Am 10. September fand in der Tawritscheski Halle des Großen Palastes im Museumsreservat „Zarizyno“ in Moskau die feierliche Preisverleihung des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche – 2022“ statt.
Traditionell ehren wir die Besten der Besten unter den Russlanddeutschen, die sich durch ihre Erfolge in verschiedenen Bereichen ausgezeichnet haben. Die 12. Preisverleihung fand im Jahr des Kulturerbes der Völker Russlands und zum 25-jährigen Bestehen der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen statt.
Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, richtete ihre Glückwünsche an alle Teilnehmenden und Ehrengäste:
„Mit ihrem eigenen Vorbild und ihrem beruflichen Erfolg, ihrer aktiven Lebenseinstellung und ihrem Talent tragen diese Menschen zu einem positiven Image und zum Anstieg der Anzahl der russlanddeutschen Vorbilder bei und sind sicherlich ein deutliches Beispiel dafür, wie Russlanddeutsche in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Sport, Bildung und des zivilen Engagements zum Wohlstand Russlands beitragen und Spuren in der Geschichte einschließlich in der unseres Volkes hinterlassen“.
Olga Martens war auch erfreut darüber, dass die diesjährige Preisverleihung in diesem Jahr wieder offline stattfindet. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, herausragende Russlanddeutsche in der wunderschönen Tawritscheski Halle des Großen Palastes „Zarizyno“ ihren Verdiensten entsprechend zu ehren.
Die diesjährigen Preisträger sind: Kristina Paul, Snowboarderin, Sportmeisterin der internationalen Klasse und dreifache Juniorenweltmeisterin, in der nach Rudolf Pflugfelder benannten Nominierung im Bereich „Sport“; Jakow Gert, einer der Gründer des philharmonischen Orchesters „Tagilskije garmoniki“ und Bajanspieler, in der nach Anna German benannten Nominierung im Bereich „Kunst“; Iwan Krott, Kandidat der historischen Wissenschaften und Rektor der Staatlichen Pädagogischen Universität Omsk, in der nach Viktor Klein benannten Nominierung im Bereich „Bildung“; Jewgenij Fleiman, Doktor der historischen Wissenschaften und Professor, in der nach Boris Rauschenbach benannten Nominierung im Bereich „Wissenschaft“; Oleg Strahler, Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und Vorsitzender des interregionalen Koordinierungsrates der deutschen der Region Ural, in der nach Artur Karl benannten Nominierung im Bereich „Ziviles Engagement“.
„Ich habe immer Menschen bewundert, die ihrer Sache ein Leben lang treu bleiben und damit Güte, Wärme und Liebe in diese Welt bringen“, sagte die Theater- und Filmschauspielerin Irina Lindt bei der Übergabe des Preises an Jakow Gert, den Preisträger im Bereich der Kunst. „Meine Mutter spielte ebenfalls Bajan.
Ich erinnere mich an diese Gefühle aus meiner Kindheit, als der verstaubte Koffer vom Schrank heruntergeholt wurde und ich meiner Mutter beim leidenschaftlichen Spielen zusah, während sie auf die Tasten des Instruments drückte.
Mein Vater war auch ein Musiker. Menschen, die ihr Leben der Musik widmen und sie in die Welt bringen, erfüllen eine der wichtigsten Aufgaben, die es überhaupt gibt.“
„Ich habe nicht damit gerechnet, dass eine bescheidene Person wie ich für diese Nominierung ernannt werden würde. Das war eine große Überraschung für mich“, sagte Jakow Gert. „Gleichzeitig empfinde ich ein Gefühl der Freude und des Stolzes. Ich lebe einfach mein Leben und versuche, meine Arbeit mit Sorgfalt zu erledigen.“
Nach Ansicht des Historikers und letztjährigen Preisträgers Wladimir Auman, der den Preis an Jewgenij Fleiman, den Preisträger im Bereich der Wissenschaften überreichte, sind viele ethnische Deutsche in ihre angestammte Heimat zurückgekehrt, aber es gibt auch noch wahre Russlanddeutsche in Russland. Das sind Deutsche, die dieses Land vor 300 Jahren als ihre neue Heimat übernahmen und ihm dienten und immer noch dienen.
„Ich freue mich besonders, den Preis des Wettbewerbs in der Nominierung der Wissenschaft zu Ehren von Boris Rauschenbach zu erhalten. Er ist ein herausragender russischer Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Mensch.
Rauschenbach war nicht nur ein Fachmann im Bereich des Raketenbaus, sondern auch ein ausgezeichneter Kunsthistoriker. Er schrieb über russische Ikonen. Er hat diese Ikonen wie ein Mathematiker analysiert.
Außerdem war er ein Historiker und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens“, so Jewgenij Fleiman in seiner Rede. Der Preisträger wies darauf hin, dass es inzwischen eine große Zahl wissenschaftlicher Arbeiten zur Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen gibt, darunter auch solche, die von regionalen Historikern verfasst wurden. Hierfür gibt es viele Gründe. Einer davon ist seiner Meinung nach die Tatsache, dass die Geschichte der Russlanddeutschen bis in die 1990er-Jahre hinein verschwiegen wurde. Zweites stellte Jewgenij Fleiman fest, dass die Geschichte der deutschen Ethnie sehr interessant und vielfältig ist. Eine wichtige Rolle spielt auch die Unterstützung von Publikationen der regionalen Historiker durch den Internationalen Verband der deutschen Kultur.
Traditionell wurden Preise auch in der Sondernominierung „Name des Volkes“ vergeben. Preisträger in dieser Kategorie sind berühmte Deutsche aus Russland, die nicht mehr unter uns sind, deren Beitrag aber nicht vergessen werden sollte. Die diesjährigen Preisträger waren der sowjetische und russische Maler Alfred Friesen, der einzige Avantgardekünstler in der Altairegion, und Iwan Kronewald, ein aktives Mitglied der Bewegung der Russlanddeutschen und einer der Gründer der Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Nischni Tagil und der Deutschen Jugendgesellschaft „Zukunft“. Der Ehrenpreis wurde den Angehörigen der Preisträger überreicht.
Alle Preisträger wurden traditionell mit persönlichen Ziertellern ausgezeichnet, die in der Werkstatt für dekorative und angewandte Kunst „LiK“ (Slatoust) hergestellt wurden. Leider war dieses schwierige Jahr auch dadurch gekennzeichnet, dass die Gründerin dieses Preises, eine sowjetische und russische Künstlerin, Verdiente Künstlerin Russlands, Russlands erste Waffenschmiedin, Schmuckkünstlerin sowie Preisträgerin des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche – 2018“, Nina Lochtatschjowa (Lützow), verstorben ist. Nina Lochtatschjowas Lebensmotto lautete wie folgt: „Ich habe immer die volle Hingabe für das Wichtigste in all unseren Arbeiten gehalten. Entweder wir geben unser Bestes oder wir lassen es sein“. Nina Lochtatschjowas Beitrag zur Bewahrung der nationalen Kultur und zum Aufbau und zur Entwicklung der sozialen Bewegung der Russlanddeutschen ist bedingungslos und von unschätzbarem Wert. Der Preis, ein persönlicher Zierteller, war das beständige und edle Symbol der Zeremonie.
Auf dem Konzertprogramm der feierlichen Preisverleihung standen das Kammerorchester „HighTime“ sowie russlanddeutsche Künstler wie der Komponist und Preisträger nationaler und internationaler Musikwettbewerbe, Alexej Wacker und der Gewinner der fünften Staffel der Show „The Voice Kids“ in Russland, Rutger Garecht.
Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Ruge.




