Die richtige Balance gefunden: Bilanz des intensiven Sprachtreffens im DRHM


Am 10. Juli ging im Deutsch-Russischen Haus in Moskau das intensive Sprachtreffen für Klubleiterinnen und -leiter zu Ende. Fünf Tage lang vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Regionen Russlands ihre Kenntnisse in der ethnokulturellen Klubarbeit, die eng mit der Förderung der deutschen Sprachkompetenz und den Feinheiten der Unterrichtsmethodik verknüpft wurde.

Das Programm der Begegnung umfasste sprachliche und ethnokulturelle Module, in denen die Klubleiterinnen und -leiter traditionelle und alternative Methoden und Techniken der Arbeit mit ihrer Zielgruppe kennenlernten und perfektionierten.

Gemeinsam mit der Referentin Elina Roschdestwenskaja, Dozentin am Lehrstuhl für Phonetik der deutschen Sprache der Staatlichen Moskauer Linguistischen Universität und am Lehrstuhl für europäische Sprachen der Allgemeinakademischen Fakultät der RANEPA, erarbeiteten die Teilnehmer das Modellieren von Arbeitsszenarien im Kontext von Altersspezifika, Gruppendynamik und Motivation. Da die Klubleiterinnen und -leiter vor Ort mit Vertretern verschiedenster Generationen arbeiten – von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Erwachsenen und Senioren, – beschloss Elina, ihr Modul mit einer Diskussion der Altersspezifika zu beginnen. Dabei zeigte sie auf, dass ein Altersunterschied unter den Teilnehmenden kein Hindernis, sondern vielmehr ein Vorteil ist, den es geschickt zu nutzen gilt:

Beim Modellieren der Szenarien haben wir versucht, alle genannten Altersgruppen in verschiedene Prozesse einzubinden. Die Aufgabe für die Teilnehmenden bestand darin, zu überlegen, wie sich der Altersunterschied in eine zusätzliche Ressource verwandeln lässt.

Im Kontext der Gruppendynamik erläuterte die Referentin, wie sich die Gruppenmitglieder in verschiedenen Phasen fühlen könnten, wie man potenzielle Konflikte souverän löst und wie man eine Begegnung optimal gestaltet, um die Teilnehmenden maximal einzubinden. Sie betonte, dass eine Klubleitung für eine erfolgreiche Arbeit ihre Teilnehmer auf unkonventionelle Weise motivieren können muss. Zum Abschluss ihres Moduls bemerkte Elina: „Ich hatte das große Glück, dass sich eine so altersgemischte Gruppe zusammengefunden hat. Einerseits konnte ich den Zuhörenden sofort demonstrieren, dass ich ihnen bewährte Konzepte an die Hand gebe. Andererseits habe ich stets berücksichtigt, dass die Klubleiter über weitaus mehr Erfahrung und Hintergrundwissen verfügen als die Mitglieder ihres eigenen Klubs. Daher werden sie etwas mehr Aufwand betreiben müssen, um die vorgeschlagenen Ideen vor Ort zu hundert Prozent umzusetzen.“

Gemeinsam mit Elina gingen die Teilnehmenden auch auf ein weiteres hochaktuelles Thema ein: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Referentin stellte dabei nicht die pauschale Digitalisierung aller Prozesse in den Vordergrund, sondern den sinnvollen Einsatz moderner Technologien:

Digitale Technologien sollten immer dort eingesetzt werden, wo der Mensch selbst keine gleichwertige Alternative bieten kann. Sie sind als Unterstützung gedacht, nicht als Selbstzweck oder als bloßer Ersatz.

Tatjana Tschirkowa leitet die Angebote im Klub mit Kindern von 5 bis 8 Jahren sowie mit älteren Kindern von 9 bis 12 Jahren. Die Leiterin stimmt der Referentin zu: „Ich verspüre keine akute Notwendigkeit, Künstliche Intelligenz einzusetzen. Dieser Aspekt ist eher bei Online-Veranstaltungen relevant, wenn man als Leiterin anschauliches Bildmaterial aufbereiten muss, während wir mit den Kindern ja im persönlichen Kontakt arbeiten.“

Tatjana und viele andere Teilnehmende waren insbesondere von den Modulen zu spielerischen Arbeitsformen begeistert. „Spielmethoden sind für mich besonders relevant, da ich mit den jüngsten Gruppen arbeite. Man muss die Spiele für die Kinder ständig variieren, sie lieben Abwechslung“, erklärte Tatjana.

Sinaida Romanowa leitet die Treffen des Deutschklubs in Iwanowo: „Ich arbeite hauptsächlich mit Teilnehmenden im mittleren und höheren Alter, darunter auch viele Seniorinnen. Beim intensiven Sprachtreffen konnte ich mir ein klareres Bild von der Struktur einer effektiven Unterrichtsstunde machen und die vielen Vorzüge spielerischer Arbeitsformen für mich entdecken. Spielerische Elemente können Fähigkeiten fördern und Wissen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen vertiefen. Ich bin mir sicher, dass auch unsere Teilnehmenden die Effektivität dieser Methode zu schätzen wissen werden.“

Den Schwerpunkt auf die Förderung der emotionalen Intelligenz legte die Referentin für den ethnokulturellen Teil, Olga Kononenko. Sie leitet die Deutschklubs im Zentrum für Begegnungen der Russlanddeutschen, ist Multiplikatorin des Instituts für ethnokulturelle Bildung für die Spracharbeit mit Erwachsenen, Sprachkoordinatorin im Gebiet Kemerowo sowie Referentin bei regionalen, überregionalen und bundesweiten Projekten des Internationalen Verbands der deutschen Kultur: „Wenn es um die Integration des ethnokulturellen Komponents in die Arbeit der Deutschklubs geht, möchte ich betonen, dass es zahlreiche wichtige Aspekte gibt, die stark von der jeweiligen Zielgruppe abhängen.

Ich vertrete die Ansicht, dass man eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Elementen nutzen sollte: Geschichte, materielle und immaterielle Kultur einbeziehen, damit die Treffen der Deutschklubs nicht nur den Interessen der Teilnehmenden entsprechen, sondern auch die gesamte Vielfalt und den Reichtum der Kultur vermitteln, die sie kennenlernen möchten.

So haben wir in einem der Module beispielsweise mit der Musik der Russlanddeutschen gearbeitet. Dabei entdeckten die Leiterinnen und Leiter zahlreiche Möglichkeiten, wie ihre Klubmitglieder eine Balance zwischen dem Erlernen der Fremdsprache und der Förderung der emotionalen Intelligenz finden können. Dabei muss man sich keineswegs auf den Liedtext beschränken, denn jedes Musikstück spricht die Gefühle der Zuhörer an. Man kann eine Begegnung um die Diskussion eines bestimmten Musikstücks herum aufbauen oder verschiedene Kunstformen miteinander verbinden.“ Die Universalität des Themas Kunst bestätigte auch Elina:

„Kunst, Fotografie, Film, Musik, Theater, Literatur – das sind Themen, über die man gerne mit anderen Menschen spricht. In diesen Bereichen lässt sich leichter ein Artefakt oder ein Text finden, der zum zentralen Ausgangspunkt für eine Diskussion oder eine didaktische Aufgabe wird.“

Dass der Intensivkurs seine Wirkung zeigte, belegten die Eingangs- und Abschlusstests der Teilnehmenden. Ihre Eindrücke schilderte Jelisaweta Borissenko, eine Teilnehmerin aus Chabarowsk:

Die Idee der Tests fand ich sehr sinnvoll und transparent – sie hat es mir ermöglicht, meinen eigenen Fortschritt schwarz auf Weiß zu sehen.

„Am Anfang war ich noch etwas unsicher, weil ich merkte, dass ich noch sehr viel nicht wusste. Doch nach dem Intensivkurs habe ich gemerkt, dass ich meine Gedanken auf Deutsch viel leichter formulieren kann, und vor allem: Ich habe gesehen, wie viel ich in kurzer Zeit lernen konnte. Dieses praxisnahe und fundierte Wissen werde ich nun in verschiedenen Bereichen anwenden: bei der Entwicklung eines ethnokulturellen Angebots für Kinder in Chabarowsk, in meinem eigenen Deutschklub, im Schulunterricht und auch bei der Vorbereitung auf die ethnokulturelle Begegnung in Samara.“ Die Bedeutung der theoretischen Fundierung bestätigte auch Darja Bykowa, Sprachkoordinatorin für die Zentral- und Nordwestregionen: „Dank der Module zur Methodik verstehe ich nun vollständig die Struktur, die einer einzelnen Aufgabe oder einer ganzen Unterrichtsstunde zugrunde liegt. Dieses Verständnis basiert nicht mehr nur auf bloßer Intuition oder früher erworbenem Wissen, sondern hat eine klare theoretische Grundlage. Dadurch kann ich viel besser einschätzen, inwieweit mein geplantes Programm meinen Zielen entspricht und von der jeweiligen Altersgruppe auch wirklich aufgenommen werden kann.“


Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Internationalen Verbands der deutschen Kultur im Rahmen der Förderung der Russlanddeutschen in der Russischen Föderation durchgeführt.

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