Fang die Melodie ein: Gesangsdarbietung der „Freunde der deutschen Sprache“


Bewerbungen für den 10. Gesamtrussischen Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ werden noch bis zum 14. September entgegengenommen. Sie haben also noch die Möglichkeit, eine Kategorie zu wählen, die Sie anspricht. Wir geben Ihnen einen persönlichen Einblick in die diesjährigen Wettbewerbskategorien. Mit Jaroslaw Wybornow, dem Gewinner des Grand Prix 2024 in der Unterkategorie „Volkslied-Cover“, sprachen wir über Gesangskunst und moderne Interpretationen von Volksliedern.

Unsere Redaktion hat Ihnen bereits drei herausragende Kategorien des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Freunde der deutschen Sprache“ vorgestellt: Literatur, Jugend und Fotografie. Heute greifen wir das Thema der musikalischen Harmonie wieder auf und widmen uns der Gesangskategorie „Deutsch:REMIX“.

Musik verbindet

Noch vor zwei Jahren war der Gesangswettbewerb Teil der Jugendkategorie. „Doch auch in diesem Format blieb die musikalische Komponente stets ein wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs“, erklärt Sergei Grebenjukow, Leiter des Projekts „Freunde der deutschen Sprache“. „2024 stellten wir fest, dass dieser Bereich bei den Teilnehmenden großen Anklang fand. Es gab viele herausragende Bewerbungen und talentierte junge Menschen.

Durch Musik wird Sprache auf ganz andere Weise wahrgenommen: Sie wird lebendig, emotional und persönlich.

Daher war klar, dass diese Unterkategorie als eigenständiger Bereich des Wettbewerbs ‘Freunde der deutschen Sprache‘ bestehen kann und sollte.“

Im Jahr 2026 feiert die Kategorie das Jubiläum der legendären Sängerin Anna German, deren Werk zum Symbol für Aufrichtigkeit und kulturellen Dialog wurde. Die Teilnehmer der Musikkategorie können nicht nur ihr stimmliches Können, sondern auch die Tiefe ihrer Interpretation deutschsprachiger Werke unter Beweis stellen. Die Jury begrüßt eine breite Palette an Genres: von klassischen Aufführungen und Volksliedern der Künstler aus dem Kreis der Russlanddeutschen bis hin zu zeitgenössischen Coverversionen. Hauptziel ist es, den lebendigen Klang der deutschen Sprache durch das Prisma der Musikkunst erlebbar zu machen. Weitere Informationen zu den Gestaltungsanforderungen und Bewertungskriterien für die Wettbewerbsbeiträge finden Sie auf der offiziellen Webseite des Projekts.

Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist

Jaroslaw Wybornow gewann 2024 den Ehrenpreis „Grand Prix“ in der Unterkategorie „Volkslied-Cover“. Mit gerade einmal 17 Jahren beherrscht dieser junge Musiker, der in seinem gewählten Bereich bereits selbstbewusst Fortschritte macht, schon mehrere Instrumente. Bei der Preisverleihung des Wettbewerbs demonstrierte Jaroslaw sein meisterhaftes Können an Schlagzeug, Gitarre und Bassgitarre. Darüber können Sie unter dem Link lesen.

„Ich spiele verschiedene Instrumente, aber mein Können ist unterschiedlich: Man kann nicht alles auf einmal professionell beherrschen“, erklärt der junge Mann bescheiden. „Zu den Lärminstrumenten gehören Maracas, Cajon und Tamburin. Zu den ethnischen Instrumenten zählen Kalimba und Maultrommel. Gestern haben wir im Studio das Saxophon aufgenommen. Ich versuche mich auch an der Blockflöte und einer Querflöte, die man mir aus Indien mitgebracht hat.“

Jaroslaw eroberte die Herzen der Jury mit seiner originellen Coverversion des Liedes „Du, du liegst mir im Herzen“. Sein Wettbewerbsbeitrag – eine Videoaufnahme seines Auftritts – wurde zu einem vollwertigen Musikvideo ausgebaut. Während der Arbeit an der Coverversion wurde Jaroslaw von den Qualitäten der deutschen Sprache überzeugt, die ihm schon beim Deutschlernen in der Schule aufgefallen waren:

„Ich glaube, dass deutsche Poesie und Lieder das Klischee der groben deutschen Sprache widerlegen.

Die deutsche Sprache kann sanft und zärtlich sein. Es ist nur eine Frage des Wie und Was man sagt.

Diese Eigenschaft der deutschen Sprache sprach meine romantische Ader sehr an, denn ich wählte für die Coverversion ein Liebeslied und sang es gefühlvoll.“

Die nervenaufreibendste Phase war laut dem Teilnehmer das Warten auf die Ergebnisse nach der Bewerbung. Von Natur aus geduldig, zieht Jaroslaw es vor, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen: „Ich nehme an verschiedenen Wettbewerben teil, bei denen man ein Lied schreiben muss.

Ich bin der Meinung, dass man seine Arbeit niemandem vorab zeigen sollte. Zuerst sollte man sich selbst fragen: ‚Warum mache ich das?‘

Ich denke, in 99,9 Prozent der Fälle ist die Hauptmotivation der Wunsch anzugeben. Es ist erst dann sinnvoll, über seine Erfolge zu sprechen, wenn man sie bereits erzielt hat.“

Der junge Coverking

Jaroslaw macht seit fünf Jahren Coverversionen. Seine ersten gezielten Schritte unternahm er noch während seiner Schulzeit. In dieser Zeit hat er einen klaren Prozess entwickelt, an den er sich bevorzugt hält: „Sobald ich mich für einen Song entschieden habe, suche ich nach Inspiration – ich höre mir verschiedene Versionen anderer Musiker an. Mir gefiel zum Beispiel das Arrangement von Sänger RONNY: Er hielt die Harmonien des Songs schlicht, aber irgendetwas an seinem Instrumentalspiel fesselte mich… Die niederländische Instrumental-Rockband The Desperates hat mich mit dem mitreißenden Sound des Rock ’n’ Roll infiziert. Und dann begannen die Ideen für mein eigenes Cover in meinem Kopf zu kreisen.

Der zweite Schritt – das Komponieren des Arrangements – ist ganz der kreativen Fantasie des Komponisten gewidmet. Ich beherrsche verschiedene Instrumente und finde durch die Auswahl die perfekte, persönliche Version.“

Jaroslaw demonstrierte seine Auswahlmethode und den Klangunterschied direkt im Interview: „Im Original beispielsweise fällt die Intonation bei dem Wort ‚vereint‘ ab, wodurch die Zeile ‚dass uns die Liebe vereint‘ ‚abgeschlossen‘ wird. Ich habe versucht, dieses Wort zu singen. (Singt.) Klingt viel raffinierter, nicht wahr?“ Jaroslaw rät seinen Songwriter-Kollegen:

Ein gelungenes Cover ist keine einfache Nacherzählung eines bekannten Liedes, sondern Ausdruck der eigenen Vision. Scheut euch also nicht, der Melodie eure eigene Note zu verleihen.

Auf der Bühne wie zu Hause

Die Teilnahme an Wettbewerben und Festivals ist für Musiker ein ebenso wichtiger Bestandteil ihres kreativen Werdegangs wie Ausstellungen für Künstler und Fotografen oder Modenschauen für Designer und Modeschöpfer. Solche Veranstaltungen inspirieren manche, ihren eigenen kreativen Weg zu finden, während andere die gekonnten Herangehensweisen ihrer Kollegen kennenlernen. Bei der Preisverleihung präsentierte Jaroslaw dem Publikum voller Begeisterung seinen originellen Stil:

Für mich ist die Teilnahme am Wettbewerb weniger die Suche nach einer künstlerischen Identität als vielmehr der nächste Schritt in deren Entwicklung.

Ich höre die unterschiedlichsten Musikrichtungen und habe viel Erfahrung mit Coverversionen. Das hat mir sehr geholfen, ein Cover für den Wettbewerb ‚Freunde der deutschen Sprache‘ zu schreiben. Deshalb ist für mich jede Gelegenheit, ein Cover zu schreiben, ein weiterer Schritt in der Entwicklung meiner künstlerischen Identität.“

Jaroslaw fühlt sich auf der Bühne wie zu Hause. Deshalb entscheidet er sich, wenn er zwischen einer Videoaufnahme und einem Live-Auftritt vor Publikum wählen muss, für Letzteres: „Beide Formate haben ihre Herausforderungen. Bei Videoaufnahmen hat man immer die Möglichkeit, mehrere Takes zu machen. Es gibt kein Lampenfieber wie vor einem Auftritt, mit dem selbst professionelle Künstler zu kämpfen haben.

Andererseits lebe ich für die Bühne, daher fällt es mir definitiv leichter, vor Publikum aufzutreten und zu singen.“

Nach einem Auftritt stellt sich immer ein Gefühl der Erschöpfung ein, aber es ist eine angenehme Erschöpfung, die man sich durch das Ausüben seiner Leidenschaft wünscht.“

Musikalischer Glückselixier: süßes Gift oder magisches Heilmittel?

Jaroslaw spricht mit den herzlichsten Worten über die Musik: „Ja, Musik ist mein Begleiter, meine Medizin, meine Stütze. Ich kann ohne sie nicht leben: Ich höre jeden Tag Musik, singe, schreibe Lieder, und all das gibt mir Kraft.

Ich würde sagen, Musik ist ein magisches, sehr wirksames Heilmittel.

Es gab Zeiten, da musste ich direkt nach einer Krankheit auftreten, obwohl ich mich noch nicht ganz bereit zum Singen fühlte. Doch die letzten Spuren der Krankheit verschwanden, sobald ich die Bühne betrat.“

Jaroslaw teilt seine Liebe zur Musik nicht nur mit seinen Zuhörern, sondern auch mit allen, die diese Leidenschaft teilen:

„Ich wünsche euch, dass ihr selbstbewusst seid und keine Angst vor kreativen Experimenten habt.

Wenn ihr euch für eine Coverversion entscheidet, könnt ihr anderen gerne einen neuen Sound für ein scheinbar bekanntes Lied vorstellen. Hoffentlich gibt es Menschen in eurem Umfeld, die euch aufrichtig unterstützen. Ich glaube, dassjeder von euch diese Unterstützung hat.“

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