Vier Tage intensiver Zusammenarbeit, lebhafter Dialog und fachlicher Austausch – so verliefen die Arbeitstreffen der Koordinatoren der ethnokulturellen Sprachtreffen (EST), die vom 25. bis 28. Februar im Deutsch-Russischen Haus in Moskau stattfanden. Hauptreferentin des Projekts war die Methodikerin und Deutschlehrerin Natalja Koslowa. Gemeinsam mit den Teilnehmern erarbeitete sie Schritt für Schritt die Inhalte der zukünftigen regionalen Programme. Wir sprachen mit ihr über die wichtigsten Ergebnisse des Treffens, die erzielten Resultate und die Erwartungen an die kommende Arbeit.
Natalja Koslowa – Methodikerin, Deutschlehrerin und Mitglied des Expertenrats des Instituts für ethnokulturelle Bildung – begleitete die Teilnehmer während der gesamten vier Tage der Arbeitstreffen. Zusammen mit Koordinatoren aus verschiedenen Regionen arbeitete sie an der Ausgestaltung der Programme der regionalen EST sowie der ethnokulturellen Sprachplattformen (ESP).
Besonderes Augenmerk wurde auf die Vorbereitung des Programms „Arbeitstreffen für die Organisationsteams der föderalen und regionalen EST und ESP“ sowie auf die Entwicklung von Themenblöcken zum Jubiläum – dem 30-jährigen Bestehen der ethnokulturellen Sprachtreffen – gelegt. Ein wichtiger Teil der Arbeit war außerdem die Einarbeitung in Instrumente zur Informationsbegleitung von Projekten.
— Die Arbeitstreffen im DRH in Moskau sind zu Ende gegangen. Mit welchen Eindrücken verlassen Sie das Projekt und was war für Sie das wichtigste Ergebnis?
— Zu Beginn wurden mir vom Leiter der Sprachabteilung Aufgaben gestellt, die einen klaren Praxisbezug hatten. Das Ziel des Arbeitstreffens bestand darin, konkrete praktische Materialien zu erarbeiten. Ein wichtiges Ergebnis war die Vorbereitung einesProgrammpunktes für eine Versammlung. Im Laufe der Arbeit führten wir gemeinsam mit den Teilnehmern ein Brainstorming durch und legten die zentralen Aspekte fest, die für die Durchführung erforderlich sind: die wichtigsten Themenblöcke, die Zielgruppen sowie Bereiche, für die bereits Programme entwickelt werden. Diese Gesamtheit an Ergebnissen kann man als eines der wichtigsten Produkte des Arbeitstreffens bezeichnen.
Ein weiteres bedeutendes Resultat war die Entwicklung einer ganzen Reihe von Veranstaltungsformaten zum 30-jährigen Jubiläum der ethnokulturellen Sprachtreffen. Das erste ethnokulturelle Sprachcamp fand 1996 statt, und seitdem wird die Geschichte dieses Projekts kontinuierlich fortgeschrieben. Dieses wichtige Datum wollten wir selbstverständlich berücksichtigen. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch die regionalen EST dieses Jubiläum entsprechend würdigen.
Besonderen Wert legten wir auf die Qualität der zukünftigen Veranstaltungen – auf inhaltliche Genauigkeit, historische Authentizität und die Vermeidung von Ungenauigkeiten. Im Rahmen des Arbeitstreffens wurden daher verschiedene Formate entwickelt, auf deren Grundlage die Kollegen anschließend Projekte vorstellten, die sie in ihren Regionen umsetzen möchten.
— In welchen Regionen ist die Durchführung von Jubiläumsveranstaltungen geplant?
— Wir verfügen über eine große Anzahl von Veranstaltungsorten im ganzen Land – im vergangenen Jahr waren es etwa 60. Entsprechend finden ethnokulturelle Sprachtreffen in ganz Russland statt: von Chabarowsk bis Kaliningrad, vom Süden bis in den Norden. In verschiedenen Regionen werden Formate mit Tages- und mehrtägigen Programmen für Kinder, Jugendliche und Familien umgesetzt. Alle Ergebnisse, die wir gemeinsam im Rahmen des Arbeitstreffens erarbeitet haben, werden an die Regionen weitergegeben und dort an die lokalen Gegebenheiten angepasst. In der Regel beginnen die Veranstaltungen im Sommer, meist im Juni. Darüber hinaus finden Programme in den Herbstferien und teilweise auch in der Weihnachtszeit statt. Wir planen, dass jedes ethnokulturelle Sprachtreffen Elemente und Formate aufgreift, die zum 30-jährigen Jubiläum der EST entwickelt wurden, und sie entsprechend den regionalen Besonderheiten der jeweiligen Zentren umsetzt.
— Welche praktischen Themenblöcke fanden bei den Teilnehmern – und auch bei Ihnen persönlich – den größten Anklang?
— Wir arbeiteten mit praxisorientierten Themenblöcken und organisierten einenErfahrungsaustausch. Die Teilnehmer kamen mit vorbereiteten „Hausaufgaben” und präsentierten ihre Ergebnisse – darunter Formate und Themenblöcke zur Geschichte der Russlanddeutschen. Dabei ging es vor allem darum, wie diese Inhalte bereits im Rahmen der EST umgesetzt werden und welche Ansätze sich in der Praxis bewährt haben. Dies ermöglichte einen wertvollen Austausch und erlaubte es den Teilnehmern, ihre Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.
Auch für mich persönlich war dieses Format besonders wertvoll. Zum einen liegt mir das Thema der Geschichte der Russlanddeutschen sehr am Herzen, zum anderen bietet der Erfahrungsaustausch immer die Möglichkeit, neue Ideen und Impulse zu gewinnen und sie später erfolgreich in der eigenen Arbeit umzusetzen. Wichtig war dabei, dass wir vor allem über bereits bewährte und praxiserprobte Methoden gesprochen haben und nicht über experimentelle Ansätze.
Darüber hinaus gab es auch einen informativen Teil. Der Leiter des Fachbereichs Deutsch, Denis Zykalow, stellte ausführlich das Gesamtkonzept der EST vor, erläuterte die Anforderungen und die Struktur des Projekts und machte auf wichtige Aspekte aufmerksam, die die Organisatoren berücksichtigen sollten. Dieses Thema stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse und war sowohl für erfahrene Koordinatoren als auch für diejenigen, die gerade erst EST-Projekten beginnen, sehr hilfreich. Unter den Teilnehmern waren sowohl sehr erfahrene Koordinatoren als auch solche, die erst am Anfang ihrer Arbeit stehen. Unabhängig vom Erfahrungsstand beteiligten sich jedoch alle aktiv an den Diskussionen und stellten zahlreiche Fragen. Jede Frage wurde ausführlich und fundiert beantwortet, wodurch viele wichtige Arbeitsaspekte geklärt werden konnten und die Aufmerksamkeit auf zentrale Aspekte der Projektumsetzung gelenkt werden konnte.
Einen starken Eindruck hinterließ auch der analytische Teil, der sich mit der Bewertung der Wirksamkeit der EST-Projekte für den Zeitraum 2024–2025 befasste, die in verschiedenen Regionen des Landes umgesetzt wurden. Dabei wurde eine umfangreiche Analysedurchgeführt: Aus den Expertengutachten wurden sowohl die Stärken der Projekte als auch mögliche Entwicklungsbereiche herausgearbeitet. Den Teilnehmern wurden konkrete Empfehlungen gegeben, wie sie die Effektivität zukünftiger Maßnahmen steigern können.
Besonders wertvoll war dabei die Möglichkeit, eine Vielzahl von Projekten aus einer Außenperspektive zu betrachten, typische Fehler und erfolgreiche Lösungen zu vergleichen und wichtige Empfehlungen für die eigene Arbeit festzuhalten.
— Mit welchen Erwartungen kamen die Teilnehmer und mit welchen gingen sie?
— Selbstverständlich erhielten alle Teilnehmer im Voraus das Programm des Arbeitstreffens und hatten eine allgemeine Vorstellung von der bevorstehenden Arbeit. Dennoch ist es im Vorfeld nicht immer möglich, genau zu wissen, welche Ergebnisse die gemeinsame Arbeitletztlich bringen wird, in welchem Format die Arbeit in Teilen aufgebaut sein wird und welche praktischen Ergebnisse sie bringen wird.
Während des Treffens entdeckten selbst erfahrene Teilnehmer viele neue Aspekte für sich. Viele stellten fest, dass ihre Interessen, Bedürfnisse und beruflichen Anforderungen im Rahmen des Treffens tatsächlich berücksichtigt wurden. Dies zeigte sich besonders deutlich bei der abschließenden Reflexion: Die Teilnehmer betonten, wie wichtig es für sie war, bestehende Schwierigkeiten offen anzusprechen und zu sehen, dass diese Fragen von derProjektleitung und den Experten ernst genommen werden. Natürlich stimmen Erwartungen nicht immer vollständig mit der Realität überein, doch insgesamt erwies sich das Arbeitstreffen für die Teilnehmer als sehr nützlich, informativ und hinterließ einen positiven Eindruck.
— Wie war die Atmosphäre während des Treffens? Ist es gelungen, einen lebendigen Dialog zu schaffen?
— Die meisten Kollegen kennen sich bereits gut, da wir uns nicht zum ersten Mal treffen. Viele haben bereits an Seminaren, Arbeitstreffen oder ethnokulturellen Sprachtreffen teilgenommen und laden sich gegenseitig zu verschiedenen Projekten ein. Dadurch entstand von Anfang an eine angenehme und vertrauensvolle Atmosphäre.
Alle Teilnehmer arbeiteten sehr engagiert, beteiligten sich aktiv an den Diskussionen und zeigten eine hohe Motivation. Meiner Meinung nach hat dieses Arbeitstreffen deutlich gezeigt, wie effektiv und erfolgreich die Teilnehmer in ihrer Arbeit sind. Sie arbeiteten gern zusammen, ergänzten sich gegenseitig und bildeten ein starkes, professionelles Team.
Jeder Teilnehmer verfügt über ein großes Potenzial – und das ist auch notwendig, denn die Arbeit im Rahmen eines Projekts wie den EST erfordert besondere Kompetenzen. Diese Menschen arbeiten mit unterschiedlichen Zielgruppen, bauen nachhaltige Kommunikations- und Vertrauensbeziehungen auf und müssen flexibel, mobil und psychologisch darauf vorbereitet sein. Gleichzeitig ist es wichtig, eine positive und unterstützende Atmosphäre innerhalb der Projekte zu schaffen.
— Was möchten Sie den Teilnehmern zum Abschluss des Arbeitstreffens wünschen?
Da uns alle die Arbeit im Rahmen der ethnokulturellen Sprachtreffen verbindet, wünsche ich meinen Kollegen vor allem erfolgreiche Projekte, interessierte und verständnisvolle Teilnehmer, die bereit sind, die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen, sowie eine lebendige und positive emotionale Resonanz auf diese Initiativen. Ich wünsche meinen Kollegen von Herzen Inspiration, Selbstvertrauen und weiterhin viel beruflichen Erfolg.
Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Unterstützungsprogramms für Russlanddeutsche in der Russischen Föderation durchgeführt.
Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Ruge




