Vom Dialog zum glanzvollen Schlusspunkt: Das erfolgreiche Finale des Forum-Festivals in Samara


Der Abschlusstag des Forum-Festivals der Russlanddeutschen bot eine gelungene Synthese aus fachlichem Expertendialog, der feierlichen Kinopremiere eines Dokumentarfilms und einer großen Gala-Show. Im Fokus der Diskussionen standen drängende Fragen rund um den Erhalt der deutschen Sprache, der Kultur sowie des historischen Gedächtnisses. Den krönenden Schlusspunkt hinter das gesamte Forum setzte ein farbenfrohes Konzertprogramm, das zu einem starken Symbol für Einheit und die enge Verbindung zwischen den Generationen wurde.

Am 9. Juni ging in Samara das Forum-Festival der Russlanddeutschen zu Ende – ein Großereignis, das Vertreter gesellschaftlicher Organisationen, Kulturschaffende, Jugendleiter, Forscher sowie Kreativensembles aus den verschiedensten Regionen des Landes zusammenbrachte. Das Forum-Festival fand im Jahr des 35-jährigen Bestehens des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur statt. Der Abschlusstag des Programms war der Reflexion über die gesammelten Erfahrungen, der Diskussion aktueller Herausforderungen und dem Resümee des Festivals gewidmet.

Die erste Tageshälfte fand im Konferenzsaal des Hotels „SamaRa“ statt, wo die Podiumsdiskussion „Die drei Säulen der ethnokulturellen Identität: Kultur, Sprache, Geschichte“ ausgetragen wurde. Als Moderatorin des Fachgesprächs fungierte Margarita Poldolina.

Ihre Perspektiven und professionellen Erfahrungen teilten Anna Blinowa, Alexander Heier und Tatiana Ilarionowa sowie Dajana Hindemit und Sofia Wlassowa, die das kreative Jugendkollektiv „Jugendstadt“ vertraten.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen Fragen rund um den Erhalt und die Weiterentwicklung der deutschen Sprache unter modernen Bedingungen, die Arbeit ethnokultureller Sprachtreffen, die Rolle des historischen Gedächtnisses bei der Formung des nationalen Selbstbewusstseins sowie die Bedeutung kultureller Initiativen für die Stärkung des Generationendialogs. Die Teilnehmer sprachen dabei nicht nur über bewährte Praktiken, sondern auch über die Suche nach neuen Arbeitsformaten, die das Interesse der Jugend wecken und der modernen Gesellschaft das kulturelle Erbe greifbarer und zugänglicher machen können.

„Im Rahmen dieses Fachgesprächs werden höchst aktuelle und relevante Fragen erörtert. Sowohl die Teilnehmer als auch unsere geladenen Experten sind tief in der Materie verwurzelt und gelten landesweit als anerkannte Koryphäen auf diesem Gebiet. Was mich an dieser Podiumsdiskussion besonders begeistert, ist das enorm hohe Motivationsniveau der Beteiligten, diese Herausforderungen nicht nur zu diskutieren, sondern auch aktiv anzugehen und zu lösen“, so die Moderatorin der Runde, Margarita Poldolina.

Große Resonanz fand der Beitrag der Vertreter von „Jugendstadt“. Die beiden jungen Aktivistinnen berichteten über die Arbeit ihres Kollektivs, aktuelle Projekte und kreative Initiativen, die darauf abzielen, die Kultur der Russlanddeutschen unter Jugendlichen populärer zu machen. Ihre Erfahrungen lieferten ein anschauliches Beispiel dafür, wie moderne Kommunikationsmittel dazu beitragen, Traditionen zu bewahren und eine neue Generation für das gesellschaftliche Engagement zu gewinnen.

„Es ist hervorragend, dass die Diskussion in diesem offenen Format geführt wurde. Die Ergebnisse haben klar aufgezeigt, wohin sich die Welt der Russlanddeutschen bewegt, wobei ein spürbarer Fokus auf historischen Entwicklungen lag. Ebenso intensiv wurden geschichtliche Fragestellungen im Kontext sprachlicher Herausforderungen erörtert – und wie diese sich entsprechend im kulturellen Bereich konstruktiv lösen lassen“, so die Diskussionsteilnehmerin Anna Blinowa.

Ein solches Format erweist sich als äußerst wirksam, da wir Experten einladen und gleichzeitig einem breiten Publikum die Möglichkeit bieten, Fragen zu stellen und eigene Gedanken zu teilen. Ich finde, das funktioniert hervorragend.

„Dieses Jahr wurde zum ‚Jahr der Einheit der Völker Russlands‘ ausgerufen, was von enormer Bedeutung ist. Es ist für uns von zentraler Wichtigkeit, eine landesweite zivile Identität zu formen und zu stärken, während wir gleichzeitig die gesamte sprachliche und kulturelle Vielfalt der Völker bewahren, die in der Russischen Föderation leben. Die Russlanddeutschen sind ein integraler Bestandteil dieser großen, multinationalen Familie, und es ist großartig zu sehen, wie aktiv sie ihre Identität und Kultur pflegen. Diese Komponente ist unverzichtbar, und auf dem Forum-Festival wurden dazu hochinteressante und wesentliche Impulse diskutiert. Es ist besonders erfreulich, dass heute auch Mitglieder des Rates für zwischennationale Beziehungen beim Präsidenten der Russischen Föderation anwesend waren. Die verschiedenen Sprecher teilten ihre Erfahrungen und ihre persönliche Vision. Dabei herrschte vollkommenes Einvernehmen darüber, dass unser Land multinational und geeint ist – und dass keine Nationalität und kein Volk über andere Völker dominieren darf“, so Natalia Altner, die stellvertretende Generaldirektorin für Projektarbeit der gesellschaftlich-staatlichen Organisation „Assoziation der Völker Russlands“.

Fortgesetzt wurde das Programm mit der feierlichen Kinopremiere des Dokumentarfilms „Kultureller Code ‚Russlanddeutsche‘“. Dieser wurde anlässlich des 35-jährigen Bestehens des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur sowie der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen gedreht.

Anlässlich des bevorstehenden 35-jährigen Bestehens des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur dürfen wir heute diesen Film erleben und tiefe Einblicke darin gewinnen, wo und wie die Ursprünge unserer Organisation liegen. 35 Jahre sind eine lange Zeit. Es gab Höhen und Tiefen, herausfordernde Phasen, doch unsere Arbeit und der Weg nach vorn wurden stets fortgesetzt. Die Organisation lebt, sie entwickelt sich weiter – und heute haben wir die Gelegenheit, diesen Film als Erste zu sehen. Wir werden erfahren, was daraus entstanden ist und welches Erbe wir hinterlassen. Denn genau das ist unsere Geschichte. Ich wünsche Ihnen allen eine gute Unterhaltung und anregende Eindrücke! – Elisaweta Graf, die Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur.

Der Film nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte der gesellschaftlichen Organisationen der Russlanddeutschen, stellte ihre Schlüsselprojekte vor und würdigte die Menschen, die seit Jahrzehnten einen unschätzbaren Beitrag zum Erhalt der Sprache, der Kultur und des historischen Gedächtnisses leisten. Im Anschluss an die Vorführung fand eine offene Publikumsdiskussion statt. Die Teilnehmer teilten ihre Eindrücke, ließen die Ereignisse vergangener Jahre Revue passieren und erzählten persönliche Geschichten, die sie mit der Bewegung der Russlanddeutschen verbinden. Für viele wurde dieses Gespräch zu einem informellen Resümee eines langen, gemeinsamen Weges und bot zugleich den Anlass, über die Zukunft der ethnokulturellen Gemeinschaft nachzudenken.

„Wir sind schon lange nicht mehr in so einer großen Runde zusammengekommen, was für uns alle von enormer Bedeutung ist. Es ist einfach großartig, alle wiederzusehen. Solche Treffen sind unverzichtbar, denn hier teilen wir unsere Erfahrungen, sprechen offen über Herausforderungen, aber auch über unsere Erfolge. Besonders gut hat mir gefallen, dass das Forum-Festival auf zwei Säulen stand: Zum einen gab es Raum für Diskussionen, Austausch und das Schaffen neuer Schnittmengen für eine Annäherung, bei der auch über zukunftsweisende Strategien und die Ausrichtung unserer Organisation gesprochen wurde. Zum anderen konnten wir das aktuelle kulturelle Erbe der Russlanddeutschen erleben – sei es in der Musik, der bildenden Kunst oder dem Theater. Kurz gesagt: Es war wunderbar, auch weil hier so viele inspirierende Menschen zusammengekommen sind“, so Alexandra Troizkaja, Vorstandsmitglied der gesellschaftlichen Organisation des Gebiets Iwanowo „Zentrum der deutschen Kultur ‚Hoffnung‘“.

„Vor allem möchte ich die Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit jener Begegnungen hervorheben, die mich nun schon seit 35 Jahren des Bestehens des IVDK durch mein Leben begleiten. Jedes Mal aufs Neue fasziniert und freut mich die Organisation dieser Veranstaltungen. Von Jahr zu Jahr wird alles spürbar professioneller – nicht nur in organisatorischer Hinsicht, sondern vor allem auch, was die inhaltliche Tiefe dieser Foren betrifft. Es werden stets hochaktuelle Themen berührt, die man isoliert vor Ort gar nicht in dieser Form erfassen, reflektieren und durchdenken könnte“, so der russlanddeutsche Kulturschaffende, Choreograf, Pädagoge, Dichter und Musiker Arnold Rainik.

An jedem dieser Meilensteine wird uns klar vor Augen geführt, wo wir aktuell stehen und welchen Weg wir als Nächstes einschlagen müssen. Das ist überaus ermutigend. Und das Spannende daran ist, dass dieser Geist an jedem unserer Tagungsorte spürbar ist – sei es in Saratow, Samara, Moskau oder andernorts. Ich persönlich reise jedes Mal mit einer klaren Vision und neuen schöpferischen Impulsen für meine nächsten Schritte nach Hause.

„Ich möchte betonen, dass die Organisatoren des Forum-Festivals eine großartige Vorbereitungsarbeit geleistet haben, die sich vollauf gelohnt hat. Alle Facetten des Lebens der Russlanddeutschen spiegeln sich in diesem Forum wider – von den Anfängen der Gründung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur bis zum heutigen Tag“, so Irina Samoilowa, die Vorsitzende des Exekutivkomitees der Regionalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen des Gebiets Uljanowsk.

„Ich bin der Überzeugung, dass das für das 35-jährige Jubiläum gewählte Format des Forum-Festivals äußerst durchdacht und beeindruckend ist. Es bietet eine Fülle kultureller Veranstaltungen, die unser kreatives Potenzial eindrucksvoll unter Beweis stellen, während wir gleichzeitig ernsthafte Fragen rund um unsere Weiterentwicklung und Identität diskutieren konnten“, so Oleg Straller, der stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur.

Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich sage, dass sich hier die führenden Köpfe der Russlanddeutschen versammelt haben. Es sind die Organisatoren und Leiter unserer gesellschaftlichen Organisationen, die tagtäglich im engen Austausch mit den Menschen vor Ort stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Forum-Festival vielen als ein ganz besonderer Höhepunkt in Erinnerung bleiben wird – und sich damit würdig in die Reihe der erfolgreichsten Meilensteine unserer gemeinsamen Geschichte einfügt.

„Wir alle sind in diesen Strukturen großgeworden. Für einige von uns ist dies zweifellos eine professionelle Tätigkeit. Für die Teilnehmer, die Gemeinschaft der Lehrenden und für uns, die Vertreter der Organisationen der Russlanddeutschen, bildet dies einen ganz wesentlichen Teil unseres Lebens. Daher freue ich mich von Herzen, Teil einer so großen, bedeutenden Organisation mit einer tiefen Geschichte und einer beachtlichen Lebensdauer zu sein. Wir werden fest entschlossen darauf hinarbeiten, auch die kommenden Jubiläen gemeinsam zu feiern!“, so Roman Gennich, der Vorsitzende der Regionalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen des Gebiets Kaliningrad, über seine Eindrücke.

In diesem Jahr feierte zudem das Regionale Zentrum der deutschen Kultur „Hoffnung“ in Samara sein 35-jähriges Bestehen.

„Für uns ist dies von herausragender Bedeutung, denn 35 Jahre sind für eine gesellschaftliche Organisation eine beachtliche Zahl, die für sich selbst spricht: Sie beweist, dass wir da sind. Wir haben die unterschiedlichsten Zeiten durchlebt, und die ganze Zeit über standen wir fest an der Seite des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur. Es war mein sehnlichster Wunsch, dass eine solche Veranstaltung bei uns stattfindet. Ich hatte schon immer den Gedanken, hier ein ganz besonderes Festival auszurichten – etwas so Bedeutsames, dass jeder sehen kann: Die Geschichte der Russlanddeutschen lebt nicht nur an den Wänden unserer Ausstellung im Zentrum oder in den Büchern, die im Regal stehen, und auch nicht nur bei den Festivals, die wir jährlich in unserem ‚Musikalischen Gutshof‘ veranstalten. Sie ist vielmehr ein facettenreicher Teil der Kultur des multinationalen Russlands, den wir hier in Samara voller Stolz repräsentieren“, so Irma Belenina, die Mitbegründerin des Zentrums „Hoffnung“, das sie 25 Jahre lang leitete, und heutige Vorsitzende des Interregionalen Koordinierungsrates der Deutschen der Wolgaregion und des Südwestens Russlands sowie Vorstandsmitglied des IVDK.

Für uns ist dies die motivierende Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Zudem beweist es, dass wir als Partner und Mitorganisatoren nicht enttäuscht, sondern durch unsere Energie und unser Engagement maßgeblich dazu beigetragen haben, dass dieses Forum-Festival genauso erfolgreich geworden ist.

„Das Regionale Zentrum der deutschen Kultur ‚Hoffnung‘ in Samara setzt all seine Projekte stets auf höchstem Niveau um. Wir sind unendlich dankbar für den herzlichen und warmen Empfang, den uns das Gebiet Samara bereitet hat. Sie befinden sich hier im tiefsten Herzen, in der wahren Wiege der Russlanddeutschen. Ein ganz großes Dankeschön für dieses wunderbare Festival!“, so Waleria Büller aus Karelien, Vorstandsmitglied des Jugendrings der Russlanddeutschen, über ihre Eindrücke.

Den feierlichen Schlussakkord des Forum-Festivals bildete eine glanzvolle Gala-Show, die talentierte Ensembles sowie Kulturschaffende aus den verschiedensten Regionen Russlands auf einer Bühne zusammenbrachte. Das anspruchsvolle Programm vereinte Gesangs- und Choreografie-Darbietungen, die die lebendige Vielfalt der Kulturtraditionen der Russlanddeutschen sowie den reichen Schatz ihres kreativen Erbes widerspiegelten.

Während des gesamten Abends bereitete das Publikum den Künstlern einen herzlichen Empfang und begleitete jeden Auftritt mit begeistertem Applaus. Im Konzertprogramm fanden sowohl traditionelle Volksbräuche als auch moderne künstlerische Interpretationen des Kulturerbes ihren Platz. Dies unterstrich auf besondere Weise den lebendigen und sich stetig weiterentwickelnden Charakter der russlanddeutschen Kultur.

Es war mir eine große Ehre, auf dem Forum-Festival der Russlanddeutschen auftreten zu dürfen. Hier herrscht eine ganz wunderbare Atmosphäre und das Publikum ist unglaublich herzlich. Ein großes Dankeschön gilt dem Internationalen Verband der deutschen Kultur für die Organisation dieses großartigen Festes. Das Gala-Konzert hat mir unvergessliche Emotionen geschenkt und die schönsten Eindrücke hinterlassen – Daniil Wilpert, Sänger und Konzertteilnehmer.

Das Forum-Festival ist zwar vorüber, doch die in seinem Rahmen präsentierten Ideen und Projekte werden in den Regionen Russlands weiterleben. In den wenigen Tagen seines Bestehens wurde das Forum zu einem Ort der Begegnung für Gleichgesinnte, zum Raum für Erfahrungsaustausch, schöpferische Inspiration und für einen offenen Dialog über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Russlanddeutschen.


Die Veranstaltung wurde vom Internationalen Verband der deutschen Kultur und der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen in Kooperation mit der gesellschaftlichen Organisation des Gebiets Samara „Regionales Zentrum der deutschen Kultur ‚Hoffnung‘“ veranstaltet.

Rubriken: IVDKNachrichten aus den Regionen