„Sich im kreativen Schaffen beweisen“: Zum 80. Geburtstag von Wladimir Bauer


Am 10. April 2026 wäre Wladimir Bauer 80 Jahre alt geworden. Ein vielversprechender Fußballspieler, ein leidenschaftlicher Lehrer an der Staatlichen Pädagogischen Universität Tomsk (TSPU), ein engagierter Politiker und der erste Präsident der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen (FNKA der RD) – sein Leben, so kurz es auch war, kann getrost als ereignisreich und lebendig bezeichnet werden.

Wladimir Bauer wurde 1946 in dem kleinen Walddorf Beregajewo des BezirksTeguldezki des Gebietes Tomsk in eine Familie von Sondersiedlern hineingeboren. Sein Vater, Anatoli Klimentijewitsch, stammte von Deutschen aus der Region Odessa ab und wurde in den 1940er Jahren in das Gebiet Tomsk verbannt. Bis Mitte der 1950er Jahre sollte er sich im Büro des Sonderkommandanten anmelden. Der Vater arbeitete im Kombinat „Tomles“ (Tomskij les, deutsch: Tomsker Wald). Seine Mutter, Jewdokia Alexejewna, stammte aus einer Familie enteigneter Bauern und arbeitete als Krankenschwester.

Wladimir schloss die Schule mit einer Silbermedaille ab. Sein Klassenkamerad Alexander Talowski, ein später bekannter Tomsker Geschäftsleiter, berichtet: „Er war ein außergewöhnlicher Kerl; er kam förmlich in unser Leben und wurde einer der Schulsprecher.

Ich war damals Schulmeister im Schach, und er kam und hat mich gleich besiegt. Vielleicht sind wir deshalb Freunde geworden. Wie sich herausstellte, eine lebenslange Freundschaft.“

Der Profisport legte den Grundstein für Wladimir Bauer Entwicklung derManagereigenschaften. Nach seiner Immatrikulation im Fachbereich Maschinenbau am Polytechnischen Institut Tomsk standen Wladimir Bauer zwei Karrierewege offen: eine Laufbahn als Produktionsingenieur oder als Wissenschaftler an seiner Alma Mater. Doch der junge Mann entschied sich für die dritte Option – eine Karriere als Sportler.

Während seiner Studienzeit war er vor allem Torwart, eine Schlüsselposition auf dem Spielfeld: Von ihm hängt die Zuverlässigkeit der gesamten Mannschaft maßgeblich ab. Wassili Iwanizki, Professor an der Staatlichen Universität für Architektur und Bauwesen Tomsk, erinnert sich:

„Wir haben uns dadurch verbunden gefühlt, dass wir beide Sportler waren: Ich war Skifahrer, er Fußballspieler. Wir wollten beide Ingenieure werden, aber Sport ist Sport!“

Seiner aktiven politischen Karriere gingen beachtliche Fortschritte in Wissenschaft und Lehre voraus. Neben Tätigkeit als Leiter des Freiwilligen-Sportvereins Lokomotiv des Gebietes Tomsk, Manager der Fußballvereine Energia (Bratsk) und Torpedo (Tomsk), die in der zweiten Liga der sowjetischen Meisterschaft spielten, und Lehrer am Institut für Sportwissenschaft der Polytechnischen Universität Tomsk absolvierte Wladimir Bauer ein Fernstudium an der Fakultät für Sportwissenschaft der Polytechnischen Universität Tomsk. Ab 1980 lehrte er dort und wurde 1985 Dekan.

Den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreichte Wladimir Bauer in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre. Von 1993 bis 1995 war er Abgeordneter der russischenStaatsduma. Der langjährige Vorsitzende der Tomsker Regionalduma, Boris Malzew, erinnert sich gern daran, wie er viele regionale Probleme gemeinsam mit Wladimir Bauer löste: „Wir begannen eng mit Bauer zusammenzuarbeiten, als er bereits in der Staatsduma war. Und es blieb nicht bei der Zusammenarbeit, wirwurden Freunde. Wir hatten vieles gemeinsam, einfach weil wir gebildet, sportlich, einflussreich und Tomsk zugetan waren. Wann immer ich in Moskau war, besuchte ich ihn in seinem Büro, und er organisierte Treffen mit Duma- und Parteiführern, die für die Lösung der Probleme der Region unerlässlich waren.“

Als einer der Gründer der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen leitete Wladimir Bauer weiterhin die Aktivitäten der Organisation. Anfang der 1990er-Jahre stand er der Gemeinschaft „Wiedergeburt“ der Russlanddeutschen vor und vertrat das Gebiet Tomsk auf föderaler Ebene. Laut Leonid Glock, Mitglied der Legislativduma des Gebietes Tomsk, war die Gründung des Deutsch-Russischen Hauses eine gemeinsame Leistung jener Zeit: „Bauer sprach dieses Thema mit der Regionalverwaltung an, und ich, als Leiter des regionalen Bildungsamtes, wurde mit der Verlegung der medizinischen Fakultät beauftragt, die sich in dem Gebäude in der Krasnoarmejskaja-Straße befand. Wir konnten zwei Probleme auf einmal lösen: Wir verbesserten die Bedingungen für die medizinische Fakultät, fanden ein geräumiges akademisches Gebäude im Luftfahrtwerk und räumten das alte Holzbaudenkmal, sicherten die Mittel und restaurierten es. Daraus entstand das Deutsch-Russische Zentrum.“

In gewisser Weise ist dieses Zentrum ein Denkmal für Bauers Wirken.

Während seiner Tätigkeit in Moskau wurde Wladimir Bauer einer der Gründer der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen. Er wurde zum ersten Präsidenten der Organisation gewählt und leitete sie viele Jahre lang, bis er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. „Dies war eine landesweit sehr bedeutende Bewegung, und für die Russlanddeutschen ist sie es bis heute. Ihr Hauptziel war die Wiederbelebung der Deutschen als vollwertiges Volk in der russischen Gesellschaft und die Wiederbelebung ihrer Volkskultur. Bauer spielte dabei eine Schlüsselrolle“, kommentiert Leonid Glock.

Die vollständige Biografie von Wladimir Bauer finden Sie in der Online-Ausgabe der Tomsker Regionalzeitung „Krasnoje Snamja“ (Text in russischer Sprache).

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