Workshops, Ausstellungen, Sprachtreffen, Museumsführungen und Familienfeste in den Deutschen Kulturzentren der Region Altai haben Generationen rund um Geschichte, Handwerk, Küche und die lebendige deutsche Sprache zusammengebracht.
Das erste Quartal des Jahres war für die Zentren für deutsche Kultur in der Region Altai besonders ereignisreich und „heiß“. Im Rahmen von Projekten zur Bewahrung und Förderung der Kultur der Russlanddeutschen in der Region fand eine große Reihe von Veranstaltungen statt, die die deutsche Sprache, Geschichte, Kulinarik, Kreativität und Volkskunst miteinander verbanden. Erfahrene Handwerker, Pädagogen, Kinder und Jugendliche schufen gemeinsam einen Raum, in dem Tradition nicht in der Vergangenheit verhaftet bleibt, sondern in der Praxis weiterlebt.
Einen besonderen Platz im Programm nahmen Workshops zu traditionellen Handwerkskünsten ein. Im Blagoweschtschensker Zentrum für nationale Kulturen fand das Treffen „Volkshandwerker“ statt, das für viele Kinder die erste ernsthafte Begegnung mit den handwerklichen Fähigkeiten ihrer Vorfahren darstellte.
Im Bezirkskulturhaus des Dorfes Galbstadt wurden auf der Abschlussausstellung des Zentrums der nationalen Kultur „Sonnenstrahl“ unter dem Titel „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“ Erzeugnisse aus Papierranken präsentiert. Hier entwickelt sich auch die Kunst der Kreuzstichstickerei aktiv: Junge Handwerkerinnen gestalten „Sprüche“ – deutsche Sprichwörter und Redewendungen, die als dekorative Wandbilder gestaltet sind, sowie Bilder, die von Wärme und familiären Erinnerungen geprägt sind.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Kunst der Sprüche. In Slawgorod fand eine Veranstaltung statt, die der Geschichte, der Bedeutung und den Techniken der deutschen Sprüche gewidmet war. Und im Zentrum der nationalen Kultur „Freundschaft“ im Dorf Woltschicha fand der interaktive Workshop „Volkstrachten der Deutschen in der Wolgaregion“ statt, bei dem die Kinder Papierpuppen ausschneiden und diese in farbenfrohe Trachten kleiden konnten. In Slawgorod wurde dieses Thema mit dem Workshop „Puppe in Tracht“ fortgesetzt.
Der Jahresbeginn im Kulturzentrum Altai war nicht nur von Kreativität, sondern auch von tiefgründigen historischen Inhalten geprägt. Durch Museumsbesuche, Schnitzeljagden und den Dialog zwischen den Generationen entdeckten die Teilnehmer die Chronik ihres Volkes neu.
Eines der emotionalsten Ereignisse war das Treffen mit den Neuntklässlern der Tabun-Schule „Heldentat ohne Ruhm“, das vom Zentrum der nationalen Kultur des Dorfes Tabunyorganisiert wurde. Die Jugendlichen sprachen über die schweren Kapitel der Geschichte – die Deportation der sowjetischen Deutschen nach Sibirien und Kasachstan sowie die Arbeitsmobilisierung in Arbeitskolonnen. Solche Begegnungen helfen der Jugend, das Ausmaß der Prüfungen, die ihre Vorfahren durchgemacht haben, wirklich zu begreifen.
Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Wiedergründung des Deutschen Nationalbezirks in Nikolajewka wurde die Ausstellung „Das Haus, in dem wir leben“ eröffnet, in der die Geschichte des Bezirks anhand der Schicksale einzelner Menschen und Familien dargestellt wurde. Im Dorf Polewoje fand im Zentrum der nationalen Kultur „Edelweiss“ auf der Grundlage des Schulmuseums eine Führung zum Thema „Alltagsgegenstände der Russlanddeutschen“ statt.
Das Programm „Traditionen der Russlanddeutschen“ im Zentrum der nationalen Kultur „Einheit“ im Dorf Romanowo war eine herzliche und wahrhaft familiäre Veranstaltung, bei der Vertreter der älteren Generation alte Alben und Schwarz-Weiß-Fotos mitbrachten, um den Kindern von Familienfesten, dem Alltag und der Lebensweise zu erzählen.
Ein Großteil der Veranstaltungen war der Erhaltung der deutschen Sprache gewidmet. In Galbstadt zeigte das Spiel „Deutsch-Experten“, dass die heutige Jugend die Sprache ihrer Vorfahren mit Begeisterung und Interesse erlernt. In Nikolajewka unterstrich die Feier zum Internationalen Tag der Muttersprache einmal mehr die Bedeutung der Erhaltung der Dialekte und des Hochdeutschen.
Für die Kleinsten fand der Unterricht in Form von Spielen statt. In Redka Dubrawa lernten die Kinder ihre Lieblingsfiguren kennen – das Mäuschen Susi und den Biber Josi, die den Kindern durch Zeichentrickfilme, Spiele und Dialoge beim Sprachenlernen helfen.
Der Frühling brachte dem Zentrum der nationalen Kultur nicht nur neues Wissen, sondern auch die Düfte der nationalen Küche. In Podsosnowo bereiteten die Teilnehmer des Kochkurses den legendären Hefekuchen mit Streuseln, den Riwwelkuchen, zu, und in Michailowka im Bezirk Burlino lernten sie die Geschichte der Kartoffel in Europa und Russland kennen, woraufhin sie gemeinsam den klassischen deutschen Kartoffelsalat zubereiteten.
In Kulunda wurde der Kochworkshop zu einem echten Familienfest, bei dem Mütter und Großmütter den Kindern die Geheimnisse des Osterbackens verrieten. In Kusak erwarteten die Teilnehmer die Schnitzeljagd „Küche der Russlanddeutschen“ und der interaktive „Waffel-Express“.
All diese Ereignisse fügen sich zu einem einzigen Puzzle der nationalen Identität zusammen, in dem Geschichte nicht mehr nur eine Zeile im Lehrbuch ist. Sie erwacht zum Leben in Familienerzählungen, in der Bewegung des Tanzes, im Muster der Stickerei, im Duft eines Kuchens, in einem alten Foto und in einem Wort, das auf Deutsch gesprochen wird.
Wenn ein Teenager in Tabunach still wird, während er den Schicksalen seiner Urgroßväter lauscht, und ein Kind in Halbstadt sich über den Sieg bei einem Sprachquiz freut, wird klar: Der lebendige Faden der Traditionen reißt nicht ab. Er setzt sich in neuen Generationen fort, die lernen, in der Kultur nicht nur die Vergangenheit, sondern auch ihre Gegenwart zu sehen.
Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der Deutscher Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen realisiert.



