„‚Tolles Diktat‘ ist mehr als nur eine Aktion“: „Alte Hasen“ über die Bedeutung des Diktats in ihrem Leben


2026 findet die Gesamtrussische offene Aktion „Tolles Diktat“ zum 14. Mal statt (vom 16. bis 28. Februar)! Die Idee entstand in Tomsk: Das erste Diktat auf Deutsch wurde von Schülern der sibirischen Stadt geschrieben. Damals hätte sich jedoch niemand vorstellen können, dass die Veranstaltung einmal landesweit und dank ihres Online-Formats sogar international Verbreitung finden und Deutschbegeisterte aus verschiedenen Städten und Ländern zusammenbringen würde.

Im Vorfeld des neuen Diktats sprachen wir mit den „alten Hasen“ der Aktion, die seit vielen Jahren regelmäßig daran teilnehmen. Für sie ist das „Tolles Diktat“ mit der deutschen Sprache mehr als nur eine Aktion. Es ist ein gemeinsames Interesse, das Freunde, Partner, Großmütter und Enkelkinder verbindet. Es ist eine Quelle der persönlichen Weiterentwicklung und schöner Erinnerungen.

Maria Danilenko: Zehn Jahre dabei oder „Tolles Diktat“ als Teil des Lebens.

Maria Danilenko (geb. Suslowa) engagiert sich seit Langem im gesellschaftlichen Leben der Russlanddeutschen. Gäbe es Auszeichnungen für die Teilnahme an „Tolles Diktat“, hätte Maria bereits eine beeindruckende Medaillensammlung. Schon als Schülerin nahm sie an der allerersten Aktion teil, als das Diktat 2013 in Tomsk ins Leben gerufen wurde. Während „Tolles Diktat“ rasant wuchs und sich auf verschiedene Städte und Länder ausdehnte, schloss Maria die Schule ab, studierte anschließend, arbeitete im Deutsch-Russischen Haus (DRH) in Tomsk, zog nach Moskau um – und schrieb weiterhin jedes Jahr das Diktat. Sie wurde sogar einmal Vorleserin bei der Aktion.

– Maria, du warst die erste Person, die mir als Expertin für „Tolles Diktat“ in den Sinn kam. Du warst fast all diese Jahre mit dabei und hast sogar auch an der ersten Aktion teilgenommen. Ich möchte dich bitten, dein Gedächtnis aufzufrischen und die Zeit bis zu dem allerersten Diktat zurückzudrehen. Wie erinnerst du dich daran?

Das muss wohl in der achten Klasse gewesen sein. Unsere Deutschlehrerin lud uns ein, an der Aktion teilzunehmen. Die Schüler unserer Klasse, die Deutsch lernten, schrieben das Diktat – soweit ich mich erinnere, haben alle das gut gemacht. So hat dieses Projekt für mich angefangen. Damals ahnte niemand, dass daraus eine so große, landesweite und jährliche Aktion werden würde! Von 2013 bis 2015 habe ich also in der Schule Diktate geschrieben. Damals motivierte uns die Lehrerin und wir Schüler machten auch gerne mit. Zu dem Zeitpunkt hatte ich natürlich noch nicht die Idee: „Ich bin so eine tolle Teilnehmerin an dieser Aktion und werde noch jahrelang dabei sein.“

- Und was hat dich dann später motiviert Jahr für Jahr am Diktat teilzunehmen?

Während meines Studiums interessierte ich mich schon selbst dafür. Damals gab es im Lehrplan keine Diktate – es ging eher um Sprachpraxis. Und der Text der Aktion wurde oft von einem Muttersprachler vorgelesen, und das Diktatformat ist eine gute Möglichkeit, das Hörverstehen zu trainieren. Manchmal schrieb ich das Diktat sowohl an der Universität als auch im Deutsch-Russischen Haus und wählte dabei unterschiedliche Sprachniveaus. Während meiner Arbeit im DRH in Tomsk unterstützte ich die Aktion und die Teilnehmer, aber übte damit auch selbst. Nach einiger Zeit wurde ich gebeten, den Text für das Diktat vorzulesen. Es war wohl eine der schönsten und ungewöhnlichsten meinen Erfahrungen! Es war, als würde ich als Ehrenmitglied der Aktion und gleichzeitig als Profi anerkannt.

- Das Vorlesen ist eine andere Seite des „Tolles Diktats“. Erzähl bitte mehr darüber.

Ich finde es sogar noch spannender und anspruchsvoller als das Schreiben des Diktats. Denn man fühlt sich nicht nur für sich selbst und die eigene Arbeit verantwortlich, sondern für alle: wie die Teilnehmer schreiben werden, ob ich mich ausreichend vorbereitet und gut genug gelesen habe.

Ich las einen Text auf A1-Niveau. Also es waren Menschen, die gerade ihre ersten Schritte im Deutschlernen machten. Und ich hatte noch mehr Respekt vor ihnen, als wären sie ‚Kinder‘, obwohl die Schreibenden Erwachsene waren. Ich freute mich sehr für sie und achtete darauf, dass sie alles hörten, verstanden, fühlten und deutlich aufschrieben, damit mein Vorlesen sie nicht behinderte, sondern ihnen half.

Es ist eine Verantwortung auf A1-Niveau, die Lernenden zu motivieren, damit sie weiterhin Deutsch lernen und ‚Tolles Diktat‘ schreiben. Die Einladung, Vorleserin zu werden, fühlte sich an wie eine Bestätigung meiner guten Deutschkenntnisse und meiner guten Aussprache. Deshalb wurde mir auch diese wichtige Aufgabe – das Vorlesen des Diktats – anvertraut. Es war ein angenehmer, innerer Ansporn.

- Wie empfindest du persönlich die Atmosphäre und den Charakter des Diktats?

Wenn man am „Totalen Diktat“ (russ. „Totalnij Diktant“, eine jährliche russlandweite Bildungsaktion zur Förderung der Schreib- und Lesefähigkeit in der russischen Sprache, Anm. d. R.) seine Russischkenntnisse prüft, ist es klar, dass Russisch für die meisten Menschen in unserem Land die Muttersprache ist. Auch bei dieser Veranstaltung werden die Kenntnisse getestet, aber die Teilnehmer sind ständig von russischsprachigen Menschen umgeben.

Und wenn Diktate zu bestimmten Themenbereichen stattfinden – Geschichte, Geografie, Deutsch – entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Es ist der Geist einer kleinen Gemeinschaft, deren Teilnehmer etwas Interessantes lernen und erleben. ‚Tolles Diktat‘ bietet die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten, die ähnliche Interessen teilen.

Vor dem Diktat lernen sich alle kennen und unterhalten sich, sodass man neue Leute kennenlernt und Erfahrungen austauscht. Die besondere Atmosphäre im Deutsch-Russischen Haus in Tomsk hat diese Stimmung für mich geprägt. Es ist ein herzlicher Ort, an dem ich immer Diktate geschrieben habe, und er weckt insgesamt schöne Erinnerungen an Freunde und meinen ersten Job.

Deshalb ist ‚Tolles Diktat‘ für mich mehr als nur eine Aktion. Es weckt schöne Erinnerungen an meine Schulzeit, mein Studium und das Deutsch-Russische Haus in Tomsk.

Ich glaube, das Jahr, in dem ich das Diktat gelesen habe, war mein letztes Jahr in Tomsk. Danach bin ich nach Moskau gezogen und habe schon hier ein paar Mal Diktate geschrieben.

- Welche weiteren positiven Auswirkungen hatte die Teilnahme an der Aktion für dich?

Dank der während des Diktats vorgelesenen Texte kann man neue Themen entdecken. Ich zum Beispiel habe mich nie für Fußball interessiert. Doch als Russland 2018 die Weltmeisterschaft ausrichtete, waren die Texte von „Tolles Diktat“ diesem Thema gewidmet. Ich hätte mich vielleicht nie gefragt, was die Weltmeisterschaft ist oder warum sie überhaupt stattfindet. Aber dank des Diktats habe ich zumindest ein bisschen etwas darüber gelernt. In einem anderen Jahr war der Text den Werken einer russischen Schriftstellerin deutscher Herkunft gewidmet. Und als das Deutsch-Russische Haus in Tomsk sein Jubiläum feierte, behandelten die Diktattexte dieses Thema. So erfuhren auch andere Menschen von Tomsk und unserem Haus, was ist natürlich sehr schön finde.

- Welchen Rat würdest du den aktuellen Teilnehmern von „Tolles Diktat“ geben, wie können sie ihre Zeit während des Diktats produktiv und angenehm nutzen?

Ich denke, es ist wichtig, keine Angst vor dem Ergebnis zu haben und nicht darüber nachzudenken. In erster Linie sollte man Spaß haben und neue Leute kennenlernen. Wenn man kein Zertifikat vorweisen muss, würde ich nicht einmal empfehlen, sich groß auf das Diktat vorzubereiten. Es ist spannend, einfach vorbeizukommen und zu sehen, was man spontan und ohne Vorbereitung schreiben kann, nur indem man den Text hört.

Es ist wichtig, nicht nach Ergebnissen zu streben, sondern den Moment zu genießen. So erkennt man seine wahren Stärken besser und sieht während des Diktats, wo man sich verbessern und welche Themen man wiederholen sollte. Ich denke, das ist eine bewusstere Vorbereitung, denn man bereitet sich nicht auf das Diktat vor, sondern auf sein Deutsch fürs Leben.

Wenn man in der Schule oder an der Universität ein Diktat schreibt, besteht der Wunsch, besser zu schreiben als die Mitschüler. Und später macht man weiter, nicht wegen des Ergebnisses, sondern aus Freude daran. Es ist ein tolles Gefühl, zu einem Diktat zu kommen und zu merken, dass man es nicht für jemand anderen, sondern für sich selbst tut.

Maxim Leichner: Ein Treffen mit Gleichgesinnten und ein Diktatwettbewerb für das junge Ehepaar.

Ein Aktivist des Jugendclubs der Russlanddeutschen „Grenzlos“ am Deutsch-Russischen Haus in Omsk und des Jugendrings der Russlanddeutschen sowie Vikar in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Omsk berichtet von seinen Erfahrungen beim „Tollen Diktat“.

- Maxim, wann hast du zum ersten Mal am „Tollen Diktat“ teilgenommen und wie lange machst du schon mit?

Ich habe vor sieben oder acht Jahren zum ersten Mal in der Schule mitgemacht. Seitdem bin ich jedes Jahr dabei. Ich glaube, mein erstes Diktat war auf dem Niveau A1 oder A2. Ich erinnere mich, dass ich damals auch gute Ergebnisse hatte. Ich studiere derzeit Fremdsprachenlehramt an der Staatlichen Pädagogischen Universität Omsk, und wir nehmen jedes Jahr am Diktat teil. Mein Niveau hat sich stetig verbessert, und jetzt schreibe ich auf dem Niveau C1.

- Super! Das ist eine deutliche Verbesserung von A1 zu C1. Verfolgst du deine Fortschritte von Diktat zu Diktat?

In allem, was mit Deutsch zu tun hat, strebe ich nach neuen Ergebnissen und fordere mich selbst heraus. Und hier zeigt sich ein klarer Trend: Letztes Jahr haben etwa dreißig Leute aus unserer Fakultät das C1-Diktat geschrieben. Fünf davon waren Finalisten: Vier schrieben mit ein oder zwei Fehlern, und eine Person schrieb fehlerfrei … und das war ich. Ich will hier nicht großtun, ich freue mich einfach, dass ich mich im Deutschen wirklich verbessere und durchweg positive Fortschritte sehe.

- Es erfordert enorme Motivation, so viele Jahre Disziplin aufrechtzuerhalten. Was bringt dir die Teilnahme am Diktat?

Zunächst einmal gefallen mir die Texte, die für das „Tolle Diktat“ ausgewählt werden; sie handeln oft von den Russlanddeutschen. Ich erinnere mich an einen Text über die Umsiedlung der Deutschen nach Russland und die Gründung von Siedlungen an der Wolga. Natürlich war mir das schon sehr gut bekannt. Aber ich war überrascht und erfreut, dass Menschen, die nichts mit der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen zu tun hatten, von dieser Geschichte erfuhren, „Tolles Diktat“ schrieben und nun davon wissen. Zweitens ist es eine wunderbare Möglichkeit, meine Deutschkenntnisse zu testen. Schließlich umfasst das Diktat fast alle Arten der Sprachkompetenz: Hören, Sprechen und Schreiben. Es ist also wirklich ein umfassender Selbsttest. Ich habe die meisten Diktate mehrmals im Jahr geschrieben: an der Universität und im Deutsch-Russischen Haus. In das DRH kommen wir oft zusammen mit unserem Jugendclub „Grenzlos“ zum Diktat hin.

Mir gefällt die Gruppe, die sich hier trifft, sehr gut. Und die Vorstellung, mich mit ihnen auf Deutsch unterhalten zu können, ist einfach fantastisch! ‚Tolles Diktat‘ bringt Gleichgesinnte zusammen. Meine Frau Oksana hat ebenfalls Deutsch gelernt und nimmt mit mir zusammen an der Aktion teil. Ich bin gespannt, wer dieses Jahr das beste Diktat schreibt. Wir machen mit ihr daraus einen kleinen Wettbewerb!

- Ich glaube, das könnte eine gute Familientradition werden. Wie würdest du persönlich die Bedeutung des Projekts „Tolles Diktat“ für die deutsche Sprache und das Leben der Russlanddeutschen einschätzen?

Mir gefällt die Idee dahinter. Ich erinnere mich, dass das Diktat früher „Totales“ hieß. Es ist tatsächlich ein „totales Diktat“, das in ganz Russland stattfindet und Menschen um ein gemeinsames Thema vereint.

Das ist wirklich toll! Es ist eine gute Möglichkeit den Menschen durch dieses Projekt etwas über die Russlanddeutschen zu erzählen. Jeder, der die Website von ‚Tolles Diktat‘ besucht oder einfach im Netz über die Aktion recherchiert, erfährt auf die eine oder andere Weise etwas über unsere Minderheit. Und das freut mich sehr.

Jewgeni und Olga Anisimow: „Tolles Diktat“ ist ein richtiger Fest.

Ein weiteres Ehepaar, für das die jährliche Teilnahme am „Tollen Diktat“ zu einer kleinen Familientradition geworden ist. Jewgeni Anisimow und Olga Anisimowa (geb. Ernst) begannen 2023 den deutschen Sprachklub im Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Jekaterinburg zu besuchen. Damals schrieben sie ihrem ersten Diktat auf Deutsch und tun dies seither regelmäßig gemeinsam.

- Das ist großartig! Sie haben gerade erst angefangen, eine neue Sprache zu lernen, und fünf Monate später testen Sie ihr Wissen schon mit einem Diktat. Welche Fortschritte haben Sie in den drei Jahren ihrer Teilnahme an der Aktion beim Sprachenlernen festgestellt?

Jewgeni: Wenn wir an unsere ersten Schreibversuche zurückdenken, war das nur ein wirres Durcheinander unverständlicher Wörter! Wir haben weder verstanden, was wir gehört, noch was geschrieben haben. Über den Inhalt haben wir uns gar keine Gedanken gemacht. Wie uns die Leiterin des Clubs sagte: „Wir kontrollieren bis zu zehn Fehler. Wenn in den ersten beiden Zeilen zehn Fehler sind, brauchen wir nicht weiter zu kontrollieren“. Als wir schon im zweiten und dritten Jahr mitmachten, verstanden wir besser, worum es ging. Wir hörten bekannte Wörter und erinnerten uns an die Schreibweise. Natürlich gab es Fehler, aber insgesamt schrieben wir das Diktat bewusster. Wir haben mitgeschrieben, sich selbst kontrolliert und gesehen, dass es Jahr für Jahr immer weniger Fehler gab und unser Verständnis wuchs. Das ist ermutigend!

Olga: Ja, es ist schön zu wissen, dass der Besuch des Sprachclubs nicht umsonst ist. In unserem Alter ist das Erlernen einer neuen Sprache ohnehin schon schwieriger.

Mit 10 statt mit 50 eine Fremdsprache zu lernen, macht einen riesigen Unterschied. Ich liebe Veranstaltungen wie ‚Tolles Diktat‘; sie zeigen mir die Ergebnisse meiner Arbeit.

Es ist ein tolles „Gehirntraining“, wie man so schön sagt. Man bekommt hier viele neue Informationen und es entstehen neue neuronale Verbindungen. Wir gewöhnen uns an bestimmte Routinen im Beruf und im Privatleben und handeln und denken oft automatisch. Deutschlernen ermöglicht jedoch ein ständiges Brainstorming, was der Entwicklung und vielem mehr zuträglich ist – es bietet außerdem soziale Interaktion und eine freundliche Atmosphäre.

- Bereiten Sie sich speziell auf das Diktat vor?

Jewgeni: Wir haben zweimal die Woche Unterricht. Aber das reicht nicht aus, um Fortschritte in einer Fremdsprache zu machen. Deshalb übt man zu Hause auch täglich und wiederholt den Stoff auf Deutsch. Das könnte man auch wohl als Vorbereitung auf das Diktat bezeichnen.

Olga: Wir schauen uns ab und zu kurze Lernvideos an. Mein Mann sieht abends Nachrichten auf Deutsch. Wenn man versucht, den Unterricht nicht zu verpassen und das Sprachenlernen verantwortungsbewusst angeht, dann fällt das Schreiben des Diktats natürlich leichter.

- Man könnte sagen, dass Sie sich das ganze Lehrjahr über systematisch vorbereiten und dann, wie bei einer persönlichen Prüfung, das Diktat schreiben.

Olga: Ja, genau so läuft es ab. Wir schreiben das Diktat in der zweiten Hälfte des Lernjahres und schon im April fängt in unserem Sprachclub die Sommerpause an. Das gibt den Lehrkräften Zeit, alles zu überprüfen und zusammenzufassen. Wir überprüfen uns selbst, und die Clubleiter überprüfen uns. Ich denke, es ist auch wichtig, dass die Lehrer Feedback zu ihrer Arbeit und dem, was sie der Gruppe beigebracht haben, erhalten.

- Wie schätzen Sie die Bedeutung der Aktion „Tolles Diktat“ insgesamt ein? Welche Rolle spielt sie bei der Popularisierung der deutschen Sprache?

Jewgeni: Ich denke, das Diktat ist sehr wichtig. Im Vorfeld gibt es viel Vorbereitung, inklusive Werbung und Informationen an verschiedenen Ressourcen, und viele Menschen engagieren sich. Sie schreiben das Diktat auf Deutsch und werden hoffentlich dadurch inspiriert und denken: „Warum nicht weiter Deutsch lernen?“

Olga: Ich stimme zu, es spielt eine wichtige Rolle bei der Popularisierung der deutschen Sprache. Man geht zum Unterricht, lernt und lernt, und es ist unklar, ob man es wirklich gelernt hat oder ob es überhaupt etwas gebracht hat. Das Diktat zeigt eine Momentaufnahme des eigenen Wissensstands. Hörverstehen ist der schwierigste Teil beim Sprachenlernen. Und beim Diktat leisten wir doppelte Arbeit: Wir müssen den Text richtig verstehen und ihn schriftlich wiedergeben – mit korrekter Zeichensetzung und Rechtschreibung. Es gibt eine witzige Aussage: Das ist ja so, als würde man fünf Fehler in einem Dreibuchstabenwort machen. Im Deutschen kann es wirklich so passieren. Für mich ist das eine gute, interessante Veranstaltung. Wir wissen, dass jedes Jahr im Februar ein Diktat stattfindet, und wir werden daran teilnehmen.

- Man könnte sagen, es ist eine Familientradition für euch – gemeinsam den Sprachclub zu besuchen und das Diktat zu schreiben. Das schweißt sehr zusammen!

Olga: Ja, es stärkt auch die Familienbeziehungen; solche Aktivitäten schaffen ein gemeinsames Hobby.

- Aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen bei dieser Veranstaltung: Welchen Rat würden Sie den aktuellen Teilnehmern geben?

Olga: Haben Sie keine Angst! Diese Veranstaltung dient nicht der Leistungsbewertung wie in der Schule, sondern dazu, herauszufinden, ob das Deutschlernen effektiv ist und wo Verbesserungsbedarf besteht. Sie können ganz entspannt an das Diktat herangehen: Die Atmosphäre ist sehr freundlich, der Text wird deutlich diktiert und – insbesondere für Anfängergruppen – mehrmals mit Pausen wiederholt.

Jewgeni: Ich empfehle, gut gelaunt, schick angezogen und mit guten Stiften zu kommen. Beim Diktat wird niemand geprüft, niemand fliegt raus und es gibt keine schlechten Noten. Man kann sich einfach mit Gleichgesinnten austauschen.

Den Text zu schreiben und zu sehen, dass er besser ist als letztes Jahr, und dass du das Diktat überhaupt geschrieben hast, das ist fast wie ein kleines Fest. Gehen Sie zum Diktat also mit einer positiven Einstellung!

Ljutsija Astaschowa: Deutsch als Zeit „für sich selbst“.

Hier eine weitere Geschichte darüber, wie die Liebe zur deutschen Sprache eine Familie verbindet. Ljutsija Astaschowa ist Schulpsychologin und Mitglied des deutschen Sprachclubs im Deutsch-Russischen Haus in Tomsk. Sie lernt Deutsch und nimmt mit ihren Enkelinnen aktiv an Veranstaltungen des Hauses teil.

- Erzählen Sie bitte von ihren Erfahrungen mit dem Diktat. Wie haben Sie zum ersten Mal an der Aktion teilgenommen?

Ich habe mit dem „Totalen Diktat“ auf Russisch angefangen. Es war wie ein Hobby. Schließlich unterrichte ich auch die russische Sprache und Literatur. Irgendwann dachte ich einfach, dass ich es ja auch mal mit Deutsch versuchen kann. Ich lernte die Sprache ja schon lange. Anfangs hatte ich etwas Angst und zweifelte an meinen Fähigkeiten. Aber unsere Lehrerin sagte: „Habt keine Angst, es gibt keinen Grund zur Sorge.“ Ich beschloss, ein Diktat auf A2-Niveau zu schreiben. Und das tat ich auch. Es stellte sich heraus, dass ich im Vergleich zu anderen Teilnehmenden ein sehr gutes Ergebnis erzielte. Im nächsten Jahr versuchte ich mich an einem B1-Diktat, und auch da war mein Niveau gut. Ich nehme also an der Aktion schon fünf oder sechs Jahren teil.

- Was motiviert Sie innerlich, regelmäßig am Diktat teilzunehmen?

Es geht mir um meine persönliche Weiterentwicklung. Ich arbeite als Lehrer und darf auf keinen Fall stillstehen – ich muss mich ständig weiterentwickeln und meinen Horizont erweitern. Ich vermittle Wissen, und dafür muss ich meine Kenntnisse immer verbessern. Ein Diplom einfach ins Regal zu stellen, reicht mir nicht aus. Mir ist es wichtig, ein hohes Bildungsniveau zu halten. Wir sind eine sehr gute Gruppe in unseren deutschen Sprachclub. Und wir lieben unseren Lehrer. Wir schreiben das Diktat alle gemeinsam. Ich denke, es hat auch einen gewissen Wettbewerbscharakter. Wie könnte es auch anders sein? Es ist immer noch interessant zu sehen, wie ich dieses Jahr im Vergleich zu den anderen geschrieben habe. Manchmal war ich die Beste in unserer Gruppe, im nächsten Jahr sah ich, dass mich jemand überholt hatte.

Tatsächlich ist mein ganzes Leben im Deutsch-Russischen Haus ein Zufluchtsort. Alles, was hier passiert – der Unterricht am Sprachclub, die Veranstaltungen – ist das, was man ‚Zeit für sich selbst‘ nennt.

Meine Enkelinnen besuchen auch gern das Haus. Die Ältere ist ein Stammgast und könnte glatt hier wohnen; sie nimmt an allen Wettbewerben und Aufführungen teil. Am Diktat haben sie noch nicht teilgenommen, weil sie noch zu jung sind: Die Ältere geht in die dritte Klasse, die Jüngere kommt gerade in die erste. Beide besuchen das Progymnasium „Kristina“ (eine Bildungseinrichtung in Tomsk mit einem umfassenden Deutschunterricht, inklusive Schule und Vorschulgruppen, Anm. d. R.). Sie sprechen schon recht gut Deutsch. Wenn sie von mir etwas über Deutsch hören, rufen meine Enkelinnen immer: „Oma, wir sind auch mit dabei!“

- Wahnsinn! Ich kann mir vorstellen, dass die Mädchen in absehbarer Zeit auch am Diktat teilnehmen werden.

Ich denke schon, denn es ist ein Familienhobby, und die deutsche Sprache wird in unserer Familie sehr gefördert.

- Aufgrund Ihrer Erfahrung als Lehrerin und Diktatteilnehmerin: Welchen Rat würden Sie den Teilnehmern geben?

Ich würde Ihnen raten, keine Angst davor zu haben, Ihre Fähigkeiten zu testen. Die Ergebnisse des Diktats werden ohnehin nicht bewertet. Dies ist wichtig für Ihre allgemeine Entwicklung und den Erhalt Ihrer Sprachbegabung. Man muss es einfach versuchen, keine Angst haben und immer weitermachen. Generell ist es wichtig, nicht stillzustehen oder zu stagnieren, sondern seine Kenntnisse und Fähigkeiten stetig zu erweitern!

Anna Senkowa: Inspirierende Zitate aus dem Diktat.

Eine Aktivistin des Jugendclubs der Russlanddeutschen „Grenzlos“ im Deutsch-Russischen Haus in Omsk teilte ihre Eindrücke von der Teilnahme am „Tollen Diktat“: „Mein erstes Diktat habe ich 2017 geschrieben, als ich noch zur Schule ging. Damals bekamen wir einfach eine Aufgabe – schreiben. Erst in der Oberstufe fing ich wirklich an, Spaß daran zu haben, denn Diktate behandeln meist interessante und neue Themen, die im Unterricht nicht vorkommen.

Ich studiere derzeit an der Universität und nehme weiterhin jährlich an der Aktion teil. Nach dem Schulabschluss lerne ich nicht mehr Deutsch, spreche es nur wenig und vergesse einiges. ‚Tolles Diktat‘ ist für mich eine gute Möglichkeit, mein aktuelles Niveau einzuschätzen und mein Deutsch aufzufrischen. Es gab schon so viele Diktate, dass ich mich gar nicht mehr an alle Themen erinnern kann. Aber letztes Jahr gefiel mir ein Zitat aus dem Text besonders gut und blieb mir im Gedächtnis: ‚Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt‘.“

Kirill Podrjadtschikow: „Wimmelbücher“ und Jugendveranstaltungen zum Tag der Muttersprache.

Die Aktion „Tolles Diktat“ findet jährlich in Verbindung mit dem Internationalen Tag der Muttersprache statt, der am 21. Februar begangen wird. Jedes Jahr organisieren deutsche Jugendliche in Sankt Petersburg anlässlich dieses Tages eine Online-Sprachchallenge oder eine spielerische Lernveranstaltung rund um die deutsche Sprache. Kirill Podrjadtschikow, Vorsitzender des Jugendclubs „Jugendblitz“ in Sankt Petersburg und Vorstandsmitglied des Jugendrings der Russlanddeutschen, sprach über die organisatorischen Aspekte der Veranstaltungen, die im Rahmen von „Tolles Diktat“ durchgeführt werden.

- Im Jahr 2023 erstellten wir zum Internationalen Tag der Muttersprache ein Bild, das 24 Wörter enthielt, die aus dem Deutschen ins Russische übernommen wurden. Es wurde sogar später in der Moskauer Deutschen Zeitung veröffentlicht.

Die Idee hinter dem Bild erinnert an Wimmelbücher. Dabei handelt es sich um ein Genre, bei dem man in einem großen Bild verschiedene versteckte Teile finden muss. Nach dem „Tollen Diktat“ druckten wir das Bild aus und laminierten es. Wir bringen es jetzt zu verschiedenen internationalen Veranstaltungen mit, damit die Teilnehmer die darin versteckten deutschen Wörter erraten können. Ich finde das Bild mit KatzeHund am lustigsten. Nicht jeder erkennt sofort, dass es Unsinn (russ. „erunda“ vermutlich aus dem Deutschen „HierUndDa“, Anm. d. R.) bedeutet.

Im selben Jahr veranstalteten wir zusammen mit dem Deutsch-Russischen Begegnungszentrum an der Petrikirche ein Projekt zum Tag der Muttersprache. Unsere Jugendgruppe bot dort Aktivitäten rund um die deutsche Sprache und die Russlanddeutschen an. Zum Projekt gehörten außerdem das „Tolle Diktat“ und viele weitere Stationen: ein Gesangsworkshop des deutschen Liederensembles „Lorelei“, Workshops für Kinder, eine Chill-out-Zone und ein Flohmarkt, auf dem man Bücher in deutscher und russischer Sprache zu einem symbolischen Preis erwerben konnte.

Unser Jugendclub hatte mehrere Stationen durchgeführt, darunter ein Quiz über berühmte Russlanddeutsche, basierend auf Assoziationen. Zum Beispiel wurde mit dem Bild mit einem Planeten, einem Schiff und dem Kater Matroskin (ein Kater aus dem sowjetischen Zeichentrickfilm ‚Prostokwaschino‘, Anm. d. R.) der Admiral Adam Johann von Krusenstern gemeint.

Es gab auch Quizbilder über Anna German, Alexander Blok und andere Persönlichkeiten. Auf dem Bild von Blok hatten wir beispielsweise das Periodensystem der Elemente nach Mendelejew abgebildet. Nicht jeder verstand sofort, warum. Alexander Blok heiratete nämlich Ljubow Mendelejewa, die Tochter des berühmten Chemikers.

Die Ereignisse rund um das Diktat sind gleichermaßen unterhaltsam und lehrreich.

- Kirill, wie beurteilst du die Bedeutung der Aktion „Tolles Diktat“ für die Entwicklung der deutschen Sprache und der Gemeinschaft der Russlanddeutschen?

Aufgrund sozialer und demografischer Faktoren sprechen heute nicht alle Russlanddeutschen Deutsch als Muttersprache. Manche entdecken ihre deutschen Wurzeln erst im Erwachsenenalter, wenn sie erfahren, dass ihre Eltern oder Großeltern Deutsche waren. Deswegen entwickelt sich ihr Interesse an Deutsch dann erst später.

Und ‚Tolles Diktat‘ bietet die Möglichkeit, sich mit der deutschen Sprache, der Sprache unserer Vorfahren, auseinanderzusetzen.

Es ist eine Gelegenheit, Deutsch zu üben und die eigenen Kenntnisse, das Hörverstehen und das Schreiben zu testen.

Außerdem ist eine Präsenzveranstaltung immer ein gemeinschaftliches Erlebnis. Man kommt zusammen mit Gleichgesinnten, um ein Diktat zu schreiben. Manche Menschen beherrschen die deutsche Sprache besser als andere. Aber die Erfahrung des gemeinsamen Handelns ist trotzdem wertvoll. Und in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist gemeinsames Handeln unerlässlich.

- Welchen Rat würdest du den Teilnehmern von „Tolles Diktat“ geben?

Machen Sie sich keine Sorgen wegen Fehlern. Sie können den Text beim nächsten Mal einfach neu schreiben oder sich sowohl für das Online- als auch für das Offline-Format anmelden. Schreiben Sie das Diktat zunächst persönlich auf und anschließend zu Hause in ruhigerer Atmosphäre eine Version auf demselben oder einem einfacheren Niveau. Diktate können manchmal sozial stressig sein. Kombinieren Sie die Formate und wählen Sie das, was für Sie am besten passt.

Wir erinnern Sie daran, dass die Gesamtrussische offene Aktion „Tolles Diktat“ vom 16. bis 28. Februar 2026 stattfindet. Die Online-Übertragung findet am 20. Februar um 13:00 Uhr Moskauer Zeit statt. Wir wünschen allen Teilnehmenden eine produktive, unterhaltsame und positive Erfahrung! Lasst die Teilnahme am „Tolles Diktat“ zu eurer guten langjährigen Tradition werden!