Im Gebiet Omsk wird ein ehrgeiziges Projekt umgesetzt – der Bau eines Deutschen Hofes, das auf den Erhalt des kulturellen Erbes und die Entwicklung des Tourismuspotenzials der Region abzielt. Dieses Projekt wurde durch die aktive Unterstützung sowohl privater Investoren als auch staatlicher Strukturen möglich. Hier erzählen wir mehr über den Bau des Ethnografischen und kulturerzieherischen Komplexes „Deutscher Hof“ in Asowo.
Von der Idee zur Umsetzung
Der Traum, ein ursprüngliches deutsches Dorf in Russland des frühen 20. Jahrhunderts nachzubilden, bestand bereits seit langem. Die Idee, einen Deutschen Hof auf dem Gebiet des Deutschen Nationalrayons Asowo zu errichten, wurde erstmals 2012 als eines der Punkte des Konzepts zur ethnokulturellen Entwicklung der Deutschen im Omsker Irtysch-Gebiet genannt. Später wurde unter der Leitung von Viktor Eichwald, Vorsitzender des Rates der Regionalen national-kulturellen Autonomie der Deutschen des Gebiets Omsk, ein Konzept für den Bau des Komplexes entwickelt. Das Dokument wurde vom Rat der Autonomie genehmigt, und es begann die Suche nach Gleichgesinnten. „Es war nicht leicht. Wir müssten suchen, reden, überzeugen“, erkennen die Initiatoren des Projekts an. Einige erklärten sich bereit, Unterstützung zu leisten, andere, trotz ihrer deutschen Nationalität, nicht.
„Natürlich, hat nicht alles sofort geklappt. Es gab viele Skeptiker. Mehrfach hörte ich die Sätze: ‚Das ist unmöglich‘, ‚Es klappt bei euch nicht‘. Natürlich, wenn man nichts unternimmt, dann wird auch nichts klappen“, erinnert sich Viktor Eichwald mit einem Lächeln an diese Zeiten. „Aber wir gaben die Hoffnung nicht auf. Und wir fanden diejenigen, denen das wirklich wichtig war.“
So wurde die Stiftung zur Förderung der ethnokulturellen Entwicklung der Deutschen im Gebiet Omsk „Landsleute“ (russ. „Sootetschestweniki“) gegründet, und ein Kuratorium gewählt, das heute die Umsetzung des Projekts leitet. Im Rat sind 25 Personen eingetragen – aktive Unterstützer der Initiative, darunter neben Viktor Eichwald, dem Leiter der Stiftung, auch der ehemalige Bürgermeister von Omsk und Ex-Abgeordnete der Föderationsversammlung Russlands Viktor Schreider, erfolgreiche Unternehmer der Region wie Jakob Wagner, Konstantin Leongart, Wjatscheslaw Schirling, Bogdan Wiegel, Wladimir Laineweber und andere. Regelmäßige Sitzungen des Kuratoriums, Planungstreffen und Arbeitsbesprechungen auf dem Hofgelände ermöglichen eine effiziente Koordination der Arbeit und die Suche nach zusätzlichen Mitteln für die Entwicklung des Komplexes. Nachdem im Jahr 2022 die Unterstützung der Rayonsverwaltung gesichert und zwei Hektar Land erhalten worden waren, wurden architektonische Entwürfe erarbeitet, Projekt- und Kostendokumentation vorbereitet, geodätische Untersuchungen durchgeführt und der Grundstein für die zukünftige lutherische Kirche gelegt.
Finanzielle Unterstützung: Bau und Entwicklung der Infrastruktur
Die Bauarbeiten für den einzigartigen Komplex begannen im Jahr 2023. Zunächst wurden für die Umsetzung des Projekts ausschließlich Mittel von Sponsoren – sowohl juristischen als auch natürlichen Personen – verwendet. Dank ihrer Unterstützung gelang es, eine der Schlüsselbauwerke des Anwesens zu errichten – das Haus eines deutschen Kolonisten, das dem typischen Plan für die Dörfer der kompakten Siedlungen der Russlanddeutschen entspricht.
„Wir unterstützen dieses Projekt zweifellos“, sagt Dmitri Dieser, Leiter des Deutschen Nationalrayons Asowo. „Das erste Gebäude auf dem Hofgelände wurde vollständig gebaut und an die Kommunalverwaltung übertragen. Heutzutage laufen aktiv die Innenarbeiten, im Frühjahr sind Fassadenarbeiten und die Gestaltung des Terrains geplant. Nach dem Abschluss der Renovierungsarbeiten wird in diesem Gebäude eine Filiale des Regionalmuseums für Geschichte und Heimatkunde in Asowo untergebracht.“
Diese Unterstützung der örtlichen Behörden wird den langfristigen und stabilen Betrieb sowohl des Hofes als auch des Museums sichern. Die Sammlung wird Artefakte aus den Beständen des Regionalmuseums in Asowo sowie anderer regionalen Einrichtungen umfassen, in denen die deutsche Kultur dargestellt ist.
Die gemeinsame Mission des Museums und des Hofes ist es, die Besucher über die Geschichte, Kultur und Traditionen der Russland-, Wolga- und Sibiriendeutschen aufzuklären. Unser Museum verfügt genau über solche Exponate.
„Wenn der Hof erst bereit ist, unsere Gegenstände aufzunehmen, werden wir gerne das teilen, was wir haben“, sagt Maria Bossert, Führerin des Regionalmuseums für Geschichte und Heimatkunde in Asowo.
2025 bekam die Stiftung „Landsleute“ auch die Unterstützung der Regionalregierung. Dank des erhaltenen Zuschusses wurde ein für das Projekt wichtiges Ereignis umgesetzt – der Bau eines Fußwegs, der die drei Hauptzonen verbindet: den Regionalpark für Kultur und Erholung, die orthodoxe Kirche und den Deutschen Hof. Auf dem Weg wurden Bänke und Beleuchtung installiert, um den Besuchern komfortable Bedingungen zu bieten.
Für die Ausstattung des Hauses eines deutschen Kolonisten wurde dank den Mitteln des regionalen Zuschusses auch moderne technische Ausrüstung angeschafft: Bildschirme, Musikanlage und sogar Tierfiguren für den Stall – Kühe, Kälber, Schweine – die eine authentische Atmosphäre schaffen.
„Jetzt können wir stolz sagen, dass unsere Initiative nicht nur von Investoren, sondern auch vom Staat unterstützt wird – auf Ebene des Rayons- und des Regionalhaushaltes sowie auf föderale Ebene. In diesem Jahr haben wir einen Zuschuss vom Fonds der Präsidentenförderung gewonnen“, sagt Viktor Eichwald.
Hotelkomplex und Café
Bei der Umsetzung des Projekts sind auch private Investoren aktiv beteiligt. Einer von ihnen ist die Baufirma „Warm“, die auch die Rolle des Generalauftragnehmers übernimmt. Dieses Unternehmen hat die Bauarbeiten für den Hotelkomplex auf dem Hofgelände übernommen, was den Prozess deutlich beschleunigt und ermöglicht, mit Zuversicht voranzukommen.
Wir planen, das Hotel thematisch zu gestalten. Schon der Name wird mit der Geschichte der Russlanddeutschen verbunden sein.
„Zurzeit laufen Verhandlungen, aber die Grundidee wird sich um das Manifest von 1763 drehen“, sagt Alexej Sabelfeld, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung „Landsleute“ und Leiter des Bauunternehmens „Warm“. „Wir möchten, dass im Hotel die Geschichte spürbar sein wird: Das Original des Manifests finden und aufhängen, die Künstler ein Portrait von Katharina der Großen anfertigen lassen. Wahrscheinlich werden auch die Zimmernamen thematisch sein – verbunden sowohl mit der Geschichte der Deutschen in Russland als auch mit Deutschland.“
Es sind auch Pläne für den Bau eines deutschen Restaurants oder Café vorhanden. Derzeit werden Investoren gesucht.
„Das Deutsche Nationalrayon zieht viele Besucher an, häufig werden Ausflüge aus dem Gebietszentrum organisiert. Touristen besuchen deutsche Dörfer im Rayon, das Regionalmuseum für Geschichte und Heimatkunde in Asowo, und es gibt immer das Problem, wo man die Gäste verpflegen oder unterbringen kann. Das Hotel, Café oder Restaurant werden dieses Problem sicherlich lösen und noch mehr Touristen in die Region locken“, ist die Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, Leiterin des Kultur- und Geschäftszentrums „Deutsch-Russisches Haus in Omsk“ Elisaweta Graf überzeugt.
Einzigartigkeit des Projekts und Perspektiven
Das Deutsche Hof im Gebiet Omsk soll das einzige seiner Art in Bezug auf Umfang und Konzept werden. Das Besondere an dem Anwesen ist auch seine Lage im Deutschen Nationalrayon Asowo, in dem 15 kompakte deutsche Siedlungen mit einer großen Bevölkerung konzentriert sind. Dies garantiert die aktive Funktion des Objekts sowie seine Nachfrage.
Um eine authentische Atmosphäre zu schaffen, haben die Entwickler nach der Untersuchung zahlreicher Open-Air-Museen in Russland auf die deutsche Kultur und Traditionen gesetzt. Auf dem Hofgelände werden neben dem Haus eines deutschen Kolonisten und dem Hotel eine lutherische Kirche, eine Halbhütte und eine Erdhütte, ein Hof mit Unterstand, eine Räucherei, ein Garten, ein Kinderspielplatz und vieles mehr entstehen. Natürlich ist alles dies eine Perspektive und braucht Zeit, aber das Team und die Investoren sind überzeugt: Durch gemeinsame Anstrengungen wird das Projekt erfolgreich umgesetzt. Der Hof wird durch seine historische Schönheit Touristen anziehen und zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum der Region werden.
Darauf setzt auch der Rayonsleiter Dmitri Dieser:
Der Deutsche Hof wird dazu beitragen, das kulturelle Potenzial des Deutschen Nationalrayons zu bewahren, und wird die Entwicklung des Tourismus sowie die Gewinnung zusätzlicher Besucher fördern.
„Nach Fertigstellung wird der Komplex ein bemerkenswertes Objekt von regionaler Bedeutung sein.“
Das Anwesen soll als staatliche kulturell-bildende Einrichtung umgesetzt werden. Auf seiner Basis werden Seminare, Weiterbildungskurse, wissenschaftliche Konferenzen veranstaltet sowie eine Forschungsstätte für die Geschichte und Ethnografie der Deutschen in Sibirien eingerichtet. All dies ist im Konzept vorgesehen, um die Entwicklung des Hofes zu fördern.
Anziehungspunkt für andere Nationalitäten
Neben dem Deutschen Hof und der lutherischen Kirche befindet sich eine orthodoxe Kirche, was nach Ansicht der Vertreter der Stiftung „Landsleute“ sehr symbolisch in unserem Vielvölkerland ist. Damit soll der Hof nicht nur für Deutsche, sondern auch für andere Nationalitäten zu einem Anziehungspunkt werden. Außerdem ist nach Initiative von Dmitri Dieser geplant, das unfertige Gebäude in der Nähe des Deutschen Hofes in ein Zentrum für Nationalkulturen „Sternbild“ umzubauen. In diesem könnten verschiedene ethnokulturelle Gemeinschaften untergebracht werden, die in der Region zahlreich vorhanden sind. All das sind bisher nur Pläne – für die Umsetzung der Initiative sind technische Gutachten erforderlich, da das Objekt lange Zeit unvollendet blieb.
„Vorübergehend haben wir die Fragen zum Bau der Sonntagschule, der Kunstschule und des deutsch-russischen Theaters aufgeschoben. Diese könnten im Zentrum für Nationalkulturen ihren Platz finden“, sagt Viktor Eichwald.
Die Pläne, die Theaterkunst der Russlanddeutschen wiederzubeleben und das Theater zu einer kommunalen Einrichtung zu machen, sind durchaus realistisch.
„Warum denn nicht? – fragt Viktor Eichwald. – Ein solches Theater würde einzigartig sein, etwas, was es jetzt auch noch nicht gibt“.
Auf der Bühne kann alles vereint werden – Sprache, Geschichte, Kultur, Lieder und Tänze.
„Im Repertoire würden deutsche und russische Werke sein. Außerdem haben wir schon Erfahrung – zweisprachige Stücke des Amateurtheaters ‚ARTist‘, das Stück ‚Unser Hof. Vaters Spur‘, inszeniert vom professionellen Theater der Stadt Tara, nach dem gleichnamigen Stück von Hugo Wormsbecher, kommen beim Publikum sehr gut an.“
Perspektiven für die Entwicklung und kommende Veranstaltungen
Im Jahr 2026 werden drei Objekte des Deutschen Hofes ihre Türen für die ersten Besucher öffnen – das Haus des deutschen Kolonisten, das Hotel und die lutherische Kirche.
„Im Juli wird auf dem Gelände des Komplexes mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur ein umfangreiches interregionale Kulturfestival der Russlanddeutschen ‚Phönix‘ stattfinden. Im Rahmen dessen wird das ‚Ethno-Fest am Deutschen Hof‘ stattfinden, das in das Veranstaltungsprogramm ‚Omsk – Russische Hauptstadt der Kultur 2026‘ aufgenommen wurde“, teilt Marina Tarassowa, die Vorsitzende des Rates der Deutschen national-kulturellen Autonomie des Deutschen Nationalrayons Asowo im Gebiet Omsk, mit.
Auch die Herbstveranstaltungen sind bereits geplant – am 3. Oktober erwartet das Deutsche Hof Gäste zum regionalen Erntedankfest „Oktoberfest“.
Langfristige Pläne umfassen die Durchführung auf dem Gelände des Deutschen Hofes des Interregionalen Tourismus- und Bildungsforums „Multinationales Sibirien“ im Jahr 2027, das dank dem Zuschuss des Fonds der Präsidentenförderung umgesetzt werden soll.
Laut den Organisatoren und Investoren des Projekts haben sie nun alle Chancen auf Erfolg, und Skeptiker gibt es immer weniger. Tag für Tag kommen sie ihrem Ziel näher – ein einzigartiges kulturelles Zentrum zu schaffen, das das deutsche Erbe bewahrt; den Tourismus zu entwickeln und mehr Besucher in die Region zu ziehen.
Das Projekt „Deutscher Hof“ im Gebiet Omsk ist ein Beispiel dafür, wie durch gemeinsame Anstrengungen der Beteiligten das Kulturerbe wiederbelebt und in ein nachhaltiges touristisches und kulturelles Zentrum verwandelt werden kann.






