Sieben Tage auf Deutsch: Wie das Projekt „Ethnokulturelle Sprachentreffen für Jugendliche 2026“ verlief


Vom 1. bis 8. August fand in Samara ein ethnokulturelles Sprachtreffen für Jugendliche statt, das Russlanddeutsche aus dem ganzen Land zusammenbrachte, um eine gemeinsame Sprache, Kultur und Erinnerung an ihre Vorfahren zu teilen. Das Projekt wurde vom Jugendring der Russlanddeutschen organisiert.

Sechsunddreißig junge Russlanddeutsche aus verschiedenen Städten Russlands – von Kaliningrad bis Chabarowsk – nahmen an dem Projekt teil. Das dreißigste ethnokulturelle Sprachtreffen widmete sich der Bewahrung der ethnischen Identität durch das Eintauchen in die einheimische Kultur, die Geschichte des Volkes und intensives Sprachtraining. Die Teilnehmer hatten die einmalige Gelegenheit, nicht nur ihr Wissen aufzufrischen, sondern auch die enge Verbundenheit der verschiedenen Generationen von Russlanddeutschen zu erleben.

Lebendige Sprache: Von interaktiven Formaten zu zukünftigen Projekten

Das zentrale Merkmal der Sprachblöcken war das interaktive Immersionsformat, in dem die gesprochene Sprache auf natürliche und mühelose Weise erworben wird. Die Leiter der Klubs für Freunde der deutschen Sprache – Taisija Beljakowa, Dmitrij Korobow und Bogdana Jurkina – gestalteten jedes Treffen zu einem anregenden Ort für Kommunikation und Experimente. Die Teilnehmer überwanden die Sprachbarriere durch Rollenspiele, Kochvorführungen, Brettspiele, Talkshows und das Erstellen von Comics. Die Sprachpraxis verband ethnokulturelle Bezüge mit moderner Technologie: alle bereiteten Interviews vor und nutzten KI-Tools, um Videopostkarten für zukünftige Generationen zu erstellen.

Das Besondere am Klub für Freunde der deutschen Sprache ist, dass es immer eine echte Teamarbeit ist. Wir erledigen nicht nur Aufgaben, sondern kommunizieren viel, tauschen aktiv Ideen aus und helfen uns gegenseitig. Deutsch ist eine Sprache, die ich sehr liebe, und hier konnte ich ihre lebendige Atmosphäre erleben und jede Sprachbarriere überwinden,– berichtete Projektteilnehmerin Maria Majorowa aus Moskau.

Eine bereichernde Ergänzung des Programms waren die Arbeitsgemeinschaften, in denen die Teilnehmenden sich eingehender mit bestimmten Themen befassen oder Führungserfahrung sammeln konnten. Die Teilnehmer erkundeten Traditionen und Bräuche mit Oksana Leichner, besuchten einen interaktiven Vortrag „Lesen oder nicht? Das ist die Frage“ von Eduard Gross, diskutierten mit Maxim Leichner über die Werte der Russlanddeutschen und gingen dabei auch auf das 450-jährige Jubiläum der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands ein. Außerdem lernten sie mit Alena Tempel traditionelle Tänze im Freien. Ein absolutes Highlight war der Konversationsklub „Sprach-Dating“ unter der Leitung von Daria Japparowa.

Das Format der Arbeitsgemeinschaft bot eine großartige Gelegenheit, nicht nur wichtige Themen zu diskutieren, sondern auch persönliche Leidenschaften und Erfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen. Als ich mein Treffen leitete, verspürte ich eine große Verantwortung, aber vor allem gab es ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl und die Tatsache, dass wir alles gemeinsam unternahmen, – bemerkte AG-Moderatorin Daria Japparowa aus Tomsk.

Die von Swetlana Malzewa organisierten und geleiteten Abendveranstaltungen nahmen einen besonderen Platz im Programm und in den Herzen der Teilnehmer ein. Zu ihnen gehörte das Detektivspiel „Das perfekte Alibi“, bei dem die Fakten und eine Alibisuche auf den Biografien prominenter Russlanddeutscher wie Wladimir Dahl basierten, der in diesem Jahr seinen 225. Geburtstag feiert. Der historische und ethnokulturelle Kontext, der zeitlich mit dem 30-jährigen Jubiläum der Ethnokulturellen Sprachtreffen zusammenfiel, spiegelte sich im Quiz „Ethnokulturelle Sprachtreffen – 30 Jahre“ und im Wissensquiz „11 Freunde von Katharina der Großen“ wider. Der Tanzwettbewerb „Startin“ im Stil der 1990er-Jahre – der Zeit, in der das Projekt begann – sorgte für besonders lebhafte Emotionen.

Ethnokultureller Code als roter Faden

Das kreative und ethnokulturelle Programm verband auf harmonische Weise einen respektvollen Umgang mit traditionellem Erbe mit relevanten zeitgenössischen Praktiken. Die Arbeit wurde parallel auf mehreren thematischen Plattformen durchgeführt, sodass jeder Teilnehmer sein volles Potenzial entfalten konnte.

In den von Galina Meladse geleiteten Treffen des ethnokulturellen Klubs erlernten die Aktivisten angewandte Kunst und ethnokulturelles Kunsthandwerk. Sie gestalteten Miniatur-Innenverkleidungen mit leuchtenden Vogelbeeren und fertigten einzigartige Erinnerungs-Schlüsselanhänger mit Makramee und den Symbolen des Projekts an. Diese handgefertigten Gegenstände wurden zu wertvollen Andenken für alle und bewahrten den Geist und die besondere Atmosphäre des Projekts.

Parallel dazu fanden intensive Aktivitäten im Klub „Medienraum der Russlanddeutschen“ unter der Leitung von Anastasia Singer statt. Die Teilnehmer beschäftigten sich eingehend mit Technologien zur Förderung von Jugendprojekten auf der Plattform VKontakte: von der hochwertigen Gestaltung persönlicher Profile und Gruppen im Kontext des JdR-Aktivistenimages bis hin zu verschiedenen Tools zur Publikumsbindung. Der praktische Teil basierte auf einem Forschungsansatz: Durch eine Reihe von Interviews im Rotationsverfahren ermittelten die Teilnehmer die tatsächlichen Bedürfnisse ihrer Zielgruppe. Anschließend erstellten sie Content-Pläne und veröffentlichten umgehend verschiedene Publikationen, die über die Ereignisse des Treffens berichteten.

Die von Stanislaw Ljoschin geleitete Theatergruppe entwickelte sich zu einem Ort, an dem das literarische Erbe der Russlanddeutschen erblühen konnte. Die Teilnehmer erarbeiteten Bühnenskizzen basierend auf Werken aus der Sammlung „Das Tor in eine bunte Welt“: „Das erste Radio im Dorf“ von Andreas Sachs, „Liebe“ von Rosa Pflug und „Die Wolga“ von Dominik Hollmann. Indem sie sich in die Geschichten der Figuren hineinversetzten, lernten die Teilnehmer, Emotionen, Alltagsleben und historischen Kontext durch Worte, Bewegung, Gestik und Bühnenhandlung auszudrücken. Dieses kreative Unterfangen gipfelte in einer bewegenden Aufführung am Abschlussabend.

Es ist sehr wichtig, sich durch solche Klubs, kreative und gemeinschaftliche Treffen mit der lebendigen Kultur der Russlanddeutschen auseinanderzusetzen, um ein tieferes Verständnis unserer Wurzeln zu gewinnen und dazu beizutragen, dieses Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren, – bemerkte Teilnehmerin Ksenia Sinelnikowa aus Pjatigorsk.

Spuren von Vorfahren an den Ufern der Wolga

Der urbane Raum von Samara wurde für die Projektteilnehmer zu einer offenen Forschungsplattform. Das Team des Regionalzentrums für deutsche Kultur „Nadezhda“ bereitete eine spannende historische und kulturelle Erkundungstour vor und führte sie durch. Dabei erkundeten die Teilnehmer die bedeutsamen Orte und Stätten der Stadt, die mit der Geschichte der deutschen Bevölkerung Samaras verbunden sind. Im Anschluss daran erstellten die Teilnehmer eigene Miniprojekte, in denen sie ihre Sicht auf das Erbe Samaras präsentierten.

Der Höhepunkt und der herzerwärmendste Moment des Stadttages war der Besuch der Evangelisch-Lutherischen St.-Georgs-Kirche. Am Eingang der historischen Kirche wurden die Teilnehmer herzlich von Irma Belenina, Vorsitzende des Überregionalen Koordinierungsrats der Wolgadeutschen und Südwestrusslands, und Julia Kartaschowa, Geschäftsführerin des Regionalzentrums für deutsche Kultur „Nadezhda“, begrüßt.

Innerhalb der majestätischen Mauern der Kirche erklang die Orgel für die Gäste. Ein besonderer Moment war der musikalische Beitrag nicht nur der Organistin Anna Karpowa, sondern auch des Projektteilnehmers Nikita Melichow. Die Orgelklänge unter den Gewölben der Kirche schufen eine einzigartige Atmosphäre spiritueller Verbundenheit. Dieser ereignisreiche Tag klang mit einem lauen Abend am malerischen Ufer der Wolga aus, bei einem Gitarrengesang, angeregten Gesprächen und dem Austausch von Eindrücken.

Ich empfehle jedem, der nach Samara kommt, aufrichtig, die örtliche lutherische St.-Georgs-Kirche zu besuchen. Dort der Orgel zuzuhören – besonders wenn unsere Teilnehmer spielten – war ein besonderes, unvergleichliches Vergnügen und ein sehr berührender Moment, – betonte Teilnehmer Nikolai Botschkow aus Ischewsk.

Jugendbewegung und der dreißigjährige Meilenstein

Der praktische und organisatorische Schwerpunkt des Projekts lag auf der Entwicklung von Aktivismus, Führungskompetenzen und systemischer Jugendarbeit in den Regionen. Die Vertreter des Jugendrings der Russlanddeutschen führten eine kurze Diskussionsrunde. Die Teilnehmer konzentrierten sich auf die Aktivitäten bestehender lokaler Klubs, Praktikumsprogramme und die Förderung der Weiterbildung sowie auf wirksame Mechanismen zur Gewinnung neuer Mitglieder für die Bewegung.

Der Höhepunkt des Projekts war der abschließende Galaabend, der die Ergebnisse der kreativen und sprachlichen Blöcke vereinte. Die Teilnehmer präsentierten die Arbeit ihrer Klubs für Freunde der deutschen Sprache und führten spektakuläre Theaterstücke auf. Der Abend klang mit einer Zeremonie zur Überreichung von Erinnerungsurkunden und einem Wunschritual an einer gemeinsamen Torte mit der symbolträchtigen Zahl „30“ aus.

Das Medienteam – Diana Schalutaschwili, Evelina Zhukozkaja und Andrej Kusminow – leistete während des gesamten Projekts wertvolle, wenn auch im Hintergrund stattfindende Informationsunterstützung. Die Freiwilligen Artem Tabuldin und Denis Gajer verliehen dem Projekt von Anfang an eine herzliche und einladende Atmosphäre und leisteten technische und organisatorische Unterstützung sowie freundliche Hilfe.

Hauptorganisator und zentraler Ansprechpartner des Projekts war das Team des Jugendrings der Russlanddeutschen unter der Leitung von Vorsitzender Nelli Artes, Programmdirektorin Olga Kononenko und Managerin Wiktoria Wagner.

Die Professionalität und die reibungslose Zusammenarbeit des Teams ermöglichten die erfolgreiche Umsetzung des Projekts, was auch von den Teilnehmenden hervorgehoben wurde: „Ich danke dem Organisationsteam für seine fürsorgliche Art, die schnelle Lösung aller Probleme und das gut durchdachte Programm. Es war nie langweilig, und der Austausch mit allen war sehr angenehm. Es war ein wunderbares Projekt, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird!“, teilte Teilnehmerin Waleria Iwanowa aus Nowosibirsk mit.

Amalia Michajlenko aus Pjatigorsk: „Ich bin glücklich, dass ich die Gelegenheit hatte, an dieser Veranstaltung in Gesellschaft so wunderbarer Menschen teilzunehmen. Es ist großartig, dass Sie solche Treffen und andere Projekte durchführen und damit das fördern, was nicht nur für den Einzelnen, sondern für das ganze Volk wichtig und notwendig ist. Die Werte, die ich erleben durfte, waren wunderbar, und dank der gesamten Atmosphäre konnte ich erfahren, was es bedeutet, Teil der russlanddeutschen Kultur zu sein.“

Nachdem die ethnokulturellen Sprachtreffen nun schon über 30 Jahre bestehen, haben sie überzeugend bewiesen, dass sich die einzigartige Initiative, die 1996 begann, zu einem nachhaltigen und hochwirksamen System entwickelt hat, um junge Führungskräfte zu fördern, die das kulturelle Gedächtnis, die traditionellen Werte und die Sprache ihrer Vorfahren sorgsam bewahren.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms für die Russlanddeutschen in der Russischen Föderation umgesetzt.

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