13. September 2021

Erinnerung des Landes: Gedenk- und Trauertag der Russlanddeutschen

Gedenk- und Trauertag der Russlanddeutschen in Nowosibirsk

Am 28. August ehrten die Russlanddeutschen den 80. Jahrestag eines der tragischsten Momente in der Geschichte ihres Volkes. Das Portal RusDeutsch erzählt darüber, wie der Gedenk- und Trauertag der Russlanddeutschen in verschiedenen Städten Russlands verlief.

Bei der Veranstaltung im Völkerhaus der Region Altai zum 80. Jahrestag der Deportation der Sowjetdeutschen wurden Erinnerungen von Zeitzeugen und ihren Nachkommen verlesen, deutsche Lieder von einer Gesangsgruppe des Senioren-Klubs gesungen und eine Ausstellung mit Grafiken gezeigt.

„Wir müssen unseren Nachkommen immer und von jedem Ort der Welt aus darüber erzählen, dass es einen solchen Tag gibt und dass er für immer in den Erinnerungen der nächsten Generationen bleibt. Sie müssen diesen Tag entsprechend behandeln, sich an ihn erinnern und an ihre Nachkommen weitergeben“, sagte Georgij Klassen, Direktor des Zentrums für kulturell-geschäftliche Zusammenarbeit „Deutsche im Altai“, in seiner Begrüßungsrede.

Außerdem wurde in der Region das Album „Gedächtnis des Volkes“ präsentiert. Die dargestellten Grafiken zeigen die tragischen Ereignisse in der Geschichte der Russlanddeutschen im 20. Jahrhundert. Die Arbeiten von Iwan Friesen, des berühmten russlanddeutschen Künstlers aus dem Altai, basieren auf den Erinnerungen von Alteingesessenen und ehemaligen Sonderumsiedlern der Kirchdörfer Podsosnowo und Grischkowka im Deutschen Nationalrajon im Altai und von dem Künstler selbst.

In Barnaul fand im Staatlichen Museum zur Geschichte der Literatur und Kultur des Altai eine Vorführung des Films „Zeit“ statt, der anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation gedreht wurde.

„Dieser Film vereint zwei starke Eigenschaften. Erstens ist er professionell gemacht und zweitens ist er mit Herz und Seele gedreht. Denn es ist nicht nur irgendeine Dreharbeit, sondern ein Ausschnitt aus der Geschichte“, teilte Alexander Franz, Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche, seine Eindrücke mit.

Im Tal Babik in Sajanogorsk fand ein Meeting am Denkmal „Bereginja“ statt. Vertreter der Jugendorganisation „Kaleidoskop“ trugen Gedichte vor und Gesangsgruppen aus Sajanogorsk und Beja, von denen die meisten unterdrückte Russlanddeutsche sind, sangen ihre liebsten deutschen Volkslieder. Den Teilnehmern, die damals unterdrückt wurden, erhielten erinnerungswürdige Auszeichnungen und Postkarten. Am Denkmal wurden Körbe mit Blumen zu Ehren derer niedergelegt, die zu Unrecht unterdrückt und verfolgt worden waren.

Das Denkmal „Bereginja“ in Sajanogorsk

In Kaliningrad versammelten sich Russlanddeutsche zu einer Schweigeminute zum Gedenken an diejenigen, die nicht mehr unter uns weilen, und legten Blumen am Denkmal für die Tragödie der Russlanddeutschen nieder. Außerdem fand ein geistliches Konzert statt, das vom Kaliningrader Symphonieorchester unter der Leitung von Arkadij Feldmann mit Werken von Beethoven, Schubert und Mozart aufgeführt wurde. Da die diesjährige Veranstaltung in einem Hybrid-Format stattfand, wird ein Video des Konzerts später in den sozialen Netzwerken des Kultur- und Geschäftszentrums in Kaliningrad veröffentlicht.

Roman Gennich, Vorsitzender des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen in Kaliningrad, mit seinen Kollegen bei der Niederlegung von Blumen

Im Gebiet Kaliningrad fand die Aktion „Unsere Erinnerung“ statt, bei der 22 Russlanddeutsche, die noch vor 1942 geboren wurden und die Deportation miterlebten, Hilfe erhalten haben.

Im Gebiet Kemerowo widmeten die Aktivisten der National-Kulturellen Autonomie in Jaschkino dem denkwürdigen Datum ein Video mit einem Auftritt des deutschen Tanzensembles „Jugend“. Der Auftritt wurde bei der Ausstellung „Schorskij Gulag“ im Museumsreservat „Trjohretschje“ (Stadtkreis Taschtagolski, Gebiet Kemerowo) gedreht. Die Choreografin war Kristina Domnikowa. Im Rahmen des Treffens verschiedener Generationen, das anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation der Russlanddeutschen stattfand, wurde ein Film vom Koordinierungsrat der Deutschen präsentiert, an dem Darsteller aus dem Stadtkreis Jaschkino beteiligt waren. Das Ziel des Films ist es, den Einwohnern von Kusbass über die Deutschen und ihren Beitrag in die Entwicklung von Kusbass zu erzählen sowie er jüngeren Generation ein angemessenes Beispiel für menschliche und familiäre Beziehungen zu zeigen.

Anlässlich des Gedenk- und Trauertages der Russlanddeutschen fanden auch in Moskau in der evangelisch-lutherischen Kirche und im Staatlichen Museum der Geschichte des Gulags Gedenkveranstaltungen statt.

In Tscheljabinsk fand ein Meeting zum Gedenk- und Trauertag am Denkmal für die Trudarmisten im Stadtkreis Metallurgitschesk statt. Alexandr Miller, Veteran der deutschen Regionalbewegung und Mitglied des ersten Vorstands des Zentrums der deutschen Kultur, trat auf eigene Initiative bei dem Meeting auf. Priester Andrej der katholischen Kirche sprach ein Gedenkgebet. Bei dem Meeting traten auch Olga Jelkina (Ackermann), Schanna Ryschowa, Direktorin des Lyzeums Nr. 96 mit vertieftem Schwerpunkt „deutsche Sprache“, Alexandr Nachtigal, Vorstandsvorsitzender des Zentrums der deutschen Kultur, und Dmitrij Semjonow, Leiter der Hauptabteilung für Öffentlichkeitsarbeit, auf. Die Künstlerin Viktoria Meler veröffentlichte das erste Video der Serie „Die Lichtmalerei“. Es handelt sich um eine Miniatur im Genre der Sandmalerei. Die Pilotfolge ihres Projekts ist diesem Gedenktag gewidmet.

In Jekaterinburg wurden der Opfer politischer Verfolgung mit einer Schweigeminute und der Niederlegung von Blumen an der Gedenkstätte für die Opfer politischer Verfolgung gedenkt.

In Krasnoturjinsk (Gebiet Swerdlowsk) fand am Denkmal für die Trudarmisten am Damm des Stadtsees eine „Gedenkminute“ statt. Es wurden Erinnerungen, Gedichte und Lieder des deutschen Ensembles vorgetragen. Das lokale Museum für Heimatkunde zeigte die Ausstellung „BogoslowLag – Insel des Gulags“. Olga Smyschljajewa (Baus) veröffentlichte in den städtischen Zeitungen „Sarja Urala“ und „Wetschernij Krasnoturjinsk“ die Artikel „Pamjatj serdza goworit...“ und „Pamjatnaja data“.

Das Denkmal für die russlanddeutschen Trudarmisten des TagilLags, Nischni Tagil

Das Zentrum der deutschen Kultur in Berjosowski und die evangelisch-lutherische Gemeinde eröffneten eine Fotoausstellung, die dem 80. Jahrestag der Deportation aus der Wolgadeutschen Republik gewidmet ist. Die Einwohner vom Nischni Tagil legten am Denkmal für die russlanddeutschen Trudarmisten des TagilLags Blumen nieder, welches sich auf dem Rogoschskoje-Friedhof befindet. In Kuschwa fand ein Treffen an der Gedenkstätte für die Opfer politischer Verfolgung statt.

Wie in vielen russischen Regionen erhielten auch in dem Gebiet Swerdlowsk die älteren russlanddeutschen Trudarmisten im Rahmen der Aktion „Unsere Erinnerung“ Geschenke sowie soziale Pakethilfe.

Deutsche des Gebietes Primorje am Denkmal für Opfer politischer Verfolgung

Die Deutschen des Gebietes Primorje legten Blumen an den Denkmälern für Opfer politischer Verfolgung in den Städten Artjom und Nachodka nieder. In Wladiwostok fand diese Aktion im Anschluss an einen Gottesdienst in der Pauluskirche statt. Die Gemeindemitglieder hielten Kerzen in den Händen und begaben sich zu dem Baum, der vor drei Jahren am selben Tag gepflanzt wurde und auf dem Gelände der Kirche wächst. Pastor Witalij Moor sprach ein Gebet für die verstorbenen Russlanddeutschen. Im Anschluss trugen die Teilnehmer Gedichte über das Schicksal ihres Volkes vor. Die älteren Russlanddeutschen erhielten im Rahmen der Aktion „Unsere Erinnerung“ Decken und Teesets.

In Nowosibirsk fand die Gedenkaktion „Das Licht der Erinnerung“ statt und in der römisch-katholischen Kathedrale wurden ein geistliches Konzert und eine Andacht mit Niederlegung von Blumen an der Gedenktafel für unschuldige Opfer der Unterdrückung veranstaltet.

Der deutsche Botschafter in Russland, Géza Andreas von Geyr, stattete dem Gebiet Saratow einen offiziellen Besuch ab. In Engels legte der Botschafter Blumen an dem 2011 errichteten Denkmal für die russlanddeutschen Opfer der Unterdrückung in der UdSSR nieder und hielt eine Schweigeminute ab. Auch in den Gebieten Saratow und Samara fand die Aktion „Unsere Erinnerung“ statt.

Die Bewohner des Kirchdorfes Nadeschdino (ehem. Alexandertal), Gebiet Samara

Der Senioren-Klub „WolgaWellen“ aus Marx besuchte die Jugendlichen des Projekts „Kreativakademie für Jugendliche Staatjugend“. Der Senioren-Klub trug eine literarische und musikalische Komposition vor: Es ertönten Gedichte über den Abschied von der kleinen Heimat und dem schweren Schicksal der Wolgadeutschen, die Lieder „Heimat“ und „ZuHause“ sowie Familiengeschichten, die von den Klubmitgliedern selbst erzählt wurden. Später trat die Kreativakademie für Jugendliche mit der Inszenierung „Geschichte im Laufe der Zeit“ auf.

Traditionell versammelten sich die Einwohner des Deutschen Nationalrajons an diesem Tag am Denkmal für die Opfer politischer Verfolgung im Kirchdorf Halbstadt.

„Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, damit sich solche Tragödien in der Geschichte unseres Landes nicht mehr wieder ereignen“, betonte Eduard Winter, Oberhaupt des Stadtkreises.

Auch der Leiter des Fonds „Altai“, A. Steinbeck, und die Ehrenbürger des Deutschen Stadtkreises, F. Eckert und P. Dickmann, sprachen bei der Veranstaltung unterstützende Worte aus.

In Kotlas fand die Premiere des Dokumentarfilms „Unerwünschte Zeit, unvorhergesehenes Schicksal...“ statt, welcher der Deportation der Russlanddeutschen gewidmet ist.

In dem zum dörflichen Kulturhaus gehörenden Zentrum der deutschen Kultur „Veilchen“ in Nikolajewka gab es eine Präsentation über die Geschichte der Wolgadeutschen, eine Ausstellung von Aufsätzen über das von Menschen verschandelte Schicksal der unterdrückten und deportierten Deutschen aus Nikolajewka und eine Ausstellung von Buchpublikationen aus der Dorfbibliothek und dem ZDK.

Elisaweta Graf und Pjotr Wiebe bei der Eröffnung der Ausstellung

Im staatlichen Museum für Geschichte und Heimatkunde in Omsk wurde die Fotoausstellung „Das deutsche Wolgagebiet. Unvollendete Fotochronik“ offiziell eröffnet. Im Rahmen der Eröffnung wurde das Album „Wenn Bilder sprechen könnten... Deportation und die Arbeitsarmee in der Kunst von A. Wormsbecher vorgestellt, das Ende 2020 vom Staatlichen Museum für Geschichte und Heimatkunde in Omsk in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Geschäftszentrum „Deutsch-Russisches Haus in Omsk“ herausgegeben wurde.

Im Kirchdorf Asowo wurde ein Denkmal für die Opfer politischer Verfolgung errichtet. Auf dem zentralen Platz des Kirchdorfes versammelten sich Einwohner, Mitarbeiter von Unternehmen und Organisationen, Veteranen sowie Vertreter der jüngeren Generation. Das Meeting wurde vom Oberhaupt des Deutschen Nationalrajons Asowo, Dmitrij Dieser, eröffnet. Zum Abschluss der Veranstaltung sangen Irina Moltschanowa und Julija Neufeld ein deutsches Trauerlied.

„Aus einer Reihe von Gründen, darunter auch die bekannten restriktiven Maßnahmen, war es nicht möglich, das Denkmal im Jahr 2020 zu errichten. Aber in diesem Jahr sind wir aufgrund des nahenden Ereignisses – des 80. Jahrestages des Ukasses über die Deportation der Wolgadeutschen – verpflichtet, unsere Bemühungen zu verstärken“, sagt Marina Tarasowa, Vorsitzende des Rates der öffentlichen Organisation „Deutsche Lokale National-Kulturelle Autonomie“ des Deutschen Nationalrajons Asowo im Gebiet Omsk.

Tatjana Iwlewa gibt eine Exkursion durch die Ausstellung. Eine Erzählung über den Hunger der 1920er-Jahre

Im Stadtkreis Krasnojarsk wurde im Haus der Freundschaft die Wanderausstellung „Das deutsche Wolgagebiet. Unvollendete Fotochronik“ eröffnet und der Film „Die Unbeugsamen“ gezeigt.

Kurz vor dem Gedenk- und Trauertag säuberten die Mitarbeiter des städtischen Kulturhauses in Slawgorod und des Zentrums der deutschen Kultur die Fläche, wo sich das Gedenkzeichen für die Opfer politischer Verfolgung befindet.

Das Gedenkzeichen für die Opfer politischer Verfolgung in Slawgorod

An diesem Tag wurden im ganzen Land Kerzen angezündet und man gedachte all derer, die an diesem schrecklichen Ereignis beteiligt waren, denn dieses Ereignis betraf fast jede deutsche Familie in Russland.


Die Projekte werden durch das Unterstützungsprogramm für Russlanddeutsche in der Russischen Föderation finanziert.

Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Ruge

Rubrik: 80. Jahrestag der Deportation

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