Kultur- und Sportprojekt für Russlanddeutsche im Gebiet Orenburg erfolgreich beendet


Vom 30. April bis zum 8. Mai fand im Gebiet Orenburg das „Kultur- und Sprachcamp mit Sportkomponente für Aktivisten aus den Reihen der Russlanddeutschen“ statt. Zu den Teilnehmern des Projekts gehörten die Fußballer der Auswahlmannschaft „RusDeutsch“, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert.

Anfang Mai standen Kultur und Sport einmal mehr im Zeichen der Begegnung für Russlanddeutsche aus dem ganzen Land. Als diesjähriger Gastgeber hieß das Gebiet Orenburg die Teilnehmer willkommen. Auf die Gäste des Kultur- und Sprachcamps wartete ein dicht gestaffeltes, facettenreiches Programm: Ethnokulturelle Workshops und intensive Trainingseinheiten gehörten ebenso zum Alltag wie die obligatorischen Freundschaftsspiele auf dem Fußballplatz.

Dieses Jahr markiert einen Meilenstein für die russlanddeutschen Fußballer. Die Auswahlmannschaft „RusDeutsch“ wurde 2011 ins Leben gerufen und vereint Amateursportler mit russlanddeutschen Wurzeln aus der gesamten Russischen Föderation. In den 15 Jahren ihres Bestehens hat die Mannschaft beachtliche sportliche Erfolge erzielt: Neben dutzenden Partien – darunter auch gegen russische Proficlubs – vertrat das Team die Gemeinschaft der Deutschen aus Russland zweimal bei der Europeada, der Fußballeuropameisterschaft der autochthonen nationalen Minderheiten. Zudem initiierte und bestritt das Team zahlreiche interethnische Turniere im eigenen Land. Unter der Leitung von Cheftrainer Andrej Rotermel setzt das Team seinen Wachstumskurs fort und hinterlässt in immer mehr Regionen seine Visitenkarte. Die jährlichen Trainingstreffen finden bewusst an Orten mit russlanddeutscher Geschichte statt. So verbinden die Spieler die Verfeinerung ihres fußballerischen Könnens stets mit dem Eintauchen in die lokale Kultur, Geschichte und Tradition.

Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Mannschaft „RusDeutsch“ übermittelte Natalia Altner, stellvertretende Generaldirektorin der gesellschaftlichen Organisation „Assoziation der Völker Russlands“, ihre Grußworte. Dabei unterstrich sie die herausragende Bedeutung solcher Projekte: Initiativen dieser Art leisten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der interethnischen Einheit und des gesellschaftlichen Konsenses. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden zudem die besten Spieler des Teams mit Dankesschreiben und Ehrenpreisen ausgezeichnet.

Das Gebiet Orenburg bot den Teilnehmern die ideale Gelegenheit, tief in das ethnokulturelle Erbe einzutauchen. Zu den absoluten Höhepunkten des Projekts zählten die Exkursionen in die ländlichen Kreise – jene Regionen mit kompakter russlanddeutscher Bevölkerung, die bis heute ihr ganz eigenes, traditionelles Flair bewahrt haben.

Die erste Station der Reise führte in den Kreis Perewolozk. Im Dorf Kubanka besuchten die Teilnehmer das dortige Heimatmuseum, wo die Leiterin des Museums Elena Gerassimenko den Gästen seltene Einblicke in den Alltag der russlanddeutschen Mennoniten gewahrte und sie in die Geschichte der lokalen Fußballmannschaft einweihte. Im dörflichen Kulturhaus traf das Team anschließend auf die Teilnehmer des traditionellen regionalen Tanzfestivals „Das Lächeln der Terpsichore“ (russ. „Ulybka Terpsichory“), die mit einer ausdrucksstarken Darbietung die ganze Pracht der Volkstänze entfalteten. Ein ganz besonderes Highlight war die Begegnung mit dem landesweit einzigen ländlichen Kinder-Pop-Orchester, das den offiziellen Titel „Verdientes Kollektiv Russlands“ trägt. Geleitet wird das Ensemble von Jakob Penner, einem „Verdienten Kulturarbeiter der Russischen Föderation“ und Preisträger des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche – 2020“. Seine jungen Musiker begeisterten die Mannschaft auf ganzer Linie. Zum Abschluss des Tages besuchte das Team das Heimatmuseum in der Siedlung Perewolozkij und legte in einem feierlichen Akt Blumen am Denkmal für die Gefallenen des Großen Vaterländischen Krieges nieder.

Ein sportliches Highlight für die Menschen vor Ort war das Freundschaftsspiel zwischen dem Team „RusDeutsch“ und der lokalen Mannschaft „Perewolozk“. Auf dem Platz stellte die Auswahlmannschaft der Russlanddeutschen „RusDeutsch“ seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis und feierte einen fulminanten 9:0-Kantersieg.

Bemerkenswert ist, dass das Projekt im Zeichen des Generationenwechsels steht. So nahmen in diesem Jahr mit Dmitrij und Alexander Schleicher erstmals ein Vater und sein Sohn gemeinsam an der Veranstaltung teil. In ihrer Familie werden Geschichte und das Gedenken an die Vorfahren tief geschätzt und liebevoll bewahrt. Die Teilnahme an dem Projekt war für die beiden daher ein zutiefst prägendes Ereignis.

„Ich nehme nicht zum ersten Mal an einem solchen Gemeinschaftsprojekt teil und bin von der Organisation aufrichtig begeistert. Die Mannschaft hat meinen Sohn und mich unglaublich herzlich aufgenommen. Wir sind stolz darauf, Teil eines Kollektivs mit so viel Herz zu sein, und hoffen, dass auch wir unseren Beitrag zum gemeinsamen Erfolg leisten konnten. Es ist faszinierend, wie das Projekt die sportliche und die kulturelle Komponente miteinander verbindet. Tief berührt haben mich die herzliche Gastfreundschaft mit dem traditionellen Empfang von Brot und Salz, die Museumsführungen und das fantastische Tanzfestival im Kreis Perewolozk“, teilt der Projektteilnehmer Dmitrij Schleicher aus Moskau seine Eindrücke.

Wenn ich daran denke, wie viel Arbeit in die Organisation dieses Festes und alles, was damit zusammenhängt, geflossen ist, und mit welch aufrichtiger Freude die Menschen vor Ort auf unsere Ankunft gewartet haben, erfüllt mich das mit tiefster Dankbarkeit und Wärme. Schließlich sind auch wir Teil des russlanddeutschen Volkes.

Einst, zur Zeit Katharinas der Großen, kamen meine Vorfahren in das Russische Kaiserreich und haben ihr Herz für immer in Russland gelassen. Für mich ist es von unschätzbarem Wert, die Geschichte meines Volkes zu kennen und zu ehren.“

Die nächste Station führte das Team in den Kreis Sol-Ilezk. Hier besuchten die Fußballer die lokalen Sehenswürdigkeiten und nahmen an dem interaktiven Programm „Völkerfreundschaft“ im Dserschinski-Kulturhaus teil. Ein wahrer Wirbelwind aus Volkstänzen riss jeden im Saal mit. Die traditionellen Ensembles zeigten nicht nur ihr tänzerisches und musikalisches Können, sondern machten das gesamte Publikum zu einem aktiven Teil ihrer Performance. Tänze, Lieder, Spiele und nationale Spezialitäten boten ein tiefes Eintauchen in die festliche Atmosphäre und spiegelten die kulturelle Vielfalt der Völker Russlands wider.

„Für mich ist das bereits das dritte Projekt. Es war unglaublich abwechslungsreich und spannend. Besonders begeistert hat mich das Programm in Sol-Ilezk, wo wir alle gemeinsam Volkstänze getanzt haben. Ich möchte den Organisatoren und dem gesamten Team von Herzen dafür danken, dass es dieses Projekt gibt. Es weckt und stärkt mein Interesse an der deutschen Sprache und der Kultur der Russlanddeutschen. Jedes Mal, wenn ich nach Hause zurückkehre, habe ich das Bedürfnis, Deutsch zu lernen, noch tiefer in die Geschichte meiner Vorfahren einzutauchen und nach Verwandten zu suchen... Ich bin absolut begeistert“, teilt der Projektteilnehmer Walentin Lindt aus der Region Altai seine Eindrücke.

Am Abend strömten die Einwohner von Sol-Ilezk ins Stadion, um das Spiel ihrer Mannschaft gegen das Team „RusDeutsch“ zu verfolgen. Die Tribünen waren bis auf den letzten Platz mit Fußballfans gefüllt. Groß und Klein feuerten die Teams mit Fangesängen und Applaus an. Die Partie endete mit einem deutlichen 6:0-Erfolg für „RusDeutsch“. Nach dem Abpfiff stürmten die Kinder zu den Spielern der Auswahlmannschaft, um Autogramme zu ergattern und Erinnerungsfotos zu machen. Trotz des klaren Ergebnisses herrschte im Stadion eine absolut faire, freundschaftliche und herzliche Atmosphäre.

Auch in Orenburg selbst stand für die Sportaktivisten ein dichtes und spannendes Programm auf dem Plan. Peter Tissen, Direktor des Instituts für Körperkultur und Sport der Staatlichen Pädagogischen Universität Orenburg sowie Preisträger des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche – 2023“, hatte das Team zur Teilnahme am jährlichen Familiensportfest „Familienstarts“ (russ. „Semejnye starty“) eingeladen. Die Teilnehmer stellten ihr Können in verschiedenen Sportarten unter Beweis, und manch einer entdeckte dabei ganz neue Talente an sich.

Um Orenburg besser kennenzulernen, begaben sich die Teilnehmer auf eine spannende Stadtrallye. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch einen Ausflug in den Kulturkomplex „Nationales Dorf“ (russ. „Nazionaljnaja Derewnja“). Diese einzigartige Anlage präsentiert die traditionellen Höfe verschiedener Völker, die unter strenger Berücksichtigung ihrer jeweiligen nationalen Bräuche und historischen Besonderheiten erbaut und dekoriert wurden. Vor Ort besuchte die Gruppe das Museum im traditionellen Haus der Orenburger Deutschen. Ein solches Gebäude vereinte historisch gesehen Wohnräume und Wirtschaftsgebäude unter einem einzigen Dach. Das Museum besticht durch authentische Exponate, die Kultur und Alltag der deutschen Bevölkerung in dieser Region lebendig widerspiegeln.

In Orenburg bestritt die russlanddeutsche Auswahl zwei weitere Freundschaftsspiele. Eine dieser Partien wurde gegen den Proficlub „Orenburg-2“ ausgetragen, der in der „Zweiten Liga, Division B“ spielt. Die Begegnung endete mit einer 0:6-Niederlage für „RusDeutsch“. Es gilt jedoch zu betonen, dass gerade Spiele gegen Profivereine den wettkampforientierten Erfahrungsschatz der Mannschaft enorm bereichern und einen starken Ansporn für die weitere sportliche Entwicklung bieten.

Ein weiteres Spiel in Orenburg wurde gegen die Mannschaft „Majak 2010“ ausgetragen, das mit einem fulminanten 10:0-Kantersieg für „RusDeutsch“ endete.

Zwischen den Trainingseinheiten, den Partien und dem dichten Kulturprogramm zeigten sich die Teilnehmer durchweg von ihrer aktivsten Seite: Sie absolvierten Geschichts- und Sprachquizze, bastelten eigenhändig Erinnerungssouvenirs, bereiteten einen Flashmob zum Teamjubiläum vor und stellten ihr Können bei intellektuellen sowie kreativen Turnieren unter Beweis.

Für viele Teilnehmer ist das Projekt zu einem echten Lebensinhalt geworden. Unter ihnen gibt es Pioniere, die bereits im fernen Jahr 2011 zum Team stießen und seither Hand in Hand mit ihm gehen. Wladimir Gerdt, einer der erfahrensten Spieler der Auswahlmannschaft, unterstreicht die Einzigartigkeit des Projekts und erklärt, warum er jedes Mal aufs Neue ohne zu zögern hierher zurückkehrt:

„Seit nunmehr 15 Jahren kommt die Mannschaft ‚RusDeutsch‘ zusammen und wächst stetig durch neue Gesichter. Für mich ist dieses Team wie eine Familie, es sind meine Freunde. Ich fühle mich in diesem Kreis unglaublich wohl und freue mich jedes Mal aufs Neue, alle wiederzusehen. Ich hoffe von Herzen, dass das Projekt weiterwächst und wir uns in der Zukunft noch viel öfter treffen werden. Allen Organisatoren und Teilnehmern wünsche ich, dass sie sich niemals auf ihren Lorbeeren ausruhen. Ein großes Dankeschön an alle!“

Auch der Kapitän der Fußballauswahl der Russlanddeutschen, German Darkow, schätzt die Möglichkeit, seit nunmehr über zehn Jahren an einem so facettenreichen Projekt mitzuwirken:

„Es bedeutet mir sehr viel, dass das Vertrauen in mich über all die Jahre nie nachgelassen hat. Ein riesiges Dankeschön gilt unserem Haupttrainer Andrej Rotermel, der fest an uns glaubt und jeden Einzelnen schätzt, der zum Team stößt. Ich möchte jedes Mal aufs Neue hierher zurückkehren. Diese Mannschaft ist für mich wie eine zweite Familie.“

Alle Projektteilnehmer sprechen der regionalen gesellschaftlichen Organisation der Deutschen in Orenburg „Wiedergeburt“ ihren aufrichtigen Dank aus – für die hervorragende Organisation des „Kultur- und Sprachcamps mit Sportkomponente für Aktivisten aus den Reihen der Russlanddeutschen“ im Gebiet Orenburg, den herzlichen Empfang und die unvergesslichen Erinnerungen, die jeder Einzelne mit nach Hause nehmen durfte.


Das Projekt wurde vom Internationalen Verband der deutschen Kultur in Zusammenarbeit mit der regionalen gesellschaftlichen Organisation der Deutschen in Orenburg „Wiedergeburt“ realisiert.

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