Vom 13. bis 17. Juli fanden im Gebiet Kemerowo interregionale ethnokulturelle Sprachtreffen für Jugendliche aus Westsibirien statt. An dem Projekt nahmen Leiter und Aktivisten von Jugendklubs der Russlanddeutschen Westsibiriens teil, die über Deutschkenntnisse ab dem Niveau A2 verfügen. Sie kamen aus den Gebieten Kemerowo, Nowosibirsk, Tomsk, Omsk und der Region Altai. Organisiert wurde das Projekt vom Regionalverband des Gebiets Kemerowo „Koordinierungsrat der Deutschen“ und dem Regionalen Jugendring des Gebiets Kemerowo mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur.
Die ethnokulturellen Sprachtreffen für Jugendliche aus Westsibirien fanden in zwei Phasen statt: online und offline. Im Rahmen des Online-Formats fanden das Kennenlernen der Projektteilnehmer und die Vorstellung des Referententeams statt; außerdem wurden das Projektkonzept besprochen, die Hauptthemenblöcke vorgestellt und ein Arbeitsplan für die kommende Woche festgelegt. Die Offline-Phase fand in Taschtagol statt, wo die Arbeit vor Ort fortgesetzt wurde, um die Details des Projekts zu vertiefen und die nächsten Schritte zu planen.
Bei der offiziellen Eröffnung im malerischen Taschtagol richteten die Vorsitzende des Koordinierungsrats der Deutschen des Gebiets Kemerowo, Sofja Simakowa, der Vorsitzende des Jugendrats der Deutschen in Westsibirien, Andreas Dell, sowie die Projektleiterin Galina Meladse Grußworte an die Projektteilnehmer. Sie wünschten den Teilnehmern eindrucksvolle Erlebnisse, neue Bekanntschaften und eine erfolgreiche Arbeit während der gesamten Projektdauer.
Bei der Ausarbeitung des Programms für die interregionalen ethnokulturellen Sprachtreffen für Jugendliche aus Westsibirien wurden die vielfältigen Schwerpunkte und Interessen der Teilnehmer berücksichtigt. Im Rahmen des Projekts wurden Blöcke zum Thema Teambildung in deutscher Sprache sowie zu den Schlüsselthemen „Neue Medienformate in der Informationsarbeit“, „Regie und Theater“, „Deutsche Sprache“ und „Jugendarbeit“ angeboten.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Förderung von Ethno-Start-ups und ethnokulturellen Initiativen gelegt, wie beispielsweise Kochworkshops und ethnokulturelle Abendveranstaltungen in deutscher Sprache. Auf dem Programm standen auch Ausflüge, zum Beispiel „Ethnokulturelles Geocaching“ – eine Schnitzeljagd anhand geografischer Koordinaten auf Deutsch – sowie Besuche von Museumsausstellungen, die der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen gewidmet sind, und des Begegnungszentrums der Russlanddeutschen in Taschtagol. Dieser vielseitige Ansatz ermöglichte es, kulturelle, sprachliche und jugendbezogene Aspekte bestmöglich abzudecken und so ein abwechslungsreiches und dynamisches Programm für die Teilnehmer zu schaffen.
Olga Kononenko, die leitende Referentin für Spracharbeit, gab einen ausführlichen Überblick über den Verlauf des Projekts ab:
Die Hauptaufgabe unseres Referententeams bestand darin, ein lebendiges und natürliches Sprachumfeld zu schaffen, in dem die deutsche Sprache für die Jugendlichen nicht nur ein Lernfach, sondern ein echtes Kommunikationsmittel wird. Wir wollten zeigen, dass die Geschichte, die Traditionen und die Kultur der Russlanddeutschen keine erstarrte Vergangenheit sind, sondern ein aktueller, zutiefst persönlicher und sehr zeitgemäßer Teil ihrer Identität. Alle Methoden haben wir so gestaltet, dass das Eintauchen in das Thema leicht, spannend und interaktiv erfolgte.
Vom Online-Kennenlernen zum „Lebendigen Museum“ der Familienwerte
Die Präsenzphase des Projekts begann mit einer sehr intensiven interaktiven Teambildungsmaßnahme. Wir baten die Jugendlichen, persönliche Gegenstände mitzubringen, die ihre Verbindung zu ihren Wurzeln symbolisieren. Wir versteckten diese Gegenstände in kleinen Säckchen, und die Teilnehmer mussten zunächst auf Deutsch anhand des Tastsinns erraten, um welchen Gegenstand es sich handelte, und anschließend den Besitzer nach seiner Familiengeschichte befragen. So entstand ein unglaublich bewegendes improvisiertes Museum: Die Jugendlichen hatten einzigartige Familienerbstücke mitgebracht, darunter auch alte, handgefertigte „Sprüche“. Diese Übung half allen zu verstehen: Ein Museum besteht nicht nur aus Exponaten hinter Glas, sondern aus dem, was wir gerade jetzt in unseren Familien für zukünftige Generationen bewahren. Der erste Tag endete mit kreativen Inszenierungen von Volksliedern, und der deutsche Tanz „Haselnuss“ sorgte für solche Begeisterung, dass der gesamte Saal mitmachte.
Ethno-Geocaching und Öko-Botanik auf den Gipfeln Sibiriens
Um die ethnokulturelle Komponente harmonisch mit aktiver Erholung zu verbinden, haben wir für die Jugendlichen eine kulturgeografische Schnitzeljagd (Geocaching) veranstaltet. Anhand von Koordinaten suchten die Teams vor Ort nach Verstecken mit vielfältigen Aufgaben in deutscher Sprache. Die Jugendlichen ermittelten die Namen bedeutender Wissenschaftler und Forscher aus den Reihen der Russlanddeutschen, die einen enormen Beitrag zur Erforschung Sibiriens geleistet haben. Außerdem sammelten die Teilnehmer am Berghang Pflanzen für ein modernes Phytoherbarium, ermittelten deren deutsche Bezeichnungen und beschrieben ihre nützlichen Eigenschaften. Die Schnitzeljagd endete mit kreativem Foto-Storytelling und dem Knacken eines Geheimcodes mithilfe einer Audiokassette, was bei den Teams echte Forschungsbegeisterung auslöste.
Theater der alternativen Geschichte und digitale Kunst (KI)
Der Theaterabend bot den Teilnehmern die Gelegenheit, ihre Kreativität und ihre hervorragenden Sprachkenntnisse unter Beweis zu stellen. Zunächst präsentierten die Teams historische „Standbilder“, die die Zuschauer entschlüsseln und mit Dialogen untermalen sollten. Anschließend ließen die Teilnehmer ihrer Fantasie zum Thema „Alternative Geschichte“ freien Lauf: Zum Beispiel spielten sie durch, wie ein Treffen deutscher Siedler gemäß dem Manifest von Katharina II. aus dem Jahr 1763 hätte verlaufen können, wenn sie nicht an die Wolga, sondern direkt nach Westsibirien gekommen wären, oder wie der Alltag in der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen im Jahr 1924 ausgesehen hätte.
Nicht weniger spannend war der Block, der Traditionen und moderne Technologien miteinander verband. Am Beispiel von Gemälden aus der Kunstsammlung „In den Farben des Lebens“ diskutierten wir die Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz in der Kunst. Die Jugendlichen interpretierten Gemälde russlanddeutscher Künstler in verschiedenen Techniken neu: von digitaler KI-Animation bis hin zu „Öko-Bildern“ aus Naturmaterialien. Wir veranstalteten sogar ein spannendes Quiz mit dem Titel „Original oder Klon“, um zu testen, ob man die Handschrift eines Künstlers von der Arbeit eines neuronalen Netzwerks unterscheiden kann. Den Abschluss dieses Kunstblocks bildete ein Mini-Pleinair-Malwettbewerb an der frischen Luft: Jeder Teilnehmer gestaltete auf einem Holzscheibchen sein eigenes malerisches Souvenir-Magnet als Andenken an Taschtagol.
Das wichtigste Ergebnis des Projekts
Es ist uns tatsächlich gelungen, Sprache, Geschichte und moderne Formate miteinander zu verbinden. Das Wertvollste daran ist jedoch, dass das Projekt der sibirischen Jugend geholfen hat, ihre ethnische Identität tief zu spüren. Die Jugendlichen kehren mit dem klaren Verständnis nach Hause zurück, wie wichtig es ist, das eigene Erbe zu bewahren, und mit der Erkenntnis, wie bereichernd es ist, Teil einer großen und inspirierenden Gemeinschaft der Russlanddeutschen zu sein“.
Im Rahmen der ethnokulturellen Sprachtreffen für Jugendliche aus Westsibirien führten die Teilnehmer verschiedene kreative und lehrreiche Programmpunkte durch. So begaben sich die Teams beispielsweise im Rahmen des Moduls „Neue Medienformate in der Informationsarbeit“ in die Berge, um stimmungsvolle Videos, Reportagen, Essays und Fotoreportagen über das ethnokulturelle Erbe und die natürliche Schönheit der Region zu erstellen. Anschließend ging es weiter mit dem Modul „Regie und Theater“, in dem die Teilnehmer lernten, ihre Ideen in szenische und visuelle Geschichten umzusetzen. Zu den Höhepunkten zählte das ethnokulturelle Geocaching, das einen Einblick in die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen durch die Erkundung der Natur ermöglichte.
Anschließend unternahmen die Teilnehmer einen ethnokulturellen Spaziergang durch Taschtagol, erfuhren mehr über die Geschichte der Russlanddeutschen in der Stadt und besuchten das Zentrum für deutsche Kultur, wo sie sich mit den aktuellen Projekten und Aktivitäten der Organisation vertraut machten. Der Tag endete mit einer ethnokulturellen Abendveranstaltung in deutscher Sprache, die dem Theater gewidmet war. Am nächsten Tag setzten die Teams ihre Arbeit an den Projekten im Rahmen der Blöcke „Regie und Theater“ sowie „Neue Medienformate“ fort und bereiteten die Veröffentlichung von Videos, Artikeln, KI-Animationen und anderen Materialien vor. Den krönenden Abschluss bildete ein Kochkurs zur Zubereitung eines traditionellen Gerichts der Russlanddeutschen – der „Nudelsuppe“ –, der erneut eindrucksvoll an den Reichtum der familiären kulinarischen Traditionen und des ethnokulturellen Erbes erinnerte.
„Die ethnokulturellen Sprachtreffen für Jugendliche aus Westsibirien finden jedes Jahr in einer der Regionen statt und bringen Aktivisten aus Jugendklubs der Gebiete Kemerowo, Nowosibirsk, Omsk und Tomsk sowie der Region Altai zusammen. Wichtige Aufgaben des Organisationsteams eines solchen Projekts sind das Eintauchen der Teilnehmer in das ethnokulturelle und sprachliche Umfeld, das Kennenlernen regionaler Besonderheiten und die Schaffung von Bedingungen zur Stärkung der Zusammenarbeit unter den Jugendlichen. Und ich bin der Meinung, dass dies mir und meinen Kollegen gelungen ist. Der Großteil des Projektprogramms wurde vollständig auf Deutsch durchgeführt; die Teilnehmer besuchten Museen und genossen die Natur der Region, die einst zur neuen Heimat unserer Vorfahren wurde.
Neben den klassischen Aktivitäten – Deutschkursen, Kochworkshops und Abendveranstaltungen – fanden für die Jugendlichen Workshops zu Schauspiel, Regie, Videobearbeitung und der Arbeit mit neuronalen Netzen statt. Ich denke, genau diese Verbindung von Tradition und Moderne führt letztendlich zu einem hochwertigen Ergebnis, zu bleibenden Erinnerungen und zur Motivation, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen.
Als Projektleiterin möchte ich betonen, dass es im Projekt viele neue Gesichter gab, aber keine zufälligen Teilnehmer. Das zeigt, dass die Jugendarbeit in Westsibirien auf hohem Niveau betrieben wird: Unsere Aktivisten sind bereit, nicht nur Wissen aufzunehmen, sondern auch ihre eigenen Erfahrungen weiterzugeben“, erklärte die Projektleiterin und Mitglied des Rates des Jugendrings der Russlanddeutschen, Galina Meladse.
Anna Glasunowa, eine Teilnehmerin aus dem Gebiet Nowosibirsk, hinterließ folgenden Kommentar:
Die vier Tage des Projekts vergingen wie im Flug. Wir waren Teil einer groß angelegten Veranstaltung, die Teilnehmer aus fünf Regionen zusammenbrachte. Und wenn wir nun zurückblicken, können wir mit Überzeugung sagen: Es war nicht nur nützlich, sondern auch wirklich wichtig.
Das Projekt bot uns einen Raum, in dem die Kultur der Russlanddeutschen in neuem Licht erstrahlte. Wir sprachen Deutsch, aber nicht wie im Unterricht, sondern als lebendiges Mittel der Kommunikation und Kreativität. Wir haben mit Medien gearbeitet, Theaterübungen inszeniert, gemalt, Geschichte anhand zeitgenössischer Formate erforscht und sogar traditionelle Gerichte zubereitet. Sprache, Kunst, Technologie und Erinnerung trafen an einem Ort aufeinander – und das wurde für jeden von uns zu einem Wachstumsimpuls.
Aber das Wichtigste sind die Menschen. Wir lernten Aktivisten aus verschiedenen Regionen kennen, tauschten Erfahrungen, Ideen und Emotionen aus. Gemeinsam suchten wir nach Antworten, lachten und reflektierten. Wir spürten, dass wir Teil einer großen Gemeinschaft sind, die die Kultur der Russlanddeutschen lebt, atmet, bewahrt und weiterentwickelt.
Wir haben gesehen, dass Kultur nicht in der Vergangenheit erstarrt – sie lebt in uns, in unseren Projekten. Wir haben gelernt, moderne Formate zu nutzen, um über Traditionen so zu berichten, dass es sowohl für uns als auch für diejenigen, die uns von außen betrachten, interessant ist.“
„Die vier Tage des Projekts vergingen wie im Flug, und die Treffen selbst waren für uns eine echte Entdeckung. Wir haben nicht nur unsere Deutschkenntnisse im direkten Austausch vertieft, sondern uns auch in neuen Bereichen ausprobiert – von der Erstellung von Medieninhalten bis hin zu Theateretüden. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns das ethnokulturelle Geocaching auf dem Grünen Berg, der Museumsbesuch und die Abendveranstaltungen auf Deutsch. Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Organisatoren für die Atmosphäre, in der man kreativ sein und die Kultur der Russlanddeutschen auf neue Weise und in einem interaktiven, interessanten Format kennenlernen konnte, sowie bei allen Teilnehmern, dank derer es uns gelungen ist, durch gemeinsame, produktive Arbeit tolle Inhalte zu schaffen, Erfahrungen auszutauschen und schöne Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen!“ – so Darja Japparowa, eine Teilnehmerin aus der Gebiet Tomsk.
Sofja Sokolowa, eine Teilnehmerin aus dem Gebiet Kemerowo, bemerkte:
„Ein besonders eindrückliches Erlebnis war der Besuch des Hausmuseums von Elvira Lukjanowna Hermann. Wenn man in den dritten Stock ihres Hauses hinaufsteigt, fühlt man sich in eine ganz andere Zeit versetzt. Wir haben nicht nur Alltagsgegenstände gesehen, die von ihrer Familie sorgfältig aufbewahrt wurden, sondern auch ein echtes Relikt in den Händen gehalten – die älteste Bibel. Die Lebensgeschichte von Elvira Lukjanowna berührt einen bis ins Innerste und ist ein Beispiel für echte Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln.
Auch die Natur von Taschtagol hat uns nicht unberührt gelassen. Die Besteigung des Grünes Berge wird uns nicht nur wegen der atemberaubenden Ausblicke und der Hunderte von Fotos in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des spannenden Geocachings. Die Aufgaben rund um die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen vor dem Hintergrund solcher Landschaften zu lösen, war sowohl lehrreich als auch unglaublich unterhaltsam.
Ein besonderer Dank gilt unseren Lehrkräften – Olga Kononenko und Julia Fedorowa. Dank ihrer spannenden Unterrichtseinheiten haben wir festgestellt, dass man Deutsch spielerisch, leicht und mit Freude lernen kann. Und die Referenten Eduard Neb und Erik Kähm haben uns die Türen zur Welt des Theaters und des Videoschnitts geöffnet – jetzt wissen wir, wie man Videos auf professionellem Niveau dreht und schneidet.
Und natürlich ein riesiges Dankeschön an Galina Meladse dafür, dass dieses Projekt auf so hohem Niveau zustande gekommen ist.
Wir freuen uns immer über Gäste und sind stolz darauf, dass bei uns so bedeutungsvolle und herzliche Begegnungen stattfinden. Wir freuen uns schon auf neue Projekte
Das Projekt wird mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der Deutschen Kultur im Rahmen des Förderprogramms für die Russlanddeutschen in der Russischen Föderation umgesetzt.







