„Erbe in Farbe“: Eine Kunstausstellung im DRH Moskau


Am 24. Dezember fand im Deutsch-Russischen Haus in Moskau die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Erbe in Farben“ statt. Die Ausstellung präsentiert Werke russlanddeutscher Künstler, die im Rahmen des Kunstlabors in der Wolgaregion entstanden sind. Die Vernissage war ein besonderes Kulturereignis, geprägt von einer Atmosphäre der Erinnerung, der Kunst und des lebendigen Dialogs zwischen den Generationen.

Die Ausstellung „Erbe in Farben“, die bis zum 23. Februar im Deutsch-Russischen Haus zu besichtigen ist, ist dem architektonischen und kulturellen Erbe der Wolgaregion gewidmet. Das Projekt präsentiert Gemälde von Kirchen, Wohnhäusern, Fabriken und öffentlichen Gebäuden, die trotz historischer Strapazen erhalten geblieben sind. Die Künstler wollten nicht nur die architektonischen Besonderheiten zeigen, sondern auch das Leben, das diese Räume für die moderne Generation weiterhin bergen.

Die vom Internationalen Verband der deutschen Kultur organisierten Kunstlaboren boten Künstlern – Nachfahren der Russlanddeutschen aus verschiedenen Regionen des Landes, von Sankt Petersburg bis Krasnojarsk – die Möglichkeit, die Wolgaregion persönlich zu besuchen. Inspiriert von der Geschichte und Atmosphäre der Region schufen sie eine Reihe von Gemälden, die die religiösen, sozialen und privaten Orte der deutschen Gemeinde vergangener Jahrhunderte widerspiegeln. Jedes Werk trägt die Erinnerung an Generationen in sich und zeugt zugleich von der einzigartigen künstlerischen Vision des jeweiligen Künstlers.

Die Ausstellung präsentierte Werke von Dmitri Krell, Alexander Geldt, Juri Gintner, Gala Kober, Michael Neufeld, Lilia Slawinskaja (Fillo), Nadeschda Wirth, Victoria Bachert, Roman Jaschin (Hartmann) und Marina Jakuschewa (Noack). Jedes Werk spiegelt auf einzigartige Weise des Künstlers, die persönliche Ansicht und den Respekt vor der Geschichte der Russlanddeutschen wider.

Die Ausstellungseröffnung fand im Saal „Berlin“ des Deutsch-Russischen Hauses statt. An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Gäste, Organisatoren, Partner und die Künstler selbst teil. Die Anwesenden wurden vom stellvertretenden Geschäftsführer des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur Peter Schiefelbaen begrüßt. Als weiteren wurde die Ausstellung von Kunsthistorikerin und Mitglied des Berufsverbands der Künstler Daria Woronina ausführlich vorgestellt. Sie erläuterte dabei das Projektkonzept, die Werkauswahl für die Ausstellung und den historischen Kontext der einzelnen Bildreihen. Live-Musik trug zur festlichen Atmosphäre bei: Der Musiker und Improvisator Swjatoslaw Geweiler aus Sankt Petersburg, Sohn des Künstlers Dmitri Geweiler, spielte die Weihnachtskomposition „Stille Nacht“ sowie eigene Stücke am Klavier und schuf so eine warme, stimmungsvolle Atmosphäre.

Der Petersburger Künstler Dmitri Geweiler zeigte sich erfreut über seine Teilnahme an der Ausstellung und hob die Seltenheit und den Wert einer solchen Aufmerksamkeit für Künstler hervor: „Die gemeinsame Freilichtmalerei dauerte zehn Tage. In dieser Zeit arbeiteten die Teilnehmer an ihren Leinwänden, indem sie sich eingehend mit dem Thema auseinandersetzten und die Materialien sorgfältig auswählten.“ Er erklärte, dass sein künstlerischer Werdegang an der Kunstschule begann, sich über die Akademie fortsetzte und er anschließend unterrichtete – ein typischer Weg für viele russische Künstler. Dmitri vergleicht die Entstehung eines Gemäldes mit der Regiearbeit an einem Film: „Die Ideen entwickeln sich Tag für Tag, Monat für Monat, bis die Leinwand fertig zum Ausstellen ist.“ Er teilte auch seine Eindrücke vom Schaffen seines Sohnes, eines Musikers, dessen Liebe zur europäischen Kultur und Musik zeitgenössische Strömungen in seiner Kunstauffassung widerspiegelt.

Für Dmitri Krell, dem Leiter der künstlerischen Richtung der Künstlervereinigung der Russlanddeutschen war die Teilnahme an der Ausstellung ein emotional bewegendes Erlebnis. Er betonte, dass seine Werke die Lebensgeschichten der Voreltern fortführen, eingefangen in der Architektur und der Landschaft der Wolgaregion. Dmitri hob die Schwierigkeit des Malens im Freien hervor, wo das begrenzte Licht und die hohen Temperaturen höchste Konzentration erforderten. Eines seiner Gemälde entstand während einer gemeinsamen Wanderung mit Dmitri Geweiler in einer verlassenen Kirche bei Marx in 30 Grad Hitze: „Beim Betrachten der Bäume um ihn herum sah er in ihnen ein Symbol für Wurzeln und Vorfahren.“ Er erklärt, dass das Malen im Freien die wichtigste Form seiner Arbeit sei, da es ihm erlaube, tief in die Atmosphäre eines Ortes einzutauchen und eine echte Verbindung zur Kunst zu erleben.

Alexander Geldt aus Perm betrachtet die Malerei als Mittel zur Kommunikation mit dem Betrachter und zur Anregung eines inneren Dialogs. Seine Kompositionen sind so gestaltet, dass sie für allen verständlich sind. Der Künstler verwendet nur wenige Farben, fängt die natürlichen Töne von Gebäuden ein und legt besondere Aufmerksamkeit auf die Lebendigkeit der Objekte – Bäume, Licht und Raum. Alexander betont, dass jedes seiner Werke keine Illustration, sondern vielmehr ein Werkzeug zur bewussten Wahrnehmung von Geschichte und Kultur sei.

Das Gemälde ermöglicht es, den Moment versuchen zu erleben, sich an etwas zu erinnern und darüber nachzudenken, warum der Künstler ihn so dargestellt hat.

Die Ausstellung „Erbe in Farben“ ist mehr als nur eine Präsentation von Kunstwerken – sie ist ein Akt der Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses und der Förderung des Dialogs zwischen den Generationen. Besucher können nicht nur die Architektur und die historischen Denkmäler der Wolgaregion bewundern, sondern auch die lebendige Atmosphäre der Gebiete erleben, in denen die Vorfahren der Russlanddeutschen lebten und arbeiteten.

Die Organisatoren betonten, dass das Projekt Künstler zusammenbrachte und ihnen die Möglichkeit bot, Erfahrungen auszutauschen, in den kreativen Prozess einzutauchen und einzigartige Werke zu präsentieren, die jeweils ein Stück Geschichte in sich tragen. Die Vernissage wurde zu einem wahren Fest der Kunst, der Erinnerung und der Weihnachtsstimmung, das die Bindung zwischen den Generationen stärkte und die Bedeutung des kulturellen Erbes für die Zukunft unterstrich. Die Ausstellung „Erbe in Farben“ ist ein Netzprojekt. Wir laden Sie ein, mehr darüber zu erfahren, wie die Ausstellung in der Stadt Marx exponiert wurde.

Die Ausstellung „Erbe in Farben“ kann im Rahmen der Veranstaltungen des Deutsch-Russischen Hauses in Moskau bis zum 23. Februar im Saal „Berlin“ besucht werden. Informationen zu weiteren Veranstaltungen des DRH finden Sie auf dem Informationsportal „RusDeutsch“ (siehe die Rubrik „DRH in Moskau“) und auf dem Telegram-Kanal.

Außerdem kann die Ausstellung auch wochentags von 11:00 bis 18:00 Uhr individuell besichtigt werden. Besuche sind nur nach vorheriger Anmeldung möglich – bitte kontaktieren Sie uns per E-Mail unter spar@ivdk.ru.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen realisiert.