Am 27. April startete die Bewerbungsphase für den X. Gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“. Im Jahr 2026 können die Teilnehmenden ihr Können in sechs Kategorien unter Beweis stellen. Wo findet man die Inspiration für die Fotokategorie „Deutsche Spuren: Geschichte im Fokus“? Das erzählen wir Ihnen gemeinsam mit Alexander Schulandt, dem Vorsitzenden des Moskauer Jugendklubs der Russlanddeutschen „Warum бы и nicht“.
Der Gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ verbindet seit bereits 10 Jahren Teilnehmer aus ganz Russland. Eines der bedeutendsten und größten föderalen Projekte des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur zielt darauf ab, die deutsche Sprache zu fördern sowie die ethnokulturellen Traditionen der Russlanddeutschen zu bewahren und weiterzuentwickeln. Der Wettbewerb steht allen Interessierten offen – unabhängig von Alter und Deutschkenntnissen.
Das Jahr 2026 bietet den Teilnehmenden sechs Kategorien: die Familien-, Literatur- und Jugendkategorie, eine Kategorie für Deutschlehrkräfte, eine Fotokategorie sowie eine Gesangskategorie. Heute berichten wir über die visuellste Wettbewerbskategorie.
„Deutsche Spuren: Geschichte im Fokus“ – das Wichtigste zur Fotokategorie
Statistiken zeigen, dass zwischen 30 und 60 Prozent der Menschen Informationen am besten mit den Augen, also über visuelle Eindrücke, wahrnehmen. Sie werden als visuelle Typen bezeichnet, da dieser Wahrnehmungskanal für sie an erster Stelle steht. In der Fotokategorie könnt ihr nicht nur eure kreativen Fähigkeiten unter Beweis stellen, sondern auch euer Forschungstalent entdecken. Ihr kennt „deutsche Orte“ in eurer Heimat und wollt ihre Geschichte erzählen? Dann schnappt euch die Kamera und geht auf Fotojagd nach deutschen Spuren!
Als Hauptmotive des Bildes können Schilder, Straßen, Gebäude und andere urbane (und nicht nur urbane) Objekte dienen. Machen Sie ein künstlerisches Foto eines solchen Objekts und fügen Sie der Aufnahme einen kurzen Text auf Deutsch oder Russisch bei, der die Geschichte oder Bedeutung dieses Ortes beleuchtet. Für den Wettbewerb wird ein einziges Autorenfoto oder eine Collage aus 2–3 Aufnahmen desselben Objekts akzeptiert. Bitte beachten Sie, dass die Verwendung von fremden Fotos aus dem Internet nicht gestattet ist.
Der dem Foto beigefügte Text mit einem Umfang von 80 bis 150 Wörtern muss den Namen des Objekts und seinen Standort, einen kurzen historischen Hintergrund über die Verbindung dieses Ortes mit den Russlanddeutschen sowie die Antwort auf die Frage enthalten, warum genau dieses Objekt ausgewählt wurde. Detaillierte Anforderungen an Gestaltung und Bewertungskriterien für die Wettbewerbsarbeiten finden Sie auf der offiziellen Website des Projekts.
Geometrie der städtischen Melodien: Wie spricht man mit der Stadt von Herzen?
„Spaziergänge mit der Kamera durch bekannte Straßen sind vor allem ein Dialog, ein Gespräch mit der Stadt“, ist sich Alexander Schulandt sicher, Vorsitzender des Moskauer Jugendclubs der Russlanddeutschen „Warum бы и не“, Autor der Fotoausstellung „Deutsche Orte Moskaus“, die im Rahmen eines Workshops zur Kultur und Architektur der Russlanddeutschen „Deutsche, die Moskau gebaut haben“ im Deutsch-Russischen Haus in Moskau gezeigt wurde.
Für die Architekturfotografie begeisterte sich Alexander bereits in der neunten Klasse. Damals entstand auch sein „familiärer“ Telegram-Kanal: Der Autor systematisierte seine Funde und hielt faszinierende Routen für Spaziergänge fest. Mit der Zeit wuchs das Publikum, die architektonische Neugier des Autors entflammte immer mehr und sein Wissen festigte sich. So wurde die Kamera zu Alexanders ständigem Begleiter, der sowohl weltbekannte Objekte des architektonischen Erbes als auch bescheidene Häuser festhielt, in denen die jahrhundertealte Seele einer alten Stadt schlummert.
Das Schöne an der Architekturfotografie ist, dass sie strenge technische Präzision mit der lebendigen, künstlerischen Vision des Autors verbindet.
„Häufig ist auf Aufnahmen dieser Art nichts Überflüssiges zu sehen. Doch genau das ermöglicht es den geometrischen Strukturen, sich wie Noten zu einer Melodie in eine Landschaft zu verwandeln“, so der Fotokünstler. „Man muss lernen, sich der Stadt zu öffnen, sie in sich aufzusaugen, um irgendwann ihr Flüstern wahrzunehmen. Inspiriert hat mich dabei meine Liebe zu Moskau. Dem Moskau, wie ich es erlebe. Und auch dem ‚deutschen‘ Moskau, das so wichtig für die Geschichte des russischen Staates war.“
Wenn es darum geht, was ein Architekturfoto einzigartig macht, spricht Alexander nicht nur über Technik: „Um aus einer Leinwand ein Kunstwerk zu machen, genügt reines Wissen nicht. Man braucht eine Seele.“
Was ein Foto so besonders macht, ist nicht der Versuch, ein Gebäude bloß zu „protokollieren“, sondern der Wunsch zu zeigen, wie man es selbst sieht.
Der Kenner der architektonischen Geheimnisse der Stadt rät: „Bevor ihr ein Gebäude mit der Kamera einfangt, geht näher heran und verweilt dort zumindest für ein paar Minuten. Studiert die Fassade – ‚lest‘ sie, und versucht dann, das Gesehene mithilfe einer fotografischen Aufnahme ‚nachzuerzählen‘. Bei dieser Sache ist kein Platz für Eile.“
„Ihr Blick ist klar und hell…“
Über den Besuch der wechselhaften Muse freuen sich nicht nur Dichter, sondern auch Fotografen. Wir laden Sie ein, Ihre eigene kreative Schirmherrin auf den Seiten des Online-Reiseführers „Stadtgeschichten über die Deutschen Russlands“ zu finden.
Der Online-Reiseführer wurde für Wanderbegeisterte und alle entwickelt, die sich für die deutschen Spuren in der Geschichte ihrer Stadt interessieren. Den Teilnehmenden, die sich auf diesen lehrreichen Spaziergang begeben, stehen eine Karte, ein Begleittext, anschauliches Foto- und Videomaterial sowie ein informativer Audioguide zur Verfügung. Die Routen der am Projekt beteiligten Städte (Moskau, Sankt Petersburg, Saratow, Marx, Engels, Wolgograd, Perm, Jekaterinburg, Tomsk, Omsk, Barnaul) wurden von professionellen Reiseleitern ausgearbeitet.
Gefällt Ihnen das französische Credo von Ludwig XIV. „Spontaneität ist die Höflichkeit der Könige gegenüber dem Zufall“? Die unerwarteten Ecken von Höherer Gewalt lassen sich durch deutsche Umsicht glätten: Eine speziell entwickelte App informiert Sie bei aktivierter Geolokalisierung über nahegelegene, historisch wertvolle Objekte.
Spazieren Sie mit Freude und lauschen Sie den Geschichten der Russlanddeutschen, die von den Gebäuden und Denkmälern Ihrer Stadt erzählt werden! Ihre eigenen Entdeckungen, die Sie mit der Kamera festgehalten haben, können Sie mit uns teilen, indem Sie am Gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ teilnehmen.
Das Projekt wird mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen in der Russischen Föderation realisiert.





