„Weihnachten im Haus“ 2025


Am 21. Dezember fand im Deutsch-Russischen Haus in Moskau eine Weihnachtsfeier für die Mitglieder der sprachlichen und ethnokulturellen Clubs und deren Familien und Freunden. Der Sonntag war ein ereignisreicher Tag mit Puppentheater, einem Kinderweihnachtskonzert, kreativen Werkstätten, einem Konzertprogramm des Vokalensembles „Akzent“, des Jugendclubs „Warum бы и nicht“ und des Clubs der Moskauer Deutschen.

Weihnachten ist für die Russlanddeutschen eines der am meisten erwarteten Feste. Für viele ist dieses Winterfest ein Symbol des Neubeginns. In dieser wundervollen Zeit liegt der Duft frischer Kiefernnadeln in der Luft, jedes Haus erstrahlt im Kerzenschein, und die Herzen werden von der Wärme der Familienzusammenkünfte und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft erwärmt.

Alexander Shdanow, Olga Bachina, Alexej Gejt und Marina Sadowskaja präsentierten unter der Regie von Drehbuchautorin und Regisseurin Olga Makarowa eine einzigartige Produktion, die jahrhundertealten Märchen neues Leben einhauchte. Das Alltagsmärchen „Der Schatz unter dem Birnbaum“ erzählt die Geschichte beliebter Kinderfiguren: drei fröhliche Schweinchen und ein listiger Wolf. „Wir entwickeln die Handlung, schreiben die Erzählerstimme und die Dialoge der Figuren und gestalten die Bühnenbilder selbst, denn ein fesselndes und hochwertiges Drehbuch zu finden, ist nicht einfach“, erklärt nach der Aufführung Olga Makarowa, die Leiterin des Theaters „Puppenhaus“.



„Deutsche Märchen, tief in der Tradition verwurzelt, werden in einer alten deutschen Sprache erzählt, die für ein modernes Publikum daher etwas altmodisch wirkt. Mit einem solchen Text könnten wir nicht auf die Bühne gehen. Glücklicherweise haben wir in unserem Team eine professionelle Linguistin, Marina Sadowskaja. Dank ihr werden unsere Ideen in moderner einfacher Sprache lebendig, sind für das Publikum verständlich und nehmen die Form klangvoller Reime an.“

Alexander, Olga, Alexej und Marina waren nicht immer Schauspieler eines Puppentheaters. Die Geschichte der Truppe begann damals, als die Eltern ihre Kinder zu den sonntäglichen Clubs brachten. Eines Tages schlug Olga Makarowa vor, dass die interessierten Eltern die Wartezeit auf ihre Kinder gemeinsam kreativ nutzen könnten. „Wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen“, sagt Olga Bachina scherzhaft.

Was könnte den Eltern mehr Freude bereiten, als ihre Kinder und deren Freunde mit einer Theateraufführung zu begeistern?

Laut den Schauspielern ist die schwarze Leinwand, die sie vom Publikum und vom Regisseur trennt, keine Behinderung für ihre Interaktion mit dem Regisseur, sondern im Gegenteil sie hilft den Schauspielern dabei, sich in entscheidenden Momenten der Aufführung auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Kinder sind die aufmerksamsten Zuschauer: Sie fiebern mit den Figuren während der gesamten Handlung mit und danken den Schauspielern am Ende der Aufführung mit herzlichem Applaus.

Kinder und Jugendliche aus den sprachlichen Clubs und ihre Betreuer führten die Gäste in die Folklore und Weihnachtstraditionen der Russlanddeutschen ein.

In diesem Jahr präsentierten die Organisatoren des Kinderfestes erstmals ein intellektuelles Programm. Das vorbereitete Quiz unterhielt Eltern und Kinder gleichermaßen. „Die Arbeit mit einer altersgemischten Gruppe ist absolut angenehm: Kinder helfen ihren Eltern genauso wie Erwachsene ihren Kindern“, erklärte Nadeschda Tscherepanowa, promovierte Philologin, Kuratorin und Leiterin der sprachlichen Clubs für Kinder und Jugendliche im Deutsch-Russischen Haus in Moskau.

Von Anfang an legten wir einen großen Wert auf den sogenannten Familienvektor: Wir bemühten uns sehr, damit die Erhaltung und Weiterentwicklung der deutschen Kultur im Familienumfeld stattfinden.

Wladimir Krutogolow, Vater eines Besuchers des sonntäglichen Clubs, äußerte sich positiv über kulturelle Vielfalt in der Kindererziehung: „Mir fehlte das einst, deshalb versuche ich nun, diese Lücke bei der Erziehung meiner eigenen Kinder zu schließen.“ Sein Sohn Kirill besucht den Sprachclub bereits seit zwei Jahren, und seine Tochter wird dem Club bald beitreten.

Beim Weihnachtskonzert am Vormittag sangen die jüngeren Kinder Weihnachtslieder, und eine Jugendgruppe führte Schattentheater auf. „Das Weihnachtskonzert 2025 war auch für die Jugendliche eine Premiere: Sie nahmen zum ersten Mal am Schattentheater teil und sammelten dabei ein unvergessliches Erlebnis“, erklärt Taisija Beljakowa, Leiterin der Koordination und methodischen Unterstützung beim Internationalen Verband der deutschen Kultur. „Einerseits müssen schüchterne Kinder ihre Bühnenangst überwinden. Andererseits ermöglicht ihnen die Trennwand zwischen dem Darsteller und dem Publikum, im Hintergrund zu bleiben und selbstbewusst und ausdrucksstark aufzutreten.“

Taisija leitet seit mehreren Jahren den Theaterblock in sonntäglichen Clubs: „Die Kinder im Club lernen nicht nur Deutsch, sondern sammeln auch wertvolle Bühnenerfahrung. Unsere Veranstaltungen bieten ihnen eine Plattform, wo sie ihr Talent präsentieren können.

Talente bei Kindern zu entdecken und sie bei ihrer Entwicklung zu unterstützen, bereitet mir immer große Freude.

Ich genieße es stets, ihnen Unterricht zu erteilen und freue mich über ihre Erfolge auf der Bühne.“

Kulinarische, sprachliche und kreative Werkstätte verliehen der Veranstaltung am Sonntag eine dynamische Note. Anna Bondarenko, Leiterin des Clubs zur Wiederbelebung von Traditionen, Bräuchen und Sprache der Russlanddeutschen im DRH Moskau, begrüßte die Gäste im „Atelier der Anstecknadeln“. Das Treffen begann mit einem sprachlichen Warm-up: Die Teilnehmer erinnerten sich an herzliche Glückwünsche auf Deutsch, die sie ihren Lieben in der besinnlichen Weihnachtszeit übermitteln können.

„Die sprachliche und regionalwissenschaftliche Komponente ist ein wesentlicher Bestandteil des Spracherwerbs. Sie ermöglicht es, in die Struktur der Sprache einzutauchen und die Weltanschauung der Sprecher zu verstehen.

Die ethnokulturelle Komponente spiegelt die Identität eines Volkes wider. Sie erhält die Verbindung zu seinen Vorfahren aufrecht, eine Verbindung, die die Menschen unter anderem in unsere Clubs suchen.

Anna betonte auch den Wert des kreativen Schaffens beim Spracherwerb: „Je mehr Sinnesorgane beim Erlernen neuer Fähigkeiten beteiligt sind, desto besser prägt sich die neue Information in unser Bewusstsein ein.“ Der kreative Teil von Annas Programm bestand darin, kleine, aber einprägsame Geschenke – Anstecknadeln – herzustellen. Wie beim Drucken mussten alle Schritte in einer streng festgelegten Reihenfolge ausgeführt werden, wobei die Rohlinge für die zukünftige Anstecknadel mit höchster Präzision zugeschnitten wurden.

Handarbeit und kreatives Denken herrschten in der Werkstatt von Julia Andreikina, Neuropsychologin und Leiterin ethnokultureller Workshops im DRH Moskau. Die Referentin lud die Gäste ein, einen traditionellen Weihnachtsschmuck – einen Weihnachtskranz – zu basteln. Julia wählte dabei eine ungewöhnliche Technik: Anstelle von farbigem Papier oder Garn imitierten die Tannenzweige breite Satinbänder.

Die Referentin ist überzeugt: Stereotypen zu durchbrechen ist von Vorteil!

„Wir orientieren uns immer an Vorbildern: Wie werden es andere machen? Aber verpassen Sie nicht die Chance, sich selbst zu erlauben, mehr zu erreichen und etwas Eigenes zu schaffen“, erklärt Julia. „Im kreativen Prozess öffnet man sich: Man entdeckt unerwartet, dass man es nicht nur besser kann als andere, sondern sogar besser als du selbst.“

Die ethnokulturellen Workshops, die Julia seit einigen Jahren für die Gäste des DRH in Moskau leitet, lassen sich getrost als wohltuende Form der Kunsttherapie bezeichnen. „Habe ich mich richtig erholt!“, „Vielen Dank, ich habe mich wunderbar erholt!“ – mit diesen Worten verließen die Teilnehmer der kreativen Werkstatt den Raum und nahmen ihre selbstgebastelten Weihnachtskränze mit nach Hause. Am Ende des Treffens teilte Julia einige wertvolle Erkenntnisse mit uns: „Wiederholende Bewegungen, wie das Weben mit farbigem Garn, das Knotenbinden und Ähnliches, wirken sehr beruhigend. Manchmal ergeben sich durch solch monotone Tätigkeiten ganz von selbst Antworten auf scheinbar unlösbare Fragen. Schließlich schieben Menschen die Lösung komplexer Probleme oft lange auf, weil ihnen die Zeit oder die Kraft fehlt.“

Es wird uns nicht schwerfallen, diesen Kreislauf zu durchbrechen, wenn wir daran denken, dass uns der richtige Gedanke in den Sinn kommt, wenn unser Bewusstsein ruhig ist.

Die kulinarische Werkstatt verlieh der lebhaften, kreativen Atmosphäre eine gemütliche und behagliche Note. Unter der Anleitung von Olesja Wdowina backten die Gäste des DRH in Moskau duftende Weihnachtsplätzchen. Alle genossen sowohl den sprachlichen als auch den praktischen Teil, während sie die Plätzchen nach einem speziellen Rezept zubereiteten.

„Alle meine Lieblingsrezepte stammen von meiner Mutter und Großmutter“, erzählt Olesja. „Sie haben mir unzählige traditionelle Gerichte beigebracht, von denen viele perfekt für die Weihnachtszeit sind. Meine Mutter und ich haben früher immer vor Weihnachten Plätzchen gebacken. Ich dachte, dieses einfache Rezept kann jeder nachkochen, also habe ich es ausgewählt.“ Die Referentin schätzt besonders die Vorweihnachtszeit: „Für mich ist der Advent mit Gemütlichkeit und einer besonderen Vorweihnachtsstimmung verbunden. In dieser Zeit kommen Familien zusammen, bereiten traditionelle Gerichte zu und feiern gemeinsam. Es ist schön zu sehen, dass die sehnsüchtige Erwartung dieses christlichen Winterfestes sich in den Rezepten widerspiegelt.“

Viele Teilnehmer brachten ihre Familien zur Kochwerkstatt mit. Während der Zubereitung dieses köstlichen Desserts lernten die Gäste nicht nur alltägliche Vokabeln – die Namen der Zutaten und des Bestecks – sondern knüpften auch neue Freundschaften.

Das Treffen am Sonntag klang mit einem festlichen Konzert aus. Von der Szene war ein Grußwort von Elisaweta Graf, der Vorsitzenden des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, vorgelesen. Die Organisatoren des Treffens würdigten zudem die Arbeit der Clubleiter.

Das Konzertprogramm umfasste Tanz- und Gesangsdarbietungen von Künstlergruppen, die im Deutsch-Russischen Haus in Moskau tätig sind. In langjähriger Tradition versetzte die Vokalensemble „Akzent“, die seit 14 Jahren unter der Leitung von Natalia Altner auftritt, das Publikum in Weihnachtsstimmung.

Dieses Jahr wirkte Natalias jüngster Sohn, Alexander Rothermel, im Ensemble mit. Gemeinsam präsentierten sie fröhliche Weihnachtslieder und ein stilvolles Medley. Den krönenden Abschluss bildete das andächtige Weihnachtslied „O Tannenbaum“ – eine traditionelle Hymne, die im Deutsch-Russischen Haus in Moskau zu jeder Weihnachtsfeier gesungen wird. Das Konzert bot außerdem Auftritte von Jewgeni Maksimow, einem Aktivisten des Clubs der Moskauer Deutschen, der Gesangseinlagen aus beliebten Operetten zum Besten gab, sowie eine Tanzdarbietung des Jugendclubs „Warum бы и nicht?“ mit Volkstänzen.

Als Abschiedsgeschenk erhielten alle Gäste der Weihnachtsfeier den traditionellen Kalender der Russlanddeutschen für das Jahr 2026, herausgegeben vom IVDK. Anhand des Kalenders dürfen sich die Leser das ganze Jahr an künstlerischen und literarischen Schätzen der russlanddeutschen Künstler, Dichter und Schriftsteller erfreuen.

Unter den Gästen der Weihnachtsfeier im Deutsch-Russischen Haus war auch Iwan Haas, Verwaltungsleiter des Deutschen Nationalrayons Halbstadt in der Region Altai, dessen 35-jähriges Bestehen wir 2026 feiern werden. „Ich freue mich sehr, dass im Deutsch-Russischen Haus noch immer so viel los ist, denn ich war hier zuletzt als Student“, bemerkte Iwan Haas zufrieden. „Ich sehe, dass die Kinder und Jugendliche Interesse für ihre Kultur und die deutsche Sprache haben und, dass sie nicht allein, sondern mit ihren Eltern hierherkommen.“

Wenn Vertreter verschiedener Generationen an den Treffen teilnehmen, ist das ein Zeichen dafür, dass die gemeinschaftliche Bewegung der Russlanddeutschen weiterlebt.


Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms der Russlanddeutschen realisiert.