Eine besondere Familiengeschichte: Treffen junger russlanddeutscher Familien in Iwanowo


Die russische Textilmetropole wurde zum Treffpunkt junger russlanddeutscher Familien aus den Zentral- und Nordwestregionen Russlands – aus Moskau, Sankt Petersburg, Iwanowo, Petrosawodsk und Jaroslawl.

„Papa, woher haben wir eigentlich diesen interessanten Nachnamen?“ Diese Frage des jungen Michail Gimmer an seinen Vater Andrej wurde zum Leitmotiv des gesamten Projekts. Es brachte Menschen zusammen, die mehr über ihre Wurzeln erfahren, ihre Traditionen bewahren und diese an ihre Kinder weitergeben möchten.

Iwanowo ist seit vielen Jahren ein fester Veranstaltungsort für ethnokulturelle Treffen junger russlanddeutscher Familien aus den Zentral- und Nordwestregionen Russlands. Jedes Jahr entwickeln die Organisatoren ein neues, einzigartiges Programm – und auch das diesjährige Projekt bildete dabei keine Ausnahme.

„Im Mittelpunkt stand die Familiengeschichte“, erklärt Alexandra Troizkaja, Leiterin des Zentrums der deutschen Kultur „Nadeschda“ (dt.: Hoffnung) im Gebiet Iwanowo. „In diesem Jahr haben wir den Schwerpunkt auf die Informationsarbeit gelegt und Inhalte geschaffen, die nicht nur in der Erinnerung bleiben, sondern auch in einem digitalen Archiv erhalten werden. Unsere Teilnehmenden produzierten eine Reihe von Kurzfilmen, in denen jede Familie ihre Geschichte erzählt – über ihren Nachnamen, ihren Glauben, ihre Traditionen, die deutsche Sprache und darüber, was es heute bedeutet, Russlanddeutsche zu sein.“

Die Teilnehmenden arbeiteten dabei eng mit einem professionellen Referententeam zusammen. Valeria Bühler, Koordinatorin der Jugendarbeit für die Zentral- und Nordwestregionen Russlands, gestaltete die Abendveranstaltungen und ließ Eltern und Kinder in die ethnokulturelle Atmosphäre eintauchen. Guselija Sirasijewa, aktive Teilnehmerin des deutschen Jugendklubs „Warum бы и nicht“ (dt.: Warum eigentlich nicht?) in Moskau, studierte mit den Familien den traditionellen Tanz „Oiro“ ein. Ihr Videobeitrag zeigte, wie sich der kulturelle Code der Volksgruppe in der Volkstanztradition widerspiegelt.

Gemeinsam mit den Leiterinnen der Veranstaltung – Anna Uchowa, Darja Bykowa und Lilija Mokejewa – lernten alle Teilnehmenden aller Altersgruppen intensiv Deutsch.

Unter der Leitung von Emilija Kolotilowa (Wolf), die über die kunstvolle Handwerkskunstder Kolonistinnen berichtete, Alltagsgegenstände mit eigenen Händen herzustellen, fertigte jede Familie einen Kleiderbügel für ihre Tracht an. Der auf den ersten Blick schlichte Gegenstand erhielt dabei eine symbolische Bedeutung: Die traditionelle Kleidung sorgfältig aufzubewahren bedeutet zugleich, die Erinnerung an die Vorfahren lebendig zu halten.

„Wir sind überzeugt, dass die von den Familien produzierten Videos nicht nur interessante Inhalte für soziale Netzwerke sein werden, sondern zu einem echten Familienarchiv werden, das sich auch Kinder und Enkel eines Tages ansehen werden“, fasst Valeria Bühler, Koordinatorin der Jugendarbeit für die Zentral- und Nordwestregionen Russlands, das Projekt zusammen. „Das Projekt hat gezeigt, dass die Bewahrung der nationalen Kultur mit einer einfachen Frage beginnen kann: ‚Woher haben wir eigentlich diesen Nachnamen?‘ Und sie setzt sich mit einer Antwort fort, die es wert ist, auf Video festgehalten, für die Zukunft bewahrt und an die heranwachsende Generation als wertvollstes Familienerbstück weitergegeben zu werden.“

Die ethnokulturellen Treffen junger russlanddeutscher Familien aus den Zentral- und Nordwestregionen Russlands wurden von der gesellschaftlichen Organisation „Zentrum der deutschen Kultur ‚Nadeschda‘“ im Gebiet Iwanowo vorbereitet und durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt vom Internationalen Verband der deutschen Kultur.

Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Schott

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