Heute, am 8. Juni, fiel in Samara der offizielle Startschuss für das Forum-Festival der Russlanddeutschen 2026. Für einige Tage verwandelt sich die Stadt damit in einen zentralen Begegnungsort für Vertreter der Gemeinschaften der Russlanddeutschen aus dem ganzen Land. Auf dem Programm stehen der Austausch von Best Practices, die Diskussion neuer Projekte sowie die Präsentation kreativer Initiativen.
Die ersten Programmpunkte des Forum-Festivals starteten bereits am Vorabend, dem 7. Juni. Die Teilnehmer besuchten den Ethnopark der Völkerfreundschaft, wo das Kinder-Volksorchester des Zentrums der deutschen Kultur in der ländlichen Siedlung Kubanka (Gebiet Orenburg) unter der Leitung von Jakob Penner sowie die Kreativgruppe „Jugendstadt“ auftraten. Das Jugendensemble präsentierte das plastische Kurzspiel „Zwischen den Epochen“ (Regie: Dajana Hindemith), das sich der Geschichte der Russlanddeutschen widmet.
„Für uns war es von enormer Bedeutung, auf dem Forum-Festival aufzutreten. Es ist eine großartige Gelegenheit, mit all den Schlüsselpersonen der Bewegung der Russlanddeutschen zusammenzukommen, den Zusammenhalt spürbar zu machen, sich gegenseitig auszutauschen und das kreative Schaffen der Gemeinschaft zu erleben. Genau dafür war dieses Event gedacht – um eine neue Schnittstelle der Begegnung zu schaffen“, betont Dajana Hindemith, Regisseurin der Kreativgruppe „Jugendstadt“.
„Mit unserem Auftritt wollten wir über eine Kette von Assoziationen den gesamten Weg der Bewegung der Russlanddeutschen von den Anfängen an erzählen und sichtbar machen: wie unsere Vorfahren damals nach Russland auswanderten, mit welchen Hürden und Herausforderungen sie auf ihrem Weg konfrontiert waren, wohin uns diese Entwicklung bis heute geführt hat und wo wir als Bewegung der Russlanddeutschen im Hier und Jetzt stehen.“

Kinder-Volksorchester des Zentrums der deutschen Kultur in Kubanka unter der Leitung von Jakob Penner
Sofia Wlasowa, Mitglied der Kreativgruppe „Jugendstadt“, betonte: „Für uns hat das Forum-Festival eine ganz besondere Bedeutung, weil wir hier die Kultur der Russlanddeutschen in einer modernen, jugendgerechten Sprache vermitteln können.“
So erreichen wir auch ganz neue Zielgruppen und beweisen, dass Kultur ein lebendiger Organismus ist – sie bleibt in ständiger Dynamik, wächst und erneuert sich selbst.
Der erste Tag fand seinen feierlichen Abschluss im Zentrum für Jugendsozialisierung mit dem musikalisch-biografischen Abend „Anna German. Leise Worte der Liebe“, der dem 90. Geburtstag der berühmten Sängerin gewidmet war. Auf dem Programm standen sowohl unvergessliche Klassiker aus ihrem Repertoire wie „Echo der Liebe“ und „Hoffnung“ als auch selten aufgeführte Werke. Zum Leben erweckt wurden die Lieder von der Sopranistin Anastasia Rudinskaja, Grand-Prix-Gewinnerin des Internationalen Anna-German-Festivals. Als Moderator und Erzähler führte der Biograf der Sängerin, Iwan Iljitschow-Wolkanowski, durch den Abend. Der Buchautor teilte einzigartige Hintergrundgeschichten, persönliche Erinnerungen sowie Ausschnitte aus Briefen und Interviews von Anna German und eröffnete dem Publikum damit ganz neue, wenig bekannte Einblicke in ihr Leben und Schaffen.
Die offizielle Eröffnung des Forum-Festivals der Russlanddeutschen fand am 8. Juni im Verwaltungsgebäude des Stadtbezirks Samara statt. Das Programm bot den Teilnehmern eine hochkarätige Podiumsdiskussion, interaktive Workshops, Projekt- und Medienpräsentationen sowie ein facettenreiches Kulturprogramm.
Die feierliche Eröffnungszeremonie wurde durch hochkarätige Darbietungen bereichert: Das Brauchtumsensemble für deutschen Volkstanz „Volkskarussell“ unter der Leitung von Lidia Knoll begeisterte das Publikum mit dem traditionellen Tanz „Vogelbeerbaum“, während das Vokalensemble „Veilchen“ aus Engels unter der Leitung von Julia Medwedewa mit der mitreißenden Gesangseinlage „Wir leben laut“ für eine feierliche Stimmung sorgte.
Julia Medwedewa, Leiterin des Frauenvokalensembles „Veilchen“, betonte: „Wir freuen uns riesig und sind unglaublich dankbar, wieder beim Forum-Festival dabei zu sein. Hier spürt man einfach die geballte Vielfalt der Kultur der Russlanddeutschen an einem Ort. Sowohl die Organisation des Forums als auch das Programm begeistern uns total und sorgen für absolut unvergessliche Eindrücke.“
Vertreter von Regierungsbehörden und national-kulturellen Vereinigungen richteten Grußworte an die Teilnehmer. Unter den Ehrengästen waren Maria Kuptsowa, stellvertretende Ministerin für Innenpolitik des Gebiets Samara; Natalia Altner, stellvertretende Generaldirektorin der gesellschaftlichen Organisation „Assoziation der Völker Russlands“; Dmitri Dolganow, stellvertretender Leiter der Abteilung für die Zusammenarbeit mit sozial orientierten gemeinnützigen Organisationen und nationalen Zentren im Amt der Stadtverwaltung Samara; David Tsetskhladse, Präsident der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Georgier; Esengalij Ibraew, Vorsitzender der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Kasachen in Russland; Elisaweta Graf, Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, sowie Konstantin Matis, Präsident der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen und Mitglied des Rates für zwischennationale Beziehungen beim Präsidenten der Russischen Föderation.
„Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forum-Festivals der Russlanddeutschen, im Namen des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur heiße ich Sie alle herzlich zu unserem Forum-Festival willkommen. Der Internationale Verband der deutschen Kultur feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Heute haben wir die wunderbare Gelegenheit, auf das zurückzublicken, was wir in den 35 Jahren unserer fruchtbaren Arbeit gemeinsam erreicht haben. Es ist mir zudem ein tiefes Bedürfnis, den Pionieren unserer Gemeinschaft, den Gründerinnen und Gründern unseres Rates, ein riesiges Dankeschön auszusprechen. Die Stadt Samara ist uns keineswegs fremd – sie ist die Stadt unserer Vorfahren. Genau hier, in Samara, wurden einst die ersten Organisationen der Russlanddeutschen ins Leben gerufen. Hier haben wir unsere allerersten Projekte realisiert. Deshalb gilt unser aufrichtiger Dank dieser wunderschönen Stadt und ihrer Regierung für die Möglichkeit, heute hier zusammenzukommen und gemeinsam auf diesem Schiff in die Zukunft zu steuern. Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg!“, betonte Elisaweta Graf, Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur.

Präsident der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen, Mitglied des Rates für zwischennationale Beziehungen beim Präsidenten der Russischen Föderation Konstantin Matis
„Ich bin glücklich, Sie alle zu sehen und hier in der Wolgaregion zu sein – auf der Erde, auf der unsere Vorfahren tief verwurzelt waren. Egal, wohin es unsere Eltern verschlagen hat, wo sie lebten oder wie sehr sie verstreut wurden: Die Wolga war im Herzen eines jeden Russlanddeutschen immer ein ganz intimer, kostbarer Ort, denn sie ist unsere historische Heimat. Unsere vielen Begegnungszentren im ganzen Land zeigen deutlich: Wir Russlanddeutschen sind voller Leben und ein wichtiger Teil dieses Landes. Im Jahr der Einheit der Völker Russlands wurde festgehalten, dass die Vielfalt unserer Heimat kein Hindernis, sondern unsere größte Kraft ist. Wir wussten das schon immer – und jetzt steht es schwarz auf weiß in einem Staatsdokument. Zu diesem Meilenstein gratuliere ich uns allen!“, unterstrich Konstantin Matis, Präsident der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen und Mitglied des Rates für zwischenethnische Beziehungen beim Präsidenten der Russischen Föderation.
Ein zentraler Programmpunkt der Eröffnung war eine Podiumsdiskussion rund um das interethnische Miteinander, Russlands kulturelle Vielfalt und die Zukunft von Bürgerinitiativen. Mit in der Runde saßen Natalia Altner, Iwan Haas, Dmitri Diser, Esengalij Ibraew, Tatiana Ilarionowa, Maria Kuptsowa, Konstantin Matis und David Tsetskhladse. Die Talkrunde nutzten die Beteiligten, um kommende Projekte, Pläne und neue Impulse für die Arbeit der Gemeinschaft der Russlanddeutschen ins Auge zu fassen. Moderiert wurde die Diskussion von Andrej Chudoleew, dem verantwortlichen Sekretär der Kommission für Informationsarbeit und internationale Zusammenarbeit.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion teilte Tatiana Ilarionowa, Doktorin der Philosophie und Professorin am Lehrstuhl für staatliche und kommunale Verwaltung der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst beim Präsidenten der Russischen Föderation, ihre Einschätzung: „Zwischenethnische Beziehungen bleiben ein hochaktuelles Thema für den gesellschaftlichen Diskurs im Land. An dieser Politik wirken die unterschiedlichsten Kräfte mit – von staatlichen Behörden über zivilgesellschaftliche Organisationen bis hin zur Wissenschaft. Das Interesse an diesem Thema zieht sich praktisch durch alle Bevölkerungsschichten: Es gibt eine starke Jugendkomponente, aber ebenso viele Angebote, die sich gezielt an die ältere Generation richten. Die Frage der Identitätswahrung bewegt heute Menschen jeden Alters.“
Jeder Einzelne in Russland erfährt tagtäglich die wichtigsten Facetten des interkulturellen Zusammenlebens – allen voran das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Ethnien. Unser Ziel und Handeln sind darauf ausgerichtet, dass jeder nach Kooperation, gegenseitigem Verständnis und Freundschaft strebt – Werte, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind.
„Der interkulturelle Dialog in Russland findet praktisch jede Sekunde und auf den verschiedensten Ebenen statt. Genau das zeichnet unsere multiethnische Gesellschaft aus: Jeder von uns begegnet im Alltag kontinuierlich Menschen und Traditionen anderer Nationalitäten. Und genau deshalb reißt dieser Dialog auch niemals ab.“
Parallel dazu fanden im Haus der Völkerfreundschaft des Gebiets Samara Workshops und kreative Begegnungen statt, während im Hintergrund bereits die intensiven Vorbereitungen für den großen Gala-Konzert auf Hochtouren liefen. Ein Theaterworkshop für die Kindergruppe wurde von Dajana Hindemith, der Regisseurin der Kreativgruppe „Jugendstadt“, und der Schauspielerin dieser Gruppe Diana Schalutaschwili geleitet. Im Mittelpunkt standen dabei die Interaktion innerhalb der Gruppe sowie die Vermittlung von Prinzipien erfolgreicher Teamarbeit.
Einen Workshop zum Thema „Bewahrung des historischen und familiären Gedächtnisses durch Theaterkunst“ leitete Polina Sacharowa, Theaterpädagogin und Regisseurin des Theaters „Mimikrija“ der Stadt Tjumen. Im Laufe des Treffens wurden Familiengeschichten, Erinnerungen und Werte besprochen, die verschiedene Generationen miteinander verbinden. Für Kinder und Erwachsene fanden zudem Treffen des Clubs der Freunde der deutschen Sprache statt, die von Swetlana Maltsewa auf der Grundlage von Autorenmaterialien von Galina Meladze organisiert wurden.
Ein ganz besonderer Programmpunkt war der Besuch der Evangelisch-Lutherischen St.-Georgs-Gemeinde in Samara. Propstin Olga Temirbulatowa und Wladimir Proworow, Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, brachten den Gästen der Kirche die bewegte Geschichte der Gemeinde näher. Die Besucher kamen in den Genuss von Orgelmusik und stimmten in den gemeinsamen Chorgesang ein. Vertretern der Kirche zufolge tragen solche Begegnungen maßgeblich dazu bei, die Brücke zu den historischen und geistlichen Traditionen der Russlanddeutschen aufrechtzuerhalten.
Wladimir Proworow, Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, teilte seine Eindrücke über dieses Zusammentreffen: „Es ist von unschätzbarem Wert, wenn eine lebendige Kooperation zwischen der Kirche und den deutschen Kulturzentren stattfindet. Dass der Besuch der lutherischen Kirche ein fester Bestandteil des Forum-Festivals ist, hat symbolische Kraft – denn sie ist untrennbar mit den Wurzeln und Ursprüngen eines Großteils der Russlanddeutschen verbunden. Wir sollten uns immer vor Augen führen: Wenn die ersten Einwanderer damals ankamen, war das Erste, was sie errichteten, meist eine Kirche oder ein Bethaus. Auch das prägt die Lebenseinstellung, das Denken und den Umgang mit unseren Mitmenschen bis heute.“
Ich hoffe sehr, dass die heutigen Besucher nach ihrem Aufenthalt in der Gemeinde beginnen, intensiver über Gottes Wort nachzudenken, darin zu lesen und nach echter christlicher Gemeinschaft zu suchen.
Ein weiterer fester Bestandteil des Programms war der Besuch des Regionalen Zentrums der deutschen Kultur „Hoffnung“ – einer gesellschaftlichen Organisation der Gebiets Samara, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 35-jähriges Bestehen feierte. Das Zentrum befindet sich im selben Gebäudekomplex wie die Evangelisch-Lutherische St.-Georgs-Gemeinde und fungiert bereits seit vielen Jahren als zentrale Plattform für den Erhalt und die Pflege der kulturellen Traditionen der Russlanddeutschen in Samara.
Julia Kartaschowa, geschäftsführende Direktorin des Regionalen Zentrums der deutschen Kultur „Hoffnung“, teilte ihre Eindrücke: „Wir freuen uns riesig, Teil des Forum-Festivals zu sein, und empfinden es als große Ehre, dieses Event hier auf Samaraer Boden auszurichten. Unsere Organisation hat dieselbe Altersstufe wie der Internationale Verband der deutschen Kultur und gehört zu den ältesten national-kulturellen Vereinigungen in Samara. Es ist für unser Zentrum das absolute Jahreshighlight, eine so große Gemeinschaft bei uns begrüßen zu dürfen, wertvolle Erfahrungen auszutauschen und unsere eigenen Best Practices und Konzepte vorzustellen.“
Heute haben die Forumsteilnehmer das Herzstück der deutschen Kultur in Samara besucht – die lutherische Kirche, in der auch unser Zentrum sein Zuhause hat. Sie ist unser Mittelpunkt, unser Kraftort, und ich freue mich unglaublich, dass unsere Kolleginnen und Kollegen uns besucht haben. Wir konnten wertvolle Erfahrungen austauschen und unseren Gästen zeigen, woran und womit wir hier tagtäglich arbeiten.
Im Anschluss besuchten die Teilnehmer die Ausstellung „Erbe in Farben“. Diese präsentiert Werke, die von Künstlern im Rahmen des Projekts „Art-Labor für Bildende Kunst“ geschaffen wurden. Die Schau zeigt eine Reihe von Gemälden, die das architektonische Erbe der Deutschen in der Wolgaregion abbilden. Zu sehen ist die Ausstellung in der Lobby des Kinos „Chudoschestwennij“. Die Exponate können vom 8. Juni bis zum 8. Juli 2026 täglich von 9:00 bis 22:00 Uhr besichtigt werden.
Der Eröffnungstag fand seinen Ausklang im Zentrum für Jugendsozialisierung mit einem akustischen Solokonzert von Aljona Pol. Die Singer-Songwriterin aus Sibirien ist dem breiten Publikum als Teilnehmerin der 5. Staffel der Show „The Voice“ (russ. „Golos“) auf dem führenden russischen Fernsehsender „Ersten Kanal“ (russ. „Perwy kanal“) sowie des Musikprojekts „Erfolg“ (russ. „Uspech“) auf dem Fernsehsender STS bekannt.
Das Forum-Festival wird gemeinsam vom Internationalen Verband der deutschen Kultur, der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen sowie dem Regionalen Zentrum der deutschen Kultur „Hoffnung“ des Gebiets Samara veranstaltet.












