Der 28. August – ein besonderer und tragischer Tag in der Geschichte der Russlanddeutschen
Vor 85 Jahren wurde der Erlass Nr. 21/160 des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über die Umsiedlung der in den Gebieten an der Wolga lebenden Deutschen“ verabschiedet. Dieser Erlass veränderte über Nacht das Schicksal eines ganzen Volkes. Die deutsche Bevölkerung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen wurde vollständig deportiert – später auch die Deutschen aus dem gesamten europäischen Teil der UdSSR und aus dem Transkaukasus. Sie wurden in entlegene Gebiete Sibiriens, Kasachstans und Zentralasiens umgesiedelt. Die ASSR der Wolgadeutschen wurde aufgelöst.
Die Sowjetdeutschen wurden ohne jede Grundlage zu Feinden erklärt und einer kollektiven Bestrafung unterzogen: der Entziehung von Bürgerrechten und Freiheiten, Deportation, Zwangsarbeit in der sogenannten Trudarmee, Zwangsansiedlung und weiteren Repressionen. Erst Jahre später wurden diese Maßnahmen als Unrecht anerkannt, und die Sowjetdeutschen erhielten ihren guten Namen und ihre Rechte zurück.
Der Tag des Gedenkens und der Trauer ist ein Zeichen des Respekts gegenüber unseren Vorfahren und einem ganzen Volk. An diesem Tag gedenken wir in verschiedenen Teilen Russlands der Menschen, die unter Entrechtung und ohne Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben, viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden. Für viele werden die Momente des Schweigens zu Augenblicken geistiger Verbundenheit mit ihren Vorfahren.
Dieser Tag erinnert uns daran, dass Geschichte unvorhersehbar ist: Sie kennt sowohl herausragende Leistungen und große Erfolge als auch bittere und schmerzhafte Erfahrungen.
Wir – die heutige Generation der Russlanddeutschen – sprechen den Angehörigen der Trudarmee und der gesamten Generation der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unseren aufrichtigen Dank aus.
Wir erinnern uns an Ihre Verdienste, sind stolz auf Ihre Willenskraft und Standhaftigkeit, schätzen das uns überlieferte kulturelle Erbe und bemühen uns, es sorgsam zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.
Wir wünschen Ihnen allen Gesundheit, inneren Frieden und ein langes Leben!
Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur
Jelisaweta Graf
