis.

Iwan Iljitschow-Wolkanowski mit Zbigniew Tucholski, dem Ehemann von Anna German, im Haus der Sängerin in Warschau, Sommer 2002.
Фото: Foto aus dem Archiv von Iwan Iljitschow-Wolkanowski.
Herr Tucholski brachte mich mit vielen Freunden und Kollegen von Anna German zusammen. Er lud sie extra ein, damit wir uns kennenlernten. Für ihn war es sehr wichtig, Annas Erinnerung zu bewahren. Wo er konnte, unterstützte er mich. Als 2019 mein Buch „Anna German. 100 Erinnerungen an die große Sängerin“ in Polen erschien, mit seinen Erinnerungen und einem Vorwort von ihm, brachte ich ihm die ersten Exemplare.
Es war ein berührender Moment: Er hielt das Buch, sah sich das wunderschöne Foto auf dem Cover an, und Tränen liefen ihm über die Wangen. „Iwan, schau nur, wie schön sie war…“ sagte er.
In diesen Worten lag viel Schmerz über den frühen Verlust. Er heiratete nach Annas Tod nie wieder. In seinem Herzen lebte nur sie.
Einmal, bei Dreharbeiten zu einer Dokumentation, wurde er gefragt: „Wenn Sie im Himmel bei Anna ankommen, was werden Sie ihr sagen?“ Er lächelte, blickte nach innen und antwortete: „Worte werden nicht nötig sein!“
Sie sagten, Sie recherchieren die Biografie von Anna German bereits dreißig Jahren, warum lässt die Sängerin Sie nicht los? Es sind bereits zahlreiche Bücher über sie erschienen – und es scheint so, was gäbe es da noch zu schreiben? Und doch entdecken Sie immer wieder neue Details aus ihrem Leben …
Im Vorwort zu meinem Buch schrieb der Ehemann von Anna German Worte, die für mich entscheidend sind: „Das Thema Anna ist unerschöpflich“. Dieses Wort „unerschöpflich“ findet sich auch bei Anastasia Zwetajewa (Schriftstellerin, die Schwester von Marina Zwetajewa, Anm. d. R.), die ein literarisch sehr schönes Porträt an „Anna German“ schrieb, veröffentlicht in ihrem Buch „Unerschöpfliches“.
Das Thema Anna German bleibt wirklich unerschöpflich. In den letzten Jahren werden meine Bücher regelmäßig in Russland neu aufgelegt.
Tatsächlich sind es drei Bücher, aber jedes wurde mehrfach neu herausgegeben, in neuen Einbänden – und erreicht so immer neue Leser. 2019 erschien mein Buch „Anna German. 100 Erinnerungen an die große Sängerin“ in polnischer Übersetzung in Polen. Ich reiste mit der Buchpräsentation durch viele Städte: Sopot, Zielona Gora, Legnica, Breslau und andere.
Zu meinen unmittelbaren Plänen gehört eine sehr ungewöhnliche Veröffentlichung: „Das Märchen vom schnellfliegenden Star“, das Anna German kurz vor ihrem Tod für ihren Sohn schrieb. Ich habe es ins Russische übersetzt und eine junge Künstlerin hat dazu wunderbare Illustrationen angefertigt. Das neue Buch wird nicht nur das Märchen enthalten, sondern auch Ausschnitte aus Interviews über Mutterschaft, Briefe an Anna Katschalina über Geburt und Erziehung, Zitate aus Kinder- und Wiegenliedern von Anna German.

Präsentation des Buches von Iwan Iljitschow-Wolkanowski „Anna German. 100 Erinnerungen an die große Sängerin“ im Russischen Zentrum für Wissenschaft und Kultur in Warschau, 2019
Sie bereiten gerade ein neues Buch vor. Was wird darin Neues zu finden sein und wann kann man es erwarten?
Zum 90. Geburtstag von Anna German ist die Veröffentlichung eines neuen sensationellen Buches „Anna German. Kehre zurück nach Urganch“ geplant. Das Buch erscheint im Jahr 2026 gleichzeitig in zwei Ländern: in Usbekistan und in Russland. Ich bin Co-Autor dieses Buches zusammen mit Olgana Nafikowa (usbekische Biografin von Anna German aus Taschkent) und Margarita Unruh-Zyganowa (Forscherin der Mennonitengeschichte, sie ist im gleichen Jahrgang wie Anna German, Russlanddeutsche aus Chemnitz).
Das neue Buch ist im Grunde keine Biografie der Sängerin Anna German. Es erzählt die Geschichte des kleinen Mädchens Anja Martens aus einer russlanddeutschen Familie, geboren 1936 in der fernen usbekischen Stadt Urganch. Es ist die Geschichte ihrer Vorfahren mütterlicher- und väterlicherseits – deutscher und holländischer Siedler. Es erzählt von der Entrechtung der Russlanddeutschen, ihrer Entbehrungen und den Repressionen, von Trennung und Leid.
Es ist eine tragische Geschichte über die Verhaftung und Erschießung von Annas Vater, Eugen German, sowie einzigartige, sensationell freigegebene NKWD-Dokumente. Ebenso außergewöhnlich ist die Geschichte von Rudolf German – Annas Bruder, den die Sängerin in ihrem Leben nie traf: die Geschichte zweier getrennter Verwandter. Im Buch wird außerdem von Eugen Germans anderen beiden Kindern berichtet – von Elena German (Annas ältere Schwester) und Friedrich German (Annas jüngere Bruder). Der Leser bekommt Auszüge aus dem Tagebuch von Annas Mutter Irma Berner (Martens) zu lesen, ins Russische übersetzt.
Im Kern spiegelt das Buch die Geschichte von Hunderttausenden Schicksalen der Russlanddeutschen wider, deren Leben in der UdSSR in die grausamen Jahre der Repressionen und des Krieges fällt – in die 1930er bis 1940er Jahre. Eine Geschichte voller Schmerz und Tränen.
Von uns Autoren wurde zudem ein unglaublicher Wert auf Illustrationen gelegt, die wir über viele Jahre, genauer gesagt mehr als fünfzehn, mit großer Geduld zusammensuchten: Dokumente aus Archiven Usbekistans, Kasachstans, Kirgisistans, Turkmenistans, Polens, Russlands sowie aus privaten Archiven von Annas Familie und gefundenen Verwandten, die wir im Laufe der Arbeit kennenlernten.
Das Buch ist bereits druckfertig, und ich habe mit der Arbeit an einem weiteren begonnen – vorläufig mit dem Titel: „Anna German. Schicksal und Lieder“. Dieses Buch wird als Kalender des Lebens von Anna German aufgebaut sein, basierend auf Auszügen ihrer Interviews, Memoiren, Briefe sowie Presseveröffentlichungen und Erinnerungen an die Sängerin.

Iwan Iljitschow-Wolkanowski mit seinem Buch über Anna German, veröffentlicht in Polen im Jahr 2019
Фото: Wlada Gorbowskaja
Also kurz gesagt, wird der Leser in dem neuen Buch mehr über die deutsche Seite von Annas Biografie erfahren. War die Erforschung dieses Themas schwierig? Sprechen Sie selbst Deutsch?
Deutsch spreche ich nicht. Deshalb helfen mir Übersetzer bei der Arbeit mit deutschen Dokumenten. Bei einem kürzlich im Deutsch-Russischen Haus in Moskau stattgefundenen Abend zum 90. Geburtstag von Anna German stellte ich erstmals ein einzigartiges, deutsches Schreiben von Anna German vor. Es handelt sich um einen Brief an ihre Mutter, in dem Anna ausführlich von den Vorbereitungen zur Aufnahme eines Zyklus von Liedern in deutscher Sprache berichtet. Geplant war ein Zyklus von Eigenkompositionen Annas, übersetzt vom Polnischen ins Deutsche. Im Brief erwähnt Anna Verleger aus Frankfurt, die die Veröffentlichung dieser Aufnahmen realisieren sollten. Leider kam es nie dazu. Doch einige Lieder auf Deutsch hat Anna German tatsächlich aufgenommen.
Könnten Sie unseren Lesern eine interessante, wenig bekannte Tatsache aus Annas Biografie mitteilen?
Beim Forschen über Anna fiel mir immer wieder auf, welche einzigartige kreative Persönlichkeit sie war und wie bescheiden sie menschlich geblieben ist… Zum Beispiel erzählte Herr Tucholski, wie Anna einmal beim Aufnehmen eines Liedes im Studio keinen guten Take hinbekam. Anna bat ihn, nach Hause zu fahren und ihr eine andere Bluse zu holen. Nach 30 Minuten kam er zurück, Anna zog sich um und nahm das Lied beim ersten Take perfekt auf. Das zeigt ihre feine Veranlagung und Sensibilität… Auch ihre Moskauer Freunde berichteten, dass Anna im Studio dort fast immer barfuß aufgenommen hat. Sie liebte es auch, Menschen in ihrer Umgebung zu beschenken – oft sogar Fremden.
Mich beeindruckte besonders, dass Anna German fast alle Briefe beantwortete, die sie aus aller Welt erhielt – es waren hunderte. Meist von unbekannten Menschen. Anna schrieb Antwortkarten oder kleine Notizen, und viele bewahren diese Autogramme der großen Sängerin bis heute auf.
Wie oft veranstalten Sie Konzerte und Gedenkabende, die der Sängerin gewidmet sind, und wo finden sie statt?
Seit vielen Jahren finden Gedenkabende für Anna German in Moskau statt. Einer der denkwürdigsten Konzerte war am 18. Mai 2003 in der Staatlichen Zentralen Konzerthalle „Rossija“, wo die Familie von Anna German anwesend war und dort ein Stern auf dem Sternenplatz der Sängerin gewidmet wurde. Gedenk-Konzerte fanden auch im Estradentheater, im A.S.-Pushkin-Museum sowie im Kirchensaal der Christi-Erlöser-Kathedrale statt. Seit 2024 werden große Gedenkabende auch in Sankt Petersburg im Großen Konzertsaal „Oktjabrskij“ veranstaltet. Dort singen Solisten aus verschiedenen Ländern, und jedes Jahr wird ein neues Programm mit Orchester oder Ensemble vorbereitet. Für mich als Autor und Regisseur ist es wichtig, dass jedes Konzert ein Ganzes bildet – mit bekannten und seltenen Liedern. Die Zuschauer kommen nicht nur zur Unterhaltung und um bekannte Hits zu hören, sondern tauchen in Annas Welt ein – in ihre reinen, ehrlichen Lieder, die auch bei jungen Generationen großen Anklang finden. In den letzten Jahren ist das Publikum bei Anna German Konzerten deutlich jünger geworden. Das zeigt, dass ihr Werk nicht veraltet ist, sondern in eine neue Ära übergeht, in der junge Menschen diese Sängerin und ihr faszinierendes Schicksal entdecken.
Außerdem finden jährlich Gedenkabende und Konzerte auch in Annas Heimat Usbekistan statt. Im Jahr 2026 wird das Jubiläumskonzert zu ihrem 90. Geburtstag am 16. Mai im Staatlichen Opern- und Balletttheater Alischer Nawoi in Taschkent stattfinden.

Iwan Iljitschow-Wolkanowski mit den Preisträgerinnen des V. Internationalen Festivals-Wettbewerbs имени Anna German – Shan Anqi (China) und Kamilla Astanakulowa (Usbekistan) im Anna-German-Park in Moskau, Mai 2023.
Фото: Foto aus dem Archiv von Iwan Iljitschow-Wolkanowski.
Warum, glauben Sie, ziehen Veranstaltungen, die Anna German gewidmet sind, immer wieder so viele Menschenmengen an?
In den letzten Jahren habe ich das Format aller Konzerte als musikalisch-biografisch definiert. Dieses Format interessiert die Zuschauer am meisten. Es werden nicht nur Lieder gespielt; die Konzerte sind reich an Auszügen aus Annas Interviews und Briefen, russischen Tonaufnahmen und einzigartigen Videomaterialien… Nach jedem Konzert schreiben die Zuschauer, dass sie das Gefühl hatten, Anna German selbst zuzuhören. Das ist die größte Auszeichnung und zeigt, dass das Interesse der Zuschauer nicht nur der Musik gilt, sondern auch Annas Schicksal, ihrer Philosophie und sogar ihrer Stimme.
Jährlich findet in Moskau das Internationale Festival-Wettbewerb zu Ehren von Anna German „Gärten blühen in unseren Seelen“ statt. Sie sind Jurymitglied. Erzählen Sie uns bitte etwas über den Wettbewerb.
In diesem Jahr findet das Festival zum achten Mal statt. In den vergangenen Jahren nahmen Teilnehmer aus vielen russischen Städten sowie aus Weißrussland, Usbekistan, China und sogar Japan teil. In diesem Jahr findet der Wettbewerb am 3. Mai und das Galakonzert des Festivals am 30. Mai statt. Im Internet gibt es eine offizielle Festivalgruppe mit Teilnahmebedingungen. Jeder kann sich anmelden, es gibt keine Altersbeschränkung. Dieses Jahr wählen wir Preisträger in zwei Kategorien: Lieder von Anna German in verschiedenen Sprachen und Russische Romanzen.
Gewinner sind jene Teilnehmer, die seltene Lieder mit interessanter Interpretation präsentieren. Ich hoffe sehr, dass dieses Jahr jemand deutsche Lieder von Anna German auswählt.
Sie erwähnten, dass das Werk von Anna German auch bei der jüngeren Generation gefragt ist. Warum sind ihre Lieder auch heute noch so beliebt und ansprechend, selbst bei jungen Leuten?
Es ist erstaunlich, dass junge Leute Anna German hauptsächlich über das Internet entdecken. Viele fanden die Sängerin durch die TV-Serie „Anna German“ – diese brachte ihr eine neue Zuhörerschaft aus Millennials und Zoomern. Soziale Netzwerke füllen sich jährlich mit Hunderten und Tausenden Kurzvideos, Reels und Stories zu ihren Liedern. Anna Germans Lieder laufen in jedem großen TV-Format. Durch das Internet erleben vergessene Lieder eine neue Blüte. Ein einzigartiges Beispiel ist das Lied „Die Stadt der Verliebten“. Anna nahm es 1965 auf Platte auf, sang es danach nie live oder im Fernsehen. Nach einem halben Jahrhundert „rockt“ dieses Lied die junge Generation mehr als ihr Hit „Echo der Liebe“. Es wird bei allen Vokalprojekten gesungen und sogar auch von Chibla Gersmawa aufgenommen. Bei dem Wettbewerb-Festival zu Ehren von Anna German erhalten wir jährlich rund 50–60 Bewerbungen für dieses Lied.
Wenn ich die jungen Teilnehmer frage, was sie an Anna German fasziniert, sagen alle einstimmig: ihre Stimme und ihre zeitlosen, herzlichen Lieder.
Jugendliche empfinden die Lieder anders, auf ihre eigene Weise. Sie fühlen sich zu ihnen hingezogen. Ich denke, die heutige Zeit ist schwierig – Ehrlichkeit, Herzlichkeit und Seelenwärme sind Mangelware. Doch in Anna Germans Liedern findet man genau das in Hülle und Fülle.
Sie selbst interpretieren auch Lieder von Anna German. Nennen Sie uns bitte ein Lieblingsstück.
Ich liebe besonders die polnischen Lieder von Anna German. Leider kennt sie in Russland kaum jemand. Aber sie sind wunderschön – sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Dort findet man sehr tiefe poetische Liedtexte. Unter den russischsprachigen Liedern von Anna German höre ich am häufigsten ihre ruhigen Lieder, die die Seele beruhigen und wärmen: „Dämmerung“, „Aquarell“, „Ich gehe allein auf der Straße“…
Welche großen Veranstaltungen sind im Jubiläumsjahr 2026 zu Ehren der Sängerin geplant?
Die großen Jubiläumskonzerte fanden traditionell im Februar dieses Jahres in Moskau, Sankt Petersburg und Wladimir statt, sie waren dem Geburtstag von Anna German gewidmet. Im Mai folgt Taschkent. Wir erwarten die Veröffentlichung des Buches „Anna German. Kehre zurück nach Urganch“. Ich arbeite an neuen Ausgaben und Publikationen. Außerdem betreue ich die offizielle Anna-German-Gruppe in den sozialen Netzwerken, wo fast jede Woche neue Beiträge über das Schaffen und Schicksal der Sängerin erscheinen.



