Start des ethnografischen Projekts zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Russlanddeutschen im Gebiet Orenburg


Am 28. Juli ist im Gebiet Orenburg ein ethnografisches Projekt gestartet, das der Erforschung der Traditionen, Familienerinnerungen und des materiellen Erbes der Russlanddeutschen gewidmet ist. Im Laufe mehrerer Tage wird die Forschungsgruppe Orte besuchen, in denen größere Gemeinschaften von Russlanddeutsche leben, um einzigartige Informationen zu sammeln, die als Grundlage für neue museale, wissenschaftliche und kreative Projekte dienen sollen.

Obwohl die grundlegende Erforschung der Kultur der Russlanddeutschen bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren durchgeführt wurde, ist ein erheblicher Teil der Ortschaften, in denen Russlanddeutsche historisch gelebt haben, bis heute nur unzureichend erforscht. Das neue ethnografische Projekt soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen, indem Erinnerungen alteingesessener Bewohner, Besonderheiten der lokalen Dialekte, Familientraditionen und Formen des Alltagslebens dokumentiert und bewahrt werden.

Die Route des Projekts umfasst drei Stadtkreise des Gebiets Orenburg – Perwolozki, Krasnogwardeiski und Alexandrowka. Die Forscher werden die Dörfer Stepanowka, Kitschkas, Kubanka, Rodnitschnoje, Schdanowka, Kanzerowka, Kamenka, Chortiza, Pretoria, Podolsk, Lugowsk, Krasikowo, Kuterlja, Ischalka, Klinok, Jugowka, Donskoje, Dolinsk und Tokskoje besuchen. Auf dem Programm steht außerdem ein Besuch in Orenburg, wo sich die Teilnehmer mit der Geschichte der örtlichen Kirche und des deutschen Gehöfts im Nationalen Dorf vertraut machen werden.

Im Rahmen der Feldforschung werden die Fachleute ein breites Spektrum ethnografischer Methoden einsetzen: Interviews, unmittelbare Beobachtung, Foto-, Audio- und Videoaufnahmen sowie die Arbeit mit Archivmaterialien und örtlichen Museumssammlungen. Alle gesammelten Informationen werden systematisiert und für die weitere Nutzung digitalisiert.

Der Forschungsgruppe gehören Fachleute mit umfangreicher Erfahrung in der Feldforschung an. Wissenschaftlicher Leiter des ethnografischen Projekts ist der Historiker und Kandidat der Historischen Wissenschaften sowie leitende wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Geisteswissenschaftliche Forschungen der Ural-Zweigstelle der Russischen Akademie der Wissenschaften, Dmitrij Weimann. Gemeinsam mit ihm nehmen die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Geisteswissenschaftliche Forschungen der Ural-Zweigstelle der Russischen Akademie der Wissenschaften Julija Tschernyschowa, der wissenschaftliche Nachwuchsmitarbeiter des Instituts Wladimir Nikonow sowie die Historikerin Darja Swirina an dem Projekt teil. Sie ist für die Vorbereitung von Materialien für das Register der Russlanddeutschen und für Museumsprojekte zuständig.

Eine Besonderheit des Projekts ist die Beteiligung einer Kreativgruppe. Die Dramatikerin Marina Dadytschenko und die Regisseurin Polina Saharowa werden ebenfalls Geschichten und Erinnerungen der Einwohner sammeln. In weiterer Folge sollen diese Materialien die Grundlage für ein Theaterkunst-Art-Laboratorium bilden, das der Bewahrung der Familienerinnerungen der Russlanddeutschen gewidmet ist und 2027 stattfinden wird.

Die im Rahmen des Projekts gesammelten Materialien sollen vielfältig genutzt werden. Sie werden die Bestände des Virtuellen Museums der Russlanddeutschen erweitern, Teil der künftigen Ausstellung des Deutsch-Russischen Hauses in Moskau werden, bei der Vorbereitung wissenschaftlicher Publikationen Verwendung finden und zudem als Grundlage für ein Register der Russlanddeutschen sowie für neue kulturelle und Bildungsprojekte dienen.

Das Projekt zielt nicht nur auf die Bewahrung des historischen Gedächtnisses ab, sondern auch auf die Suche nach neuen Formen der Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe der Russlanddeutschen. Dabei werden wissenschaftliche Forschung, Museumsarbeit und zeitgenössische Kunst miteinander verbunden.

Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Schott


Das Projekt wird vom Internationalen Verband der deutschen Kultur im Rahmen des Unterstützungsprogramms für Russlanddeutsche durchgeführt.

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