„Nur eine Feder“ oder wie aus einem Familienprojekt ein Buch entstand


Die Idee, ein Buch über die Schema-Nonne Feodossia Skopinskaja mit dem Titel „Nur eine Feder“ zu veröffentlichen, entstand während des Projekts „Festival der Familienkunst“, das letzten Sommer in Skopin stattfand und die Familien von Russlanddeutschen aus den zentralen und nordwestlichen Regionen vereinte.

Skopin wurde nicht zufällig als Veranstaltungsort des Festivals gewählt. Hier leben mehrere Russlanddeutsche – Nachkommen von Zwangsarbeitern der Arbeitsarmee, die während des Großen Vaterländischen Krieges aus der Wolgadeutschen Republik nach dem Gebiet Rjasan vertrieben wurden, um die Kohlenbergwerke des Moskauer Vorortskohlebeckens wiederherzustellen.

Eines der wichtigsten Ereignisse war der Ausflug in das private Bergmannsmuseum, das auf dem Gelände des ehemaligen Kohlenbergwerks „Sewernaja-I“ im Moskauer Vorortskohlebecken stattfand. Alles hier ist echt: Helme und Grubenlampen, Bergeisen und Schaufeln, mit denen die russlanddeutschen Zwangsarbeiter in den Abbauort hinabstiegen und die für das Land während des Großen Vaterländischen Krieges so wichtige Kohle förderten. Die Museumsgründerin Irina Bantusch führte durch das Museum und erzählte von jedem einzelnen Gegenstand, mit dem die Lebensgeschichte einer bestimmten Person verbunden ist.

„Es war eine fantastische Führung, interessant für Erwachsene und Kinder“, berichtet die Leiterin der lokalen Deutschen national-kulturellen Autonomie von Sergijew Possad, Journalistin und Verlegerin Natalia Fritzler, von ihren Eindrücken. „Unsere Kinder durften Bergeisen und Grubenlampen berühren, einzelne sogar in den Händen nehmen, Bergmannshelme und Filzstiefel anprobieren.

Nach der Rundführung lud die gastfreundliche Irina Bantusch alle Festivalteilnehmer zum Tee ein. Und dann stellte sich heraus: Es war die Schema-Nonne Feodossia Skopinskaja (Natalia Kossorotichina), die ihr den Kauf des Kohlenbergwerks empfohlen hatte! So zog die plötzlich verwitwete Irina Bantusch mit dem Segen der alten Frau von Moskau nach Skopin.

Und jetzt schon seit dreizehn Jahren empfängt sie Gäste in ihrem einzigartigen Museum und erzählt ihnen vom Moskauer Vorortskohlebecken, das in den ersten Jahren des Großen Vaterländischen Krieges zum einzigen Kohlelieferanten für die Front wurde. Die Geschichte der Beziehung zwischen der einst erfolgreichen Laienfrau und der scharfsinnigen Schema-Nonne ließ mich einfach nicht los. Ich teilte meine Eindrücke von der Reise mit der Schriftstellerin Natalia Suchinina. Dann wurde beschlossen, ein Buch über die Schema-Nonne Feodossia Skopinskaja zu veröffentlichen, die ihren Landsleuten half, Kummer und Unglück zu überwinden.“

Feodossias Eltern sowie ihre Schwestern Thekla und Anna arbeiteten im Kohlenbergwerk. Sie arbeiteten Seite an Seite mit den russlanddeutschen Zwangsarbeiter der Arbeitsarmee. Zunächst bauten sie die nach der Nazi-Besatzung zerstörten Bergwerke wieder auf und förderten anschließend wertvolle Rohstoffe, die für das Land von strategischer Bedeutung waren.

„Am Eingang des Bergwerks steht ein Monumentalkreuz“, schreibt die Autorin des Buches, Natalia Suchinina. „Auf einem kleinen Hügel, inmitten üppigen Grüns. Bei diesem Ausflug überkam mich ein seltsames Gefühl. Ich war noch nie in Skopin. Niemand aus meiner Familie arbeitete im Bergwerk. Ich kenne auch die Geschichte des Bergbaus nicht. Es stellt sich heraus, dass ich hier zufällig bin? Es stellt sich heraus. Aber warum erinnert mich etwas in meinem Inneren so sehr an Schmerz? Warum schaue ich auf alten Fotos in die Gesichter der Bergleute und habe das Gefühl, dass sie keine Fremden sind.

Grubenlampe. Ich habe noch nie eine Grubenlampe gesehen. Aber wenn ich mir das schmutzige, erschöpfte Gesicht eines Bergmanns mit genau dieser Lampe auf der Stirn vorstelle, bin ich entsetzt: Wie schrecklich muss es sein, zu wissen, dass sich über dich tonnenweise Erde schichtweise befindet, und dass die Lampe jeden Moment ausgehen könnte, und man sich in höllischer Dunkelheit wiederfindet. <…> Das ist keine Geschichte. Das ist lebendige Erinnerung.“

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„Ich werde nie müde, den Leitern und Aktivisten der regionalen öffentlichen Organisation ‚Deutsch-Russisches Kulturzentrum ‚Gesellschaft Anfang‘‘ in Rjasan für das wunderbare Projekt zu danken, das mehrere Generationen russlanddeutscher Familien aus Sankt Petersburg, Petrosawodsk, Kolomna, Sergijew Possad, Rjasan und Nowomoskowsk zusammenbrachte und uns mit den aktiven Senioren von Skopin bekanntmachte. Sie alle sind Kinder von Bergleuten, den russlanddeutschen Zwangsarbeiter der Arbeitsarmee. Sie alle sind Bewahrer der ursprünglichen Kultur und Traditionen unseres Volkes“, setzt Natalia Fritzler fort. „Aber hätte ich nur ahnen können, dass das Festival der Familienkunst der Anlass für die Veröffentlichung eines Buches sein würde, als ich letzten Sommer mit meiner jüngsten Tochter nach Skopin kam!“

„Der Ausflug ins Bergmannsmuseum war eines der wichtigsten Ereignisse unseres Projekts“, sagt Marina Malachowa, Leiterin der regionalen öffentlichen Organisation „Deutsch-Russisches Kulturzentrum ‚Gesellschaft Anfang‘“ in Rjasan.

„Kinder und Jugendliche sollten die Geschichte unseres Volkes kennenlernen, egal wie tragisch sie auch sein mag.“


Das Festival der Familienkunst, das im Sommer 2024 stattfand, wurde von Aktivisten der regionalen öffentlichen Organisation ‚Deutsch-Russisches Kulturzentrum ‚Gesellschaft Anfang‘‘ in Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Stadtbezirks Skopin, dem Zentralen Bibliothekssystem des Bezirks Skopin, dem Kultur- und Freizeitzentrum „Oktober“, dem Uspenski-Landkulturhaus und mit Unterstützung des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur vorbereitet und durchgeführt.

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