Die erste Einrichtung des ethnografischen Komplexes „Deutsches Gehöft“ wurde am 25. Juli im Deutschen Nationalrayon Asowo im Gebiet Omsk eröffnet. Das Gehöft wird ein neuer Ort für die Bewahrung der Geschichte, der traditionellen Kultur und des Alltagserbes der Deutschen in Sibirien sein. Die feierliche Zeremonie war der Höhepunkt des interregionalen Kulturfestivals der Russlanddeutschen „Phönix“, an dem Delegationen aus fünf Regionen Russlands teilnahmen.
Der Festtag begann mit einem Treffen der Mitglieder des Interregionalen Koordinierungsrats der Russlanddeutschen Westsibiriens. In Asowo versammelten sich Vertreter der Gebiete Omsk, Tomsk, Nowosibirsk und Kemerowo sowie der Region Altai. Die Teilnehmer diskutierten über die Entwicklung der interregionalen Zusammenarbeit, die Unterstützung von öffentlichen und öffentlicher und jugendlicher Initiativen sowie über Möglichkeiten zur Umsetzung neuer gemeinsamer Projekte.
Der Höhepunkt des Festivals war die Eröffnung des Gehöfts eines sibirischen Deutschen – der ersten Anlage des ethnografischen Kultur- und Bildungskomplexes „Deutsches Gehöft“ im Dorf Asowo. Vor Beginn der Feierlichkeiten erklang für die Gäste das Lied „Heimat“, dargeboten vom Vokalensemble „Flämmchen“. Die Begrüßung durch die Moderatoren erfolgte auf Russisch und Deutsch, was den ethnokulturellen Charakter des Festes unterstrich.
Das Anwesen bildet den traditionellen Grundriss von Häusern nach, wie sie in den Gebieten der Region Omsk mit einer hohen Dichte an russlanddeutschen Bewohnern verbreitet sind. Im Ausstellungsbereich können Besucher die Einrichtung der Wohnräume, Alltagsgegenstände, Familientraditionen und die Alltags- und Wirtschaftsweise der sibirischen Deutschen kennenlernen. Der Komplex ist nicht nur als Museum konzipiert, sondern auch als aktive Kultur- und Bildungsstätte, in der Führungen, ethnokulturelle Programme, Begegnungen, Workshops sowie Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche stattfinden werden.
Der Bau des Anwesens war das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen gesellschaftlichen Organisationen, Anwohnern, Unternehmern und Behörden. Ursprünglich wurde das Projekt durch freiwillige Spenden und Mittel von Unternehmen finanziert. Im Jahr 2022 wurde zur Unterstützung des Baus die gemeinnützige Stiftung „Landsleute“ gegründet. Später schlossen sich kommunale und regionale Behörden der Projektumsetzung an, und im Jahr 2025 wurde das Anwesen in die Verwaltung der lokalen Behörden überführt. Die Mittel für die Fertigstellung des Baus wurden aus dem Haushalt des Deutschen Nationalrayons Asowo bereitgestellt.
Dmitri Dieser, Leiter des Deutschen Nationalrayons Asowo, richtete Grußworte an die Teilnehmer der Feier. Er betonte, dass die Eröffnung des Anwesens nicht nur für den Rayon, sondern für das gesamte Gebiet Omsk ein wichtiges Ereignis sei. Er hob hervor:
„Das deutsche Gehöft entsteht durch gemeinsame Anstrengungen. In diesem Projekt vereinen sich die Initiative der Öffentlichkeit, die Unterstützung der Einwohner, der Unternehmer und der Behörden.“
Für den Rayon Asowo ist es wichtig, dass unsere Geschichte nicht nur in Dokumenten und Erinnerungen bewahrt wird, sondern auch an solchen lebendigen Orten, die Familien, Schüler und Touristen besuchen können. Das Gehöft soll zu einem Ort werden, an dem die Vergangenheit dabei hilft, die Gegenwart besser zu verstehen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

Treffen der Mitglieder des Interregionalen Koordinierungsrats der Russlanddeutschen Westsibiriens
Фото: Verwaltung von Asowo
Georgi Klassen, stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur und Vorsitzender des Interregionalen Koordinierungsrates der Russlanddeutschen Westsibiriens, sprach über die Bedeutung des neuen ethnografischen Objekts für die russlanddeutsche Gemeinschaft. Er betonte, dass das Gehöft eines sibirischen Deutschen dazu beitragen werde, die kulturelle Kontinuität zu bewahren und das Wissen über die Traditionen an neue Generationen weiterzugeben.
Die Initiative zur Errichtung des ethnografischen Komplexes ging von der Regionalen National-Kulturellen Autonomie der Deutschen im Gebiet Omsk aus. Der Vorsitzende des Rates der Autonomie, Wiktor Eichwald, betonte, dass das Projekt dank des gemeinsamen Engagements zahlreicher Menschen, die an der Bewahrung des Erbes der Russlanddeutschen interessiert sind, verwirklicht werden konnte.
„Das Gehöft eines sibirischen Deutschen ist das Ergebnis langjähriger Arbeit und großer Verantwortung gegenüber denen, die vor uns auf diesem Land gelebt haben.
Wir wollten kein reines Ausstellungsstück schaffen, sondern einen authentischen Ort, an dem man sehen kann, wie das Leben einer deutschen Familie in Sibirien aussah.
Es ist besonders wichtig, dass junge Menschen hierherkommen, Fragen stellen, ihre Familiengeschichte erforschen und verstehen, dass Kultur weiterlebt, solange sie bewahrt und weitergegeben wird“, betonte Wiktor Eichwald.
Im Rahmen der Feier erhielten Unternehmer, Partner und Fachleute, die am Bau des Komplexes mitgewirkt hatten, Dankschreiben. Die Auszeichnungen wurden an Vertreter der Unternehmen „TrigOn“, „Asowo-Beton“, „VigsIn“, „Stroyservice“, des landwirtschaftlichen Betriebs „SIBGREIN“, des Marktes „Juzhny“, der Stiftung „Asowo“, des Bauunternehmens „WARM“ und der Verwaltungsgesellschaft „Altair“ überreicht. Besonders gewürdigt wurde Wladimir Malzew, der das Projekt für den ethnografischen Kultur- und Bildungskomplex entwickelt hatte.
Den Höhepunkt der Feier bildete das symbolische Durchschneiden des Bandes. Dieses Recht wurde Vertretern aus drei Generationen des Deutschen Nationalrayons Asowo übertragen: dem Veteranen der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen und Bewahrer der traditionellen Kultur Eduard Kerber, dem Aktivisten der Jugendbewegung der Russlanddeutschen Erik Kähm sowie der jungen Einwohnerin des Dorfes Asowo, der Solistin des Vorzeige-Vokalensembles „Magnolie“, Maria Baginskaja.
Diese Zusammensetzung der Teilnehmenden wurde zu einem Symbol für den Generationswechsel. Erik Kähm vertrat die junge Generation der Russlanddeutschen. Er ist Leiter des Jugendklubs „Grenzlos“ in Omsk und Pressebeauftragter des Jugendrats der Deutschen in Westsibirien. Aktivisten des Klubs beteiligten sich zudem am Festivalprogramm und an der Organisation des jugendbezogenen Teils der Feierlichkeiten.
Nach dem symbolischen Banddurchschneiden wurden die Gäste von den Gastgebern des Anwesens in traditionellen Trachten empfangen. Sie bedankten sich bei allen, die am Bau mitgewirkt hatten, und bewirteten die Anwesenden mit einem traditionellen Riwelkuchen – einem Symbol der Gastfreundschaft und des Wohlstands. Für die offizielle Delegation wurde eine erste Führung durch das Haus und den Hof veranstaltet. Anschließend wurden die Türen des Anwesens für alle Besucher geöffnet.
Das ethnokulturelle Programm wurde vom Percussion-Ensemble „Glöckchen“ und dem deutschen Volkstanzensemble „Adelina“ aus Tomsk fortgesetzt. Die Künstler präsentierten das szenische Programm „Der Jahreskreis der Wolgadeutschen Frau“, das den Traditionen, Bräuchen und der Alltagskultur der Wolgadeutschen gewidmet war.
Nach der Eröffnung des Komplexes schlossen sich die Festivalteilnehmer dem Festumzug und dem Galakonzert „Wir sind Teil deiner Geschichte, Russland!“ an. Auf der Bühne traten Künstlergruppen aus fünf Regionen des Landes auf. Konstantin Matis, Präsident der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen, richtete Grußworte an die Gäste.
Das Galakonzert wurde von Andreas Dell, dem Vorsitzenden des Jugendrates der Deutschen in Westsibirien, moderiert. Das Konzertprogramm verband Musik, Choreografie und traditionelle kulturelle Motive der Russlanddeutschen und zeigte dabei die Vielfalt der regionalen Ensembles sowie die Gemeinsamkeiten ihres historischen Erbes.
Den Abschluss des Festivaltages bildete die Ethno-jugend-Party „TanzAsowo“. Sie bot Raum für informelle Gespräche, neue Bekanntschaften und den Austausch von Ideen zwischen Aktivisten aus verschiedenen Regionen. Mitglieder des Klubs „Grenzlos“ und des Jugendrats der Deutschen in Westsibirien nahmen aktiv am Abendprogramm teil.
Die Eröffnung des Gehöfts eines sibirischen Deutschen war der erste wichtige Schritt bei der Errichtung des Komplexes „Deutsches Gehöft“.
In Zukunft soll es sich zu einem vollwertigen ethnografischen, bildungsbezogenen und touristischen Zentrum des Deutschen Nationalrayons Asowo entwickeln – zu einem Ort, an dem die Geschichte der Russlanddeutschen nicht nur in Ausstellungen präsentiert wird, sondern auch in Familientreffen, Festen, im Handwerk, in der Musik und im Austausch zwischen den Generationen weiterlebt.
Das überregionale Kulturfestival der Russlanddeutschen „Phönix“ wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms für Russlanddeutsche in der Russischen Föderation veranstaltet.





