Die herausragendsten Deutschen Russlands wurden in Zarizyno ausgezeichnet

Am 11. September fand im Rahmen des Großen Katharinenballs im Museumsreservat „Zarizyno“ in Moskau die feierliche Preisverleihung an die Preisträger des gesamtrussischen Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche – 2021“ statt.

Der Internationale Verband der deutschen Kultur versammelt jährlich talentierte Menschen, die in verschiedenen Bereichen Erfolge und unglaubliche Leistungen errungen haben und als Vorbilder in der Kunst, der Wissenschaft, der Pädagogik, dem Sport und dem Zivilen Engagement angesehen werden. Die lang ersehnte persönliche Preisverleihung fand zum 11. Mal im Taurischen Saal des großen Palastes „Zarizyno“ statt.

Zu diesem Anlass wurden „11 Gewinnerbriefe“ geschrieben: Das sind Erinnerungen, Emotionen, Grüße und Wünsche an alle, die an der jährlichen Tradition der Ehrung beteiligt sind. Während der Zeremonie wurden Videobotschaften von Preisträgern der vorherigen Jahre gezeigt: Es sprachen die Schauspieler Georgij Stil und Alissa Freindlich, der Harmonikaspieler Friedrich Lips, die Kandidatin der pädagogischen Wissenschaften Galina Perfilowa, die Verdiente Künstlerin Russlands Nina Lochtatschjowa, die Journalistin und Hörfunkmoderatorin Margarita Lange, die russische Eisschnellläuferin Olga Graf, der Doktor der Wirtschaftswissenschaften Vladimir Falzmann, die Eiskunstlauftrainerin Elena Tschaikowskaja, der sowjetische Fußballspieler Valerij Reingold und der Chefdirigent und Intendant des Sinfonieorchesters der Philharmonie in Nowosibirsk Thomas Sanderling. Neben den Botschaften ertönten auch Interview-Ausschnitte aus dem Buch „Zukunft braucht Herkunft. Streifzug durch die Welt der Russlanddeutschen“ des deutschen Publizisten Frank Ebbecke.

Vertreter der staatlichen Strukturen Russlands und Deutschlands begrüßten die Teilnehmer und Organisatoren des Wettbewerbs.

„Für das multinationale Russland waren die geistige Einigkeit und das gegenseitige Verständnis der Kulturen und Sprachen verschiedener Völker schon immer wichtig. Seit mehreren Jahrhunderten haben die Russlanddeutschen die Liebe zu ihrer Muttersprache und Kultur sorgfältig von Generation zu Generation weitergegeben und nehmen gemeinsam aktiv am Leben des Landes teil und leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und Verständnisses“, sagte Valerij Gassajew, Vorsitzender des Komitees für Nationalitäten der Staatsduma.

„Die Gemeinschaft der Russlanddeutschen ist, auch dank der vielseitigen gemeinsamen Unterstützung durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und der Föderalen Agentur für Nationalitätenangelegenheiten, heute gestärkt und sich ihrer Traditionen, ihrer ethnokulturellen Identität und spezifischen Geschichte bewusst und dabei ein aktiver Teil der Gesellschaft in der Russischen Föderation. Den diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern gratuliere ich ganz herzlich.

Bitte behalten Sie Ihr vielfältiges Engagement für die Russlanddeutschen auch in Zukunft bei und seien Sie durch Ihr Leben und Wirken eine Inspiration auch für die jungen Russlanddeutschen. Denn nur mit einer starken engagierten Jugend kann die Geschichte und ethnokulturelle Identität und Tradition der Russlanddeutschen auch in der nächsten Generation fortgesetzt werden.

Liebe Freunde, seien Sie versichert, wir denken an Sie und stehen für die Förderung und Unterstützung der Russlanddeutschen ein“, sagte Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, in seinem Grußwort.

„Ein solch einzigartiger Wettbewerb ist nicht nur für Russlanddeutsche, sondern auch für die gesamte multinationale russische Gesellschaft ein wichtiges Ereignis.

Ich spreche der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen meinen aufrichtigen Dank für den bedeutenden Beitrag zur Bewahrung des kulturellen und geistigen Erbes der Deutschen in Russland, zur Entwicklung des interkulturellen Dialogs und zur Popularisierung der Leistungen der Russlanddeutschen in allen gesellschaftlich bedeutsamen Lebensbereichen unseres Landes aus.

Ich wünsche den Teilnehmern und Preisträgern des Wettbewerbs neue Erfolgsgeschichten, das Erreichen gesetzter Ziele, Glück und Wohlstand!“, sagte Igor Barinow, Leiter der Föderalen Agentur für Nationalitätenangelegenheiten (FADN), in seiner Begrüßungsrede.

Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, begrüßte mit folgenden Worten die Teilnehmer und Gäste der feierlichen Zeremonie:

„Ich bin der Selbstorganisation der Russlanddeutschen dankbar, dass sie diesen Wettbewerb vor zehn Jahren unterstützt hat. Ebenfalls bin ich dem Internationalen Verband der deutschen Kultur dankbar, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Dieser Wettbewerb ist eine Anerkennung für unsere Vorfahren und ein Zeichen dafür, wie über viele Jahrhunderte hinweg mehr als eine Generation von in Russland lebenden Deutschen zur Entwicklung ihres Landes beigetragen haben“.

Der diesjährige Preisträger im Bereich Sport war Nikolaj Litau, Träger des Tapferkeitsordens, ordentliches Mitglied der russischen Geographiegesellschaft, Verdienter Meister des Sports in Russland, Segler, Organisator und Teilnehmer an einzigartigen Segelreisen.

Rochus Schoch, Vorsitzender des Massenfußballkomitees des Fußballverbandes Russlands und Präsidentenberater des RFS, überreichte den Preis an die Tochter des Reisenden. „Der Preis ist nach Rudolf Pflugfelder benannt, dem herausragenden sowjetischen Gewichtheber und Trainer, der eine ganze Reihe von herausragenden Olympiasiegern und Weltmeistern ausgebildet hat. Nikolaj Litau setzt die Tradition der russischen und deutschen Seefahrer fort“.

Der Boris-Rauschenbach-Preis im Bereich der Wissenschaft ging in diesem Jahr an Pjotr Wiebe, den berühmten russischen Wissenschaftler, Doktor der Geschichtswissenschaften, Akademiker der Russischen Akademie für Wissenschaften, Vorstandsmitglied der Internationalen Assoziation zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen. „Der Historiker ist, wie ein bedeutender Mann einst sagte, der Herrscher über die vergangenen Jahrhunderte. Dank Pjotr Wiebe bleibt uns das historische Erbe erhalten“, sagte Elena Jerjomenko, Leiterin der Zweigstelle der Helmholtz-Gemeinschaft in Moskau.

Die Preisträgerin des Viktor-Klein-Preises im Bereich der Pädagogik war Swetlana Genrichs, Schuldirektorin, Lehrerin für Geschichte und Sozialkunde und Gründerin des Museums der Russlanddeutschen im Dorf Grischkowka des Deutschen Nationalrajons im Altai.

Die außerordentliche Gesandtin und Ständige Vertreterin der deutschen Botschaft in der Russischen Föderation, Beate Grzeski, überreichte den Preis an die Preisträgerin mit folgenden Worten: „Sie unterrichten seit vielen Jahren Geschichte und andere Naturwissenschaften und sind die Direktorin der Schule. Es ist Ihnen gelungen, Gleichgesinnte zu vereinen und ein Museum für Russlanddeutsche zu schaffen. Das ist eine besondere Leistung.

Zwischen Deutschland und Russland besteht eine enge Zusammenarbeit auf allen Ebenen des Bildungssystems. Ein Beispiel dafür ist die große Anzahl von Schulen, die Deutsch als Vertiefungsfach anbieten.

Der diesjährige Wettbewerb „Russlands herausragende Deutsche“ findet im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland statt. Bis zum Ende des Jahres finden zahlreiche Veranstaltungen statt, welche die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland beleuchten. Ich freue mich, dass der Internationale Verband der deutschen Kultur aktiv an diesen Veranstaltungen teilnehmen“.

„Ein großes Dankeschön an das gesamte Team des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur und an Olga Martens persönlich.

Und ein besonders großes Dankeschön an alle, die unsere Verantwortung und die Verantwortung derer, die vor uns aktiv waren, anerkennen. Vielen Dank für diesen Wettbewerb!

Das Wichtigste, was ich meinen Kindern und Schülern (sie sind ebenfalls meine Kinder) sage, ist, sich niemals entmutigen zu lassen. Unter keinen Umständen, denn im Leben kann viel passieren. Aber es gibt dann noch diese wunderbaren Momente, die Sie mir in diesem Moment geschenkt haben“, sagte Swetlana Genrichs als Antwort auf Beate Grzeskis Worte.

Maria Reising, Vorsitzende des Interregionalen Koordinierungsrates der Deutschen in Westsibirien, eine der Gründer der regionalen Organisation „Deutsche National-Kulturelle Autonomie im Altai“, wurde mit dem Artur-Karl-Preis im Bereich des Zivilen Engagements ausgezeichnet. „Ihr Schicksal spiegelt das Schicksal vieler Russlanddeutscher wider“, sagte Stanislaw Bedkin, stellvertretender Leiter der Föderalen Agentur für Nationalitätenangelegenheiten, bei der Übergabe des Preises an Maria Reising.

„Ich bin beeindruckt von dieser wunderbaren Zeremonie. Ich weiß, dass sie traditionell einmal jährlich stattfindet, aber es ist das erste Mal, dass ich selbst daran teilnehme. Herzlichen Dank an die Organisatoren, den IVDK, für die geleistete Arbeit. Als Vertreter der Agentur für Nationalitätenangelegenheiten möchte ich den Teilnehmern wünschen, ihre Identität zu bewahren. Nur wenn die Menschen ihre eigenen Traditionen in der Familie bewahren, lebt die Kultur weiter und die Menschen, die wir heute gesehen haben, sind ein gutes Beispiel dafür“, teilte der stellvertretende Leiter des FADN, S. Bedkin, seine Eindrücke mit.

„Ich möchte mich bei Heinrich und Olga Martens bedanken. Wir haben genau 30 Jahre zusammengearbeitet und feiern nun dieses Jubiläum gemeinsam. Herzlichen Dank für die Auszeichnung. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals auf dieser Bühne stehen werde“, sagte Maria Reising.

Die Preisträgerin des Friedrich-Fromhold-Martens-Preises im Bereich der internationalen humanitären Zusammenarbeit war Baronin Andrea von Knoop, Ehrenpräsidentin der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer und Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums.

„Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, die für mich eine große Überraschung war. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet und ich fühle mich sehr geehrt. Das ist eine wunderbare Idee und ein würdiges Ereignis. Die Menschen, die ich gehört und gesehen habe, haben diese Auszeichnung verdient, weil sie einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung der Traditionen der Russlanddeutschen geleistet haben“, teilte von Knoop ihre Eindrücke mit.

Der diesjährige Preis in der Nominierung „Name des Volkes“ ging an Pjotr Dick, Mitglied der Künstlervereinigung in Russland, Volkskünstler und sowjetischer Grafiker.

Irina Nikiforowa, Vertreterin und Vertraute der Familie von Pjotr Dick und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Puschkin-Museum, nahm den Preis entgegen:

„Man muss sich vor Augen halten, was Dicks Kreativität ist. Seine Arbeit zu beschreiben, ohne die Bilder selbst zu zeigen, ist ziemlich schwierig. Seine Werke sind immer eine Gefühlsformel. Es sind nicht spezifisch Porträts oder Landschaften, sondern er war eine so erstaunlich raffinierte Person, die buchstäblich die Stimmung der Person programmieren konnte, die diese Bilder sah. Es war entweder Traurigkeit, hoffnungslose Betrübnis, ein Gefühl von übermäßiger Liebe oder die Freude der Mütterlichkeit“.

Thomas Sanderling, Chefdirigent und Intendant des Sinfonieorchesters der Philharmonie in Nowosibirsk, wurde mit dem Anna-German-Preis im Bereich der Kunst ausgezeichnet.

Ich bin froh, dass es diesen Wettbewerb seit vielen Jahren gibt, denn er ist wichtig, weil die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland in der Tat sehr langjährig und bedeutend sind. Die Deutschen, die hierhergekommen sind, dienten Russland und haben einen großen Beitrag geleistet. Ich wünsche mir sehr, dass dieser Wettbewerb fortgesetzt wird und dass die Russlanddeutschen ihre Leistungen zum Wohle des Landes weiterhin steigern können“, sagte der Dirigent in seiner Videobotschaft.

Der Preis der Sondernominierung „Für den Beitrag zur Erhaltung der historischen und kulturellen Erinnerung der Russlanddeutschen“ wurde an Paul Altner, den außergewöhnlichen Harmonikaspieler, Intendant des deutschen Volksorchesters „Retro“ der Stadt Orenburg und Gründer eines der ersten Akkordeon-Orchester in Russland, verliehen. Gusel Jachina, Autorin des Buches „Wolgakinder“, das den Wolgadeutschen gewidmet ist, überreichte den Preis an die Enkelin des Musikers, Natalja Altner, die Leiterin des Vokalensembles AkzeNt.

Die Autorin schildert ihre Eindrücke von der Zeremonie:

„Ich bin schon so lange mit Deutschland und Russland verbunden, dass ich alles, was die beiden Länder verbindet, mit großer Freude betrachte. Die Preisverleihung des Wettbewerbs ‚Russlands herausragende Deutsche‘ ist eine der Brücken, die gebaut wurden und die auch funktionieren.

Das Thema der Sowjetdeutschen liegt mir so sehr am Herzen, dass ich sogar beschlossen habe, einen Roman darüber zu schreiben. Eine andere Sache ist, dass ich mir lange Zeit nicht erlaubt habe, diesen Roman zu schreiben, denn es schien mir, dass es eine Aufgabe einer Russlanddeutschen ist. Aber dann wurde mir klar, dass ich nicht auf Ebene der Nationalität schreiben muss, sondern mehr über das Menschliche.

Der Preis der Sondernominierung „Für den Beitrag zur Entwicklung der sozialen Bewegung der Russlanddeutschen“ ging an Wladimir Auman, Historiker, Schriftsteller, Organisator, erster Leiter des Bildungs- und Informationszentrums „BiZ Mamontowka“ und Chefredakteur der Zeitschrift „Kultura“. Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und Oberhaupt der Moskauer Repräsentanz des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, war eingeladen, den Preisträger auszuzeichnen.

„Die Auszeichnungen werden an würdige Personen vergeben. Die Zeremonie findet in einem prächtigen Palast aus der Zeit Katharinas der Großen statt.

Die Reden der Preisträger waren unglaublich bewegend und ich war besonders bewegt von der Rede von Wladimir Auman, dem ich die Ehre hatte, den Preis zu überreichen.

Wir sind im gewissen Sinne Kollegen. Ich habe 25 Jahre lang im Journalismus gearbeitet, während Auman zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften herausgegeben und mehr als 300 wissenschaftliche Artikel verfasst hat“, teilte Matthias Schepp seine Eindrücke mit.

Im Rahmen der Zeremonie sind der Komponist und Songwriter Boris Geist, die Finalistin von „The Voice Kids“ in Deutschland, Emily Lazarus, die Sängerin Irina Ortman und das Orchester „HighTime“ aufgetreten. Die Regisseurin der Zeremonie ist Albina Jarullina. Die Gäste und Teilnehmer wurden von den Schauspielern der Performance „Baroque“, die von Sascha Frolowa aufgestellt wurde, und dem Streichquartett „Gloria“ begrüßt.


Die Veranstaltung wurde vom Internationalen Verband der deutschen Kultur zusammen mit der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen mit Unterstützung der Föderalen Agentur für Nationalitätenangelegenheiten in Russland und des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat in Deutschland durchgeführt.

Übersetzt aus dem Russischen von Evelyn Ruge

Rubriken: Eliteförderung/Avantgarde