Dialog der Generationen mit Arnold Reinick: „Den Jugendlichen habe ich immer etwas zu sagen“


Mitte Dezember fand im Rahmen des Interregionalen Kreativlabors „RD-KREATIV“ in Perm, das Vertreter von Jugendclubs aus der Uralregion zusammenbrachte, eine Werkstatt zum Thema Rhetorik statt. Diese hielt Arnold Reinick ab, der Leiter des Künstlervereinigung der Russlanddeutschen, Liedermacher, Dichter, Regisseur, Choreograf und Preisträger des gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche – 2023“ im Bereich der Kunst. Die Werkstatt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Projekts „Art-Tour“ durchgeführt.

„Jede Begegnung mit einem jungen Publikum ist eine große Herausforderung für mich“, erzählte Arnold Reinick. „Wenn das Publikum aus Menschen besteht, die ein langes und entbehrungsreiches Leben geführt haben, weiß ich, worüber ich sprechen und welche Gedichte ich vortragen soll. Aber wenn ich mit Jugendlichen arbeite, stürze ich mich wie ins Wasser, unsicher, ob es warm oder kalt ist. Und erst nach einiger Zeit entsteht ein Kontakt mit dem Publikum, wir beginnen einander zu verstehen, bewegen uns mit demselben Impuls, in dieselbe Richtung.“

Arnold teilte seine Geheimnisse im Umgang mit Worten, Intonation und Publikum. Und natürlich trug er seine Gedichte vor und gab damit den Jugendlichen Einblicke in seine Weltsicht.

Es wurden Gedichte aus dem Zyklus „Geometrie des Schicksals“ für die Lesung ausgewählt. „Es geht um mein Schicksal, darum, wie ich von Gedanke zu Gedanke, von Gefühl zu Gefühl, von Erfahrung zu Erfahrung gelangte“, sagte Arnold. „Die Gedichte in diesem Programm sind die Geometrie des Raumes meiner Seele.“

„Den Jugendlichen habe ich immer etwas zu sagen“, fährt Arnold fort. „Außerdem bin ich der Meinung, dass sie etwas verpassen und viele Fehler machen können, wenn sie mir nicht richtig zuhören. Ich erinnere mich gut an meine eigene Jugend und wie sehr ich es vermisst habe, jemanden in der Nähe zu haben, den ich Fragen stellen konnte und auch Antworten darauf erhalten. Deshalb begegne ich jungen Menschen immer mit großer Ehrfurcht und einem enormen Verantwortungsgefühl.“

Obwohl die meisten Teilnehmer der Werkstatt zum ersten Mal mit den Werken von Arnold Reinick in Berührung kamen, herrschte im Saal eine freundliche Atmosphäre. Die Jugendlichen stellten zahlreiche Fragen: wie er es geschafft habe, eine so vielseitige Persönlichkeit zu werden, die Choreograf, Dichter, Musiker, Komponist und Schauspieler vereint; wie er seinen kreativen Weg gefunden habe und wie die Techniken des öffentlichen Redens helfen können, mit dem Publikum zu interagieren. „Er ist eine unglaublich interessante Person! Das Treffen verlief wie im Flug. Seine Gedichte bergen so viel Lebensweisheit! Jede Zeile ist wie ein Ratschlag für die zukünftige Generationen. Sie berühren das Herz und regen zum Nachdenken an“, teilte Olga Predeina ihre Eindrücke von der Kreativwerkstatt mit.

„Wir sind Arnold Reinick dankbar für die Möglichkeit, die Welt der Kunst und Literatur der Russlanddeutschen kennenzulernen, und für die Inspiration, die er unseren Jugendlichen gegeben hat. Dieses Treffen hat sicherlich einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der kreativen Tätigkeit junger Menschen der Uralregion geleistet“, sagt Tatiana Jurina, Vorsitzende der öffentlichen Organisation der Russischdeutschen „Wiederbelebung“ in Solikamsk, Koordinatorin der Spracharbeit in der Uralregion und Leiterin des Projekts „RD-KREATIV“.

Arnold selbst ist überzeugt: „Es kann nie genug solcher Treffen geben! Im Gegenteil, es sollten viele sein! Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, um junge Menschen mit einem erfahrenen Mentor in Kontakt zu bringen.“

Zur Kenntnis:

Arnold Reinick widmete über 30 Jahre seines Lebens der Entwicklung der Choreografie, der Kinder- und Jugenderziehung sowie der Bewahrung der deutschen Kultur durch Tanz und Theater. Seine Tätigkeit fand regional wie international breite Anerkennung. Arnold wurde vom Kulturministerium der Russischen Föderation mit dem Preis „Für Verdienste in der Kultur“ ausgezeichnet, erhielt den nationalen Theaterpreis „Harlekin“ als bester Choreograf und wurde zum Preisträger des internationalen Kirchenmusik- und Poesiefestivals „Glaube, Hoffnung, Liebe“. Er ist außerdem Gründer, künstlerischer Leiter und Choreograf des Tanztheaters „Ljallen“ in Perm. 2023 wurde ihm die höchste Auszeichnung der Gemeinschaft der Russlanddeutschen zuteil: Er wurde Preisträger des gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche“ im Bereich Kunst (Anna-German-Preis). Ende 2025 wurde der Familiendynastie Reinick vom Gouverneur der Region Perm die Gedenktafel „Familienstolz“ verliehen für ihren bedeutenden Beitrag zur Entwicklung von Kultur und Kunst in der Region, zur Bewahrung der Familientraditionen und zur Kontinuität der Generationen.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen realisiert.