„Die Physiker“ auf Deutsch: Eine Theateraufführung im DRH Moskau


Am 27. März 2026 fand im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die Aufführung des Stücks „Die Physiker“ statt, das auf dem gleichnamigen Werk des Schweizer Dramatikers Friedrich Dürrenmatt basiert. Die Inszenierung in deutscher Sprache wurde vom Theater des Deutschclubs der Nationalen Forschungsuniversität „Hochschule für Wirtschaft“ „gut geDACHt“ präsentiert. Dieser Abend brachte Freunde der deutschen Sprache, Fans intelligenter Theaterkunst und all jene, die sich für moderne deutschsprachige Dramatik begeistern, zusammen.

Die gesamte Aufführung wurde auf Deutsch gespielt, was dem Publikum ermöglichte, noch tiefer in die Originalatmosphäre des Werkes einzutauchen. Das Event wurde anlässlich des 105. Geburtstags von Friedrich Dürrenmatt organisiert und stieß auf reges Interesse: Der Saal „Berlin“ im Deutsch-Russischen Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Im Zentrum der Handlung steht eine exklusive psychiatrische Klinik, in der drei Patienten sich selbst für große Wissenschaftler halten: Isaac Newton, Albert Einstein und den Physiker Johann Wilhelm Möbius. Hinter der scheinbaren Absurdität und humorvollen Darstellungsform verbergen sich tiefgehende Überlegungen zu Wissenschaft, moralischer Verantwortung des Forschers und dem Schicksal der Menschheit.

Der künstlerische Leiter des Theaters des Deutschclubs der „Hochschule für Wirtschaft“ „gut geDACHt“, Pawel Nikolaew, erläuterte, warum gerade dieses Werk gewählt wurde: „Schon während meines Bachelor-Studiums in Orenburg habe ich in einer Inszenierung nach Motiven von ‚Die Physiker‘ gespielt. Das Stück beeindruckte mich durch seine Tiefe und Aktualität. Als ich später Lehrer wurde, spürte ich, dass mir kreative Tätigkeiten fehlten, und entschied mich, ein Theater auf Basis des Deutschclubs der Hochschule für Wirtschaft zu gründen. Ich war überwältigt, wie viele Studierende sofort Interesse zeigten und Teil dieses Projekts werden wollten. Wir haben heute ein sehr engagiertes Team, das durch die Liebe zum Theater und zur deutschen Sprache zusammengeschweißt ist.“

Laut Herrn Nikolaew bleibt Dürrenmatts Werk auch heute noch relevant, denn es spricht ein universelles Thema an: die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für die Ergebnisse seiner Arbeit. „Es ist eine Geschichte darüber, dass jeder Mensch – ob Wissenschaftler oder Laie – stets Verantwortung gegenüber der Menschheit trägt für das, was er tut“, erklärt er.

Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf dem Format der Aufführung in deutscher Sprache. Der Regisseur betont, dass es ihm nicht nur darum ging, eine vollständige Theater-Performance zu schaffen, sondern den Studierenden auch Raum zur kreativen Entfaltung und Sprachpraxis zu bieten: „Das Wichtigste ist, den Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich ausdrücken zu können. Und natürlich ist das Theater eine großartige Gelegenheit, die deutsche Sprache praktisch zu erlernen. Erstaunlicherweise haben wir bereits im Frühjahr 2025 mit den Vorbereitungen begonnen und im April bereits auf der Bühne gestanden. Alle haben viel Freude daran, sowohl zu schauspielern als auch ihre Sprachkenntnisse durch das Theater zu verbessern.“

Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Haus in Moskau, da hier Menschen zusammenkommen, die echtes Interesse an der deutschen Sprache und Kultur haben. Heute war der Saal voll – das bedeutet uns viel: Das Interesse an deutscher und schweizerischer Kultur bleibt lebendig. Ein großes Dankeschön für die Bühne, die herzliche Gastfreundschaft und die Gelegenheit, das Stück zu zeigen.

Auch Schauspieler Dmitri Slawnow teilte seine Eindrücke: „Die Atmosphäre war einfach großartig. Wir treten in dieser Gruppe nicht zum ersten Mal auf – es ist ein eingespieltes, warmherziges und unterstützendes Team, in dem jeder jederzeit bereit ist, einem anderen zu helfen.“

Dmitri erzählte, dass die deutsche Sprache ihn schon seit vielen Jahren begleitet: „Ich lerne seit etwa 15 Jahren Deutsch, habe eine deutsche Schule besucht und an Sprachtauschprogrammen teilgenommen. Während meines Studiums leitete ich die Gruppe ‚gut geDACHt‘, und mit der Ankunft unseres künstlerischen Leiters Pawel Nikolaew entstand die Idee, das Stück ‚Die Physiker‘ aufzuführen.“

Seine Worte verdeutlichen, dass die größte Herausforderung für die Inszenierung nicht nur im sprachlichen Bereich liegt, sondern darin, die Atmosphäre der Zeit und die innere Welt der Figuren durch die deutsche Sprache zu vermitteln: „Die größte Schwierigkeit besteht darin, mit der Sprache die Stimmung der Epoche und die Hauptidee des Charakters zu vermitteln“

Für mich ist das Theater eine Chance, die deutsche Sprache auf eine kreative Weise zu präsentieren. Wir sind überzeugt, dass die deutsche Sprache eine besondere romantische, äußerst feinsinnige Form besitzt, die es wert ist, gehört und gefühlt zu werden.

Die Aufführung von „Die Physiker“ hat erneut bestätigt, dass Deutsch nicht nur in akademischen Kreisen, sondern auch auf der Bühne lebendig, emotional und modern erklingen kann. Für die Studierenden der Nationalen Forschungsuniversität „Hochschule für Wirtschaft“ wurde dieses Projekt mehr als nur eine kreative Arbeit – es wurde zu einem echten Raum für Sprachentwicklung, Teamarbeit und einen lebhaften Dialog mit dem klassischen deutschsprachigen Drama.“


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen in der Russischen Föderation realisiert.

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