„Projekte von Jugendlichen für Jugendliche“: Galina Meladse über die Kategorie „EthnoFormat“ des Wettbewerbs „Freunde der deutschen Sprache“


Der Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ bringt seit vielen Jahren Menschen zusammen, die sich für die deutsche Sprache und die Kultur der Russlanddeutschen interessieren. In diesem Jahr steht die Jugendkategorie „EthnoFormat“ besonders im Fokus, in der die Teilnehmer aufgefordert sind, zeitgemäße ethnokulturelle Projekte für ein jugendliches Publikum zu entwickeln.

Galina Meladse, Mitglied der Jury dieser Kategorie, erklärt, warum solche Initiativen heute besonders wichtig sind, welche Formate junge Menschen ansprechen können und wie man das kulturelle Erbe zu einem Teil des modernen Lebens machen kann.

Die Kategorie „EthnoFormat“ ist auf zeitgemäße Jugendformate ausgerichtet. Warum ist es heute besonders wichtig, gerade durch interaktive Projekte und Jugendinitiativen über die Kultur der Russlanddeutschen zu sprechen?

Die Jugend von heute ist es, die in der Lage ist, festgefahrene Stereotypen zu verändern und kulturellen Praktiken neues Leben einzuhauchen. Die Vorbereitung der Initiativen in der Kategorie „EthnoFormat“ und ihre anschließende Umsetzung ermöglichen es nicht nur, die Kultur der Russlanddeutschen kennenzulernen, sondern auch, sich mit der heutigen Entwicklung des ethnokulturellen Raums verbunden zu fühlen.

Dadurch entsteht eine aufrichtigere und lebendigere Verbindung zur Vergangenheit, die durch aktives Handeln gestützt wird und das ethnokulturelle Erbe zu einem Teil der alltäglichen Wahrnehmung der Jugend macht – und nicht nur zu einer Ansammlung theoretischer Kenntnisse oder Gedenkdaten.

Wodurch unterscheidet sich die Kategorie „EthnoFormat“ von den anderen Kategorien des Wettbewerbs „Freunde der deutschen Sprache“?

Alle Kategorien des Wettbewerbs sind seit vielen Jahren spannend und interessant. Das Besondere an der Jugendkategorie in diesem Jahr ist, dass die eingereichten Projekte in die weitere Arbeit der Jugendclubs und -organisationen der Russlanddeutschen einfließen werden.

Besonders wertvoll ist, dass die Projekte von Jugendlichen für Jugendliche entwickelt werden. Sie zeigen anschaulich, wofür sich die jungen Russlanddeutschen interessieren, wie sie verschiedene Ereignisse verstehen und in welcher Form sie bereit sind, dieses Verständnis an ihre Mitmenschen weiterzugeben.

Ich würde sagen, dass diese Projekte zu einer Art „sprechendem Spiegel“ werden: Sie geben nicht nur denjenigen Antworten, die in sie hineinschauen, sondern spiegeln auch die Ergebnisse der Arbeit, des Wissens und der Erfahrung wider, die in ihre Entstehung eingeflossen sind.

Welche Ideen und Formate sind für ein jugendliches Publikum heute am interessantesten?

Ich hoffe, dass die Projekte der Wettbewerbsteilnehmer selbst eine möglichst umfassende Antwort auf diese Frage liefern werden. Dennoch lassen sich bereits jetzt einige wichtige Trends erkennen.

Erstens sind dies Immersion und die Möglichkeit zur Selbstentfaltung. Die Jugend möchte nicht länger nur ein unbeteiligter Beobachter oder stummer Zuhörer sein. Erfolgreich ist das Format, das die Teilnehmer in die Atmosphäre der Veranstaltung eintauchen lässt, in der jeder zum aktiven Protagonisten der Geschichte werden und seine Gedanken und Erfahrungen frei teilen kann.

Zweitens ist Interaktivität wichtig. Heute wird oft gesagt, dass die Jugend ausschließlich im virtuellen Raum lebt, ununterbrochen Videos dreht und Inhalte in sozialen Netzwerken erstellt. Meine Erfahrung zeigt jedoch etwas anderes: Die Jugendlichen beteiligen sich mit großem Interesse an Aktivitäten, bei denen es etwas Greifbares gibt – Requisiten, Materialien, lebendige Interaktion. Interaktivität ist wichtig, aber man sollte eine Veranstaltung nicht ausschließlich auf Smartphones, dem Internet oder künstlicher Intelligenz aufbauen.

Wie wichtig ist bei Wettbewerbsprojekten die Verbindung von ethnokulturellen und sprachlichen Komponenten?

Dies ist nicht nur ein wünschenswertes Element, sondern ein echter Eckpfeiler für eine tiefgreifende und sinnvolle Beteiligung der Jugend an der Bewahrung des kulturellen Erbes.

Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel. Sie ist eine Form des Selbstausdrucks, ein Hort von Werten und Träger einer einzigartigen Weltanschauung und Lebensweise. Die ethnokulturelle Komponente umfasst wiederum visuelle Bilder, Traditionen, Kunst und Bräuche, in denen die Geschichte und Kultur eines Volkes verankert sind.

Gerade die Verbindung dieser beiden Komponenten hilft der Jugend, sich als Teil einer großen, lebendigen und facettenreichen Welt zu fühlen, in der kulturelle Vielfalt als Reichtum wahrgenommen wird.

Wie wichtig ist es, dass das Projekt tatsächlich in einem Jugendclub durchgeführt werden kann?

Dies ist eine der zentralen Anforderungen der Kategorie. Projekte ausschließlich um der Berichterstattung oder der formalen Teilnahme willen zu entwickeln, ist sinnlos.

Die Organisatoren erwarten, dass die vorgeschlagenen Konzepte und Abläufe in der Praxis tatsächlich funktionieren, das Zielpublikum ansprechen und dazu beitragen, den kulturellen Reichtum der Russlanddeutschen durch die lebendige Interaktion der Teilnehmer zu erschließen.

Kann man sagen, dass die Jugend durch solche Projekte beginnt, die deutsche Sprache und Kultur anders wahrzunehmen?

Ich habe den Eindruck, dass bei vielen Teilnehmern eine echte Neubewertung ihrer Einstellung zur Kultur stattfindet. Was früher vielleicht als etwas Fernes und nur in den Seiten der Geschichte Existierendes erschien, wird nun als Teil des eigenen Lebens wahrgenommen.

Wenn junge Menschen an Workshops, Spielen, Schnitzeljagden und anderen interaktiven Formaten teilnehmen, werden Traditionen buchstäblich zum Leben erweckt. Sie hören nicht mehr nur von der Kultur, sondern werden zu direkten Akteuren.

Auch die Einstellung zur Sprache verändert sich. Sie wird nicht mehr ausschließlich als Schulfach wahrgenommen, sondern wird zu einem Instrument zur Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses und zur Fortführung von Traditionen. Die Teilnahme an solchen Projekten hilft dabei, eine Verbindung zur Geschichte zu spüren, die Schönheit der eigenen Kultur zu erkennen und Stolz auf die ethnische Zugehörigkeit zu empfinden.

Was würden Sie Teilnehmern raten, die sich zum ersten Mal für die Kategorie „EthnoFormat“ bewerben?

Lesen Sie vor allem die Anleitung sorgfältig durch und scheuen Sie sich nicht, eigene Ideen einzubringen.

Es ist wichtig, alle formalen Anforderungen einzuhalten, die Unterlagen sorgfältig auf sachliche Fehler zu überprüfen und sich nicht zu scheuen, Fragen zu stellen. Denn wie man weiß, ist die dümmste Frage die, die gar nicht gestellt wurde.

Und das Wichtigste: Zeigen Sie Ihre Sichtweise auf die ethnokulturelle Vielfalt. Entwickeln Sie eine Veranstaltung, an der Sie selbst gerne teilnehmen würden. Genau solche Projekte erweisen sich in der Regel als die lebendigsten und überzeugendsten.

Was würden Sie den Teilnehmern der Jugendkategorie in diesem Jahr wünschen?

Ich wünsche allen kreative Ideen, gutes Zeitmanagement und eine eingespielte Mannschaft!

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