In Tomsk VIII. Internationale wissenschaftlich-praktische Sprachkonferenz eröffnet

Am 31. Oktober hat in Tomsk mit einer willkommenen Besichtigungstour und einem musikalisch-literarischen Abend die Internationale wissenschaftlich-praktische Sprachkonferenz begonnen. Am 1. November fanden die Plenarsitzung und eine Diskussionsrunde zur Rolle des Lehrers und Mentors beim Sprachenlernen statt.

In Tomsk startete die Internationale wissenschaftlich-praktische Sprachkonferenz zum Thema „Russlanddeutsche in der sprachlichen und ethnokulturellen Vielfalt der Völker Russlands“. Am Anreisetag wurde den Teilnehmern angeboten, die Sehenswürdigkeiten von Tomsk entlang der Route „Deutsche Orte von Tomsk“ kennenzulernen. An der Staatlichen Pädagogischen Universität Tomsk erfuhren die Teilnehmer mehr über die Arbeit und den bedeutenden Beitrag zur Linguistik des Ethnographen, Archäologen und Philologen Andrej Dulson. Darüber hinaus wurde ihnen eine Sammlung seiner Werke in der wissenschaftlichen Bibliothek der Universität präsentiert.

Am Abend trafen sich die Teilnehmer in Tomsker Akademgorodok zu einem gemütlichen literarischen Musikabend anlässlich der Präsentation von Frieda Geins Buch „Alles begann mit einer Leiter...“ über die Ursprünge der Bardenbewegung in Tomsk. Die Autorin, Geologin, Kandidatin der geologischen und mineralogischen Wissenschaften, Schriftstellerin und Russlanddeutsche, berichtete darüber, wie Musik, Poesie und Kreativität Studenten von verschiedenen Fakultäten der Universität vereint hätten und wie sie Freundschaft und Liebe zur Lyrik durch das ganze Leben getragen hätten. Auf der Bühne traten Freunde und Bekannte von Frida Gein mit berühmten Bardenliedern sowie mit selbst komponierten Werken auf. Der Direktor des Tomsker Regionalen Deutsch-Russischen Hauses, Alexander Geier, fungierte als einer der Moderatoren der Veranstaltung und kündigte an, dass der literarische Musikabend eine Reihe von Veranstaltungen eröffne, die dem Jubiläum des Tomsker DRH gewidmet seien.

Die Tatsache, dass der 30. Jahrestag des ersten Deutsch-Russischen Hauses des Landes einer der Hauptgründe für die Abhaltung der traditionellen Sprachkonferenz in der Stadt Tomsk war, wurde auch von vielen Rednern am Eröffnungstag der Konferenz, dem 1. November, unterstrichen. Bei der feierlichen Eröffnung der Veranstaltung in der Staatlichen Universität Tomsk betonte TSU-Präsident Georgij Maier die fruchtbare Zusammenarbeit der Universität und des Deutsch-Russischen Hauses. Er wies außerdem darauf hin, dass in Tomsk die erste Universität des Landes jenseits des Urals gegründet wurde, was zur Entwicklung der Stadt als sibirisches und gesamtrussisches Wissenschaftszentrum beitrug, und sprach auch über die besondere Einstellung der Universität zur deutschen Sprache. Alexander Geier bedankte sich bei den Anwesenden für die breite Unterstützung der Initiativen des Tomsker DRH zur Erhaltung der Kultur der Russlanddeutschen und zur Aufrechterhaltung des Interesses am Erlernen der deutschen Sprache. So wurde insbesondere die gesamtrussische Aktion „Tolles Diktat“, die heute Zehntausende Teilnehmer auf der ganzen Welt vereint und 2023 zum 11. Mal stattfand, auf Initiative des Russisch-Deutschen Hauses Tomsk ins Leben gerufen. Die Idee stammte ursprünglich von einer 13-jährigen Aktivistin (Diese ungewöhnliche und berührende Geschichte finden Sie unter dem Link).

Konstantin Matis, Präsident der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen, hob hervor, dass die Sprachkonferenz im Jahr dreier bedeutender Jubiläen stattfinde: dem 30. Jahrestag des Tomsker DRH, dem 145. Jahrestag der TSU und des 260. Jahrestages des Einladungsmanifests von Katharina II., das den Beginn der Massenumsiedlung der Deutschen nach Russland und die Entstehung einer neuen ethnischen Gruppe markierte – der Russlanddeutschen mit ihrer einzigartigen Kultur. Außerdem zeigte sich der Präsident der FNKA der RD zuversichtlich, dass das Ergebnis der Konferenz die Entwicklung neuer Praktiken und Techniken sowie neuer methodischer und didaktischer Materialien sein werde, was auch früher ein integraler Bestandteil der Sprachkonferenz worden sei.

In seiner Begrüßungsrede skizzierte der Bildungsminister des Gebietes Omsk und Preisträger des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche“ im Bereich Pädagogik Iwan Krott die aktuellen Probleme beim Studium und Unterricht der deutschen Sprache in Russland. Er sprach darüber, wie wichtig es sei, die Konferenz abzuhalten, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und eine Plattform für die Suche und Entwicklung von Lösungen und Methoden zu bieten. Abschließend wünschte er den Teilnehmern eine interessante Diskussion und Wissenserweiterung.

Jelisaweta Graf, Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur sowie Pädagogin, Verdiente Lehrerin der Russischen Föderation und auch Preisträgerin des Gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche“ im Bereich Pädagogik, betonte die Bedeutung von der Sprachkonferenz als Plattform für den Erfahrungsaustausch und wünschte den Teilnehmern viel Erfolg in Forschung und Lehre.

Mit dem ersten Vortrag zum Thema „Bewahrung des sprachlichen und kulturhistorischen Erbes der Russlanddeutschen im System der Selbstorganisation der Russlanddeutschen“ in deutscher Sprache trat Jelisaweta Graf auf. Sie unterstrich, dass die Sprache ein Schlüsselfaktor für die Bildung und Bewahrung der ethnischen Identität sei. In ihrem Vertrag erörterte sie eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung des Studiums der deutschen Sprache als Muttersprache, die von öffentlichen Organisationen der Russlanddeutschen umgesetzt werden. Insbesondere sprach sie über die Rolle ethnokultureller Klubs und Klubs der Deutschliebhaber, Veranstaltungen in Begegnungszentren der Russlanddeutschen, periodische Ausgaben wie die Kinder- und Jugendzeitschriften „Schrumdi“, „Schrumdirum“ und „WarumDarum“, Wettbewerbe wie „ Freunde der deutschen Sprache“ sowie Aktionen, die bekannteste davon „Tolles Diktat“ ist, die sowohl Russlanddeutsche als auch diejenigen, die Deutsch als Fremdsprache studieren und sich für die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen interessieren, zusammenbringen. Außerdem hob Jelisaweta Graf besonders den Beitrag von Schulen mit ethnokultureller Komponente hervor, die einzigartige Methoden und Materialien verwenden, um die deutsche Sprache zu unterrichten und Kinder mit der Kultur des Volkes der Russlanddeutschen bekannt zu machen.

Tatjana Ilarionowa, Professorin an der RANEPA, Doktorin der Philosophie, machte im Video-Format einen Vortrag zum Thema „Aktuelle Sprachsituation in der Russischen Föderation: sprachliche und kulturelle Vielfalt“. Sie beleuchtete moderne Probleme im Bereich des Lernens und Lehrens der deutschen Sprache unter den aktuellen Umständen. Sie machte auf den Rückgang der Zahl der deutschen Muttersprachler in Russland aufmerksam, wobei sie sich auf Daten aus den Ergebnissen der Gesamtrussischen Volkszählung in den Jahren 2010 und 2020 bezog. Darüber hinaus verwies sie auf einen Rückgang des Angebots, Deutsch an Schulen und Universitäten zu lernen. Die Professorin teilte außerdem mit, dass dieses Thema heute nicht nur für das Volk der Russlanddeutschen, sondern auch für viele andere russische Volksgruppen relevant sei.

Anna Lenets, Doktorin der Philologie, Professorin und Leiterin des Lehrstuhls für deutsche Philologie an der Südlichen Föderalen Universität zu Rostow am Don, präsentierte einen Vortrag zum Thema „Muttersprachliche Literatur in deutscher Sprache als Faktor bei der Bildung der soziokulturellen und ethnischen Identität“. Sie betonte die Bedeutung der Literatur in der Muttersprache als wichtigsten Faktor bei der Bildung soziokultureller und ethnischer Identität und erklärte, dass Literatur dazu beitrage, historisches und kulturelles Erbe, Traditionen und Bräuche von Generation zu Generation weiterzugeben. Insbesondere unterstrich die Professorin die besondere Rolle der Folklore (Märchen, Sprichwörter, Schwanks, Sprüche), mit der man oft schon in der Kindheit vertraut wird. Wir möchten Sie daran erinnern, dass das Institut für ethnokulturelle Bildung – BiZ kürzlich eine Reihe von Online-Vorlesungen über die Literatur der Russlanddeutschen erstellt hat und Anna Lenets als Moderatorin dieser Vorlesungsreihe fungierte (lesen Sie mehr über den Zyklus und die Besonderheiten der Literatur des Volkes der Russlanddeutschen hier).

Die TSU-Vertreterinnen, Kandidatin für Pädagogische Wissenschaften, Dozentin des Lehrstuhls für Fremdsprachen Jelena Schitkowa und Doktorin der Philologie, Professorin, Leiterin des Lehrstuhls für romanisch-germanische und klassische Philologie Natalja Nikonowa, setzten in ihrem Vortrag zum Thema „Deutsch als Fremdsprache an der Staatlichen Universität Tomsk: gestern und heute“ die Diskussion über die von Tatjana Ilarionowa gestellten Fragen fort. Am Beispiel der Erfahrungen der TSU stellten sie Arbeitsprogramme und -praktiken vor, die es nicht nur ermöglichen, junge Linguisten und Lehrer erfolgreich vorzubereiten, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu geben, selbstständig zu forschen, in die Sprachumgebung einzutauchen und sich an verschiedenen Veranstaltungen zu beteiligen. Die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Organisationen der Russlanddeutschen, vor allem mit dem Tomsker DRH, wurde erneut betont. So diene die TSU jedes Jahr als einer der Standorte für das Schreiben vom „Tolles Diktat“ sowie für viele andere kulturelle und sprachliche Veranstaltungen der Russlanddeutschen der Stadt und Region.

Nach einer Kaffeepause ging es am ersten Konferenztag mit einer Diskussionsrunde zum Thema „Schlüsselpartner beim Sprachenlernen: Erzieher – Lehrer – Mentor“ weiter. Der Moderatorin des runden Tisches, Nadeschda Tscherepanowa, gelang es, die Teilnehmer zu einer hitzigen Diskussion zu bewegen. So tauschten die Referenten ihre eigenen Erfahrungen aus, gaben sich gegenseitig wertvolle Empfehlungen und teilten auch die Probleme mit, mit denen sie konfrontiert sind. Das Problem des Deutschunterrichts als Muttersprache hat große Aufmerksamkeit erregt. Einerseits wurden die einzigartigen Erfahrungen solcher Schulen wie des Progymnasiums „Kristina“ in Tomsk vorgestellt, andererseits wurden die begrenzten Ressourcen der schulischen und hochschulischen Bildung zu diesem Thema dargelegt und die Bedeutung der Tätigkeit öffentlicher Organisationen der Russlanddeutschen hervorgehoben sowohl im Hinblick auf die Erörterung dieses Problems als auch im Hinblick auf die ethnokulturelle und sprachliche Arbeit in Begegnungszentren.

Sowohl im Plenum als auch im Rahmen der Diskussionsrunde betonten die Referenten das Potenzial und die Bedeutung der Einführung der ethnokulturellen Komponente in das Studium der deutschen Sprache. „Der Inhalt unseres Unterrichts umfasst die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, und dadurch erhöhen wir das Sprachniveau der Klubteilnehmer“, sagte Natalja Koslowa, Referentin am Institut für Ethnokulturelle Bildung – BiZ, die über umfangreiche Erfahrung in der Durchführung von Meisterkursen zur Verbesserung der Fähigkeiten für Moderatoren der Klubs für Deutschliebhaber verfügt.

„Moderne Kinder lieben es, mitten im Geschehen zu sein, sie lieben es, sich auszudrücken, ihre eigenen kreativen Projekte vorzustellen, und wir als Schule müssen zunächst einmal darüber nachdenken, wie unsere Jugend in Zukunft leben und sich entwickeln wird. Wie können wir ihnen als Lehrer und Mentoren helfen?“ erklärte Jelena Sewostjanowa, Ehrenarbeiterin für Allgemeinbildung der Russischen Föderation, Direktorin des Progymnasiums „Kristina“ in Tomsk. „Seit 30 Jahren versucht das Progymnasium, unseren lieben Kindern und exzellenten Schülern die Liebe zur deutschen Sprache zu vermitteln und sie mit der Vielfalt und Palette der Werke sowie Kunst der Russlanddeutschen bekannt zu machen.“

Nach einem aktiven Dialog im Rahmen der Diskussionsrunde nahmen die Konferenzteilnehmer an einem kurzen Rundgang durch die Wissenschaftliche Bibliothek TSU teil. An den nächsten Tagen sollen die Teilnehmer in Sektionen arbeiten, in denen sie Probleme detaillierter besprechen, sich gegenseitig Empfehlungen geben und ihre eigenen einzigartigen Erfahrungen und beste Praktiken austauschen können.


Die Internationale wissenschaftlich-praktische Sprachkonferenz wird von dem Internationalen Verband der deutschen Kultur und der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen organisiert.

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