Über das Theater – zurück zu den eigenen Wurzeln: In Kaliningrad ging ein ethnokulturelles Jugendprojekt zu Ende

Fünf Tage lang verbrachten junge Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren in einem ländlichen ethnokulturellen Umfeld und setzten sich dabei auf kreative Weise mit der Geschichte und den Traditionen der Russlanddeutschen auseinander. Das Ergebnis des Projekts war eine Theateraufführung, die die deutsche Sprache, Volkslieder und -tänze, ethnografische Elemente sowie persönliche Geschichten der Teilnehmer miteinander verband. Die Premiere der Aufführung fand im Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad statt.

Fünf Tage lang tauchten die Teilnehmer des Jugendprojekts fernab vom Trubel der Stadt in das ethnokulturelle Umfeld ein, lernten die Traditionen der Russlanddeutschen kennen und suchten durch kreatives Schaffen eine Verbindung zu ihren Wurzeln. Das Programm umfasste die unterschiedlichsten Bereiche, wobei das Theater im Mittelpunkt stand.

Gerade die darstellende Kunst bot den Teilnehmern die Möglichkeit, über ihre eigene Identität, ihre Familiengeschichte und ihre persönlichen Erfahrungen zu sprechen. Im Laufe weniger Tage fügten sich die Ergebnisse der einzelnen Workshops nach und nach zu einem einheitlichen künstlerischen Werk zusammen, dessen Uraufführung den Abschluss des Projekts bildete.

An der Inszenierung arbeitete ein Team von Fachleuten des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen in Kaliningrad. Jeder Experte war für einen bestimmten Bereich zuständig, und gemeinsam halfen sie den Teilnehmern dabei, eine stimmige Aufführung auf die Beine zu stellen.

Die Regisseurin Christina Zuberbiller baute die Dramaturgie des Stücks um die rührende Liebesgeschichte junger Russlanddeutscher auf. Unter ihrer Leitung lernten die Teilnehmer, auf der Bühne zu agieren, miteinander zu interagieren und die Charaktere ihrer Figuren zu entfalten.

Besonderes Augenmerk wurde auf die deutsche Sprache gelegt. Julia Sosljuk leitete die Proben am Text und half den Teilnehmern dabei, Aussprache, Intonation und die Besonderheiten der deutschen Sprache zu erlernen. Dadurch wurde die Sprache nicht nur zu einem Teil der Aufführung, sondern zu einem wichtigen Mittel, um deren Atmosphäre zu vermitteln.

Ein weiteres wichtiges Element der Inszenierung waren die traditionellen Tänze. Die Choreografin Olga Schadrina machte die Jugendlichen mit der volkstümlichen Tanzkunst vertraut und half ihnen, den Charakter und die Energie der Kultur durch Bewegung zu vermitteln.

Den musikalischen Teil der Aufführung bereitete Tamara Tischina vor. Die Teilnehmer lernten das traditionelle Liedgut der Russlanddeutschen kennen und übten den mehrstimmigen Gesang ein, der historisch in den deutschen Kolonien im Wolgagebiet und im Süden Russlands zu hören war.

Große Aufmerksamkeit wurde auf die szenografische Gestaltung gelegt. Die Bühnenbildnerin Elli Gottfried schuf gemeinsam mit den Teilnehmern Kulissen, die dazu beitrugen, den Theaterraum in ein stimmungsvolles Bild der Vergangenheit zu verwandeln.

Sofja Wlassowa, Dramatikerin und Regieassistentin der Kreativgruppe „Jugendstadt“ sowie eingeladene Expertin des Projekts „Art-Tour“ des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, trug dazu bei, alle Elemente zu einer einheitlichen Geschichte zu verknüpfen. Lieder, Tänze, historische Details und die persönlichen Emotionen der Teilnehmer fanden in der Aufführung ihren Platz und wurden Teil der gemeinsamen Erzählung.

Der Höhepunkt der fünftägigen Arbeit war die Premiere. Sie fand am letzten Tag des Projekts im Kultur- und Geschäftszentrum der Russlanddeutschen in Kaliningrad statt.

Für die Teilnehmer war der Auftritt auf der Bühne der Lohn mehrerer Tage intensiver Arbeit, Proben und kreativer Suche. Alles, was sie im Laufe des Projekts gelernt hatten – die Arbeit mit dem Text, der deutschen Sprache, dem Gesang, der Choreografie und der Bühnenpräsenz – floss in die Abschlussaufführung ein.

Die Zuschauer erlebten nicht nur eine Theateraufführung, sondern das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung junger Menschen mit der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen. Anhand szenischer Darstellungen sprachen die Teilnehmer über Liebe, Familie, Erinnerung und ihre eigenen Wurzeln.

Das Projekt zeigte, dass das Interesse am ethnokulturellen Erbe auch in zeitgenössischen Formen zum Ausdruck kommen kann. Das Theater wurde in diesem Fall zu einem Ort des Dialogs zwischen Generationen und Kulturen, an dem das historische Erbe dank der jungen Teilnehmer eine neue Ausdrucksform erhielt.

Für die Jugendlichen bot diese Erfahrung die Gelegenheit, nicht nur mehr über die Kultur der Russlanddeutschen zu erfahren, sondern auch zu versuchen, sie auf ihre eigene Weise auszudrücken – durch Musik, Bewegung, Sprache und szenisches Handeln.


Das Projekt wird mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms für die Russlanddeutschen in der Russischen Föderation umgesetzt.

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