Am 13. Juli hat in Saratow die feierliche Eröffnung des Art-Labors für bildende Kunst stattgefunden, einem Projekt des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur. Die Teilnehmenden erkunden die Wolgaregion, die den unverwechselbaren Geist der Kultur der Russlanddeutschen bewahrt hat, und nehmen an täglichen Freilichtmalerei-Workshops teil. Im Rahmen des Art-Labors soll eine Reihe von Gemälden von Künstlerinnen und Künstlern der Künstlervereinigung der Russischdeutschen (TORN) entstehen.
Das Art-Labor ist ein einzigartiges Projekt der „Avantgarde“-Richtung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur (IVDK) und hat sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Erbe der Russlanddeutschen durch künstlerische Werke zu bewahren. Seit 2010 haben bereits mehrere Art-Labore für bildende Kunst stattgefunden. In diesem Jahr kehren die Künstlerinnen und Künstler in die Wolgaregion zurück, eine Hochburg der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, um Denkmäler des materiellen Erbes, die ihren unverwechselbaren Charakter bewahrt haben, in den Werken festzuhalten. Die Teilnehmer stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, architektonische Objekte mit einer reichen historischen Vergangenheit oder einzelne Elemente ihrer Dekoration festzuhalten und, wenn möglich, zuvor verlorene Gebäudedetails und Fragmente auf der Leinwand nachzubilden.
Dmitrij Krell, künstlerischer Leiter der Künstlervereinigung der Russischdeutschen, Mitglied des russischen Künstlerverbands, Dozent am Lehrstuhl für Stil und Bild an der Russischen Staatlichen Pädagogischen Hochschule und Lehrer an der Schadr-Kunsthochschule, teilt mit:
Kein Foto kann unsere tiefen Gefühle für diese Orte einfangen.
Bereits am ersten Tag boten die Diskussionen und Vorträge der eingeladenen Historiker einen fruchtbaren Boden für kreative Ideen. Igor Plewe, russischer Historiker, Doktor der Geschichtswissenschaften und Professor, berichtete über die Wolgadeutschen in der Geschichte der Region Saratow. Wladimir Chassin, Kandidat der Geschichtswissenschaften und Dozent am Lehrstuhl für russische Geschichte und Geschichtsschreibung der Staatlichen Tschernyschewski-Universität Saratow, entführte das Publikum in die Architekturwelt deutscher Siedlungen in den Regionen Saratow und Wolgograd. Roman Jaschin (Hartmann), Maler und Kopist mit meisterhafter Beherrschung der Kunst der alten Meister, hatte sich bereits für das Hauptthema seiner Arbeit entschieden:
Bei dem vorherigen Projekt bereisten wir ausgiebig verschiedene Orte und studierten die Architektur. Ein größeres Projekt vor Ort zu beginnen, wäre schwierig gewesen, daher nahm ich die Fenster in Angriff und vollendete sie direkt im Rahmen des Projekts.
Man könnte sagen, die Idee entstand zufällig, aus dem Bedürfnis heraus, schnell zu arbeiten. Heute beschloss ich, die Serie von Arbeiten mit Fensterrahmen fortzusetzen.“
Bisher arbeiteten die Künstler in den Bezirken Marx und Engels des GebietesSaratow. In diesem Jahr hat sich der geografische Rahmen des Künstlertreffens erweitert: Neben Marx, Engels und Saratow werden die Teilnehmer auch die Stadt Kamyschin und das Dorf Nischnjaja Dobrinka des Gebietes Wolgograd besuchen. In Nischnjaja Dobrinka ließen sich vor 260 Jahren die ersten Kolonisten nieder, die dem Ruf Katharinas der Großen folgten.
Die im Rahmen der Art-Labors entstandenen Gemälde werden in Ausstellungen gezeigt, in Büchern veröffentlicht sowie begleiten und bereichern zahlreiche ethnokulturelle Projekte des IVDK. So veröffentlichte der IVDK beispielsweise zum 500. Reformationsjubiläum eine einzigartige Publikation, die die Leser in die Geschichte des Luthertums in Russland einführt. Das Album basiert auf Kunstwerken der Teilnehmer des Art-Labors 2016/17. In diesem Zeitraum schufen die Künstler rund vier Dutzend Gemälde mit Darstellungen lutherischer Kirchen in ganz Russland.
Nach einem kreativen Treffen an der Wolga im Jahr 2024 wurde das Projekt „Erbe in Farben“ ins Leben gerufen. Die Ausstellung entstand anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Richtung „Avantgarde“ und der Künstlervereinigung der Russischdeutschen (TORN). Im Laufe des Jahres 2025 wurde eine Wanderausstellung mit Reproduktionen von Gemälden, die das architektonische Erbe der Wolgadeutschen darstellen, in den Kultur- und Geschäftszentren der Russlanddeutschen in Barnaul, Jekaterinburg und Omsk gezeigt. DieOriginalgemälde wurden im Rahmen der Ausstellungen in Marx, Moskau und Samara gezeigt.
Das diesjährige Art-Labor wird, ganz in der Tradition des Projekts, mit einer abschließenden Vorbesichtigung neuer Gemälde beenden. Die während des kreativen Austauschs entstandenen Visualisierungen der erhaltenen Architektur und historischen Atmosphäre der Region sollen die Grundlage für zukünftige TORN-Kunstprojekte bauen. Außerdem werden die teilnehmenden Künstler zahlreiche Workshops und Begegnungen mit Experten für die Geschichte und Ethnografie der Wolgadeutschen besuchen.
Die Worte von Lilia Slawinskaja (Fillo) fassen den Tatendrang der Künstler treffend zusammen:
Ich schaue genau hin, versuche jedes Detail festzuhalten, betrachte alles, was ich sehe, mit Sorgfalt, denn ich verstehe, dass die Wolga das ganze Leben ist.
Das Projekt wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur im Rahmen des Unterstützungsprogramms für Russlanddeutsche in der Russischen Föderation umgesetzt.





