Der Gesamtrussische Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ bleibt eines der wichtigsten überregionalen Projekte des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur. Er bringt Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Sprachniveaus zusammen.
Der Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ versteht sich traditionell als offene Plattform, auf der die Teilnehmenden nicht nur ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellen, sondern auch kreativ werden, kulturelle Themen erforschen und sich mit ihren eigenen Wurzeln auseinandersetzen können. Bewerbungen können direkt auf der offiziellen Website eingereicht werden.
Das Institut für ethnokulturelle Bildung – BiZ übernimmt dabei eine Schlüsselrolle in der methodischen und didaktischen Begleitung. Mit Weiterbildungsprogrammen, Seminaren, Sprachkursen und Bildungsprojekten fördert das Institut die Sprach- und Kulturkompetenz in den Organisationen der Russlanddeutschen in Russland und den GUS-Staaten.
Im Vorfeld der neuen Wettbewerbsrunde in der Kategorie Literatur haben wir mit zwei Vertretern des Instituts für ethnokulturelle Bildung gesprochen: dem Institutsdirektor Dr. Andrej Lehman und dem Leiter des Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur, Dr. Denis Zykalow. Ein Gespräch über die Rolle des Wettbewerbs bei der Popularisierung der deutschen Sprache, die Bewahrung des kulturellen Erbes der Russlanddeutschen und die Bedeutung des lebendigen Wortes im digitalen Zeitalter.
Dr. Andrej Lehman:
„Durch meine langjährige Arbeit in der Jury der literarischen Kategorie kann ich sagen, dass der Wettbewerb spürbar gewachsen ist – sowohl an Reichweite als auch an Teilnehmerzahlen. Heute ist er ein Kernprojekt im Rahmen des Unterstützungsprogramms für die Russlanddeutschen und aus meiner Sicht eines der bedeutendsten überregionalen Projekte in unserem Bereich überhaupt.
Vor allem spielt der Wettbewerb eine enorme Rolle dabei, junge Menschen und ihre Eltern für die Verbandsarbeit der Russlanddeutschen zu begeistern. Sehr viele Teilnehmende stoßen überhaupt erst durch die ‚Freunde der deutschen Sprache‘ auf unsere Arbeit. Für nicht wenige ist dies der erste Schritt zu einem späteren Engagement in Jugendclubs, Kulturinitiativen und Sprachprogrammen.
Auf diese Weise erfüllt der Wettbewerb neben dem Bildungsauftrag auch eine wichtige Motivationsfunktion. Er bietet die Chance, sich auszuprobieren, Gleichgesinnte zu finden und sich als Teil einer großen Gemeinschaft zu fühlen.
Es ist schwer, objektiv zu messen, wie stark ein einzelnes Projekt die Popularität einer Sprache direkt beeinflusst. Was wir jedoch ganz deutlich sehen: Für viele Teilnehmende ist der Wettbewerb eine unverzichtbare Plattform zur Selbstentfaltung, kreativen Weiterentwicklung und zum Austausch geworden.“
Dr. Denis Zykalow:
„Ursprünglich war das Projekt tatsächlich als eine Art Motivationsinstrument gedacht. Der erste Wettbewerb fand im Jahr 2009 statt, und seine Hauptaufgabe bestand darin, all jene zu unterstützen, die Deutsch lernen oder unterrichten. Schon damals war offensichtlich, dass sich der Stellenwert der deutschen Sprache in der Bildungslandschaft im ständigen Wandel befand: Das Interesse flachte mal ab, mal flammte es wieder auf. Unsere Aufgabe war es daher, die Begeisterung für die deutsche Sprache aufrechtzuerhalten und die Zielgruppe beim Erlernen und Vertiefen ihrer Sprachkenntnisse aktiv zu begleiten.
Für die gesellschaftliche Organisationen der Russlanddeutschen hat sich der Wettbewerb zu einem echten Flaggschiff-Projekt entwickelt. Faktisch war es der einzige Großwettbewerb, der sich der deutschen Sprache in gleich mehreren Dimensionen widmete: als Fremdsprache, als zweite Fremdsprache und als Muttersprache der Russlanddeutschen.
Das Potenzial des Projekts war von Anfang an spürbar. Bereits die erste Auflage verzeichnete über dreitausend Bewerbungen, und in den Folgejahren wuchsen die Teilnehmerzahlen kontinuierlich. Schritt für Schritt hat der Wettbewerb enorm an Bedeutung gewonnen und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit bei einem sehr vielseitigen Publikum.

Dr. Denis Zykalow
Фото: Die offizielle VKontakte-Gruppe des Instituts für ethnokulturelle Bildung – BiZ
Bei unseren Reisen in die Regionen und Treffen mit Partnern in Moskau und anderen Städten werden wir immer wieder gefragt: ‚Wird der Wettbewerb auch dieses Jahr stattfinden?‘ Die Menschen warten darauf und nehmen daran mit großer Begeisterung teil. Für Lehrkräfte, Schüler, Studierende und alle, die Deutsch lernen, ist dies eine wunderbare Gelegenheit, sich zu präsentieren, ihr Wissen unter Beweis zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und die eigenen Fähigkeiten zu testen.
Besonders wichtig ist dabei der generationsübergreifende Charakter des Wettbewerbs. Es nehmen daran Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gleichermaßen teil. Die Vielfalt der Kategorien ermöglicht es uns, die unterschiedlichsten sozialen und beruflichen Gruppen einzubinden.
Heute ist der Wettbewerb längst mehr als nur ein reines Motivationsprojekt. In gewisser Weise ist er zu einem Ankerpunkt und zu einem Symbol dafür geworden, dass die deutsche Sprache in Russland ihr Potenzial und ihre Relevanz bewahrt. Zudem hat das Projekt die Landesgrenzen längst überschritten. Es nehmen Lehrkräfte und Lernende aus anderen Ländern teil, insbesondere aus den Partnerstaaten, und gelegentlich erhalten wir sogar Einsendungen aus dem deutschsprachigen Raum. All das unterstreicht den enormen Stellenwert dieses Wettbewerbs.“
Dr. Denis Zykalow:
„Die Kategorie Literatur unterscheidet sich spürbar von den anderen Säulen des Wettbewerbs – wie etwa den Bereichen Musik, Fotografie oder dem Wettbewerb für Lehrkräfte. Der Hauptunterschied liegt vor allem im Bewertungsgegenstand selbst: dem Text.
Während bei visuellen oder audiovisuellen Kategorien das Bild, der Ton oder die mediale Aufbereitung im Vordergrund stehen, zählen in der literarischen Kategorie der künstlerische Wert des Textes, der Stil, die Sprache, die Gedankentiefe und die erzählerische Qualität.
Zudem verlangt die Spezifik dieses Genres ein hohes Maß an persönlicher Einbringung des Autors. Das Essay beispielsweise ist eines der freiesten und zugleich anspruchsvollsten literarischen Genres. Hier kommt es weniger auf die Handlung an, sondern vielmehr auf die Fähigkeit des Verfassers, eigene Gedanken, Gefühle und die persönliche Wahrnehmung des Themas zu vermitteln.
Die Teilnehmenden stehen vor einer anspruchsvollen Aufgabe: In einem relativ kurzen Text müssen sie die Kernidee der Wettbewerbsaufgabe präzise entfalten, die Struktur wahren und dem Werk gleichzeitig Lebendigkeit, Spannung und eine individuelle Note verleihen.
Auch von den Jurymitgliedern fordert die literarische Kategorie eine besonders aufmerksame und tiefgründige Arbeit. Die Bewertung literarischer Werke nimmt in der Regel deutlich mehr Zeit in Anspruch, da nicht nur der Inhalt, sondern auch Sprache, Stil, die Erzählstimme des Autors und die Tiefe der Themenaufarbeitung minutiös analysiert werden müssen.“
Dr. Andrej Lehman:
„Die Kategorie Literatur weist auch mit Blick auf die Juryarbeit eine ganz besondere Spezifik auf. Die Experten sichten jedes Jahr eine enorme Menge an Material. In den letzten Jahren ist das Interesse an dieser Nominierung spürbar gewachsen – jährlich gehen hunderte Beiträge bei uns ein. Je nach Themenschwerpunkt und Zielgruppe kann die Zahl der Einsendungen 400 oder mehr erreichen.
Genau aus diesem Grund verlangt die Juryarbeit ein extrem aufmerksames und tiefes Eintauchen in die Texte. Es geht hierbei nicht nur darum, das Sprachniveau im Deutschen oder das literarische Geschick der Autoren zu bewerten. Ebenso wichtig ist es, den tieferen Sinn, die Kernidee und die Individualität des jeweiligen Werkes zu erfassen.
Die Besonderheit der literarischen Kategorie liegt zu einem großen Teil in diesem Fokus auf den Inhalt. Unser Ziel ist es keineswegs nur, die handwerklich stärksten Texte herauszufiltern. Wir wollen auch neue Ideen und gesellschaftliche Trends aufspüren sowie Autoren unterstützen, die auf Deutsch schreiben und sich durch ihr kreatives Schaffen ausdrücken möchten.
Betrachtet man die Kategorie Literatur in einem größeren Kontext, so umfasste sie im Laufe der Jahre die unterschiedlichsten Formate: Essays, Übersetzungen sowie die Arbeit mit Prosa und Lyrik Autoren russlanddeutscher Herkunft. Die Teilnehmenden haben sowohl Gedichte als auch prosaische Werke übersetzt. Dabei lernten sie die Literatur der Russlanddeutschen kennen, die der breiten Öffentlichkeit oft noch wenig bekannt ist.
Darin liegt zweifellos eine weitere Kernaufgabe dieser Kategorie: die Popularisierung des literarischen Schaffens der Russlanddeutschen und die Vermittlung dieses kulturellen Erbes an die Teilnehmenden.
Gleichzeitig entwickelt sich die literarische Nominierung ständig weiter und sucht nach neuen kreativen Formaten. In einem der vergangenen Wettbewerbe wurden die Teilnehmenden beispielsweise dazu aufgerufen, Comics zu gestalten, was auf enorme Resonanz stieß. Das eröffnet die Möglichkeit, sich nicht nur über die Sprache auszudrücken, sondern auch durch einen gestalterischen, künstlerischen Ansatz.
Es ist wichtig zu verstehen, dass praktisch alle Wettbewerbsaufgaben in einem klaren Rahmen stattfinden: Es gibt Zeichenbegrenzungen, ein konkretes Thema oder die Vorgabe, mit einem bestimmten Werk zu arbeiten. Unter solchen Bedingungen ist es gar nicht so leicht, aus der Masse herauszustechen. Doch genau das macht die wirklich starken Arbeiten umso sichtbarer.
In der Regel lassen sich aus den 400 bis 500 Einsendungen immer etwa 30 bis 50 herausfiltern, die absolut herausragend und individuell sind. Und das Wertvollste dabei ist: Hinter diesen Übersetzungen, Essays und literarischen Texten beginnt Schritt für Schritt die Persönlichkeit des Autors spürbar zu werden.
Sehr oft finden die Teilnehmenden gerade über die literarische Kategorie ihren ersten Zugang zum großen Kulturraum der Russlanddeutschen. Später bringen sich viele von ihnen als Autoren in andere Projekte ein, beteiligen sich an Publikationsinitiativen, widmen sich Übersetzungen oder entwickeln sich im literarischen Bereich weiter.“
Dr. Denis Zykalow:
„Die Entscheidung, die Kategorie Literatur Wladimir Dal zu widmen, ist in erster Linie mit seinem runden Geburtstag verknüpft – in diesem Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 225. Mal. Es steht außer Frage, dass dieses Ereignis eine enorme kulturelle und nationale Tragweite besitzt, da Dal eine Sonderstellung in der Geschichte der russischen Sprache und Literatur einnimmt.
Für uns ist es von besonderer Bedeutung, dass Wladimir Dal auch fest in der Geschichte der Russlanddeutschen verankert ist. Sein Vater war Däne, seine Mutter entstammte einer Familie russifizierter Deutscher. In diesem Sinne ist er eine herausragende Persönlichkeit auch für unsere Gemeinschaft, auf die wir mit vollem Recht stolz sein können.
Besonders wertvoll ist die Tatsache, dass ein Mensch mit einer solchen Familiengeschichte einen Großteil seines Lebens der Erforschung der russischen Sprache, Kultur und der lebendigen Volkssprache gewidmet hat. Dal begegnete dem sprachlichen Erbe mit tiefem Respekt: Er sammelte die gesprochene Sprache, dokumentierte Wörter, Redewendungen sowie die feinen Nuancen der Volkskultur. Damit hinterließ er ein einzigartiges Erbe, das bis heute nichts von seiner Relevanz verloren hat.
Genau deshalb dreht sich die diesjährige Kategorie Literatur nicht nur um die Sprache als System, sondern stellt die Aufmerksamkeit für das geschriebene und gesprochene Wort, die Sprachkultur sowie die Bewahrung der lebendigen Sprache und des historischen Gedächtnisses in den Mittelpunkt.“
Dr. Andrej Lehman:
„Bei der Themenwahl für die Kategorie Literatur orientieren wir uns häufig an runden Jubiläen, bedeutenden Persönlichkeiten oder Werken, die eng mit Kultur, Sprache und Geschichte verwoben sind. In diesem Jahr fiel die Wahl quasi von selbst auf Wladimir Dal.
Dabei spielte für uns auch eine wesentliche Rolle, dass der Name Dal einer breiten Öffentlichkeit bestens vertraut ist. Der Wettbewerb hat die Grenzen der rein russlanddeutschen Gemeinschaft längst gesprengt: Schüler, Studierende und Deutschlehrkräfte aus den verschiedensten Regionen und Bildungseinrichtungen bringen sich hierbei aktiv ein.
Für viele Teilnehmende ist der Name Wladimir Dal bereits seit der Schulzeit ein Begriff, was maßgeblich dazu beiträgt, ein zusätzliches Interesse an der Kategorie Literatur zu wecken. Einerseits ist er eine bekannte Persönlichkeit, die ein breites Publikum anzusprechen vermag; andererseits bietet sich den Teilnehmenden hier die Chance, eine ganz neue Facette seiner Person zu entdecken und mehr über seine tiefen Verbindungen zur Geschichte der Russlanddeutschen zu erfahren.
In vielerlei Hinsicht hilft der Wettbewerb gerade durch solche Themenschwerpunkte nicht nur dabei, die Begeisterung für die deutsche Sprache zu fördern. Er trägt auch entscheidend dazu bei, das Bewusstsein für den Beitrag der Russlanddeutschen zur russischen Kultur, Wissenschaft und dem gesellschaftlichen Leben zu schärfen.
Darüber hinaus erlaubt der Blick auf die Persönlichkeit Dals eine völlig neue Perspektive auf die Sprache selbst – als ein lebendiges, im ständigen Wandel begriffenes Kulturphänomen, das von Menschen, ihren Erfahrungen, ihrer Erinnerung und ihrer Geschichte geformt wird.“
Dr. Andrej Lehman:
„Mit Blick auf die Gemeinschaft der Russlanddeutschen ist dies eine ebenso komplexe wie essenzielle Frage. Heute gibt es unter den Russlanddeutschen nur noch wenige Menschen, für die Deutsch eine echte Muttersprache ist – also jene Sprache, die sie von Kindheit an fließend sprechen, in der sie denken und ihre Gedanken vollends zum Ausdruck bringen können. Solche sprachlichen Inseln haben sich meist nur in bestimmten ländlichen Regionen erhalten, vor allem in Gemeinschaften, in denen Traditionen und Sprache nach wie vor innerhalb der Familie weitergegeben werden.
Über staatliche Institutionen wie Schulen, Universitäten und das Bildungssystem im Allgemeinen lässt sich Deutsch nicht als Muttersprache der Russlanddeutschen bewahren. Genau deshalb sind Menschen, die weiterhin auf Deutsch schreiben, Texte verfassen und sich kreativ betätigen, für unsere Gemeinschaft von unschätzbarem Wert.
Für uns ist es von zentraler Bedeutung, diese Autoren nicht nur zu unterstützen, sondern auch ihre Werke zu bewahren, sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Jugend an sie heranzuführen. Dies ist ein Teil unseres kulturellen Gedächtnisses und zugleich die lebendige Fortführung einer langen Tradition.
Zudem darf man nicht vergessen, dass die Kultur der Russlanddeutschen längst in mehreren Räumen gleichzeitig existiert. Viele Russlanddeutsche, die nach Deutschland übergesiedelt sind, bewahren nach wie vor die Verbindung zu ihrer historischen und kulturellen Identität. Sie fühlen sich mit Russland verbunden und schreiben weiterhin auf Deutsch – wenn auch in einem veränderten sprachlichen Umfeld.
In vielerlei Hinsicht sind gerade sie es, die heute als Brückenbauer und Träger zweier Kulturen fungieren: der russischen und der deutschen. Den Kontakt zu solchen Autoren aufrechtzuerhalten, diesen gemeinsamen Kulturraum und den Dialog zu pflegen, ist ebenfalls von herausragender Bedeutung.
Letzten Endes bleibt für uns das Kernthema der Russlanddeutschen selbst das Entscheidende – ihre Kultur, ihr Gedächtnis und ihre Identität. Die Sprache wiederum ist das Werkzeug, mit dem es dem Menschen am nächsten und natürlichsten fällt, über sich selbst zu sprechen. Und wenn diese Sprache das Deutsche bleibt, so ist diese Möglichkeit umso wertvoller.“
Dr. Denis Zykalow:
„Für die gesellschaftlichen Organisationen der Russlanddeutschen ist die Förderung des literarischen Schaffens in deutscher Sprache eine strategisch wichtige Aufgabe, die weit über das bloße Erlernen von Grammatik oder Vokabeln hinausgeht.
Im Kontext des kreativen Schaffens junger Menschen erfüllt die deutsche Sprache heute gleich mehrere bedeutende Funktionen.
Erstens ist sie ein Mittel zur Bewahrung der Identität. Für junge Russlanddeutsche bietet das kreative Schreiben auf Deutsch die Chance, die Verbindung zu ihren Wurzeln, ihrer Familiengeschichte und ihrem kulturellen Erbe aufrechtzuerhalten.
Zweitens wird das literarische Schaffen zu einer Form des interkulturellen Dialogs. Durch ihre Texte, Essays, Übersetzungen und andere kreative Arbeiten kann die Jugend von ihren Werten und ihrer Kultur erzählen, Erfahrungen teilen und die Kultur der Russlanddeutschen einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. In diesem Sinne werden die Wettbewerbsteilnehmenden zu regelrechten ‚Kulturbotschaftern‘ – sowohl auf gesamtrussischer als auch auf internationaler Ebene.
Und schließlich ist das Schreiben auf Deutsch ein Raum für formale Experimente und Selbstentfaltung. Die deutsche Sprache ist an sich ungemein reich an Wortschöpfungen, Bildhaftigkeit und komplexen sprachlichen Strukturen. Sie erweist sich als ideales Feld für linguistische Spiele und bietet enorme Möglichkeiten, nach neuen Formen zu suchen, Neologismen zu prägen und kreative Lösungen zu finden.
Deshalb ist die Förderung des literarischen Schaffens in deutscher Sprache heute dreierlei zugleich: die Arbeit am kulturellen Gedächtnis, die Unterstützung der Jugend und die Weiterentwicklung eines lebendigen, zeitgenössischen Kunstschaffens.“
Dr. Denis Zykalow:
„Wenn wir über die Kategorie Literatur sprechen, so ist für die Jury ein ganzes Bündel an Kriterien entscheidend. Selbstverständlich bleibt die sprachliche Korrektheit eine der tragenden Säulen – also die Beherrschung der deutschen Sprache, die Präzision der Formulierungen und die stilistische Ausgewogenheit des Textes.
Großes Augenmerk wird zudem auf den sprachlichen Reichtum der Arbeit gelegt: Wie abwechslungsreich nutzt der Verfasser den Wortschatz? Versteht er es, mit stilistischen Mitteln zu arbeiten, Bildhaftigkeit zu erzeugen und eine gewisse Atmosphäre zu schaffen?
Darüber hinaus spielt die Struktur des Textes eine wesentliche Rolle. Selbst ein so freies Genre wie das Essay setzt eine klare innere Komposition voraus – Stringenz, eine schlüssige Gedankenführung, die Fähigkeit, Argumente logisch aufzubauen und die Lesenden elegant zur Kernbotschaft hinzuführen.
Ein eigenständiges Kriterium bleibt stets die Tiefe der Themenaufarbeitung. Für die Jury ist es von zentraler Bedeutung zu sehen, inwieweit der Autor die Aufgabenstellung wirklich durchdrungen hat, inwiefern es ihm gelungen ist, das Thema zu reflektieren und es mit persönlichen Inhalten zu füllen.
Und natürlich spielt die Kreativität eine ganz besondere Rolle – die Originalität der Idee, der unvoreingenommene Blick des Autors und ein individueller Ansatz im Umgang mit dem Material.“
Dr. Andrej Lehman:
„Aber wenn man es etwas informeller und eher emotional ausdrückt, dann ist der wichtigste Indikator für eine starke Wettbewerbsarbeit wohl der Moment, in dem der Text aufhört, bloß eine Wettbewerbsarbeit zu sein.
Wenn man eine große Anzahl von Werken hintereinander liest und plötzlich an einer bestimmten Passage innehält und vergisst, dass man gerade in der Rolle eines Jurymitglieds ist. Man möchte einzelne Zeilen noch einmal lesen, verstehen, wer hinter diesem Text steht, und die Persönlichkeit des Autors spüren.“
Dr. Andrej Lehman:
„Es ist mittlerweile schwer, sich genau an die Texte selbst zu erinnern – die Details verblassen mit der Zeit. Was jedoch bleibt, sind bestimmte Bilder der Menschen, der Autoren.
Im Moment der Bewertung passiert etwas sehr Faszinierendes: Man distanziert sich allmählich vom Namen des Autors. Mit dem Text ist man bereits zusammengewachsen, aber der Name dahinter verliert irgendwann an Bedeutung. Und dann kommt die Preisverleihung.
Das ist wohl der spannendste Moment von allen. Man sieht all diese Kinder, die zu der Veranstaltung angereist sind – Teilnehmende aus den verschiedenen Kategorien, darunter auch aus derjenigen, die man selbst juriert hat. Während der Bewertungsphase nimmt man sie ja nicht als konkrete Personen wahr. Und plötzlich, im Moment der Prämierung, wird ein Name aufgerufen – und es folgt ein Augenblick des sofortigen Wiedererkennens.
Man schaut auf einen Menschen, der noch vor einer Sekunde nur ein Teilnehmer unter vielen war, und erinnert sich schlagartig an seinen Text. Das Werk erwacht in der Erinnerung quasi zum Leben und der Mensch verwandelt sich in einen Autor – in eine Persönlichkeit mit einer ganz präzisen, ausdrucksstarken literarischen Stimme.
Und genau dieser Moment des Wiedererkennens ist für mich das größte Wunder. Er ereignet sich erst auf der Zeremonie, wenn man nicht mehr nur dem Text, sondern dem Menschen dahinter begegnet – und durch ihn das geschriebene Werk noch einmal völlig neu entdeckt.“

Dr. Denis Zykalow
Фото: Die offizielle VKontakte-Gruppe des Instituts für ethnokulturelle Bildung – BiZ
Dr. Denis Zykalow:
„Um es noch einmal zu betonen: Unser Wettbewerb hat in erster Linie einen motivierenden Charakter. Er steht allen Teilnehmenden offen, und unsere Hauptaufgabe besteht darin, das Interesse an der deutschen Sprache zu wecken sowie zum Lernen und zur aktiven Anwendung zu animieren.
In einigen Kategorien gibt es natürlich gewisse Rahmenbedingungen – seien sie altersbedingt oder an das Sprachniveau gekoppelt. Im Großen und Ganzen versuchen wir jedoch, ein maximal offenes Teilnahmemodell beizubehalten.
Was die Arbeiten selbst betrifft, so lässt sich zweifellos jeder Text sprachlich korrekt und sauber aufbauen – man kann ihn Korrektur lesen, editieren und auf ein gutes stilistisches Niveau bringen. Wie jedoch Dr. Andrej Lehman völlig zu Recht angemerkt hat, bleiben der Inhalt und die tiefere Aussagekraft, die der Autor in sein Werk legt, der Dreh- und Angelpunkt.
Genau dieser inhaltliche Teil gibt oft den Ausschlag. Manchmal drückt die Jury ganz bewusst ein Auge bei einzelnen grammatikalischen oder stilistischen Ungenauigkeiten zu, wenn dahinter ein wirklich unkonventionelles Denken, eine originelle Aufbereitung des Materials oder ein einzigartiger Blick auf das Thema zum Vorschein kommen.
Denn man kann die deutsche Sprache zwar fließend und sicher beherrschen, es kann einem aber dennoch an kreativer Eigenständigkeit und originellen Denkansätzen fehlen. Im Wettbewerbsumfeld gewinnt vor allem die Arbeit als Gesamtaussage – also die Art und Weise, wie der Teilnehmende an die Kreation herangegangen ist, welche Idee er formuliert und wie er diese entfaltet hat.
Was die Kriterien angeht, so beginnen wir, wie bereits erwähnt, immer mit den Grundlagen: sprachliche Korrektheit, fehlerfreies Deutsch und Stil. Das abschließende und in vielerlei Hinsicht entscheidende Kriterium bleibt jedoch die Originalität der Idee.“
Dr. Denis Zykalow:
„Der Wettbewerb spielt eine wesentliche Rolle bei der Bewahrung des sprachlichen und kulturhistorischen Erbes der Russlanddeutschen, indem er als eine Art lebendiges Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft fungiert. Er hilft dabei, oft recht trockene historische Fakten in eine persönliche, emotional durchlebte Erfahrung des Teilnehmenden zu verwandeln.
Jede Wettbewerbsarbeit – ungeachtet der jeweiligen Kategorie – regt den Menschen auf die eine oder andere Weise dazu an, sich mit dem historischen und kulturellen Erbe der Russlanddeutschen auseinanderzusetzen, tiefer in die Materie einzutauchen und schließlich auf der Grundlage des recherchierten Materials eigene Schlüsse zu ziehen. Das Ergebnis ist nicht bloß eine erledigte Aufgabe, sondern ein kreatives Produkt, das eine ganz persönliche Reflexion widerspiegelt.
In diesem Sinne trägt der Wettbewerb auch dazu bei, die eigene Familiengeschichte wieder zum Leben zu erwecken. Solange man nicht in eine solche Aktivität eingebunden ist, weiß man vielleicht formal um die eigene Herkunft – zum Beispiel über eine Familie mit einem deutschen Nachnamen –, misst dem Ganzen jedoch keine besondere Bedeutung bei. Während der Vorbereitung der Arbeit setzt jedoch ein schrittweises Eintauchen ein: Es entsteht Interesse, es kommen Fragen auf, und oft führt ein Thema direkt zum nächsten. Die Teilnehmenden beginnen mit der Familiengeschichte oder kulinarischen Traditionen und gelangen von dort aus nicht selten zu einer tieferen Erforschung des Stammbaums und des gesamten kulturellen Kontextes.
Ein separater Aspekt, den es hervorzuheben gilt, ist das persönliche Engagement. Besonders deutlich zeigt sich dies in den Familienkategorien, wenn der Impuls zur Teilnahme vom Kind ausgeht, das dann Eltern und Großeltern in den Prozess einbindet. Dadurch entsteht eine ganz besondere Form des familiären Dialogs, die das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärkt.
Zudem wird das Deutsche in den Beiträgen der Teilnehmenden nicht selten eben nicht nur als Fremdsprache verwendet, sondern als Sprache des familiären Umfelds – bisweilen unter Einbindung dialektaler Wörter und Formen. Auch dies leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen und sprachlichen Gedächtnisses.
Der Wettbewerb bietet die Möglichkeit, die nationale Identität über die unterschiedlichsten Formate – vom Essay bis zur Fotografie – kreativ zu interpretieren. Dadurch wird die Kultur der Russlanddeutschen für Gleichaltrige und Zeitgenossen nahbarer, moderner und verständlicher; sie gewinnt neue Ausdrucksformen.
Ein letzter, entscheidender Aspekt ist schließlich die Generationenkontinuität. Der Wettbewerb führt verschiedene Altersgruppen zusammen, wobei die Älteren als Bewahrer von Wissen und Traditionen fungieren, während die Jüngeren diese im modernen Kontext – nicht zuletzt im digitalen Raum – interpretieren und weitertragen.“
Dr. Andrej Lehman:
„Ich möchte hinzufügen, dass der Einfluss des Wettbewerbs auf die Bewahrung des Erbes eher indirekter Natur ist. Gleichzeitig muss man verstehen, dass es sich hierbei vor allem um einen Einstiegspunkt handelt – darüber sprechen wir auch regelmäßig mit den Teilnehmenden selbst, insbesondere mit den Kindern, die unsere Hauptzielgruppe bilden.
Für viele von ihnen ist die Teilnahme am Wettbewerb die allererste Berührung mit der Kultur der Russlanddeutschen – sei es durch Zeichnungen, Texte oder kreative Aufgaben. Es ist eine Art des Kennenlernens, nach der jeder für sich selbst entscheidet, wie tief er in diese Thematik eintauchen und wie er damit weiterarbeiten möchte.
Ein zweiter wesentlicher Aspekt ist das Anstoßen neuer Initiativen. Die Teilnahme am Wettbewerb fungiert nicht selten als Startrampe für zusätzliche Projekte, die dann von den Teilnehmenden selbst oder in deren Bildungsumfeld ins Leben gerufen werden. Hinter jeder Kategorie steht in der Regel das Interesse an einem bestimmten Thema oder einer Persönlichkeit. Und wenn im Rahmen dieses föderalen Projekts Figuren wie Dal, Münchhausen oder Humboldt ins Rampenlicht gerückt werden, können wir im Anschluss beobachten, wie in den Regionen lokale Initiativen entstehen, die von diesen Namen inspiriert sind.
Darin zeigt sich meines Erachtens der reale Einfluss des Wettbewerbs auf das kulturelle Umfeld – er ist zwar nicht unmittelbar, dafür aber umso nachhaltiger.
Und ein weiterer wichtiger Aspekt liegt wohl darin, dass es uns bisher noch nicht immer in vollem Maße gelingt, die Ergebnisse der bereits eingereichten Arbeiten weiterzutragen und zu nutzen. Das Potenzial hierfür ist jedoch offensichtlich. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder solche Ideen – wie das Projekt ‚Ein Geschenk für Nora‘, das aus einem Übersetzungswettbewerb hervorgegangen ist. Das ist genau ein solches gutes Beispiel dafür, wie Wettbewerbsmaterialien ein Weiterleben außerhalb des eigentlichen Formats erfahren können.
Gleichzeitig gab es durchaus bereits Ausstellungsformate: In den letzten Jahren wurden im Deutsch-Russischen Haus in Moskau Expositionen mit den Arbeiten der Teilnehmenden organisiert, darunter auch Werke der Gewinner aus verschiedenen Kategorien. Die Zeichnungen, Texte und Projekte von Kindern unterschiedlichen Alters – von den Jüngsten bis zu den älteren Kategorien – könnten auch jetzt wieder im Rahmen einer eigenständigen Ausstellung präsentiert werden. Dies ist zweifellos eine bedeutende Form der Wirkung: wenn Arbeiten den Rahmen des Wettbewerbs verlassen und öffentlich sichtbar werden.
Insgesamt unterstreicht dies den Kerngedanken: Die Wettbewerbsbeiträge sind, auch wenn sie im strengen Sinne nicht professionell sein mögen, dennoch Teil eines lebendigen Kulturprozesses. In dieser Eigenschaft können sie ebenfalls als ein Element des Erbes der Russlanddeutschen betrachtet werden – festgehalten in einer kindlichen, kreativen und persönlichen Wahrnehmung und eben dadurch eingebunden in ein breiteres kulturelles Gedächtnis.
Oft sieht das Teilnahmemuster so aus: Ein Kind macht beim Wettbewerb mit, die Eltern beginnen es zu unterstützen, erfahren anschließend von den Ergebnissen, treten mit den Organisatoren in Kontakt und entwickeln nach und nach ein eigenes Interesse.
Wichtig ist auch, dass die Teilnahme eines Kindes in den allermeisten Fällen keine isolierte Entscheidung ist. Dahinter steht fast immer ein erwachsener Kontext: Eltern, die entweder selbst mit der Kultur der Russlanddeutschen verbunden sind, oder aber Deutschlehrkräfte und Pädagogen aus dem Bildungsumfeld.
Auf diese Weise formt sich ein wechselseitiger Prozess: Das Interesse fließt nicht nur von der älteren Generation zur jüngeren, sondern auch umgekehrt. Über das Kind wird eine schrittweise Einbindung der Erwachsenen in Gang gesetzt, und das ist wohl einer der nachhaltigsten und wertvollsten Effekte dieses Wettbewerbs.“
Dr. Denis Zykalow:
„Zunächst ist anzumerken, dass sich die verschiedenen Altersgruppen der Teilnehmenden – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – auf ganz unterschiedliche Weise in ihren kreativen Arbeiten ausdrücken. Diese Unterschiede sind für uns besonders aufschlussreich. Kindliche Texte zeichnen sich in der Regel durch Aufrichtigkeit und Fantasie aus; sie enthalten oft Elemente der Bildhaftigkeit, des Märchenhaften und einen unbefangenen Blick auf das Thema. Die Arbeiten von Jugendlichen zeigen häufiger den Versuch einer tieferen Reflexion – hier kommen bereits kritisches Denken, das Bestreben, historische und kulturelle Zusammenhänge neu zu bewerten, und manchmal unkonventionelle Darstellungsformen bis hin zu modernen digitalen Formaten zum Vorschein. Erwachsene Teilnehmende wiederum konzentrieren sich meist auf die Bewahrung und Dokumentation von Erfahrungen: Für sie stehen Präzision, die sorgfältige Wiedergabe von Fakten sowie die Werte- und Traditionsebene im Vordergrund.
Diese drei Gruppen existieren nicht isoliert voneinander – im Gegenteil, sie ergänzen sich gegenseitig. Und genau diese Vielfalt liefert uns wertvolles Material für Analysen und wird zugleich zu einer Quelle für Ideen zu neuen Bildungs- und Kulturprodukten.
Betrachtet man die Rolle des Instituts, so lässt es sich als eine Art methodisches sowie kultur- und bildungsorientiertes Zentrum für die Verbände der Russlanddeutschen in Russland und den GUS-Staaten verstehen. Das Institut verwandelt das Erlernen der deutschen Sprache und Literatur in einen lebendigen, kreativ ausgerichteten Prozess.
Zu den zentralen Arbeitsfeldern gehören regelmäßige Publikationsprojekte. Das Institut gibt Bücher heraus, die sich der Literatur der Russlanddeutschen und einzelnen Autoren widmen. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die Publikation ‚Das Tor in eine bunte Welt‘ sowie die jüngst erschienenen Materialien für das gemeinsame Lesen in der Familie im digitalen Format, die ,Sprüche und Reime für Kinder’ beinhalten.
Großes Augenmerk wird zudem auf die sprachliche Bildung gelegt. Es werden Online-Deutschkurse auf den Niveaustufen A1 und A2 angeboten, was den Zugang zum Spracherwerb für Teilnehmende aus den unterschiedlichsten Regionen erheblich erweitert. Parallel dazu werden methodische Handbücher entwickelt und herausgegeben, Seminare durchgeführt sowie Weiterbildungsprogramme für Leitende von Sprachclubs und Deutschlehrkräfte an den Begegnungszentren organisiert.
Ein eigenständiger Bereich sind die Multimedia- und Onlineformate. Dazu zählen Videovorlesungen zur Literatur der Russlanddeutschen, Kurse zur Methodik des Sprachunterrichts für verschiedene Altersgruppen sowie digitale Bildungsprogramme. Dieses Format ermöglicht es, einen akademischen Ansatz mit Barrierefreiheit und modernen Bildungspraktiken zu verbinden.
Schließlich bleibt die Unterstützung der Wettbewerbs- und Kreativbewegung ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Das Institut fördert traditionell die Kategorie Literatur des Wettbewerbs ‚Freunde der deutschen Sprache‘ und bringt sich aktiv in Partnerinitiativen zur Popularisierung der deutschen Sprache und Literatur ein.
Auf diese Weise deckt die Arbeit des Instituts sowohl die pädagogische als auch die methodische und kreative Ebene ab und schafft ein ganzheitliches System zur Unterstützung der deutschen Sprache und des literarischen Schaffens.“
Dr. Andrej Lehman:
„Ich möchte hinzufügen: Wenn wir über die Zielgruppe sprechen, – insbesondere über Kinder und Jugendliche – dann bildet die Teilnahme am Projekt ‚Ethnokulturelle Online-Schule‘ eine wesentliche Fortsetzung der Wettbewerbsaktivitäten. Dieser Bereich wurde erst vor Kurzem ins Leben gerufen und durchläuft aktuell eine Phase der Modernisierung und des Relaunchs.
Im Rahmen der Online-Schule befassen sich die Teilnehmenden nicht nur mit der deutschen Sprache, sondern mit einem weitaus breiteren Spektrum an Themen rund um die Kultur der Russlanddeutschen: mit Traditionen, Geschichte sowie Elementen der bildenden Kunst und Literatur. Das ermöglicht es uns, den Lernkontext zu erweitern und die durch den Wettbewerb geweckte Begeisterung in eine systematischere Bildungsbiografie zu überführen.

Dr. Andrej Lehman, Maria Sannikowa und Dr. Denis Zykalow
Фото: Die offizielle VKontakte-Gruppe des Instituts für ethnokulturelle Bildung – BiZ
Das Projekt wird in Form von Lernzyklen über das Jahr verteilt umgesetzt – mit einer Frühlings- und einer Herbstphase. Dabei bleibt es stets offen: Neue Teilnehmende können sich bei Interesse jederzeit einklinken.
Besonders wichtig ist, dass die Online-Schule im Grunde eine Fortsetzung des Wettbewerbsweges darstellt. Sie ist ein Raum, den Kinder nach ihrer Teilnahme am Wettbewerb betreten können, um ihr Interesse an Sprache, Kultur und Geschichte weiter auszubauen.
Zusätzlich bieten wir einen separaten Online-Kurs an, der sich an ein breiteres jugendliches Publikum (ab etwa 10 Jahren) richtet. Er ist zugänglicher und in einer vereinfachten Form gestaltet, sodass er keine vertieften Sprachkenntnisse voraussetzt. Seine Aufgabe ist es, den Teilnehmenden die Grundlagen der Ethnokultur näherzubringen: Wer sind die Russlanddeutschen? Wie hat sich ihre Geschichte entwickelt? Wie sieht ihr Leben heute aus? Und wie kann man sich dem Thema der eigenen Herkunft und kulturellen Identität annähern?“
Dr. Denis Zykalow:
„Als separater Block werden zudem Multimediaformate betrachtet, darunter Materialien zur Genealogie und zur Suche nach den eigenen Wurzeln. Diese Ausrichtung ist mit Blick auf den Generationenzusammenhalt von besonderer Bedeutung, da sie es den Teilnehmenden ermöglicht, nicht nur Geschichte im Allgemeinen zu studieren, sondern diese auch in Bezug zur eigenen, ganz persönlichen Familiengeschichte zu setzen.
Auf diese Weise baut sich bei uns ein sehr ganzheitliches System auf: Der Wettbewerb fungiert als Einstiegspunkt, und im Anschluss können die Teilnehmenden in die Online-Schule, in Kurse und Multimediaprojekte wechseln, um Schritt für Schritt ihr Verständnis für die Sprache und Kultur der Russlanddeutschen zu vertiefen.“
Dr. Andrej Lehman:
„Den Teilnehmenden der ‚Freunde der deutschen Sprache‘ möchte ich in erster Linie den Mut zur Teilnahme wünschen. Denn allein das Mitmachen bereichert einen ungemein – nicht nur im Rahmen dieses Wettbewerbs, sondern bei jeglichen Bildungs- und Kreativprojekten. Es bedeutet immer ein Verlassen der Komfortzone, eine Chance, über den Tellerrand des eigenen Alltags hinauszuschauen, über ein neues Thema nachzudenken und es aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.
Zweitens wünsche ich ihnen natürlich den Sieg. Denn ein Sieg eröffnet die wunderbare Möglichkeit, zur feierlichen Preisverleihung zu reisen und dort Gleichaltrige aus verschiedensten Städten des Landes persönlich kennenzulernen. Und es gibt wohl kaum etwas Wertvolleres als den lebendigen Austausch, insbesondere unter Kindern und Jugendlichen. Solche Begegnungen erweisen sich oft als mindestens ebenso bedeutsam wie das eigentliche Wettbewerbsergebnis.
Und drittens möchte ich den Teilnehmenden wünschen, sich im Wettbewerb ganz authentisch selbst zu zeigen. In Zeiten, in denen moderne Technologien und künstliche Intelligenz intensiv genutzt werden, laufen Arbeiten oft Gefahr, allzu glattpoliert und formal beinahe ‚perfekt‘ zu wirken. Was jedoch wirklich von unschätzbarem Wert bleibt, ist das, was uns hinter dem Text den lebendigen Menschen erkennen lässt – seine Tonalität, sein Denken, seine Individualität. Bildlich gesprochen: der ‚lebendige Geist‘, die einzigartige Präsenz des Autors.
In diesem Sinne ist es von ganz zentraler Bedeutung, dass hinter dem Werk die Persönlichkeit des Verfassers spürbar sein wird – nicht nur die korrekte Grammatik und Struktur, sondern der eigene Blickwinkel und die eigene, ganz persönliche Stimme.“
Dr. Denis Zykalow:
„Den Teilnehmenden möchte ich vor allem Mut wünschen – den Mut vor dem leeren Blatt Papier, den Mut, die eigene ‚lebendige Stimme‘ zu finden und das Vermächtnis von Wladimir Dal zu beherzigen: das lebendige gesprochene Wort zu schätzen! Verfassen Sie Ihre Arbeiten so, dass in den Worten der Atem der Zeit und Ihre eigene Persönlichkeit spürbar werden. Möge die Teilnahme am Wettbewerb nicht bloß ein Wettstreit sein, sondern eine echte Forschungsreise – zu sich selbst, zur Sprache und zur Welt um Sie herum.“
















