Ein Buch wird dann zu einer Brücke, wenn die Gedanken des Autors im Bewusstsein der Leser Widerhall finden und sie dazu anregen, sich bewusst mit ihrer eigenen inneren Welt auseinanderzusetzen. Der Schriftsteller und Unternehmer Andrej Makarow (Ortlib) ist überzeugt, dass es sich genau für diese Begegnung der Gedanken lohnt zu schreiben. Sein Erzählband „Goldene Schuppen“ ist ein provokatives Buch der Fragen. Die Texte führen den Leser zu einer Reihe metaphysischer Dilemmata – doch sollte man darin wirklich nach bereits vorbereiteten „richtigen” Antworten suchen?
„Wir leben in einer Zeit, in der man alles bekommen kann – und am Ende doch mit leeren Händen dasteht; in der Erfolg in Zahlen gemessen wird, Glück jedoch nicht; in der Menschen ihr Leben nach einem Plan entwerfen – und sich später im Spiegel selbst nicht wiedererkennen“, sagt der Autor von „Goldene Schuppen“, Andrej Makarow. Die Arbeit an diesem Erzählband entstand nicht aus dem altruistischen Wunsch heraus, dem modernen Menschen bei der Selbstfindung zu helfen. Vielmehr ist sie ein kreativer Versuch, Antworten auf Fragen zu finden, die den Autor selbst beschäftigen.
Meine Geschichten sind ein Zeugnis. So sieht es von innen aus. Das sind die Fragen, die wir oft nicht laut zu stellen wagen. Ob das jemandem hilft oder nicht – darüber habe nicht ich zu entscheiden.
„Ach wüsstet ihr, aus welchen Unratecken / Unschuldig wachsen Vers und Reim...“ – so schrieb Anna Achmatowa treffend in ihrem Zyklus „Geheimnisse des Handwerks“. Der Ausgangspunkt für den neuen Band von Andrej Makarow war ein Besuch in einem luxuriösen Restaurant. Zunächst bewunderte der Autor das kostspielige Interieur – in den Boden waren Aquarien mit Goldfischen eingelassen. Doch plötzlich betrachtete er dieUmgebung aus einer anderen Perspektive: Was, wenn die Gäste an den Tischen selbst wie diese Fische sind und die gläsernen Wände des Aquariums für die Grenzen ihrer Welt halten? Diese Metapher wurde zum Leitmotiv des Bandes, der aus sieben Erzählungen besteht.
Die goldenen Schuppen stehen dabei für die Masken von Erfolg, Status und dem Bild eines „richtigen“ Lebens. Doch was geschieht mit einem Menschen, wenn er gegen das unsichtbare „Glas” stößt und erkennt, dass die von ihm geschaffene Welt vielleicht nur ein Käfig ist? Kann er sich von diesen Fesseln befreien, ohne das Glas mit dem eigenen Kopf zu zerschlagen?
Ich bin überzeugt, dass jeder Text, der im Leser ernsthafte Fragen über sich selbst und über die Welt weckt, zum Ausgangspunkt einer inneren Veränderung werden kann.
Mehr über die Entstehung dieses neuen, zum Nachdenken anregenden Buches, über die Auswahl der Illustrationen sowie über die kreativen Prinzipien, die den Autor leiten, erfahren Sie im Interview, das von der Redaktion des Informationsportals für kreative Tätigkeiten des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur vorbereitet wurde.
Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Ruge
